in einfachster Form ein scharf umgrenztes knospenförmiges Gebilde der Oberhaut dar, das im Zentrum Sinneszellen enthält, die von langen Epidermiszellen als Stütz- und Deckzellen umhüllt werden. Die beiden Zellenformen, welche die Sinnesknospe zusammensetzen, reichen an die freie Oberfläche der Haut. Durch Vergrößerungen können solche einfachen Sinnesorgane mannigfach umgestaltet sein, stets lassen sie sich aber von der einfachsten Form ableiten.
Vergleicht man ein solches Hautsinnesorgan mit einem Haar, so ergibt sich eine ganze Reihe von Uebereinftimmun- gen, deren wesentlichste in der Gleichheit der ersten Anlage beider Gebilde liegt. Haar und Sinnesorgane sind beide I reine Oberhautgebilde, bei welchen die Unterhaut erst in zweiter Linie als stützender und ernährender Apparat in Mittätigkeit tritt, während, wie wir anfangs sahen, die mannigfachen Schuppen und Federn ihren Ausgangspunkt in einer Unrerhautpapille finden. Ferner stehen die Sinnesorgane in Längsreihen und bilden Gruppen, die bei den Fischen in topographische Beziehungen zu den Schuppen treten.
Die Hautsinnesorgane verhalten sich nun bei den Slnw phibien sehr verschieden. Die Gruppe der Amphibien vermittelt bekanntlich den Uebergang zum Landleben. In der Jugend leben sie als kiemenatniende Larven ini Wasser; im erwachsenen Zustande gehen sie ans Land und es tritt Lungenatmung ein. Die meisten Amphibien führen aber, m regelmäßig wiederkehrenden Zeitperioden, zur Laichzech , in altgewohnter Weise ein vorübergehendes Wasserleben.
Die Hautsinnesorgane erleiden nun bei vielen Amphibie^ eine völlige Rückbildung, so bei den nieisten Fröschen und Salamandern. Bei anderen Gruppen aber, so z. B- bei unseren Molchen, sinken sie, wenn die Tiere aufs Trockene gehen, in die Tiefe. Die Sinneszellen, im Zentrum de^ Gebilde angeordnet, nehmen eine tiefe Lage ein, die sie umgebenden Stütz- und Deckzellen verhornen, es tritt reichliche Pigmententwickelung auf und es bildet sich ein kleiner konischer Hornzapfen, welcher einen schützenden Wall um die Sinneszellen darsiellt. In diesem eigentümlichen Verhalten bleiben die Sinnesorgane toährend der ganzen Zeit des Landlebens dieser Tiere- Suchen )ie Tiere das Wasser wieder auf, so nehmen die Sinnesorgane wie früher eine oberflächliche Lage ein, die verhornten Zellen werden ab- gestoßen und es bildet sich wieder ein für das Wasserlebeu geeignetes Hautsinnesorgan aus.
Wie nun heute die Hautsinnesorgane der Amphibien beim Uebergang zum Landleben in die Tiefe sinken und verhornen, so trat auch ehemals, als die Vorfahren der heutigen Saugetiere sich an das Landleben gewöhnten, allmählich ein Funktionswechsel der Organe ein, die spezifischen Sinneszellen, die in ihrer Funktion abhängig sind vom Wasser als umgebenden Medium, gingen zu Grunde. Der sie versorgende Nerv schwand allmählich und die Stütz- und Deckzellen lieferten durch Verhornung den Haarschaft.
Wenn man ein solches in der Tiefe liegendes Hautsinnesorgan mit einem Haar vergleicht, so kann inan allerdings zu der Ueberzeugung komimcn, daß in der Hautsinnesknospej alle Teile des Haares in einfachster Weise vorgebildet sind. Die bis ins Einzelne gehende Uebereinstimmung der verschiedenen Schichten eines Haares mit denen der Sinnes knospe machen alle Besonderheiten im Bau des Haares verständlich. Das Mark des Haarschaftes, das aus unvollkommen verhornten Zellen besteht, repräsentiert die verkümmerten Reste der Sinneszellen. Tie darum liegende Rindenschichte des Haarschaites ist ableitbar von.den verhornten Stützzellen der Sinuc sknospe, das Oberhäutchen des Haares entwickelt sich aus den Deckzellen der Sinnesknospe und in der äußeren und inneren Wurzelscheide des Haares findet man den die Sinnesknospe überragenden Epithel- kegel wieder. Natürlich kann auf alle Einzelheiten dieses Vergleiches nicht eingegangen werden. Folgt man aber der Maurerschen Beweisführung, die auf dem Zusammenwirken einer ganzen Reihe von Uebeveinstimmungen in der Histologie und Entwickelungsgeschichte des Haares und der Hautsinnesorgane beruht, kritisch und objektiv, so kann mast seiner Hypothese die Anerkennung nicht versagen. Dis phylogenetische Ableitung des Haares als Einzelorgan aus einem Hautsinnesorgan hat eine genügend sichere Basis erhalten, die natürlich inimer nur einen hypothetischen Charakter haben kann, tveil ein auf direkter Beobachtung gestützter Beweis, welcher zeigt, wie eine Sinnesknospe zst einem Haar auswächst, niemals zu erbringen ist.
