Therapeutisches Trinklied
Mel.: Mein Lebenslauf etc.
Viel Reden geht durch Mark und Bein; Zu trocken ist der Spaß.
Bringt Wein herauf' vom besten Wein! Vom allerbesten Faß!
In meinem Leih die kleinste Zell'
Hat endosmotische Gier;
Der troclc’ne Brand droht auf der Stell'; Gefährlich steht’s mit mir.
Der Wein! der Wein! der Wein! Die beste Medizin!
Kolleg! Kolleg! Kolleg! Verschreiben Sie mir ihn !
Ich fühl’ ein Brett vor meiner Stirn Von all’ dem Wortgekram ;
Atrophisch wird mir das Gehirn,
Die Zunge ist mir lahm;
Entzündet ist mein Trommelfel!,
Mir flimmert’s vor dem Aug’.
Holt einen Doktor her — und schnell, Eh’ ich den Geist verhauch’!
Der Wein! der Wein! der Wein! Die beste Medizin!
Kolleg! Kolleg! Kolleg! Verschreiben Sie mir ihn.
Pfortader ist ob der Geschieht’,
So scheint es, sehr verstimmt;
Die Leher macht ein bös’ Gesicht,
Die Milz ist ganz ergrimmt.
Gedörrt liegt, wie auf troek’nem Sami Das Netz mir, meiner Treu!
Mir ist, als sei, was ich empfand,
So was wie Wasserscheu.
Der Wein! der Wein! der Wein! Die beste Medizin!
Kolleg! Kolleg! Kolleg! Verschreiben Sie mir ihn.
In meinem Hirne habe ich Ein durstig Ganglion.
Dies Ganglion, das peinigt mich So recht zu Spott und Hohn.
0 Ganglion, laß mich in Ruh’! Vermaledeite Hex’!
Denn trinken muß ich immerzu;
Es ist ja nur Reflex.
Der Wein! der Wein! der Wein! Die beste Medizin!
Kolleg! Kolleg! Kolleg! Verschreiben Sie mir ihn!
Ein Mühlenrad muß Wasser hau,
Wenn es fein mahlen will;
Und wenn die Mühl nicht klappern kann, Dann steht die Mühle still.
Doch meiner Seele Mühlenrad,
Das treibt sich nur mit Wein;
Da weiß ich keinen andern Rat,
Als — schenkt mir fleißig ein!
0 Wein! o Wein! o Wein!
Mir ist so wohl wie nie.
Schenkt ein! Schenkt ein! Schenktein! Das nenn' ich Therapie.
Heinrich Hofifmann.
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