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Herr Dr, Fritz R ö m c r hielt sodann den Fcstvortrag: „D i e H a u t der Säugetier e". Redner verbreitete sich in seinen nahezu eine Stunde währenden interessanten Darlegungen hauptsächlich über seine Forschungen über die Haut der Säugetiere und die Entstehung ihreZ Haarkleides. — Zum Schlüsse erstattete der 2. Direktor Herr Stabsarzt Pros. Dr. Ernst Marx den Jahresbericht. Lebhafter Beifall lohnte auch seine Ausführungen. Ein künstlerisch ausgeführtes Modell des neuen Musenins und der übrigen an der Viktoria-Allee geplanten Reubauten der wissenschaftlichen Institute des Senckcnbergianums war im Vestibül des Museums ausgestellt und wird in den nächsten Wochen im Vogelsaale, der allgemeinen Besichtigung zugängig sein.
Die Festversammlung begab sich sodann zum Eschenheimer Tor, wo reservierte Trambahnwagen bereit standen, die die Teilnehmer zur Viktoria-Allee führten. Dort war der Bauplatz festlich mit Guirlanden geschmückt, von hohen Masten wehten Fahnen in den deutschen, preußischen und Frankfurter Farben. Die polizeiliche Absperrung der Baustätte leitete Herr Polizeikommissar Szagunn. Ein'zahlreiches Publikum hatte sich auch außerhalb der Absperrung eingefunden. Pünktlich um 1 Uhr begann die Feier der Grundsteinlegung, der u. a. die obengenannten-Ehrengäste beiwohnten. Herr Dr. Kn o b l auch, der erste Direktor der Gesellschaft, cröffnete die Feier mit folgender Ansprache:
„Euer Exzellenz! Hochansehnliche Festversammlnng! „Das Alte stürzt, cs ändert sich die Zeit — Und neues Leben blüht aus den Ruinen". Schon ist die alte Mauer zum Teil gefallen, die ein Halbjahrhundert lang das Gelände der Stiftung ScnckenbergS umschlossen hat, bald werden die ehrwürdigen Bauten zwischen Eschenheimer Tor und Brönnerstratze niedergelegt sein, das alte Bürgerhospital mit seinem Nhrtürmchen, bei dessen Vollendung der Stifter selbst durch einen unglücklichen Sturz in die Tiefe seinen Tod gefunden, das „anatomische Theater" des medizinischen Instituts, das Fürst PrimaS gewaltsam, aber vergebens zu einer medizjnisch-chirurchischen Spezialschule zu gestalten versuchte, und auch unser Museum wird vom Erdboden verschwinden, Lessen Grundstein am 16. Avril 1820 im Beisein deS regierenden Bürgermeisters der Freien Stadt Frankfurt, von Günderrodc, vieler Mitglieder des Senats und der Bnrger- reprüsentation an derjenigen Stelle gelegt wurde, wo zuvor Senckenbergs Apothekerküche, sein Laboratorium chymicum gestanden. Aber hier an der Biktoria-Allee, aus dem uener- worbenen Gruuö und Boden der Dr. Senckenbergischen Stiftung, werden in aller Kürze neue, stattliche Bauten erstehen und kommenden Geschlechtern künden, zu welcher Blüte die hochherzige Stiftung eines Frankfurter Bürgers und ihre Tochterinstitute sich unter der friedlichen Regierung der ersten
drei Hohenzollernkaiser des ncuerrichteten Deutschen Reiches-) und unter der verständnisvollen Fürsorge der hohen Behörden unserer Vaterstadt am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt haben. Und wir, die Scnckenbergifche Naturforschendc Gesellschaft, wir sind zuerst am Platze erschienen, um den Grundstein zu unserem neuen Hause zu legen. Es ist ein Markstein in der Geschichte nnserer Gesellschaft. Da gczieint es sich, unsere Blicke rückwärts zu lenken aus die Entstehung und Entwicke- > lung des Bauprojektes, zu dessen Ausführung wir heute schreiten. Zivei Männer aus dem Kreise unserer Mitglieder I waren es, die fast gleichzeitig im Herbst 1897 in hochherziger Weste der Gesellschaft grobe Summen überwiesen zur Erweiterung unseres Museums, welche die Verwaltung seit langen Jahren als notwendig erkannt, aber bei der pekuniären Lage der Gesellschaft auszusühreii gerechte Bedenken getragen hatte. Es waren Albert Key! und Albert von Reinach. So war mit eiuemmale der kleine Bau-
fonds, den ivir in einer Reihe von Jahren ausgesammelt hatten, zu einer ansehnlichen Höhe angewachsen; andere hochherzige Schenkungen flössen ihm reichlich zu, und heute verfügen ivir über etwas mehr wie 400,000 Mark, die uns die stets bewährte Opferwilligkeit unserer Mitbürger für unseren Bau zur Verfügung gestellt hat. Ein erstes Projekt, welcher einen Anbau an unser jetziges Museum der Bleichstrabe entlang vorsah, erwies sich als undurchführbar, iveil eS bei der gleichzeitig geplanten Errichtung einer neuen physikalisch - chemischen Instituts den weitere» Betrieb des BürgerhospilalS ernstlich gefährdet und durch die enge Bebauung des Stiftungsgeländes den botanischen Garten dem Untergang prciSgegeben hätte. Bei