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vorträten. Die einzelnen Gruppen stehen 12 Zentimeter von einander entfernt. Die Schuppen sind aber nicht mehr vorhanden, und doch ist es zwischen den Stachelgruppen auf den Plätzen der ehemaligen Schuppen noch nicht zur! Entwickelung eines allgemeinen feinerm Haarkleides ge-1 kommen. Die Haut ist dort völlig nackt, denn die wenigen! Borsten, mit welchen das Stachelkleid untermischt ist, stehen! stets dicht vor oder neben den Stacheln. Die Ausbildung ' der mächtigen Stacheln mag jegliche weitere Entwickelung! 'der Haare verhindert haben. j

Bei den schon erwähnten Embryonen von Aulacodusi und Erethizon zeigen die Haargruppen noch dieselbe An­ordnung, welche sie nach unserer biologischen Erwägung bei ihrem ersten phylogenetischen Auftreten hinter den Schuppen genommen haben müssen; sie haben noch genau den Platz inne, den ihnen die Schuppen ehemals vorschrie-' ben. Die Schuppen sind aber gänzlich geschwunden. Diese Haargruppen entstehen zuerst und wenn sie schon eine ziemliche Länge erreicht haben, erscheinen zwischen den Haargruppen auf den vermeintlichen Schuppen die Anlagen des allgemeinen dichten Haarkleides überall auf dem gan­zen Körper, und zwar liegen sie an dem hinteren Rand der Schuppe in der Nähe der größeren Haare am dichtesten und bilden ebenfalls Gruppen, während sie weiter vorn auf der vermeintlichen Schuppe spärlicher und nur ver­einzelt auftreten. Die Untersuchung einer Anzahl von Bälgen ergab nun, daß an den alsWinterfell" bezeichne- ten Bälgen, namentlich an solchen von jüngeren Tieren, ein allgemeines dichtes Haarkleid zwischen den anderen Haargruppen vorkommt, während bei denSommerfellen? nur einzelne feinere Haare auf den ehemaligen Schuppers- Plätzen stehen. Die oben skizzierten phylogenetischen Sta­hlen aus der Geschichte der Haarentstehung, die wir mit der Klimaänderung erklären wollten, wiederholen sich heute noch alljährlich hei de' Uebergang aus der Winterzeit in die Sommerzeit 'wie . ersten Auftreten. Eine Tempe­raturzunahme Soüntterzeit bringt hellte die dielen kleinen Haare auf den Schuppenplätzen wieder zum Schwin­den, während ehemals eine Temperaturabnahme chr erstes Auftreten bedingte und verursachte. Gewiß werden auch noch andere Tiere mit ausgesprochenem Sommer- und Winterfell in dieser Frage weitere Aufschlüsse geben- Nur wenige Tiere haben in ihrer Hautentwickelung solche primitiven Zustände bewahrt, an denen wir uns die phylogenetischen Vorgänge in der Haut beim Uebergang von einem Schuppenpanzer zu einem Haarkleid verständ­lich machen können. Vielfach liegen sekundäre Verhältnisse vor, so namentlich an den beschuppten Schwänzen. Bei der erwachsenen Ratte steht unter dem hinteren Rande einer jeden Schuppe ein stärkeres Mittelhaar und neben demselben jederseits mehrere seitliche Nebenhaare. Die Zahl der Mittelhaare eines jeden Schuppenringes die Schup­pen sind nämlich in Parallelen Ringen angeordnet, welche um den ganzen Schwanz herumgehen entspricht der An­zahl der Schuppen desselben Ringes. Man wird nun ge­neigt sein, anzunehnien, daß die Schuppen das Primäre sind, die den Haaren ihren Platz unter dem hinteren Rande vorschreiben. Meine entwickelungsgeschichtlichen Unter-/ suchungen haben aber gezeigt, daß die Haare sich zuerst cer legen, ehe auch' nur die Andeutungen der Schuppen v> r- Händen sind, von denen sie nachher abhängen; sie legen sich in alternierenden Gruppen von 4 oder 5 Haaren an, wobei das Mittelhaar zuerst ciuftritt. Erst nachdem die Haare einen hohen Grad der Ausbildung erlangt haben, erfolgt eine ringförmige Erhebung der Unte.rhaut, welche den ganzen Schwanz umgreift und sich über die Haare hinweg­schiebt. Die Hornschicht ist ebenfalls zuerst über den gan­zen Schwanz einheitlich. Sie wird dann von den durch­brechenden Haaren zerrissen, wodurch dann die Schuppen­ringe zwischen den Haaren entstehen. Zweifelsohne läßt! sich die regelmäßige Stellung der Haare schon bei ihrer! ersten Anlage nur aus einer topographischen Beziehung zu den Schuppen erklären. Doch sind zwei Möglichkeiten vor­handen: die Haare haben sich einstmals an beschuppten Vor­fahren entwickelt; es trat aber eine Zeit ein, in welcher die Schuppen an Bedeutung^ und Entwickelung verloren, aus welcher Zeit die Haare ihr Recht herleiten, sich früher anzulegen. Als die Schuppen dann aus irgend einer Ver­anlassung wieder in den Vordergrund traten, mußten sie ihre alte Anordnung wieder einnehmen, welche die Haare so schön bewahrt hatten. Ihren Platz und die Beherr­schung der Haare im ausgebildeten Zustande erwarben sie wieder, aber des Rechtes der früheren Anlage gingen sie verlustig. Oder aber wir müssen anuehmen, daß sich die.

