Ich bin am Ende meiner Ausführungen. Ich glaube, die Gesellschaft kann in i t hoher Befriedigung auf das verflossene Jahr, welches einen Markstein in ihrer Geschichte bildet, zurückblicken. M r ge I hr In t eres s e an unserer Gese llsch a ft i m mer ein leben­diges bleiben, in eine hochgeehrten Damen und Herren, und in ö g e unsere Gesellschaft in der Stadt Frankfurt stets das freund­liche Wohlwollen »nd die tatkräftige För­derung finden wie bisher! Dann, glaube ich, können wir ruhig in dic Zukunft blicken und ohne Zageir an die Vollendung dessen gehen, was wir begonnen haben!"

Ein künstlerisch ausgeführtes Modell des neuen M u s e u m s und der übrigen an der Viktoria-Allee ae- planten Neubauten der wissenschaftlichen Institute des Senckenbergianums war im Vestibül des Museums aus­gestellt und wird in den nächsten Wochen im Vogelsaalc der allgemeinen Besichtigung zugängig sein.

Nach Schluß des Festaktes führte eine Anzahl ge­schmückter Wagen der städtischen Straßenbahn die Fest­teilnehmer nach dem Bauplatz an der Viktoria-Allee zwi- schen Kettenhofweg und Jordanstraße, wo pünktlich um 1 Uhr die Feier der

Grundsteinlegung

zum Neube des Naturhistorischen Museums ihren Anfang na' m. In schlichter, der Bedeutung dec Feier angemessener Weise war der Bauplatz mit Jahnen und GuirlanLen geschmückt und eine Tribüne für die erschienenen Mitglieder und ihre Damen errichtet, deren Zahl sich auf nahezu 500 belaufen mochte. Die Feier ivar vom schönsten Wetter begünstigt.

Zunächst bestieg der I. Direktor Dr. Aug u st Knob­lauch die Rednerbühne und leitete die bedeutungsvolle Feier mit folgender Ansprache ein:

Euer Exzellenz!

Hochansehnliche Festversammlung!

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit Und neues Leben blüht aus den Ruinen."

Schon ist ein Teil der alten Mauer gefallen, die ein Halbjahrhundert lang das Gelände der Stiftung Sencken- bergs umschlossen hat; bald werden die ehrwürdigen Bauten zwischen Eschenheimer Tor und Brönnerstraße niedergelegr sein, das alte B ü r g e r h o s p i t a l mit seinem Uhrtürmchen, bei dessen Vollendung der Stifter> selbst durch einen unglücklichen Sturz in die Tiefe seinen Tod gefunden hat, dasanatomische Theater" des medizinischen Instituts, das F ü r st Primas ge» waltsam, aber vergebens zu einer medizinisch-chirurgischen Spezialschule zu gestalten versuchte, und auch unser M n s e u in wird vom Erdboden verschwinden, dessen Grundstein am 16. April 1820 im Beisein des älteren Bürgermeisters der freien Stadt Frankfurt von G ü n d e r r o d e, vieler Mitglieder des Senats und der Bürgerrepräsentation an derjenigen Stelle gelegt ivurde, wo zuvor Senckenbergs Apothekerküche, sein Laboratorium. chymicum", gestanden.

Aber hier an der Viktoria-Allee, auf dem neu- erworbenen Grund und Boden der Dr. S e n ck en­de r g i s ch c n Stiftung, werden in aller Kürze neue, stattliche Bauten erstehen und kommenden Geschlechtern künden, zu welcher Blüte die hochherzige Stif­tung eines Frankfurter Bürgers und ihre Tochterinstitute sich unter der friedlichen Regierung ver ersten drei Hohenzollernkaiser des neuerrichteten "Deut­schen Reiches und unter der verständnisvollen Fürsorge der hohen Behörden unserer Vaterstadt am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt haben.

Und ivir, die Senckenbergische Natur for­schende Gesellschaft, wir sind zuerst am Platze erschienen, um den Grundstein zu unserem neuen Haufe zu legen.

Es ist ein Markstein in der Geschichte unserer Gesell­schaft. Da geziemt es sich, unsere Blicke rückwärts zu lenken auf die Entstehung und Entwickelung des Bau. Projektes, zu dessen Ausführung wir heute schreiten. Zwei Männer aus dem Kreise unserer Mitglieder waren cs, die fast gleichzeitig im Herbst 1897 in hochherziger Weise der Gesellschaft große Summen überwiesen zur Erwei­terung unseres Museums, welche die Verwaltung seit

langen Jahren als notwendig erkannt, aber bei der pekuniären Lage der Gesellschaft anszuführen gerechte Bedenken getragen hatte. Es waren Albert Key! und Albert von Reinach. So war mit einemmale der kleine Baufonds, den wir in einer Reihe von Jahren aufgesammelt hatten, zu einer ansehnlichen Höhe ange­wachsen; andere hochherzige Schenkungen flössen ihm reich­lich zu, und heute verfügen wir über etwas inehr wie 400 000 Mark, die nns die stets bewährte Opferwillig­keit unserer Mitbürger für unseren Bau zur Verfügung gestellt hat.