dieser Sachlage ist die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung im Herbste 1902 dem Gedanken einer Veräußerung ihres wertvollen Grundstückes und einer Verlegung unserer sämtliche» Institute nach der Autzenstadt nahe getreten. Sie fand die tatkrästigste Förderung ihrer Bestrebungen bei dem Oberhaupte unseres städtischen Gemeinwesens, Oberbürgermeister Dr. Franz Adickes dessen klarer Blick die Erhaltung und den weiteren Ausbau unserer wissenschaftlichen Institute als eine Ehrenpflicht der Stadt Frankfurt erkannte. Am 18. August vorigen Jahres, am 110. Jahrestage der Errichtung der Stiftung Senckenbergs, ist der Vertrag zwischen der Stadtgemeinde und der Administration unterzeichnet ivorden, der die Nebernahme des StiftungSgrnndstücks in städtischen Besitz regelt und eS der Stiftung ermöglicht hat, uns diesen Bauplatz an der Biktoriaallee und auberdent' ein Kapital von 800,000 Mark zu überlassen als Entschädigung für die Räumung unseres jetzigen Museums und als Zuschuß zu den Kosten der Ausführung und Einrichtung unseres Neubaues. Die Administration hat hieran keine besonderen Bedingungen geknüpft. Die durch unsere Statuten festgclrqten, unabänderlichen Grund- gesctze, welche die Sicherung unseres Gesellschaftseigentums betreffen und unser Verhältnis zur Dr. Senilen- l, ergischen Stiftung bestimmen^bleiben also unberührt.
Freudigen Herzens und voll stolzer Zuversicht sind wir ein-
gezogen ans unseren neuen Bauplatz, und voll innigster Dankbarkeit gedenken ivir heute aller derer, die eS nnS ermöglicht haben, dieses erste Ziel zu erreichen. Unseren innigsten Dank den Herren Albert Kepl und Albert v. Reinach, allen Gönnern und Freunden unserer Bestrebungen, die uns reiche Mittel zu dem Bau gespendet haben, der Stiftungs- ndmiuistration und den hohen städtischen Behörden unserer lieben Vaterstadt. Bereits im Sommer 1899 hatte sich die
Gcsellschnst au einige hiesige Architekten um Einreichung von Plänen zu dem damals beabsichtigten Eriveiterungsbau gewandt und war bei der Beurteilung derselben durch den Erbauer des ReichStagsgebäudes, Geh. Hos- und Baurat Prof. Dr. Paul Wattot in Dresden, in der zuvorkonimenüsten Weise unterstützt ivorden. Aus Grund eines von Wallot erstatteten Gutachtens beschloß unsere Verwaltung am 28. April 1900, die weitere Bearbeitung deS Projektes und die Ausführung des Baues dem König!. Baurat Ludwig Reher zu übertragen. Dieser Beschluß wurde ausrecht erhalten, auch nachdem an Stelle des zuerst geplanten Erweiterungsbaues an der Bleichstraße durch unsere Generalversammlung am 2l. Februar vorigen Jahres die Aufführung eines Museumsneubaues an der Biktoriaallee beschlossen worden mar. In unserer wissenschaftlichen Sitzung vom 30. Januar dieses Jahres hat Baurat Reher die durch Berwaltungsbeschlnst vom 16. Januar dieses Jahres genehmigten Pläne der Gesellschaft vorgelegt und heute vormittag haben Sie ein Modell unseres neuen Museums im Mittelpunkt der geplanten wiffenschastlichen Institute in unserem alten Hause ansgestellt gesehen. Zwei Arbeiten Vaurat Rehers, aus unseren Berichten 1901 und 1901, welche die ausführliche Geschichte des Bauprojektes, perspektivische Ansichten und zahlreiche Pläne enthaltend, werden wir in dem Grundstein unseres neuen Hauses niedcrlegen. Am 7. April dieses Jahres ist mit den Erd- arbciten>b^go»ns»!-wordan/ Die Asissührung derselben und der Versetz- und Maurerarbeiten wurde der hiesigen Firma Gebrüder Seeger, die Ausführung der Steinmetzarbeitcn der Firma Philipp Holzmann & Co. übertragen. Die spezielle Bauleitung ist auf Baurat Rehers Antrag in die Hände des Architekten Stephan Simon gelegt. Möge unter Gottes gnädigem Schutze durch den Fleiß der Bauarbeiter unser Reuban rasch emporwachsen, auf daß in kurzer Zeit das Museum erstehe, welches in Zukunft unsere reichen natur- wissenschustlichen Sammlungen beherbergen soll! Wir aber, die wir berufen sind, das teuere Vermächtnis unserer Vorgänger zu wahren und in dieser großen Ze.it Me- Geschäfte der Gesellschaft zu führen, wir geloben in dieser feierlichen Stunde aufs neue, im Sinne der Stifter unserer Gesellschaft ihre idealen Zwecke nach bestem Können zu fördern, der Wissenschaft zur Ehre, der Vaterstadt zu bleibendem Ruhme.j allen kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung eingedenk der Worte Goethes: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!" Mit diesem Gelöbnis bitte ich Euer Exzellenz als Vertreter unserer Allergnädigsten Pro- tcktorin Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, den Befehl zur Grundsteinlegung zu erteilen."
