einem Punkte, in dem er falsch beobachtet hatte, natürlich auch vieles Wertvolle über die Entwicklung der Pflanzenorgane und haben schon durch den Widerspruch, den sie Hervorriesen, offenbar zur rascheren Erkenntnis der Be- fruchtiingsverhältnisse beigetragen. Zahlreiche entwicklungs- geschichtliche und anatomische Arbeiten erschienen noch in dieser Zeit der fruchtbarsten Tätigkeit, die sich etwa von 1828 — 1848 , erstreckt, während Schleiden in Jena Professor der Botanik war. Am Ende dieser Periode erschien auch sein berühmtes Buch „Die Pflanze", das sich aus einer Reihe von gedruckten Vorträgen zuchmmensetzt und mit dem sich der Verfasser ein neues großes Verdienst erwarb, insofern es bisher noch Niemandem gelungen war, dem Laienpublikum einen Begriff davon zu geben, was eigentlich die j wissenschaftliche Botanik erstrebt und das; der Botaniker ein ! anderes Ziel hat. als von möglichst vielen Pflanzen die Namen kennen zu lernen. Schleiden konnte dies um so besser, als er einerseits infolge einer umfassenden allgemeinen Bildung geistreich zu sprechen und zu schreiben verstand, andererseits kein Gebiet der Botanik übrig gelassen hatte, auf dem er sich nicht mit eigenen Untersuchungen versucht und erprobt hätte, sowohl in der reinwissenschattlichen Botanik, also als Anatom, Physiolog, Systematiker, Pflanzenpalaeon- tolog und -Geograph, wie auch in der angewandten Wissenschaft, der Landwirtschaft und Pharmakognosie insbesondere. Aber alle diese positiven Leistungen sind, wie wir schon andeuteten. nicht von solcher Bedeutung wie seine Methode und zu dieser Methode gehört auch die Strenge, mit der er die Leistungen anderer beurteilte, und die Unbefangenheit, mit der er sein Urteil aussprach. Gerade die berühmten Namen verschonte er am wenigsten mit seiner Kritik, und hatte insofern Recht, als das Falsche, was unter ihrem Namen als richtig ausgegeben wurde, der Wahrheit ganz besonders gefährlich war. Sv griff er den berühmten Justus o. L i e b i g in einer besonderen Streitschrift an, weil dieser sich über die Vertreter der Pflanzenphysiologie sehr ablehnend geäußert, dabei aber selbst recht bedeutende Mängel an Kenntnis auf diesem Gebiet verraten hatte. Wie gegen Jrrtümer in der Wissenschaft, so kämpfte Schleiden auch gegen Mißstände in der Verwaltung und im öffentlichen Leben, er geißelte mit scharfen Worten die „Infamie der Salzsteuer", er kämpfte, wo er konnte, gegen Aberglauben. Pfäfferei und gegen die für Naturphilosophie sich ausgebende Phrasenmacherei. Von diesem letzten Punkte sind wir ja ausgegangen, um Schleidens Bedeutung zu verstehen, und sind dabei noch nicht dazu gekommen, seine i Wirksamkeit in chronologischer Folge zu besprechen und einen Abriß seines Lebens zu geben.
Sein Vater, Andreas BenedictSchleidensl 775 ' bis 1853) war Arzt und Stadtphysikus in Hamburg und hat sich als Verfasser einiger medizinischer Schriften einen Namen gemacht. Matthias Jakob war der älteste Sohn, der zweite Karl Heinrich (1808 — 1890) war als Schulmann und Leiter einer Schule in Hamburg bekannt. Matthias erhielt seine Schulbildung in Hamburg, studierte darauf in Heidelberg Jurisprudenz und erwarb sich, dort die Doktorwürde. Er ließ sich darauf in Hamburg nieder und versuchte es mit der advokatischen Praxis, allein die ganze Tätigkeit sagte ihm so wenig zu, daß er sich entschloß, sie ganz aufzugeben. Nun wandte er sich der Medizin in Göttingen zu, wo ihn Bartling für die Botanik gewann. Diese studierte er dann in Berlin unter der Leitung seines . Onkels H o r k e l und unter dem Einfluß bedeutender Man- | net wir Alexander v. Humboldt und Robert Braun. | Hier in Berlin verkehrte er mit S ch w a n n und beeinflußte diesen seinerseits. 1829 promovierte er in Jena als!
Nröwssnr 8-? R baIb bt ? au f Zun, außerordentlichen «• i ^ begann jetzt die Periode
fc «fr Manschen und didaktischen Tätigkeit und llcken Ift* b fl e m fangen aller Art von Wissenschaft- Sck,s);^^ und Akademien bestanden. 1850 wurde
£ ilf Zb s en - hd ’l X Professor und Direktor des botani. Lj n !«»««. Außer seinen Vorlesungen über
cer später auch Vorträge über pharma« ip» frfrfr und über sem Lreblingsfach neben der Bo- m L t ! L n fr opoI fr e ‘ Die politische Tätigkeit, L 1848 y ,nri i "irkte sehr störend auf
so ^"^"stlrche tn feinem Spezialfach ein und es kam ständPn 7 °Ä f- au ll l , er "icht weiter zu erörternden Um- m Jena niederlegte. Er zog nach b J C Beziehungen, die er zu der russischen WiffpniE^ ^ \ u 11 r Paulowna, der Freundin der brachten ihm einen Ruf nach Dorpat, keil yfr?besungen über Anthropologie hielt. Diese Tätig- „ ^ U v £ Jahr lang, wenn es auch nicht!
