ordentlicher Professor wurde, und folgte 1810 einem Rufe nach Aankfurt a. O. Mit der Verlegung dieser Universität kam auch Gravenhorst 1811 hierher, wo er bis zu seinem 1857 erfolgten Tode eine rege Wirksamkeit entfaltet hat. Seine Arbeiten und Vorlesungen lagen fast ausschließlich auf dem Gebiete der Systematik. Da er in Breslau unter den noch vorhandenen Beständen des naturwissenschaftlichen Kabinetts der ehemaligen Leopoldina kaum etwas Brauchbares fand und auch die von Frankfurt mitgebrachte Universitätssammlung höchst dürftig war, entschloß er sich, seine große Privatsammlung gegen eine ausbedungene Leibrente der Breslauer Universität abzutreten, die einige Jahre später auch die zurückbehaltenen Doubletten erhielt. Damit war der Grundstock unseres zoologischen Museums geschaffen,. an dessen Vermehrung unablässig weiter gearbeitet wurde. Mit größter Liebe nahm sich die Regierung, insbesondere der damalige Kurator, Geheimrat Neumann, der jungen Schöpfung an; er wußte in schwierigen Fällen stets Rat zu schaffen, setzte alle Hebel in Bewegung, um seltene, dem Museum noch fehlende Objekte zu besorgen, suchte Schenkungen zu vermitteln und erwirkte, was in dieser kurzen Zeit besonders hoch einzuschätzen ist, ansehnliche Geldmittel zum Unterhalt.
Untergebracht war die zoologische Sammlung in dem großen über der Aula Leopoldina gelegenen Saale, der vom Jahre 1820 an dem Publikum geöffnet wurde und zahlreichen Zuspruch fand. Gravenhorsts unermüdlicher Tätigkeit gelang eS, dem Breslauer Zoologischen Museum den Ruf einer der größten und schönsten Sammlungen zu verschaffen. In einem Aufrufe, den er 1824, gemeinsam mit seinem Mitdirektor, dem Anatomieprofessor Otto, an Schlesiens Bewohner richtete, forderte er erfolgreich zur Einsendung von Beobachtungen sowie pon Material an intereffanten Tieren der Heimat auf und begründete damit die nunmehr lin einem eigenen Saale untergebrachte Sammlung der schlesischen Tierwelt. Sein Testament enthielt ein Legat von 12 000 Talern, aus dessen Zinsen vornehmlich seine große, bereits früher überwiesene Bibliothek vermehrt werden sollte.
Gravenhorsts Nachfolger, Adolf Eduard Grube, eingeborener Königsberger und Schüler Carl Ernst von Baers, kam aus Dorpat. Auch er war Systematiker und beschäftigte sich fast ausschließlich mit der Fauna des Meeres, insbesondere mit Anneliden. Seine rege Sammeltätigkeit an den Küsten des Mittelmeeres, besonders der Adria, brachte dem Museum reichen Zuwachs, und die Zahl der neubeschriebenen Arten, die in ihm aufgestellt wurden, mehrte sich ganz beträchtlich. Sonst trat Grube wenig hervor; er liebte die Stille seines Studierzimmers, eigene Schüler aber hatte er kaum. Wie auf so viele ältere Naturforscher der damaligen Zeit, jo hatte auch auf Grube die mächtige Beweg u ng, die unsere
Wissenschaft wie ein Frühlingssturm durchbrauste und die mit dem unsterblichen Namen Darwins unauflöslich verknüpft ist, keinen Einfluß. Erst mit seinem Nachfolger Anton Schneider, der 1880 von Gießen hierher berufen wurde, erreichte die von Westen kommende Welle die stillen Ufer der Oder. Unter Schneider blühte das bis dahin brach liegende Feld der Morphologie, insbesondere der Gewebelehre und der Entwickelungsgeschichte auf, und zahlreiche Arbeiten gingen aus dem neugezründeten Laboratorium hervor, die in den von ihm herausgegebenen „Zoologischen Beiträgen" veröffentlicht wurden,
