Am 7. April dieses Jahres ist mit den Erdarbeiten begonnen worden. Die Ausführung derselben und der Maurerarbeiten wurde der hiesigen Firma Gebrüder Seeger, die Ausführung der Steinmetzarbeiten der Firma Philipp H o lzmann L Co. übertragen. Die spezielle Bauleitung ist auf Vanrat Nchers An- trag in die Hände des Architekten Stephan Simon gelegt.

Möge unter Gottes gnädigen! Schutze durch den Fleiß der Bauarbeiter unser Neubau rasch e m p o r w a ch s e n, auf daß in kur- zer Zeit das Museum erstehe, welches in Zukunft unsere reichen naturwissenschaftlichen Sammlungen beherbergen

Wir ober, die wir berufen sind, das teuere Vermächtnis unserer Vorgänger zu wahren und in dieser großen Zeit die Geschäfte der Gesellschaft zu führen, wir geloben in dieser feierlichen Stunde aufs neue^ ini Sinne der Stifter unserer Gesellschaft ihre idealen Zwecke nach bestein ! Können zu fördern, der Wissenschaft zur Ehre, der Vater, i stadt zu bleibendem Ruhme, allen konnnenden Geschlechtern zur Nacheiferung eingedenk der Worte Goethes:

Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb es, uni es zu besitzen!"

Mit diesen, Gelöbnis bitte ich Euer Exzellenz als Vertreter unserer Allergnädigsten Pro. tcktorin Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, den iBefehl zur Grundsteinlegung zu erteilen."

Nachdem der Vertreter der Kaiserin, Erz. von L i n d e q u i st, die Rechte salutierend am Helm, dieser Witte entsprochen hatte, verlas der korrespondierende Sekre­tär der Gesellschaft I)r. med. Otto Schnaudigel mit weithin vernehmbarer Stimme die Urkunde, die in den Grundstein niedergelegt werden sollte:

Im Jahre Eintausend neunhundert und vier am fünf­zehnten des Monats Mai, im sechszchnten Jahre der Re­gierung Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm des Zweiten und im vicr- unddreißigsten Jahre des neuerrichteten Deutschen Reiches, wurde in Gegenwart des Vertreters Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin Auguste Viktoria, der Aller- gnädigsten Protektorin der Senckenbergischen Natur- forschenden Gesellschaft, des Generaladjutanten Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Generals der Infanterie Oskar von Lindequist der Grundstein, in dem diese Urkunde verschlossen wurde, gelegt und damit unter tatkräftiger Förderung durch Stadt und vr. Senckenbergische Stiftung der Neubau des natur­historischen Museums, zu dem Frankfurter Bürger reiche Mittel gespendet, dem beiliegenden Plane des Baumeisters Ludwig Neher, Königlichen Baurats sBericht der Senckenbergischen Natursorschenden Gesellschaft 1904, Seite ;27 bis 39) gemäß begonnen.

Wir befehlen diesen Bau dem gnädigen Schutze des Allmächtigen! Möge er dauern in die Jahrhunderte hinein, ein stolzes Denkmal Deutschen Bürgerfinnes, eine Pflegestätte naturwissenschaftlicher Forschung, eine Quelle der Belehrung für alle kommenden Geschlechter!

Das walte Gott!"

In einer kupfernen Kassette wurde diese Ur­kunde, sowie eine Abschrift der s. Zt. im Grund- stein des fetzigen Museums niedergelegten Urkunde*), die beiden Arbeiten Bau rat Nehers, ein

*) Die Urkunde, die bei der Grundsteinlegung des jetzigen Museums am Eschenheimer Tor am 16. April il 820 in dem Grundstein verwahrt wurde, lautet:

Alsdas von weiland Herrn Or- Johann Christian Senckenberg, hiesigem ruhmvoll ausübenden Arzte und Phys- erd- dem gleich großen Freunde der Mensch­heit und der Wissenschaften zur Vervollkommnung und Beförderung der vaterländischen Heilkunde gestiftete medi­zinische Institut durch die Bedrängnisse und Lasten eines 25-jährigen Krieges und den Mangel an einer Unterstützung dergestalt in Verfall gcrathen war, daß für die Erhaltung

des anatomischen Theaters und des botanischen Gartens nur eine unzureichende Summe wie es der geringe Kapital­stock ergab, verwendet werden konnte, vereinigten sich die an den genannten Anstalten larbeitenden Lehrer mit mehreren Mir- gliedern der Senckenbergischen Stis- tungS-Administration und andern dem Studium der Naturwissenschaften ergebenen Bürgern dieser freien Stadt zur Gründung einer naturforschenden Gesellschaft, «welche aus Achtung für ihr großes Vorbild sich den Nahmen' ^Senckenbergische" beilegte.

