Huldigung der deutschen Frau
Jetzt den Damen woll’n wir sagen Ein absonderliches Ding,
Wie es in der Vorzeit Tagen Der teuton’scben Frau erging.
Wie es lehret die Geschichte Jenes Römers Tacitus,
Wie es künden die Berichte:
„De Germaniae moribus“.
Ohne falsche Hairpariire,
Ohne Spitzentuch und Geld,
Ohne Bildung und Tournüre
Kroch das Weil» durch Busch und Feld.
An dem Fellkleid, wie die Klette,
Nach des Tacitus Bericht,
Hing der Kinder lange Kette,
Aber unter Zwölfen nichtI
Wurde eine Schlacht geschlagen,
Waren stets die Frau’n dabei.
Hoch auf dem Bagagewagen Machten sie ein Mordgeschrei.
Und sie wehrten sich unbändig,
Manch’ latein’schem Bösewicht Kratzten sie höchst eigenhändig Monogramme in’s Gesicht.
Mel : Strömt herbei, ihr Völkerscharen.
Kam der Herr Gemahl zu Tode,
Legt’ man auf den Scheiterhauf’
Seine Frau, das war so Mode,
Zur Gesellschaft oben drauf;
Je nachdem der Brand geraten,
Ging das arme Weibelein „Englisch“ oder „durchgebraten“
Dann in die Wallhalla ein.
Ja, die Damen der Germanen Hatten vormals schweren Stand. — Unsre teutoman’schen Ahnen Waren etwas ungalant. —
Andre Zeiten, andre Sitten!
Heut, ihr Damen, hochverehrt,
Fahret ihr in Kutsch’ und Schlitten, Sitzt auch manchmal hoch zu Pferd.
In Theater und Soireen Seid ihr heut die wahre Zier!
Seht so manchen Neu-Teutonen Liebeglüh’nd als Kavalier.
Ihr treibt’s Kochen, schreibt Gedichte, Zieht die Kinder stilvoll an,
Hört Entwickelungsgeschichte,
Über Volt, Ohm und Methan.
Darum Dank für solche Wandlung Spenden wir den Damen gern,
Deren edelmüt’ge Wandlung Oft bezwingt den Sinn der Herrn.
Auf, ihr Brüder, hebt die Gläser,
Ruft es laut durch Deutschlands Gau’n! Schmettert, ihr Fanfarenbläser, Huldigung den deutschen Frau’n!