Wie so häufig, so hatte auch hier der Beginn einer neuen ! Forschungsrichtung die Unterschätzung der soeben verlassenen im Gefolge, und die Beschäftigung mit der verächtlich als „Balgzoologie" bezeichneten Systematik galt als unwissenschaftlich. Diese Auffasiung erwies sich als besonders verhängnisvoll für unser Museum, deffen Verfall wir von jener Zeit datieren müssen, Freilich kam hinzu, daß die Mittel, welche ursprünglich zur Instandhaltung des Museums zur Verfügung standen, gänzlich für die Bedürfnisse des neu entstandenen zoologischen Laboratoriums dienen mußten. Auch Carl Chun, ein Schüler Leuckarts, der. im Jahre 1890 als Schneiders Nachfolger von Königsberg hierher berufen wurde, konnte daran nichts ändern, soweit entfernt er auch als moderner Biologe von einer Unterschätzung der systematischen Forschungsrichtung war. Konnte er, durch die Ungunst der Verhältnisse gezwungen, für die Breslauer Zoologie seine volle Kraft nicht einsetzen, so dürfen wir doch mit Stolz und Freude hervorheben, daß der große Plan einer deutschen Tiefseeexpedition von ihm von Breslau aus gefaßt und mit bewunderungswürdiger Energie und glänzendem Erfolge alsbald ins Werk gesetzt wurde. Noch vor Antritt seiner Reise wurde er der Nachfolger seines Lehrers Leuckart in Leipzig, und ich trat im Herbste 1898, von Jena hierher berufen, an seine Stelle.
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eine der 2 tf Cln r cr ^«igen Prüfung 3 u 1 iutcnicÄ >»* Äe >" Ite b ‘£ m unserer Zeit, und ich darf hier besonders!
Vererbung, sowie an den neuen Forschungszweig der Variations- . wr *■ stätistik erinnern. Am heißesten umstritten wird das Prinzip des ^ernchl, herai Kampfes ums Dasein, welches nach Darwin die Auslese und das Überleben des Passendsten bewirkt und einzelne Eigenschaften im ® tcl ' tH ’ n Laufe der Generationen bis zur Bildung neuer Arten steigert,
Von manchen Forschern wird die Selektion als einzig artbildender! diichtung Fqktor anerkannt, andere sind der Ansicht, daß die natürliche Aus-'Ec ^ ^ lese nur Unzweckmäßiges auszumerzen, aber nichts Neues zu schaffen. «fon sucht 1 v/rmag, und zahlreiche Forscher gibt es, die in der Selektions'EMHmU
Darwins nur ein artbildendes Prinzip anerkennen, neben denen cs noch andere, wie den Lamarkismus und die Mutation! im Sinne von de Vries, gibt. So herrscht ein reges wissenschaftliches Leben, ein mit allen Mitteln moderner biologischer Forschung' geführter Kampf der Geister, der freilich weit jenseits steht von! .den seichten, phrasenreichen Kämpfen populärwissenschaftlicher Broschüren, die angeblich den Laien über den neuesten Stand unserer Wissenschaft orientieren oder sie bekämpfen wollen, meist aber nur niedrigen Parteizwecken dienen. Eines darf hier wohl betont werden: Mag sich auch die Ansicht über den Wert der Darwinschen Selektionstheorie im Laufe zukünftiger Untersuchungen ändern, so steht doch die Abstammungslehre fester als je. Wie die Lehre des Kopernikus siegreich allen Stürmen Trotz geboten bat, so wird sich auch die Abstammungslehre nicht unterdrücken lassen und in absehbarer Zeit das Gemeingut aller Gebildeten werden!
Durch diese Lehre haben die Forschungsrichtungen der vergleichenden Anatomie und Morphologie, der Entwickelungsgeschichte und der Paläontologie eine ganz eminente Vertiefung erfahren. Auf ihren Pfaden sind wir zur Erforschung des verwandtschaftlichen Zusammenhanges der Arten und größeren systematischen Einheiten gelangt, und anstelle einer auf künstlichen und meist äußerlichen Einteilungsprinzipien basierenden Systematik ist ein auf Blutsverwandtschaft begründetes System entstanden. Nunmehr erst können wir mit Fug und Recht von einer „Naturgeschichte" der tierischen Lebewesen reden.
