1 Waldtümpel und Gräben gelangen. Voraussichtlich werden ! über diese vereinzelten Feuersalamanderlarven im Jreieni nur sehr selten ihre EnUvickclung vollenden, weil sie meist den zahlreichen in den gleichen Bächen, Tümpeln und Grä­ben lebenden Feinden zum Opfer sallen werden.

Die hauptsächlichsten Feinde der Salamander­larven sind der I l u ß k r e b s, die Raubfische, vor allem die Forelle und der Stichling, andere Amphibien, namentlich der gefräßige Kammolch, sowie die großen Schwinrmkäfer und ihre Larven. Flußkrebs und Fo­relle, die im Taunus die Feuersalamanderlarven dezimieren, können wir außer acht lassen, weil sie in unserem Frank­furter Walde nicht Vorkommen. Für unser Gebiet kommen besonders der G e l b r a n d und seine mordgierige Brut, der räuberische K a m m o l ch und namentlich der Stichling in Betracht, weil er wie die Salamander­larven fließendes Wasser dem stehenden vorzieht. Und so mag gerade das massenhafte Vorkommen des Stichlings in den Bächen und Gräben der Unigegend von Frankfurt und besonders in der Luderbach selbst sowie in den Tümpeln und Lachen ihres Ueberschwemmungsgebie.es e i n Grund sein, weshalb in unserm Stadtwalde trotz des regeluiäßigen Vorkommens der Salamanderlarven die Landform des Feuersalamanders so ungemein selten angetroffcn wird.

Diese wichtigsten Feinde der Salamanderlarve, zugleich auch die hauptsächlichsten Feinde der Larven unserer Molche, sind ebenfalls in stattlicher Zahl- ausgestellt. ' Ter- größte Feind unserer einheimischen Lurche ist allerdings der Mensch, unsere a m p h i b i e n s a m m e l n d e Ju­gend. Eine ernste Gefahr durch sie ist aber für die ver­einzelten Fcuersalanianderlarven in unserem Stadtwalde nicht zu befürchten. Tenn die niedlichen Tierchen sind nicht leicht zu finden; sie sind geschützt durch eine a u ß e ro r d en t li ch große Anpassung ihrer äußeren Erscheinung an die Verhältnisse der Umgebung. Solange das Bächlein, welches die 1 Försterwicse durchfließt, im Waldesdunkel dahinglei­tet, wo sein Boden nnt abgefallenem dunkeln Laube be­deckt ist, ist die Salamanderlarve dunkel gefärbt; auf der Försterwiese selbst ist ihre Färbung wesentlich Heller und in den sonnenbestbicnenen Wicsenbächen des Taunus mit ihrem lehmigen Boden ist auch die Färbung der Salamander- larve fast lehmgelb.

Die beiden Gattungen unserer einheimischen Schwanz­lurche, die S a l a m a n d e r und die Molche, imter- j scheiden sich von den morphoWgischen Kennzeichen abgesehen/ fn schr charakteristischer W^se durch die Art ihrer Fort­pflanzung. Die Salamander, von denen wir in Deutschland zlvei Arten besitzen, bringen lebende Junge zur Welt, der Feuersalamander kiementragende Larven, der Alpxnsalamander lungcnatmende Landtiere von der Gestalt und deni Aussehen des erwachsenen Salaman­ders. Die Molche dagegen legen ausnahms­los E i e r.

Von besonderem Interesse ist demnach die Fortpflanzung der beiden Salamander-Arten, unseres Feuersalamanders und des schwarzen Salamanders des Hochgebirges. Sie ist verschieden je nach den äußeren Verhältnissen, unter denen die beiden Lurcharten zu leben gewohnt sind. Ter Feuersalamander ist ein Bewohner des wasser­reichen Berg- und Hügellandes, der an einzelnen Stellen seines Verbreitungsbczirkes auch in die Ebene der größeren ^'lußläufe hinabstcigt, aber nur selten höher im "Gebirge 's 800 Meter angetrossen wird. Ter Alpcnsala- mander dagegen, von dein einige Tiroler Exem­plare in verschiedenen All"-sstadien ausgestellt sind, ist ein ausgesprochener Bew > ner des Hochgebirges, der am liebsten innerhalb eines /oischen 1000 und 2200 Meter hinzichenden Höhengürtels lebt und bis zu 3000 Meter auf­steigt. Er fristet also sein Dasein und schreitet zur Fort-^ Pflanzung noch in einer gewaltigen Höhe, in der es leine' Bachläuse, keine Wasserlachen mehr gibt, in der vielmehr' das Gewässer der Gletscher über nackte Felsen rieselt und einer Fauna entbehrt, die der Larve des Alpensalamanders zur Nahrung dienen könnte. Sievollendet deshalb ihre Metamorphose im mütterlichen Or­ganismus und kommt als lungenatmendes Landtier zur Welt, an Gestatt und Aussehen der erwachsene Salamander im Kleinen. Ein junger vorjähriger Alpensalamander, der am 15. Juni 1903 in der Gefangenschaft geboren wurde, wird vorgezeigt.

