GlnudstemLegung

= Frankfurt, 16. Mai.

Die B4kkoria - Allee soll eine Via triumpbalis für die Wissenschaften in Frankfurt werden. Heute wurde der Grundstein zu dem ersten der Gebäude gelegt, die Zeug­nis äblegen sollen, daß in der Handelsstadt Frankfurt jetzt wie früher wissenschaftliche Bestrebungen eine gute Stätte finden. Eine stattliche Versammlung stand an der Wiege des N a t u r h i st o r i s ch e n Museums, das sich in wenigen Jahren westlich von der Bockenheimer Landstraße zwischen Kettenhofweg und Jordanstraße erheben soll.

Dr. A. Knoblauch, der erste Direktor der Sencken- bergischen naturforschendcn Gesellschaft, gab in seiner schwungvollen Festrede einen Ueberblick über die Vorgeschichte Des Bauprojekts, zu dem die Mitglieder Albert Keil und Albert von Reinach durch reichliche Spenden die Anregung gaben. Ein günstiger Vertrag mit der Stadt ermöglichte >cs der Stiftungsadministration, für das Museum den Bau­platz an der Viktoria-Allee und ein Kapital von Mark 800,000 zur Verfügung zu stellen. Die Bauausführung ' wurde auf Grund eines Gutachtens von Wallot dem Bau­rat Ludwig Neher übertragen. Am 7. April wurde von der Firma Gcbr. Seeger mit den Erdarbeiten begonnen. Mit dem Gelöbnis, die idealen Zwecke der Gesellschaft nach bestem Können zu fördern, schloß der Redner.

Nachdem General von Lindeguist, als Ver­treter der Kaiserin, der Protcktorin der Gesellschaft,den Befehl zur Grundsteinlegung" erteilt- hatte, verlas der kor­respondierende Sekretär Dr. med. O. Schnaudigel die »Gr und st einsurkunde, die folgenden Wortlaut hat:

Im Jahre Eintausend neunhundert und vier am fünfzehnten des Monats Mai, im sechszehnten Jahre der Regierung Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm des Zweiten und im vierunddreißigsten Jahre des neuerrichteten Deut­schen Reiches, wurde in Gegenwart des Vertreters Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin A u g u st e Viktoria, der Allergnädigsten Protektorin der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, des Generaladjutanten Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Generals der Infanterie Oskar von Lindeguist, dev Grundstein, in. dem diese Urkunde verschlossen wurde, ge­legt und damit unter tatkräftiger Förderung durch Stadt und Dr. Senckenbergische Stiftung der Neubau des naturhistorischen Museums, zu dem Frankfurter Bürger reiche Mittel gespendet, dem beiliegenden Plane des Bau­meisters Ludwig Neher, Königlichen Baurats (Be­richt der Senckenbergischen Naturforschendcn Gesellschaft 1904, Seite 27 bis 39) gemäß begonnen.

Wir befehlen diesen Bau dem gnädigen Schutze des Allmächtigen! Möge er dauern in die Jahrhunderte Hinein, ein stolzes Denkmal Deutschen Bürgersinnes, eine Pflegestätte naturwissenschaftlicher Forschung, eine j Quelle der Belehrung für alle kommenden Geschlechter!

Das walte Gott I" !

E Die Urkunde samt den Bauplänen wurde in den Grund­stein vermauert. Es erfolgten die Schläge mit dem Ham­mer, den Albert von Reinach bei seinen Forschungen im Taunus lange Jahre hindurch benützte. Den ersten Schlag führte General v. Lindeguistim Auftrag der Kaise­rin, zur Förderung der Wissenschaft, zur Ehre Gottes." Oberbürgermeister A d i ck e s empfing den Hammer mit den Worten:Goethes Geist erfülle dies Haus. Willst du ins Unendliche schreiten, gehe nur im Endlichen nach allen Sei­ten." Weitere Segenssprüche spendeten Bürgermeister Dr. Barrentrapp, Stadtverordnetenvorstehcr Dr. H u m- s e r, Stadtkommandant v. S t ü I p n a g e I, Polizeipräsi­dent v. Scherend erg, Vertreter der Hochschulen Mar­burg, Gießen, Heidelberg, Tarmstadt, Frankfurt, der natur­wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereine von Hanau, Heidelberg, Mainz, Marburg, Offcnbach und Wiesbaden, Geheimrat Schmidt-Metzler, Dr. A. Knoblauch, Major a. D. Prof, von Heyden, Prof. Kinkelin und schließlich Baurat Neher als Baumeister. Mit einem Hoch aüf den Kaiser schloß der Festakt.