Diese Gesellschaft beabsichtiget:

1) die Erhaltung der bestehenden Anstalten des Senckenb. mcdiz. Instituts und hat für dieses Verhältniß eine in hier beiliegenden Statuten enthaltene Norm festgesetzt;

2) streb: sie dahin mit dem Geiste der wissenschaftlichen Erkenntniß, welche durch die Cultur der gesammrech Naturkunde ihren Zeitgenossen aller Staaten Europa'L- v zu Theil geworden, gleichen Schritt zu halten, und, durch Anschaffung und öffentliche Benutzung einer alle. Fächer der Naturwissenschaft umfassende Sammlung ihren Mitbürgern 'nützlich zu werden.

In dieser Absicht constituirte sich die Gesellschaft am 22. November 1817. Doch hatte sie nichts zur Ausführung) ihres Planes, als den guten Willen und die kräftige Thätig- keit ihrer Mitglieder. Ihre Erwartungen gründeten sich auf wohlwollende Unterstützung, welche sie in der Großmuth der Bürgerschaft dieser freien Stadt zu finden hoffte, und fand.

Die nachfolgenden Bürger der freien Stadt Frankfurt, welche reich an Mitteln und an Erkenntniß dessen was dem Paterlande Noch thut in so vielen Fällen sich die Achtung Ihrer Mitbürger erworben, haben sich durch einen frei­willigen Beitrag zur Erbauung eines naturhistorischen Museums im Locale der Senckenbergischen Stiftung mit /Auszeichnung hcrvorgcchan und durch die ihrem Nahmens- «Verzcichniß dcygefügte geschenkte Summen die Erbauung «eines .laturhistorischen Museums möglich gemacht; von welchem hochherzigen Benehmen dieser edlen Vaterlanos- sfreunde gegenwärtiger am 16. A.-ril des Jahres 1820 im Pcisehn sämmtlichm wirklicher .nd Ehrenmitglieder der «Gesellschaft, sowie der dermalen wohlregicrcnd'n Herren Bürgermeister,

Herrn Schöff und Senator Friedrim Maximilian Frei­herr von Gündei ode als älterer und Herrn Senator I)r. Johann Peter Hierommus Hoch als jüngerer Bürgermeister,

«sowie auch vieler anderer Mitglieder eines hohen Senats und löblicher Bürgerrepraescntaüon, im Angesicht eines ig-roßen Theils der Bürgerschaft mit Feierlichkeit im Nahmen Gottes gelegter Grundstein und dessen Inhalt für ewige Zeiten ein zeugendes Denkmahl sein soll."

erzeichnis der Schenker, Heft 1 des. 29 mdes derAbhandlung- n" der Gesellschaft on ReinachSchildkrötenreste aus dem egyptischen rtiär", mit 17 Tafeln), der letztjährigeBerich t", ent- stend u. a. das Protokoll der Generalversamm- g vom 21. Februar 1903, welche die Ver- mng des Museums nach der Viktoria-Allee beschlossen tte, und eine Arbeit von Prof. MöbiusGeschichte ch ' Beschreibung des botanischen Gartens in Frank- rt a M.", sowie die von Sömmerriug- und die jede mann-Medaille der Gesellschaft in Silber den Grundstein niedergekegt. Sodann überreichte der Direktor dem Vertreter der Kaiserin einen mit Lorbeer ,d Schleifen reichgeschmückten Hammer mit den

Euer Erzellenz mögen vielleicht einen Maurerhammec erwartet haben. Hier ist der Hammer, den der verdiente «Geologe unseres Museums Albert von Reinach ein Menschenalter lang zu seinem Forschungen im Taunus ge­braucht ha,. Wir bitten, ihn als Symbol unserer treuen, emsig enArbeit i m D i e n st e der Wissenschaft heute zu benützen!"

Jetzt trat Exzellenz von L i n d e q u i st an den Grund­stein und begleitete die üblichen drei Hammerschläge mit dem Spruche:

In, allerhöchsten Aufträge der ' hohen Protektorin Ihrer Majestät der Kaiserin: Zur Förderung der Wissen­schaft, zur Ehre Gottes!"

Dann folgten die geladenen Ehrengäste:

Oberbürgermeister vr. A d i ck e s:

Auch im Neubau walte Goethe'scher Sinn:

Willst du ins Unendliche schreiten,.

Geh nur ins Endliche nach allen Seiten!"

Geh. Regierungsrat Bürgermeister vr. Barren- trapp: