Universitätskuratoren und ihren Kuratorialräten, unter deren Ägide der Bau begonnen und durchgeführt wurde. Besonders dankbar möchte ich auch des gedeihlichen und harnionischen Zu­sammenwirkens mit unserer Bauleitung gedenken. Auch von fernerstehender Seite ist unserem Bau großes Wohlwollen entgegen« gebracht worden, und ich denke dabei besonders an das Entgegen­kommen der städtischen Behörden, die unseren Laboratorien Licht und Luft gewahrt haben. Eine ganz besondere Ehrenpflicht erfülle ich, wenn ich der Freunde unseres Museums gedenke, sowohl derer, welche an der Neuordnung der Sammlungen tätigen Anteil genommen haben, als auch der zahlreichen Gönner in Breslau wie dem weiteren Schlesierlande, von denen wir mit so reichlichen Zuwendungen bedacht worden sind. Ich muß es mir hier ver­sagen, einzelne Namen zu nennen, und kann ihnen allen nur meinen herzlichsten Dank zurufen. Wenn es gelingt, unser Museum zu einem Sammelpunkt aller zoologischen Bestrebungen in Schlesien zu machen, so verdanken wir es in erster Linie unseren Freunden.

Das letzte Wort gilt meinen treuen Mitarbeitern, insbesondere dem Kustos und den Assistenten. Es schien anfänglich eine ganz aussichtslose, weil unüberwindliche Aufgabe, aus dem Schutt und Moder eines durch Mangel an Pflege verkommenen großen Museums ein neues entstehen zu lassen, und doch wurde sie gelöst durch die Arbeitsfreudigkeit eines jeden Einzelnen wie die ge­meinsame Hingabe an das eine große Ziel. Heute sind die Schwierigkeiten überwunden, und wie jede treue Arbeit ihren Lohn in sich selbst trägt, so dürfen auch sie sich heute dieses schönerr Tages freuen und sich mit mir zu dem Gelöbnis ver­einen, das uns anvertraute Gut auch ferner schützen und wahren zu wollen und auch in Zukunft unsere Pflichten treu zu erfülle«, ein jeder an seiner Stelle.

* Geh. Med.-Rat Professor Dr. Karl Weigert f.

Einer Herzläbmung erlag ganz plötzlich beute nacht der Geh. Rat Professor D r. K a r l Weigert, Direktor des Dr. Senckenbergischen Pathologischen Instituts in Frankfurt a. M. Die wissenfchaftliche Welt und vor allem die Stadt Frank­furt a. M. hat in ihm einen ihrer hervorragendsten medizi­nischen Gelehrten verloren. Er war geboren am , 19. März 1845 zu Münsterberg in Schlesien. Er studierte I zu Breslau und zu Berlin, war einige Jahre als Astistcnt ' an Breslauer Krankenhäusern tätig, che er sich seiner Spezial­wissenschaft, der Pathologischen Anatomie, zuwandte. _ Er­würbe Prof. Dr. Cohnheims Assistent am Pathologischen Institut der Universität Breslau, habilitierte sich dort und begleitete ihn 1879 nach seiner Berufung nach Leipzig, wo er bald zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. 1885 folgte er nach dem Tode Cohnhcims einem ehrenvollen Rufe als Lehrer der Pathologischen Anatomie und Pro­jektor am Senckenbergischen Bürgerhospitnl und der Städti­schen Krankenhäuser. Seif drei Jahrzehnten ist Weigcrts Namen eng verbunden mit den verschiedensten Er­

rungenschaften der wissenschaftlichen Medizin. Seine eifrigen und sorgfältigen Studien über die feinere Gewebelehre der mannigfachsten krankhaften anatomischen Prozesse, über Bakterienfärbung, Entzündungen, über Verbreitung der Tuberkulose im Körper, über Färbung von Nervenfasern und Nervenzellen n. a. sind die Grundlagen geworden, auf denen Großes für die Erkennung von Krank­heiten am Lebenden und am Toten geleistet wurde. Seine Beziehungen zu Cohnhcim, Heidenhain, Edinger, Kraepelin, Born, Grützner, Koch, Lichthcini, Nikl, Alzheimer, Ehrlich u. a. haben die herrlichsten Früchte ge­

