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* Frankfurt a. M., 8. August.
* Beerdigung des Geheimrats Prof. Dr. Weigert.
Heute vorniittag wurde auf dem israelitischen Friedhof die sterbliche Hülle des dieser Tage plötzlich verstorbenen Ge» Heimrats Prof. Dr. Weigert zur letzten Ruhe bestattet. Eine überaus zahlreiche Trauerversammlung hatte sich eingrfundrn, um deni so unerwartet Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Besonders zahlreich waren die Aerzte anwesend. Als Vertreter des Magistrats war Herr Bürgermeister Geheimrat Dr.V arrc nt r a p p erschienen.HerrRabbinerDr.S e l i g m a n n leitete die Trauerfeier mit einem Gebet und einer überaus formvollendeten Rede ein, in der er des Verstorbenen als eines gerechten und frommen Mannes gedachte. Er habe stets wahre Frömmigkeit, d. h. Menschenliebe und Charakterfestigkeit besessen. Herr Geheimrat Bürgermeister Dr. Varrentrapp legte namens der Stadt Frankfurt und der städtischen Behörde einen Kranz nieder als ein Zeichen der Verehrung und der Anerkennung für den großen Gelehrten. Der Redner sprach den Dank der Stadt aus nicht nur für das, was der Verstorbene für die Stadt geleistet ha1»s
indem er die praktischen Ergebnisse der Leichenöffnungen im Städtischen Krankenhause den Aerzten übermittelte, sondern auch dafür, daß er das Geistesleben Frankfurts außerordentlich gefördert und gehoben hat, sodaß seine Forschungen die Augen der ganzen gebildeten Welt auf unsere Stadt lenkten und Hunderte von Schülern um seinen Lehrstuhl versammelten. Redner dankte dem Dahingegangenen ferner für die Betätigung bei den Vorarbeiten zur Ausgestaltung der medizinischen wissenschaftlichen Anstalten und beklagtem daß es ihm, ber berufen war, eine Zierde der Akademie zu werden, nicht vergönnt war, deren Errichtung zu erleben, Herr Geheimrat Exzellenz Schmidt-Metzler führte aus, daß ein glücklicher Zufall den Entschlafenen vor 19 Jahren hierher geführt habe. Den glänzenden Posten, der ihm an der Leipziger Universität angeboten wurde, lehnte er ab, um hier in bescheidener Weise in den Räumen zu wirken, die Senckenberg vor 100 Jahren für die Wissenschaft geschaffen hat. Weigert ist den hiesigen Aerzten und dem Aerztlichen Verein ein unermüdlicher Berater gewesen. Sein Name ist in der ganzen Welt bekannt und seine Schüler kamen ans allen Ländern. Es wären noch mehr gewesen, wenn Platz vorhanden gewesen. Alle Hoffnungen, die man ^bezüglich der Akademie auf ihn gesetzt hatte, sind mm, dahin und es bleibt uns nichts Anderes übrig, als das Andenken unseres Freundes und seine letzte Ruhestätte heilig zu halten. Redner legte namens der Dr. Senckenbergischen Administration einen Kranz nieder. Herr Sanitätsrat Dr. Cohn sprach für den Aerztlichen Verein. Er schilderte besonders die Erfolge des Verstorbenen als Forscher. Mit seiner Entdeckung ber Bazillenfärbung habe er eine bahnbrechende Neuerung herausgebracht. Viele! ältere und fast alle jüngeren hiesigen Aerzte waren feine' Schüler. Er war zwar kein glänzenber Redner, ihm fehlte i die Phantasie, aber was er vorbrachte, war neues, wirklich ■ Positives/ Auch dieser Redner überbrachte eine prächtige! Kranzspende. Herr Geh. Sauitätsrat Prof. Dr. Ehrlich,' Direktor des Kgl. Instituts für experimentelle Therapie, hob die' Verdienste des Verstorbenen auf dem Gebiete der Serumtherapie hervor. Weigert habe alle seine Entdecknugeu hart erarbeiten niüssen, aber auch eine Fülle neuer Wahrheiten au den Tag gebracht. Sodann wurden noch Kränze nieder- gelcgt von ben Herren, die in letzter Zeit Hörer des Entschlafenen. waren, vom Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung, von der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft, von der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Realschulmännervereins, von der Vereinigung alter Burschenschafter, von den Aerzten des Dr. Christichen Kinderhospitals und von der hiesigen Ortsgruppe bes Schlesischen Riesengebirgsvereins. Selbstverständlich waren auch von einer Reihe Privatpersonen prächtige Älumen- fpenden übersandt worden.
