»es Wertes einer Wissenschaft vollkommen gleichgiltig ist, ob ab ihre Resultate sich zur augenblicklichen praktischen Verwertung
evirkt Wx, 5 eignen, denn nur um ihrer selbst willen darf eine Wissenschaft Pf mus 2*1 getrieben werde», wenn sie etwas leisten soll, und wenn daher u uiiKrzichc, jsl '»anche Resultate biologischer Forschung für medizinische Zwecke an hier beseil/it praktisch verwertbar sind, so sollte doch daraus kein Abhängigkeits- l der Darias Verhältnis der Zoologie zur Medizin, weder im Forschen noch im das~' ' ' '
. Unterricht, herauskonstruiert werden. Ist doch die Wissenschaft der Auslese undMedizin nichts anderes als ein Sproß der Biologie, „der großen ^Senfchchi im Mutter, von der sich nichts losreißen darf, ohne zu verwelken"
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Am innigsten durchdringen sich morphologische und physiologische Richtung in dem neuen Zweige der Entwickclungsmcchanik, welche die gestaltenden Ursachen biogenetischen Geschehens zu ergründen sucht und sich des Experimentes ganz besonder s bedient.
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Erwähnen wir schließlich noch, daß von zoologischer Seite aus ganz neuerdings tierpsychologische Studien besonders an den in staatlichen Organisationen lebenden Tieren, wie z. B. den Ameisen, betrieben werden, und daß andere Studien das philosophische Gebiet streifen, insbesondere in dem Kampfe der mechanischen Auffassung der Lebenserscheinungcn gegen den 'Ditalismus, so haben wir einen ungefähren Überblick der heutigen Hauptrichtungen unserer Wissenschaft.
Eines erhellt daraus ohne weiteres, daß nämlich die heutige Biologie sich nicht mit der formalen Beschreibung organisches Naturkörper begnügt, sondern ganz eminent kausal forscht, und daß es also nicht mehr angeht, in diesem Sinne von einer „beschreibenden Naturwissenschaft" im Gegensätze zu den „exakten", wie Physik und Chemie, zu reden. Mit letzteren haben wir auch die Möglichkeit des Eperimentes gemein, und nur auf eines müssen wir verzichten: auf die mathematische Formulierung der Lebensvorgänge, die in ununterbrochenem Wechsel auf einander folgen und viel zu kompliziert sind, als daß sie sich mathematischer Behandlung unterwerfen ließen.
In einzelnen Forschungszweigen der Zoologie herrscht also die naturwissenschaftliche experimentelle Methode, während andere Forschnngszweige mit der historischen Methode allein operieren, für welche der Begriff der Gesetzmäßigkeit in naturwissenschaftlichem Sinne nicht anwendbar ist. So nimmt unsere Wissenschaft eine Mittelstellung zwischen den beiden Hauptrichtungen wissenschaftlicher Forschung ein, es liegt aber nicht der mindeste Anlaß vor zur Überschätzung der einen Methode auf Kosten der anderen. Der neuerdings in jüngeren Zoologeukreisen beliebten Unterschätzung der historischen Methode kann man mit dem Grazer Geographen E. Richter entgegenhalten, daß wir die größte wissenschaftliche Errungenschaft des vorigen Jahrhunderts, die Natur als das Ergebnis einer Geschichte aufzufassen, der historischen Betrachtungsweise verdanken, die allein auch die große Frage lösen kann, „ob sich die Entwickelung der Menschheit autonom, nach in ihr selbst liegenden Voraussetzungen, vollzieht, oder ob sie von den Gesetzen einer anderen, außer oder über der Natur stehenden Welt beherrscht wird".
Wenn wir auch aus der reichen Fülle der uns entgegenströmenden Probleme nur einzelne herausgreifen und der Lösung näher bringen können, so müssen doch in einem den heutigen Anforderungen entsprechenden zoologischen Institut für alle Forschungsrichtungcn die nötigen Hilfsmittel vorhanden sein, und wenn man die bescheidenen Bauskizzen Grnbes, der im wesentlichen nur ein Haus zur Aust
nähme der Sammlungen wünschte, mit unserem stolzen Neubau vergleicht, so erkennt man so recht die ungeheure Erweitermrg und Vertiefung, welche die zoologische Forschung in den letzten Dezen-
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tntt AJ„„_ Ein sehr wichtiges Moment in der Geschichte des Neubaues ist die Wahl des Bauplatzes. Nachdem Grube im Jahre 1870 über die zahlreichen Unzulänglichkeiten der alten Räume berichtet und angefragt hatte, ob sich nicht für die zoologischen Sammlungen ein eigenes Gebäude errichten ließe, und nachdem er seine Wünsche im Jahre 1872 in einem bestimmten Anträge formuliert egt- «{ c iogte hatte, wurde schon im darauffolgenden Jahre ein Programm über
nszyklus
unitd) ins Auge gefaßt. Grube erschien dieses indeffen ungeeignet, und er K- ich schlug drei andere Bauplätze vor, neben der Königlichen und
ch e, !!,2tii)nen Universitätsbibliothek, auf der Matthiasinsel oder auf dem Grund
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^ der kie künftigen Raumbedürfniffe eingefordert und als Bauplatz das MIt der Grundstück der ehemaligen Geschützgießerei in der Taschenstraße ft' auch ins Auge gefaßt. Grube erschien dieses indeffen ungeeignet,
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van « m der Militärbäckerei, von denen ihm das letzterwähnte rndeffen
a 8 e " i oder sehr abgelegen erschien. Inzwischen war ein anderer Plan aufgetaucht, waren nämlich das zoologische Museum mit einem Neubau der anatomischen n B 00 ' 0 ^. „ lM [iten Anstalt aus dem Grundstücke der letzteren zu verbinden. Es ist > M, p Be- das große Verdienst Grubes, die drohende Verquickung der beiden ivunWfl tenn so verschiedenartige Ziele verfolgenden Disziplinen verhindert und ;aben, . fist dadurch die Breslauer Zoologie vor einem verhängnisvollen
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Bedeute!!,
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Rückschritte bewahrt zu haben, und dafür gebührt ihm noch heute
*f‘ RM'teilvag unser innigster Dank. Zwar wurde die h,<! ° ' Neubaues von keiner der beteiligten Stellen
die
Notwendigkeit eines in Zweifel gezogen.
Der entschiedene Protest Grubes'aber gegen die beabsichtigte An-' gliederung an die Anatomie ließ die Verhandlungen ins Stocken geraten, und auch unter seinem Nachfolger Schneider kam die Angelegenheit nicht vom Fleck.
Chun nahm sich des ihm bei seiner Berufung von Königsberg irr Aussicht gestellten Neubaues in wärmster Weise an, und ihm verdanken wir treffliche Grundlagen für die späteren Baupläne, aber er mußte Breslau verlassen, ohne über die Vorarbeiten hinausgekommen zu sein. Nur ein Fortschritt ist während seiner Amts- führung zu verzeichnen, daß sich im Jahre 1894 das Finanzministerium bereit erklärte, das Grundstück der Militärbäckerei für Universitätszwecke anzukaufen. Mit um so größerer Dankbarkeit darf ich es hier aussprechen, daß mir in verhältnismäßig kurzer Zeit als ein unverdientes Glück zuteil geworden ist, wKlikch meine Vorgänger so lange vergeblich gestrebt haben, und mit großer Freude erfüllt es mich, feststellcn zu können, daß unser neues Heim an Ausdehnung und Zweckmäßigkeit von keinem anderen zoologischen Institute übertroffen werden dürfte.
Der Bau ist ein Universitätsinstitut und bient als
solches zunächst nur für Forschungs- und Unterrichtszwecke.