Ein erstes Projekt, welches einen Anbau an unser jetziges Museuni der Bleichstraße entlang vvrsah, erwies sich als undurchführbar, weil es bei der gleichzeitig ge­planten Errichtung eines neuen Physikalisch-chemischen Instituts den weiteren Betrieb des Bürgerhospitals ernst- lich gefährdet und durch die enge Bebauung des Stiftungs- geländes den botanischen Garten dem Untergang preis- gegeben häb^e. Bei dieser Sachlage ist die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung im Herbst 1902 dem Gedanken einer Veräußerung ihres wertvollen Grundstückes und einer Verlegung unserer sämtlichen Institute nach der Außenstadt nahe getreten. Sie fand die tatkräftigste Förderung ihrer Bestrebungen bei dem Oberhaupte unseres städtischen Gemeinwesens, Oberbürger­meister Dr. Franz Adickes, dessen klarer Mick die Erhaltung und den weiteren Ausbau unserer wissen- schaftlichen Institute als eine Ehrenpflicht der Stadt Frankfurt erkannte. Am 18. August vorigen Jahres, am 140. Jahrestage der Errichtung der Stiftung Sencken­bergs, ist der Vertrag zwischen der Stadtgemeinde und der Administration unterzeichnet worden, der die lieber- nähme des Stiftnngsgrundstücks in städtischen Besitz regelt und es der Stiftung ermöglicht hat, uns diesen Bauplay an der Viktoria-Allee und außerdem ein Kapital von 800 000 Mark zu überlassen als Entschädigung für die Räumung unseres jetzigen Museums und als Zuschuß zu den Kosten der Aufführung und Einrichtung unseres Neubaues.

Die Administration hat hieran keine besonderen Be- dingungen geknüpft. Die durch unsere Statuten festge- legten, unabänderlichen Grundgesetze, welche die Sicherung unseres Gesellschaftseigentums betreffen und unser Ver­hältnis zur Dr. Senckenbergischen Stiftung bestimmen, bleiben also unberührt.

Freudigen Herzens und voll st o l z e r Zuversicht sind wir eingezogen auf unse- ren neuen Bauplatz und voll innig st er Dankbarkeit gedenken wir heute aller derer, die es uns ermöglicht haben, die- ses er st: Ziel zu erreichen. Unseren innigsten Dank den Herren Albert Kehl und Albert von Reinach, allen Gönnern und Freunden unserer Be­strebungen, die uns reiche Mittel zu dem Bau gespendet haben, der S t i f t u n g s a d m i n i st r a t i o n und den hohen städtischen Behörden unserer lie- ben Vaterstadt!

Bereits im Sommer 1899 hatte sich die Gesellschaft an einige hiesige Architekten um Einreichung von Plänen zu !dem damals beabsichtigten Erweiterungsbau gewandt und war bei der Beurteilung derselben durch den Erbauer des Reichstagsgebäudes, Ech, Hof- und Baurat Prof. Dr.. Paul Wallot in Dresden, in der zuvorkommendsten Weise unterstützt worden. Auf Grund eines von W a l l o t erstatteten Gutachtens beschloß unsere Ver­waltung am 28. April 1900, die weitere Bearbeitung des Projektes irnd die Ausführung des Baues dem König!. Baurat Ludwig N e h e r zu übertragen. Dieser Be­schluß wurde aufrecht erhalten, auch nachdeni anstelle des zuerst geplanten Erweiterungsbaues an der Bleichstraße durch unsere Generalversammlung am 2i. Februar vorigen Jahres die Aufführung eines Museums-Ncubaues an der Viktoria-Allee beschlossen worden war. In unserer ioissenschaftlichen Sitzung vom 30. Januar dieses Jahres hat Baurat N eher die durch Verwallungsbeschluß vom 16. Januar dieses Jahres genehmigten Pläne der Ge­sellschaft vorgelegt und heilte vormittag haben Sie ein Modell unseres neuen M u s e u m s im Mittel­punkt der geplanten wissenschaftlichen Institute in imferem alten Hause ausgestellt gesehen. Zwei Arbeiten Baurat N c h e r s aus unserenBerichten" 1901 und 1904,. we je die ausführliche Geschichte des 'Bauprojektes, perspe is ) Ansichten und zahlreiche Pläne enthalten, fverdcu ^ ir r dem Grundstein unseres neuen Hauses me ei eg