Aber auch für das Zustandekommen der Haargruppen finden wir in der Maurerschen Hypothese eine genügende Erklärung. Wie wir sehen, können die HaMsinnesorgane sich teilen, ihre Gruppenstellung ist eine Folge ihrer Vermehrung durch Teilung. Bei den Haaren haben wir die Grnppeustellung überall konstatieren können. Wie nust meine entwickelungsgeschichtliche Untersuchung der Haut des Ameisenigels gezeigt hat, entstehen hier die Haargruppest ebenfalls durch Teilung. Sie konmien dadurch zustande, daß der erste Haarkeim, das spätere Mittelhaar, durch Sprossung an seinem oberen Ende die Nebenhaare aus sich hervorgehen läßt. » Beim Ameisenigel, den ir :; wegen? anderer anatomischer Merkmale als das niedrigst organisierte Säugetier ansehen müssen, entsteht also eine Haararuppe durch Teilung von einer einheitlichen Anlage aus. Da Haare und Hautsinnesorgane einzig und allein dieses Entstehungsmodus der Gruppen durch Teilung haben, so ist dieser Befund nicht nur ein bedeutungsvolles Glied ist der Kette der Uebereinstimmungen beider Gebilde, sondern auch noch ein ganz fundamentaler Unterschied gegenüber den Schuppen- und Federgebilden, welche niemals eine solche Vermehrungsweise zeigen. In der Ham des Ameisenigels finden sich aber auch noch andere primitive Zustände, welche j einen überraschenden Beweis für Maurer geliefert haben, das ist die Anordnung der Stacheln in Längsreihen, der frühe Durchbruch der Stacheln an den Seiten des Körpers und die papillären Erhebungen, die wir als die letzten Reste eines ehemaligen Schuppenkleides ansprechen müssen.
Dieser Befund der Haargruppenbildung beim Ameisenigel, der auch zu unserer obigen biologischen Erklärung für die Entstehung des Haarkleides twßt, berechtigt uns zu der Annahme, daß dieser Modus der ursprüngliche gewesen ist. Daß er heute nicht an weiteren Tieren konstatiert wird, darf uns nicht überraschen. Einmal sind nur wenig Tiere auf ihre Haarentwicklung hin genau studiert, so noch nicht einmal die Beiiteltiere. Dann muß die Haarentwickelung inrmer mehr von dem ursprünglichen Verhalten abweichen/ je,mehr sich die betreffenden Tiere von ihren Ahnen ent^ fernt haben. Wie wir oben sahen, sind die Haare ami hinteren Rande der Schuppe entstanden. Ihre Ausdehnungsfähigkeit war zunächst begrenzt und konnte nur über den Schuppenrand in die Breite erfolgen. Dadurch haben sich die Nebenhaare aber schnell vom Mittelhaar, ihrem Mutterboden, losgelöst; sie sind in die Breite gerückt und selbständig geworden und legen sich nunmehr direkt von der Epiderinis aus an.
Nachdem wir nunmehr gesehen haben, auf welchem Wege es zur Bildung des Haares und der Haargruppe kam, bleibt uns noch übrig, die Verteilung der Haare über den ganzen Körper und die Entstehung des Haarkleides zu erörtern. Hierfür scheint die Maurersche tkehre zunächst keine genügende Erklärung zu bieten.
Unsere Amphibien 'verlieren mit dem Uebergang zum Landleben die Hautsinnesorgane; letztere sinken in die Tiefe und verschwinden mehr und mehr. Oder sie beschränken sich nur noch auf bestimmte Reihen und sind hauptsächlich am Kopf' entwickelt. Von dieser geringen Verteilung der Hautsinnesorgane aus ist es schwierig zu einem über den ganzen Körper verbreiteten Haarkleide zu konimen. Doch steht damit die Tatsache im Einklang, daß sich die Haare am Kopfe der Säugetiere zuerst und zwar sehr viel früher als an dem übrigen Körper anlegen. Auch sind viele von ihnen empfindliche Sinnesorgane, die Tasthaare oder Spürhaare an der Schnauze und an den Wangen ber ! Säugetiere. Dann sehen wir auch bei manchen Formew die ersten Haaranlagen in regelmäßigen Längsreihen an den Seiten auftreten, die eine große Aehnlichkeit niit den Längsreihen der Hautsinnesorgane niederer Wirbeltiere haben. Später erst treten dann über den ganzen Körper verbreitete Haaranlagen auf. Mit dem ungleichen Jlächen- wachstum der Haut, verwischen sich diese Reihen mehr und mehr; bei inanchen Arten, so z. B. beim Ameisenigel, erhalten sie sich aber auch während des ganzen Lebens. Bei den Embryonen ist die Anordnung der Haare in Reihen stets deutlicher als am ausgebildeten Tiere.
Andererseits kennen wir aber auch Amphibien, so z. B. Cryptobranchus, bei denen die Hautsinnesorgane viel reichlicher entwickelt sind, und bei den meisten Fischen sind sie über den ganzen Körper verbreitet und bedecken auch die Gliedmaßen, wo sie in dichten Massen in Längsreihen zwischen den Schuppen stehen. Wir kennen also jedenfalls wasserbewohnende Wirbeltiere, die ganz mit Hautsinnes- organen bedeckt sind. Im Vergleich damit ist der Haut-j