Für den theoretischen Unterricht ist außer dem großen Hörsaale noch ein kleinerer bestimmt, beide verbunden durch einen die Haud- fammlung und das Wandtafelmaterial bergenden Raum. Der- ganz besondere Wert, den wir neuerdings dem praktischen Unterrichte beimeffen, hat zur Anlage eines geräumigen, bis 62 Praktikanten fassenden Kurssaales geführt, in welchem l^e angehenden jungen Naturforscher und Mediziner sich die Elemente unserer Wiffenschaft aneignen sollen. In einem wöchentlich vierstündigen Anfängerkurse soll ihnen die auf der Schule meist verloren gegangene, ursprünglich wohl jedem Kinde eigene Gabe der Beobachtung wiedergegeben und ihnen das Zutrauen zu dem Gebrauch der eigenen Sinnesorgane wieder verschafft werden. Nicht um Einprägung einiger zoologischer Details handelt es sich in diesem Kurse, sondern um die Gewinnung der unentbehrlichsten Grundlagen. Wir wollen unseren jungen Kommilitonen auf praktische^ Weise Goethes goldenen Rat einprägen: „Ich will nicht sagen, daß du keine Folgerungen machen müssest, denn das ist die Natur der Seele. Nur mußt du immer deine Meinung geringer halten als dein Auge" — und wir wollen in diesem Kurse versuchen, sie zur „höchsten aller Fertigkeiten und Tugenden", der Aufmerksamkeit, zu erziehen.
Kein geringeres Gewicht als auf den Unterricht muß auf die wissenschaftliche Forschung gelegt werden, und die dafür in Betracht kommenden Laboratoriumsräume möglichst zweckmäßig zu gestalten war das eifrigste Bestreben der Bauleitung. Besonders interessieren dürfte der mit Oberlicht versehene Anbau einer Aquarienhalle neben dem großen Laboratoriumsfaale. Ein Teil der Behälter enthält Süßwaffertiere, in einem anderen soll aber eine Seewafferfauna angesicdelt werden. Größere Wasserbecken zu Zuchtzwecken befinden sich im Freien. Der systematisch zoologischen Forschung sind drei große Säle gewidmet, in welchen die wissenschaftliche, dem großen Publikum nicht zugängliche Sammlung Aufstellung gefunden hat.
Getreu den Traditionen früherer Zeit soll aber auch weiteren Kreisen Belehrung und Anregung geboten werden, und diesem Zwecke dient die Schausammlung, für welche drei große, dem Publikum, insbesondere auch den Schulen an einigen Stunden zu öffnende Räume bestimmt sind. Diese Schausammlung mußte fast gänzlich neu geschaffen werden, da sich aus denn alten Museumsbeständen, des schlechten Erhaltungszustandes wegen, nur weniges entnehmen ließ. Auch kamen bei ihrer Aufstellung neue Prinzipien zur Anwendung. Insbesondere sind biologische Gruppen geplant, welche nicht nur über die Form eines Tieres, sondern auch über seinen Lebenszyklus, seine Gewohnheiten, seine Existenzbedingungen unterrichten sollen. Dieser Gedanke ist bereits verwirklicht bei einer größeren Zahl einheimischer Dogelarten in dem Saale der schlesischen Tierwelt. In dem großen Oberlichtsaal, der eine Auswahl der Tiere aller Zonen enthält, konnte indessen bei der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit dieser Gedanke noch nicht durchgeführt werden. Eine einzige Gr'appe, die Tierwelt der Nordpolarregion darstellend, mag Ihnen zeigen, in ~ welcher Weise die großen Faunagebiete unserer Erde zur Dar- stellung gebracht werden sollen. Der dritte Schausammluugsfaal enthält die vergleichenden anatomischen Obzekte. Er soll standrg geöffnet sein, damit die Studierenden die dann aufgestellte Lern sammlung jederzeit benutzen können.
Äußerlich schlicht und schmucklos, der neue Bau mächt g
in die Höhe, in seiner Einfachheit und ^Wahrhaftig mit erborgtem Schimmer prahlt, ein ^
die in ihm wohnen soll. Fast alle unsere Bc-
dieser zweckmäßig ersonnenen Werkstatte uns er ber
rückstchtigung finden können, und dem d . gebührt auch geistlichen, Unterrichts- und Medrzmalange gi 0 Ministerium dafür unser ehrfurchtsvollster Dank, ebmsS^mplan hervor-
beiden Herren
der öffentlichen Arbeiten, aus dem --- - bett gegangen ist. Nicht minder danke '4