War früher die Systematik Selbstzweck, so dient sie uns heute nur als Mittel zu weiterer Erkenntnis. Der neu aufblühende Wissenschaftszweig der Tiergeographie hat genaueste systematische Forschung als Grundlage, und die Fragen nach der Herkuiift der .Fauna eines Gebietes, den Wanderungen der Tiere, der Geschichte der Besiedelung unserer Erde mit tierischen Organismen haben die Kenntnis der Arten zur unentbehrlichen Voraussetzung. Zui Sichtung der überwältigenden Fülle des syftcnatischen Materials
neuerdin staatlichen Ocg betrieben werd Biet streifen, i sissung der Le vir einen ung Wissenschaft.
Eines crh Biologie sich Naturkörper bi baß es also n schreibenden Nc Mk und C Möglichkeit de vir verzichten: dergänge, die and viel zu !i Handlung unte
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Forschnngszwei welche der Bei Sinne nicht e Mittelstellung Forschung ein,
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wird ein von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft begründetes! sich die
Vor, einer andere», herrscht wird".
Wenn wir Problenie nur können, so »in il-nchenden zo> !*%« Hilfsn «skizzen Gi nahnie !v
Werk „Das Tierreich" herausgegcbcn, in welchem alle bekannten Tierarten, die nach Hundcrttausenden zählen, aufgcführt und kürz gekennzeichnet werden. Wissenschaftliche Expeditionen in noch unerforschte Gebiete bringen uns immer neue Kunde; ich erinnere hie, uur an die neuerlicke Entdeckung des seltsamen inneraftikan,,chen Säugetieres, des Okapi, und die erst in den letzten ^ahrzehn er in Angriff genommene Erforschung der Treffer erschloß uns em
vollkommen neue Lebewelt. ^ rr ^
Neuerdings ist neben der noch vorherrschenden morphologischer Richtung ein Erstarken der physiologischen zu bemerken und Verknüpfung beider führt uns zur tieferen Einsicht in die Zwe^ 1
Mäßigkeit der tierischen Organisation. Denn Form und Funftm $ , 1. J sind eine Gleichung, und die Veränderung des cinenFaktorsfuhü «Jjit auch eine solche des anderen mit sich. Damit nt anst« e^ "»«Mn»
alten naiven teleologischen Naturauffassung eine kaualeErlalMg E-nfthr
der Zweckmäßigkeit. Auch das Studinm derKonvergenzechuuu, 8 J
iener Tatsache daß gleiche Funkt onsanforderungen AhnlichmN n vre zahl » F°km -°d Bau d-°- d-°°? betroffenen Or°°»e S “JfN
ni,?- °.rw-nd,.n Tieren -r,°n--„ ,» «-'»-«
führt und wird hier in Breslau besonders gepflegt. ^. . . yj ' ^ Sehr anziehend ist das Kapitel der Oekologie oder B-ologa^ wurde engeren Sinne der Ergründung des ^ Lebenszyklus wie ^ der Tiere, ihrer
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Vor welche Ausgaben sind wir nun heute gestellt, und welcher Art sind die wissenschaftlichen Arbeiten, die aus diesen schonen Räumen hervorgehen sollen? Auch heute noch stehen wir unter dem Zeichen der von Darwin neubegründeten Abstammungslehre, nach welcher uns die Organismen im Lichte der Blutsverwandtschaft erscheinen. Die Arten sind nicht konstant, sondern
Existenzbedingungen der Tiere, ihrer Abhängigkeit von d» Endstück d. anorganischen Natur wie von anderen Organismen. Hier h die experimentelle Forschungsmethode J WerÄi--
erinnere nur an die experimentelle Züchtung von Ab ,
und Varietäten von Schmetterlingen. ^^^klen^r l-hrab/°r^'^
tiicker Bedeutung sind die Studier? über die Lebenszyklen r-iabgelegt
Zeuguugskreise einzelliger Tiere geworden, denn Zoo ^ ^ 3 J
ks welche neuerdings den Zeugungskreis des Ral-n°P^^ aff » feststellteii und damit die wissenschaftliche Grundlage zu ^ kämpfung dieser Geißel warmer Lander ^abe , | tak
das Studium der Parasiten überhaupt von g ^ toe
die Medizin geworden ist. Doch mochte ich h ^„xteil»»»?;,«- I
betonen, daß es meiner Meinung nach für > JLiv,,
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