Mit der Grundsteinlegung war das Jahr es fest der Senckenbergischen Naturforschendcn Ge­sellschaft verbunden, das am Vormittag mit einer akademischen Feier imalten Haus" begann. Dr. Kn ob:

kor-

e .Zum Schluß erstattete! der zweite Direktor

Ltabsarzt Prof. Ernst Marx den Jahresbericht. Mm Zahl der beitragenden .Mitglieder beträgt 611: "

respondrerende Mitglieder sind es 175.

Die Jahresfeier wurde mit einem P a l m e n g a r t e n beschlossen.

Gangen viele große Reden gab.

Dr. '

Festessen im bei dem es neben vieler

- - --i'- ö Das erste Hoch brachte

Knoblauch aus. Es galt dem Kaiser, mit dem sich i i ön3e r h0 " ^ns wisse in der Sorge für die Aufrecht- , ^a"ung des Friedens. den nichts machtvoller fördere als ^^i.^^cnschaft, die Ueberwinderin aller unberechftgten, nattonalen Gegensätze. Prof. M a r x dankte den städtischen *°v^ en den Bürgern, die durch reiche Stiftungen und

Anteilnahme an den wissenschaftlichen Veranstal- Ä^iereste bezeugten und bat einzustimmen in r Frankfurt und ihre Bürgermeister

SS 1 ., Oberbürgermeister Ad ickes. dankte mit dem bte Ziele der Gesellschaft. Für sie ist

1 ute Erntetag und «aetag: Entetag, weil sie in den Gaben

der Bürger die Ernte empfangen hat für alles, was sie in Frankfurt seit 78 Jahren leistete, Säetag, weil der Grund­stein gelegt wurde für ein Gebäude, in dem der Wissen­schaft noch,mehr Altäre als bisher errichtet werden sollen. Die Gesellschaft hat gehandelt, wie der Feldherr, der fei­nen Marschallstab ins feindliche Lager warf, um dadurch die Opferwilligkeit der Seinen zur höchsten Entfaltung zu bringen. Sie, strebt Größeres an, als sic im Augenblick sicher ist, leisten zu können. Sie vertrat dabei die Zukunft und den BUrgergeist Frankfurts. Dr. med. Schnau­digel erhob sein Glas zu Ehren der Gäste, besonders des Vertreters der Kaiserin. General von Lindeguist erwiderte auf der Stelle. Mit bewegter Stimme bat er, für einen Augenblick sich seiner Würde als Vertreter der Kaiserin entkleiden und nur als Gast sprechen zu dürfen. In kurzem werde er ja Frankfurt verlassen und das Herz werde ihm schwer bei diesem Gedanken. Unwillkürlich komme er darauf zu sprechen, da er hier vor einem Kreis von Frankfurtern stehe; habe er sich doch mit ganzem Her­zen hier in der Stadt festgewurzelt, hier, wo er so freund­lich ausgenommen worden sei und so glückliche Jahre ver­lebt habe. Doch er wolle ja im Namen der Gäste reden, und als der Weiteste nach den Lebensjahren, für die Ein­ladung zu dem Feste danken. Nicht weil ihm der Sinn für die Ziele der Gesellschaft fehlte, sei er ein träges Mitglied gewesen, sondern weil ihm die Zeit mangelte. Er trete nun in ruhigere Verhältnisse und hoffe, als Gast öfters den Sitzungen beiwohnen zu können. Unter warmen Wünschen für die Zukunft schloß General v. Lindeguist mit einem schlichtenHoch" auf die Gesellschaft. Professor Braun, der Vertreter der Universitäten Marburg, Gießen und Hei­delberg, gedachte des Forfchungstriebs der Bürger, aus dem die Senckenbergische Gesellschaft ihre Kraft herleite. Prof. E. Hartmann gratulierte namens des Physikalischen Vereins und wurde von Geheimrat Schmidt - Metz­ler für die scherzhafte Rüge, daß der Physikalische Verein zugunsten des Museums von der Administration stiefmüt­terlich behandelt werde, mit der Aufforderung abgefertigt, doch auch den Marschallstab ins feindliche Läget zu werfen. Dr. K. V o h s e n brachte den Damentoast aus, Rektor Dr. Dingeldey - Darmstadt schilderte die Beziehungen zwischen Naturwistenschaft und Technik und Rektor Dr. B u r ch a r d von der Frankfurter Sozialakademie sah diese jüngste Pflanzstätte der Wissenschaft schon als Nachbarin des Museums an der Viftoria-Allee. Um fünf Uhr wurde die Tafel aufgehoben.