Schuppen am Rattenschwanz, als Rest eines ehemaligen Schuppenkleides erhalten haben, dann aber, als die Schup­pen des übrigen Körpers von dem Haarkleid gänzlich ver­drängt wurden, vor den Haaren an Bedeutung zurücktraten. Die Haare legten sich allmählich vor ihnen an, aber immer noch in der alten gesetzmäßigen Anordnung, in welcher sie im erwachsenen Zustande von ihnen abhängig sind- Auf alle Fälle liegen sekundäre Verschiebungen vor und wir sehen daraus, daß man nicht jedes Vorkommen von Haaren in Verbindung mit Schuppen gleichmäßig phylogenetisch verwerten kann.

Nachdem wir nunmehr gesehen haben, daß wir für die Ableitung des Haares aus der Reptilienschuppe keine ge­nügende Basis finden konnten, und beide Hautgebilde nur in topographischer Beziehung zueinander stehen, erhebt sich die Frage, ob das Haar eine eigene Neubildung der Haut ist oder ob sich andere phylogenetische Vorläufer des Haares in der Haut niederer Wirbeltiere finden.

Wenn nian der Ansicht ist, daß die Haare als solche in der Haut der Säugetiere entstanden sind, so sind natürlich alle weiteren Fragen über die Herkunft des Haares über­flüssig- Geht man aber von der Voraussetzung aus, daß die Säugetiere sich aus niederen Wirbeltieren entwickelt haben und demgemäß auch die Organe von den Vorfahren über­kommen sind, so wird man folgerichtig auch nach Organen suchen müssen, welche die anatomische Grundlage für die Haare abgegeben haben könnten.

In diesen Bahnen bewegen sich die Arbeiten von F. Maurer, für den der Ausgangspunkt das Haar als Einzelorgan war, und der dadurch ganz neue Gedanken in die Haar- und Schuppenfrage brachte-

Nach Maurer sind auch noch andere Forscher mit An­sichten über diese Frage hervorgetreten. So hat Emery in den Hautzähnchen der Fische die Vorläufer des Haares erblickt. Er stützt sich dabei auf die Uebereinstimmung in der ersten Anlage beider Gebilde, denn so wie beim Haar beginnt auch die Zahnan-lage mit der Bildung eines knospen­artigen Zapfens der Oberhaut. Auch zeigt die Anlage des Ersatzzahnes in der Bildung einer neuen Papille manche Aehnlichkeit mit der Anlage eines neuen Haares an Stelle eines alten. Daniit ist aber die Uebereinstimmung er­schöpft. Weder ist die Zahnpapille mit ihrem Nervenreich- tum der nervenlosen Haarpapille, noch ist der Schmelz und Dentin des Zahnes mit den Elementen des Haares irgend­wie vergleichbar.

Sodann sind von L e y d i g die Perlorgane, die auf den Schuppen mancher Fische im Hochzeitskleide austreten, als Vorläufer der Haare in Anspruch genommen worden. Wenn es einerseits schon gewagt erscheint, die Säugetiere hinsichtlich ihres Haarkleides an eine ziemlich abseitsstehende Fischgruppe anzuschließen, so hat andererseits auch die histo­logische Untersuchung ergeben, daß hierfür jede Anknüp­fungsmöglichkeit fehlt. Die Perlorgane stellen keine eigenen Gebilde dar, sondern entstehen als Gebilde ganz hinfälliger Art aus Oberhautzellen in der Umgebung der Hautsinnes­organe, wenn diese selbst zugrunde gehen. Endlich ist auch der Bau der Perlorgane nicht geeignet, die Besonderheiten im Bau des Haares verständlich zu machen-

Eine bessere Grundlage hat die Hypothese von F. Maurer, die in den Hautsinnesorganen der niederen Tiere die Vorläufer der Haare erblickt. Während die er­wähnten Perlorgane aus Wucherungen der umliegenden Oberhautzellen entstehen, sind die Hautsinnesorgane selbst die Grundlage für das Säugetierhaar und der Bau dieses Organes wird uns aus dieser Beziehung vollkommen klar und verständlich.

Diese Hautsinnesorgane finden sich bei sämtlichen im Wasser lebenden niederen Wirbeltieren. Sie treten bei manchen Formen in regelmäßigen Reihen auf, namentlich am Kopfe und am Rumpfe in drei Längsreihen, entsprechend dem Verlauf des Seitenastes des N- Vagus und zeigen die Tendenz zur Gruppenbildung. Es steht nicht immer ein Sinnesorgan allein, sondern sie stehen' in Gruppen von 3 i bis 5 in einer Reihe nebeneinander. Diese Gruppenstel- ' lung ist eine Folge ihrer Vermehrung durch Teilung- An ! der Stelle, wo später eine Gruppe von Hautsinnesorganen liegt, findet man embryonal nur ein einziges Organ ange­legt- Durch Teilung vermehrt sich ein solches Gebilde und die Gruppe, welche dann zustande kommt, wird stets durch ein Nervenstämmchen versorgt, das ursprünglich 3» /n : einzigen Organ verlief, später aber jedem Organ ber * P J einen Zweig zuschickt. Seinem Bau nach stellt j