Der Sekretär der Gesellschaft, Herr Dr. O. Schn au- d i g e l, verlas sodann die Grundsteinirrkunde, die folgenden Wortlaut hat: „Im Jahre Eintausend neunhundert und vier am fünfzehnten des Monats Mai, im sechzehnten Jahre der Regierung Seiner Majestät des Deutschen
Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm des Zweiten und im vierunddreißigsten Jahre des neuerrichteten Deutschen Reiches, wurde in Gegenwart des'Vertreters Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin Auguste Viktoria der Allergnädigsten Protertorin der Senckenbergischen Natur- forschenden Gesellschaft, des Generaladjutanten Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Generals der Infanterie Oskar von Lindequist der Grundstein, in dem diese Urkunde verschlossen wurde, gelegt und damit unter
tatkräftigen. Förderung durch Stadt und Tr. Sencken- bergische Stiftung der Neubau des Naturhistorischen Mn-
seums, ju dem Frankfurter Bürger reiche Mittel gespendet, dem. beiliegenden Plane des Baumeisters Ludwig Neher, Königlichen Baurats (Bericht der Senckenbergischen N-atur- forschrnden Gesellschaft 1904, Seite 27 bis 39) gemäß begonnen. Wir befehlen diesen Bau dem gnädigen Schutze des Allmächtigen! Möge er dauern in die Jahrhunderte hinein, ein stolzes Denkmal Deutschen Bürgersinnes, eine Pflegestätte naturwissenschaftlicher Forschung, eine Quelle der Belehrung für alle kommenlden Geschlechter! Das walte Gott!"
Nachdem der Grundstein geschlossen ivar, fanden die üblichen drei Hammcrschläge seitens der anwesenden Ehrengäste statt. General Exzellenz von Lindequist führte die Hammerschläge mit folgenden Worten aus: „Im ehrenvollen Auftrag der hohen Protektorin. Ihrer Majestät der Kaiserin, zur Förderung der Wissenschaft, zur Ehre Gottes." Oberbürgermeister Dr. A dick es: „Goethes Geist beseele dieses Haus. Willst Du ins Unendliche schneiten, geh,' nur im Endlichen nach allen Seiten." Tie Hammerschläge wuvden weiter ausgeführt von Bürgermeister Dr. Barrentrapp, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Humser, Generalleutnant von Stülpnagel, Kommandant, Polizeipräsident Scherenberg, dem Vertreter der Universitäten Marburg, Gießen und Heidelberg, dem Vertteter der Technischen Hochschule zu Darm- stadt: Professor Dr. Dingeldey, derzeitiger Rektor, dem Vertreter der Akademie für Sozial- nnd Handels- Wissenschaften: Professor Dr. Burchard, derzeitiger Rektor, dem Vertreter der naturwissenschaftlichen Gesellschaften und Vereine zu Hanan, Heidelberg, Mainz, Marburg, Oftenbach und Wiesbaden, dem Vertteter der Dr. Senckenbergischen Stiftung, des Aerztlichen und Physikalischen Vereins und des Vereins für Geographie und Statistik: Wirklicher Geheimrat Professor Dr. Schmidt- Metzler, Exzellenz, ferner von Dr. A. Knoblauch als derzeitiger 1. Direktor, Major a. D. Professor Dr. von Heyden als Vertteter der früheren ersten Direktoren, Professor Tr. Kinkel in als Vertteter der Sektionqre des Museums und dem Baumeister Baurat Neher. Mit einem Hoch auf den Kaiser, das Herr Dr. Knoblauch ausbrachte, schloß die schöne Feier.
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