(ScncnilMitiijcr

Frankfurt a. M.

Blatt

Nr. 114

Dienstag, 17. Mai

1904

Me Grimdstemlegliilg pt Neubau des Uutnr- IHorischen Museums.

* Frankfurt a. M., 16. Mai.

Der gestrige Tag bedeutete einen neuen glanzvollen Mark­stein in der Geschichte der Frankfurter wisseuschastlichen Institute. In keiner anderen Stadt unseres Vaterlandes haben die Naturwissenschaften eine so hervorragende Pflege­stätte wie hier in Frankfurt und deshalb wird der geplante Neubau des Naturhistorischen Museums in den wertesten Schichten unserer Bevölkerung aufs freudigste begrüßt. Gestern wurde zu diesem Neubau, der sich in stattlicher Form an der Mktoriaallee erheben wird, in feierlicher Beeile der Grundstein gelegt. Diesem Akt ging vormittags um 11 Uhr eine akademische Feier im MuleumS- gebäude voraus, zu der sich die Mitglieder der Sencken-

b e r g i s ch e n N a t u r f o r s ch e n d e n G e s e l l s ch a f t, die

zugleich ihr Jahresfest beging, sehr zahlreich mit ehren Damen eingefunden hatten. Auch zahlreiche Gäste waren anwesend, unter ihnen als Vertreter der Kaiserin, der Pro­tektorin der Gesellschaft, Se. Exzellenz General von Lindeguist, ferner Stadtkommandant Exzellenz von Stülpnagel, als Vertreter der Stadt Frankfurt Ober­bürgermeister Dr. A d i ck e s, Bürgermeister Geh. Rat Dr. B a r r e n t r a p p, mehrere Stadtrüte und Stadtverordnete, als Vertreter der Kgl. Staatsregiernug Polizeiprastdent Scherenberg, ferner Vertreter der Universitäten Mar­burg» Gießen und Heidelberg, der Technischen Hochlchule m Darmstadt, der hiesigen Akademie für Sozial- und Handels- Wissenschaften, sowie Abgeordnete, von auswärtigen und hiesigen wissenschaftlichen Gesellschaften und Pereme». Der 1. Direktor der Senckenbergischen Natunorlchem den Gesellschaft, Herr Dr August Knoblauch hielt die Begrüßungsaniprachc. Er ftun^ zunE

auf die besondere Bedeutung der diesmaligen ^ahrcsseier hin, mit welcher die Grundsteinlegung zum dkeuba Naturhistorischen Museums verbunden Jlt «

Vertreter der Kaiserin, Exzellenz von Lmdegu L »ni J glänzende Fcstversammlung im Nmu-n d-r Dnettwn

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zahlreicher als sonst erschienenenMltglicdcrderG j

und bat sie. der Gesellschaft auch l-rn-r 'h 2 vohlwou-n ( ihre Unterstützung zu teil werden zu laßen.