tragen für die Fortschritte der Medizin. In Amerika England, Schweden-Norwegen und Rußland eilten jahraus jahrein Schüler herbei um seine Methode der mikroskopischen Technik zu studieren. Den Frankfurter Aerzten war er seit 20 Jahren ein ausgezeichneter Berater. Lehrer und Freund; zu seinen anatomischen Kursen drängten sich junge und alte Mediziner in stattlicher Zahl. Mit seiner Bescheidenheit und Einfachheit, mit seiner nie versagenden Laune und Liebens­würdigkeit fand er Eingang in die besten Kreise der Bürger­schaft; in der Gesellschaft von Frankfurt ist eine Lücke entstanden, da der überall gern gesehene Gast und der lebensfrohe Erzähler Weigert zu den Toten zählt. An­spruchslos war sein Dasein, ein einfach-kindliches Gemüt schmückte ihn. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus war er als Gelehrter geschätzt und geachtet und sein Rat in schwierigen anatomischen Fragen von großem Werte. Hohr schwedische und dänische Orden, die höchsten

deutschen Auszeichnungen waren ihm zugefallen. Er

aber blieb der liebe, treue, selbstlose Karl Weigert. Ohne jegliche Borboten ist der Tod, in dessen Geheimnisse er in emsiger Forschcrarbcit einzudringen versuchte, ihm genaht und hat der Arbeit ein frühes Ziel gesetzt. Großes hätte man von ihm noch erwarten können: die Pläne, eine Akademie für praktische Medizin in Frankfurt, rechneten nicht zum mindesten mit ihm, seinem Ansehen und seiner Schule. An seiner Bahre trauern nunmehr Frankfurts Aerzte und die gesamte wissenschaftliche Medizin. Am Montag, halb 10 llhr, soll die Beisetzung vom Israelitischen Friedhofsportal erfolgen.

s= Frankfurt, ö. August.

Karl Weigert fl

Der Geheime Medizinalrat Prof. Karl Weigert, Lehrer der Akademie am pathologisch-anatomischen Institut der Senckenbergischen Stiftung, ist in der Nacht zum Freitag plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Karl Weigert war zu Münsterberg in Schlesien am 19. März 1845 geboren. Er absolvierte seine medizinischen Studien in Breslau, Wien und Berlin, wurde Assistenzarzt an der inneren Klinik des Allerheiligenhospitals in Breslau und habilitierte sich als Pribatdozent der pathologischen Anatomie. Er war zuerst Assistent bei Waldeyer, dann bei Liebert und zuletzt bei Eohnheim, mit dem er nahezu zehn Jahre zusammen arbeitete, zunächst in Breslau, dann in Leipzig. Im Jahre 1879 erfolgte dort seine Ernennung zum außeroroentlichen Professor, sechs Jahre nachher ward er nach Frankfurt be­rufen und wurde Direktor des Senckenbergischen patho­logisch-anatomischen Instituts. Die wissenschaftliche Bedeu­tung und die Persönlichkeit Wcigerts wird noch in einem besonderen Artikel gewürdigt werden; heute sei jenen kurzen biographischen Daten noch einiges beigefügt.