* Zum Tod von Professor Weigert. lieber die Lebens- schickiale und Werke Karl Weigerts ist gestern Bereits berichtet worden. Es sei hier noch kurz von seinen wissenschaftlichen Leistungen die Rede. Weigert hat, wie nur wenige, noch die Entwicklung der allgemeinen Pathologie in unserer Zeit beeinflußt. Er war ungemein glücklich, in der Erfindung von neuen 'Methoden zur tieferen Durchdringung biologischer Erscheinungen. Und die Wcigertschen Methoden erwiesen sich, wie von sachverständiger Seite in der „VölkischenZeitung' versichert wird, als ungemein fruchtbar. Mit ihrer Hilfe sind ganz neut Aus- und Einblicke gewonnen worden.
An erster Stelle ist des Anteils zu gedenken, ben Weigert an der Entwicklung der Bakterienkunde hat. Er gehört zu den Pflegern dieses Zweiges in der Zeit, wo cs an der strengen Methodik der bakteriologischen Forschung, wie sie Robert Koch geschaffen hat, noch fehlte. Weigert ist aber einer derjenigen, der bie K o ch s ch e M c t h o d i E vorbereiten half. Bon hervorragender Bedeutung waren für ihre Zeit die Wcigertschen Studien über die Anatomie der Pocken. Daran schlossen sich grundlegende Arbeiten über die Beziehungen zwischen den Anilinfarbstoffcn und den tierischen Geweben. In diesen ist ein guter Teil der Lebensarbeit Weigerts enthalten. Bekannt ist, daß die Auffindung und Feststellung^ der wcsen>lichstc.n Arten der Bakterien nur möglich wurde' durch die Ausgestaltung der Färbemcthoden und der niikroskopischen Technik. Hierin hat Weigert mit den Grund gelegt badurch, daß er 1871 die Färbung von Baktericnhaufcn mit Anilinfarben lehrte. Aber dies bildet nur ein Stück der Errungenschaften, die Weigert mit Hilfe der mikroskopischen Färbctcchnik zu Wege brachte. Anzuschließen sind hier seine Verfahren zur Kenntlichmachung der elastischen Fasern, sein ..Verfahren der Fibrinsärbung u. a. m.
Die größten Triumphe aber errang Weigert durch seine Technik der Neuroglia-Färbung. Sie gab das Werkzeug zu einer Durchforschung des G e h irn e s von ganz neuen Gesichtspunkten aus ab. Zugleich gab sie den Anstoß zu weitausschaucn- den Studien über den Ban des Gehirnes und die krankhaften Veränderungen in ihm. Ein Teil der neueren Fortschritte auf diesem Felde geht auf Erkenntnisse, Anregungen und Methoden Weigerts zurück. Ganz besonders zu erinnern bleibt noch an Weigerts Beiträge zur Lehre von der Tuberkulose.
Karl Weigert hinterläßt eine große Zahl von Schülern, unter ' denen sein Neffe Paul Ehrlich, einer der Begründer der experimentellen Therapie, obenan steht. So wird seine wissenschaftliche' Wirksamkeit sein Leben überleben.
Frankfurt, 8. August. -
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D klingt mir ein Märchen aus Kl'ndcrzciti Daß wenn gute Menschen vergehn,
Droben am Himmel leuchtend und hell Neue Sterne erstehen.
Weit über Zeit und Raum hinaus.
Machtvoll wie der Gedanke Stehet dein Bild vor unserm Aug'
Ohne Enge und Schranke.
Wenn heut in schweigender Sommerpracht Die Nacht wird leuchtend geboren,
Dann laßt uns grüßen ehrfurchtsvoll . Den Meister, den wir verloren. s.