Unser Feuersalamander setzt dagegen seine lebendigen Jungen als kiementragende Larven ab. Die ausgestellten Tierchen sind am 17. d. Mts. geboren, sie sind also neun Tatze alt. Zum Absehen seiner Larven benützt der Feuersalamander mit Vorliebe klare Quellen und Ee- birgs- und Waldbächc; er vermeidet aber auch nicht stehen­des Wasser, selbst nicht kleine dichlbewachsene Tümpel und Lachen, wie sie sich in alten, verlassenen Steinbrüchen bil­den, und sogar in engen Brunncnstuben findet man gelegent­lich Feuersalamanderlarv^n in großer Zahl.

Will man die Fortpflanzung der Salamander und Molche und die Entwicklung chrcr Larven von der Geburt bis zur Vollendung der Metamorphose zum L'.notiere in der Ge­fangenschaft beobachten, so muß man vor allem die Behäl­ter, in denen man die Tiere züchten will, in geeignewc We.se einrichten. Am zweckdienlichsten hierzu haben sich für den Feuersalamander feuchte Terrarien erwiesen, die durch eine nicht zu steil ansteigende Tufssteinwand in zwei verschieden aroße Abteilungen geschieden sind. Die kleinere Abteilung ist nüt Wasser gefüllt; die größere ist mehrere Zentimeter hoch mit grobem Flußsand belegt, worauf ein Mit den Wu rzelstö cken ausgestochener Movs rasen a usge-

breitet ist Das Wasser des Aquarienieils umspült die Wurzelsasern des Mooses. Auf diese Weise sind die Be­dingungen gegeben, unter denen das Moos im Terrarien­teil monatelang üppig gedeiht, ohne einerseits auszutrocknen oder andererscils faulig zu werden und zu schimmeln. Zu gleicher Zeit bietet der flache Uferrand des Aquarienteils dem gebärenden Feuersalamanderwwbchen die beste Ge­legenheit zuni Absetzen der Larven ins Wasser und den Larven bei der Vollendung der Metamorphose zum An­steigen ans Land

Wahrend für die Gefangenhaltung der Feuersalamander die geschildercken feuchten Terrarien die zweckmäßigsten Be­hälter sein dürften, empfiehlt es sich, unsere einheimischen Molche dauernd auch im Herbst und Winter im Wasser, und zwar in einem ziemlich dicht mit Pflanzen be­wachsenen Aquarium ohne Felsen und ohne schwimmende Insel zu halten. Tenn der dauernde W a s s e r a u f e n t h a l t verstößt keineswegs gegen die Natur der Tritonen; vereinzelte Exemplare findet man auch im Freien zu allen Jahreszeiten im Wasser, im Hoch­sommer und im Herbst, ja selbst mitten .im Winter. Und zweifellos ist es von einem nicht zu unterschätzenden Vorteil, die Tiere dauernd im Wasser zu halten, nämlich hinsichtlich der Ernährung. Tenn sobald der Molch ans Land ge­gangen ist, pflegt er sich zu verkriechen, im Freien in Erd­löchern, unter Steinen, zwischen die Rmd-e und das Holz abgestorbener Baumstrünke, unter Wurzeln u. dergl., im Aquarium im Moose und unter Pflanzen; er wird äußerst träge in seinen Bewegungen, verliert die Freßlust und ist nur mit größter Mühe zur Nahrungsaufnahme zu brin­gen. Deshalb sehen wir unsere Molche in der Gesängen- schast meist mehr und mehr abmagern; schon im Herbste sind sie erbännlich ausgehungert, und im Winter pflegen gewöhnlich viele Tiere einzugehen. Dauernd im Wasser gehalten, bewahren dagegen die Molche auch im Herbst und Winter die gleiche Lebhaftigkeit und Behendigkeit der Be­wegungen wie im Frühjahr und auch ihre Freßlust ist nur wenig vermindert. In Folge dessen gelingt es uns, sie in einem dauernd guten Ernährungszustand z u e r b a l t e n.

Der Vortragende pflegt seine Molche seit zwei Jahren im Aquarium zu überwintern. Tie jungen Kammolche, die aus Larven gezüchtet sind, wurden dauernd im Wasser ge­halten, abgesehen von der kurzen Zeit der Metamorphose aus dem Larvenzustand zum lungenatmenden Landtier, wo den Tierchen durch Einlegen einer schwimmenden Korkplatte vorübergehend Gelegenheit gegeben wurde, sich an das Leben ! außer Wasser zu gewöhnen.

Im Gegensatz zu unseren lebendig gebärenden Salaman­dern legen die Wassermolche Eier. Ter Eiablage, welche unter Umständen schon im März erfolgt, gehen bei diesen Tieren graziöse Liebesspiele voraus, deren" Beobachtung unser Interesse stets von neuem wachruft. Mit wahrer Leidenschaftlichkeit machen die Männchen ihren i Weibchen den Hof; in einer eigentümlichen katzenartigen Weise peitschen sie ihre Flanken mit dem hohen Schwänze und führen unter Umständen auch heftige Kämpfe mit einan­der um den Besitz des Weibchens aus. Die E n t w i ck e - lungder Embryonen im Ei bis zum Ausschlüpfen der kleinen Molchlarren dauert im Durchschnitt drei Wochen. Tie ausgeschlüpfte Larve ist etwa 610 Zentimeter lang;