Karl Weigert war einer von jenen Forschern, die mit einem weiten Blick gleichsam philosophische Qualität ver­banden. Durch zahlreiche neue Fragestellungen und viele gründliche Arbeiten hat er den Horizont der anatomischen Wissenschaft nach mancher Richtung hin erweitert. Weigert war einer der bedeutendsten Histologen, die wir haben und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Er­schuf in der Rervenanatomie neue Methoden, deren man sich heute in der ganzen medizinischen Welt bedient. Große Verdienste hat er sich ferner um die Förderung der Bak­terienkunde erworben. Eine große Zahl von Schülern aus allen Teilen der Erde hat von ihm Belehrung und Aus­bildung erhalten. Unter Weigerts pathologisch-anatomischen Arbeiten, die sich auf die Pathologie der Blut- und Lymph­gefäße, die Bakterien- und Tuberkulosefrage und viele andere Themata erstreckten, sind in monographischer Form er­schienen:Zur Anatomie der Pocken" (Breslau 1876) und Beiträge zur Kenntnis der normalen menschlichen Neu- roglia" (Frankfurt a. M. 1896). Außerdem war Weigert wie erwähnt ein Bahnbrecher auf dem Spezialgebiet der Bakterienfärbung. Er veröffentlichte:Erste Färbung von Bakterienhaufen" (1871),Färbung der Bakterien mit Anilinfarben" (1875),Markscheidenfärbung des Zentral­nervensystems" (1882 bis 85),Fibrinfärbung" (1886), Elastische Fasern" (1898). Aus seiner fruchtbaren schrift­stellerischen Tätigkeit seien ferner folgende Arbeiten er­wähnt:Neuroglia ec." (1890),Lehre von der Coagula- tionsnekrose" (Diphterie, Eroup, Infarkte ec. 1880), Nephritis" (1879),Neue Auffassung' der Zellenwucher- ung auf äußere Reize" (1873 bis 96),Entdeckung der Venentuberkulose und ihrer Beziehung zur akuten Miliar­tuberkulose". Im Jahr 1899 wurde Weigert zum Ehren­mitglied des Instituts für experimentelle Therapie und zum Geheimen Medizinalrat ernannt.

Die große wissenschaftliche Gemeinde der Welt wird um Weigert trauern, nicht minder aber der engere Kreis seiner persönlichen Bekannten, denn Weigert war ein Mann, dem alle, die ihm näher zu treten Gelegenheit hatten, ehrende Achtung und freundschaftliches Zutrauen entgegenbrachten. Er war selbst liebevoll und zuvorkommend, ein Mann, der die Geselligkeit liebte und in ihr neue Kräfte für seine wissenschaftliche Tätigkeit fand. Weigert war ein unermüd­licher Arbeiter; am Tag gönnte er sich nur knappe Zeit zur Erholung, am Abend aber bewegte er sich gerne im Kreis von Freunden, zu denen auch seine Schiller zählten. Er war ein. Sprachtalent; nran behauptete, daß er die Sprachen der Länder, aus denen seine Schüler kamen, in kurzer Zeit sich angeeignet habe. Ob das ganz zutrifftt, wissen wir nicht, tatsächlich aber war er ein Kenner der nordischen Sprachen und beherrschte insbesondere das Norwegische, für das ihn ein Schüler interessiert hatte. Seit Jahren, las er täglich die norwegische ZeitungVerdens Gang", d. h.Weltlauf". Weigert war Prosektor der städtischen Krankenanstalten; in dieser Berufs­tätigkeit zog er sich vor einigen Jahren eine schwere Blut­vergiftung zu, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Er erholte sich aber wieder und es schien, als ob ihm ein langes Leben beschieden sei. Nun ist er unerwartet dahin- gcschieden. Er hatte wie immer gestern Morgen gegen S]/ 2 Uhr seine Wohnung Baustraße 12 verlassen. Weigert wohnte dort er war Junggeselle bei einer Familie seit sei­nem Aufenthalt in Frankfurt, also seit 19 Jahren. Kurz nach 3 Uhr nachmittags war er heimgekehrt; nach halb­stündigem Aufenthalt ging er weg und kam um 11 Uhr abends wieder. Heute Morgen fand man ihn tot im Bett. Er war einem Herzschlag erlegen. Die Beerdigung, findet Montag Vormittag 9 % Uhr vom Portal des israelitischen Friedhofs aus statt.

Die Administration der Senckenbergischen Stiftung widniet dem Verstorbenen einen Nachruf, in dem es heißt: Seit 1885 an unserem Institut tätig, hat er dasselbe nicht nur zu großer Blüte und großem Ansehen gebracht, sondern auch mit seinem hervorragenden Geist befruchtend alle wis­senschaftlichen Bestrebungen in Frankfurt, auf das Wirk­samste beeinflußt. Ebenso wie sein Name in der gesamten wissenschaftlichen Welt unsterblich sein wird, so wird auch sein Andenken als einer der hervorragendsten Lehrer an

unserem Instituts auf ewig in dankbarstem Gedächtnis bc wahrt werden."