Cwr F°"bseligkeit der russischen Geistlichkeit gegen tr pb ^Enn'gen Vorlesungen war, die ihn von dort ver- volle'r Kfr* fr eines russischen Staatsrats und mit bfrfr m kehrte er nach Dresden und in das alte Ver- f f- r ^Mltin zurück, nämlich die Verbindlichkeit, Aufsätzen Bericht über den Fortschritt der ^nbaltsfr;s?fr^fr ^"hlreiche Aufsätze verschiedenen ^abrpn? b 1" Lus diese Weise, bis ihn in den letzten ^ Ben zunehmende Kränklichkeit in seiner Tätigkeit hinderte-
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l Er verbrachte diese Jahre m Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt, mit der Durchsicht und Aufarbeitung seiner frühe- ren Werke beschäftigt. Als ich ihn zu Pfingsten 1881 zum letzten Male besuchte, konnte er, aufs aeußeffte abgezehrt, das Lager nicht mehr verlassen und bald darauf machte ein leichter Tod seinen Leiden ein Ende.
Mit Schleiden starb ein Gelehrter von so umfassendem Wissen, wie es wenige in der neuen Zeit der Spezialisierung der Disziplinen gegeben hat. Seiner botanischen Werke haben wir schon gedacht. An sie schließen sich noch einige andere naturwissenschaftliche an. Nach der „Pflanze" erschienen 1855 die „Studien", ebenfalls eine Sammlung von Vorträgen, die aber verschiedentliche Gegenstände behandelten, auch solche physikalisch-geographischen oder astronomischen Inhalts. Andererseits sollte der'„Pflanze" ein Gegenstück entstehen in dem Werke „Das Meer", denn! hierin wollte er die Tierwelt, von der ja die meisten Klassen ihre Vertreter im Meere haben, populär darstellen. Es gestaltete sich zu einem starken Buch, das 1867 zuerst erschien und schon durch die schön kolorierten Tafeln Aufsehen machte. Es gehören ferner zusammen die „Rose" (1823) und „Das Salz" (1875). Schleiden hatte den Plan, aus den drei Naturreichen je einen Gegenstand, der in dem Kulturleben der Völker von hervorragenoer Bedeutung geworden ist, monographisch zu behandeln. Die dritte Monographie über das Pferd blieb ungeschrieben, weil dieses Thema in. dem Werke Viktor v. Hehns ausführlich bearbeitet war.' Eine dritte Gruppe von Arbeiten beschäftigte sich mit dem fördernden Einfluß des Judentums auf das europäische Kulturleben und diese Studien nahmen ihren Ausgang von einer Arbeit über die Landenge von Suez und den Auszug der Israeliten aus Egypten, die schon 1858 erschienen war und in der er nachzuweiscn sucht, daß die Israeliten nicht durch das rote Meer, sondern über den zeitweise vom Meere bedeckten schmalen Landstreifen zwischen dem Sirbonis und dem mittelländischen Meer gezogen sind. Sein Aufsatz über „die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter", 1877 in Westermanns Monatsheften erschienen, wurde vom Ausschüsse des Deutsch-Israelitischen Geheimbundes zu Leipzig besonders herausgcgeben. Wegen dieses Eintretens zu Gunsten der Juden hat auch bei der einfachen Begräbnisfeier der hiesige Mendelssohn - Verein dem toten Gelehrten eine Rede gewidmet und einen Kranz geweiht.
So war Schleiden, wie wir sehen, frei von Vorurteilen, nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch im sozialen Leben. Das Wahre und Gute schätzte er, unbekümmert ob es von einem Juden oder Christen, einem Deutschen oder dem Angehörigen eines anderen Landes kam. Es ist hier nicht der Ort, wefter aus die vielen Arbeiten dieses Gelehrten einzugehen, wir müssen nur noch erwähnen, das; auch die künstlerische Seite seines Wesens sich me verleug» netc. Zu dieser gehört schon die Fähigkeit, elegant und interessant zu schreiben, ohne die er mit seiner „Pflanze" und äynlichen Schriften nie solchen Erfolgs gehabt haben würde. Er verstand es ferner, derartige Schriften mit ausgesuchten Dichterworten, vor allem Goethes und Rückerts, auszuschmücken, die den Kapiteln als Leitworte vorgesetzt wurden. Er kannte den Wert guter Abbildungen uno ließ gute Bilder nicht nur anfertigen, sondern stellte auch selbst Abbildungen her. Von seinem berühmten Lehrbuch der Botanik war die erste Auflage noch ohne Bilder, die zweite brachte zahlreiche Illustrationen als Holzschnitte im Text in bisher noch nicht erreichter Genauigkeit und Feinheit. Zu den Abhandlungen, die in den Akten der Leopoldinisch-Ckrolinischen Akademie und in den Petersburger Memoiren veröffentlicht sind, hat er zahlreiche Tafeln mit ausgezeichneten Abbildungen gemalt. Zudem soll er im Landschaftszeichnen sehr gewandt gewesen sein und viel skizziert haben. Weniger gelungen Dürfte es ihm sein, das künstlerische Empfinden in der Dichtkunst zum Ausdruck zu bringen, was er in zwei Bändchen Gedichten versucht hat, deren erstes 1858 unter dem Pseudonym „Ernst", deren zweites 1873' unter > demselben Namen, aber mit Hinzufügung des wirklichen erschienen ist.
Es ist keine Frage, daß Schleiden ein seltener, reichbe-: gabter Geist war, und daß er sich große Verdienste um den ; Fortschritt der Wissenschaft erworben hat, es ist aber auch - nicht zu leugnen, daß man mehr und größere ^.eistung ( seinem Spezialfach oer Botanik von ihm erwar en .
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