Neben dem Typus des Kammolches sind auch zwei in­teressante Varietäten, eine aus Italien, die andere aus Grie­chenland vertreten. Die erstere unterscheidet sich von der typischen Form u. a. durch den grellgelben Längsstreifen, den das Weibchen in der Mitte des Rückens trägt; die letz- tere durch die auffallende Länge der Zehen.

Es lebt in Deutschland noch eine vierte Molchart, der; Leisten- oder Fadenmvlch, der allerdings in der nächsten Umgebung Frankfurts fehlt, aber schon im nahen! Taunus gesunden wird. Diese Art ist in der heutigen Aus- ! stellung nicht vertreten, wohl aber sind Larven des! I a d e n m o l ch s ausgfstellt, welche aus dem Braunschwei-! gischen stammen.

Das große Interesse, welches diese Molchlarven bieten, beruht darin, daß sie i m F r e i e n als Larven über­wintert haben. Gewöhnlich vollendet die Molchlarve in einem Zeitraum von 2 bis 3HF Monaten nach dem Aus­schlüpfen aus dem Ei ihre Metamorphose zur Landforni Wenn also in den Monaten März bis Mai die Eiablage erfolgt ist, verlassen die Jungen in den Monaten Juni bis September das Wasser, in dem sie als kiementragende Lar­ven gelebt, um sich auf dem Lande, im Moose, unter Steinen und in alten Baumstrünken zu verbergen. Dagegen sind die ausgestellten Larven des Jadenmolchs, am 27. Februar und 12. März d. Js. gefangen, also zu einer Zeit, zu der die diesjährige Eiablage der Molche noch nicht erfolgt sein konnte, zu der die Molche in diesem Jahre noch nicht ein­mal ihre Winterquartiere verlassen hatten. Ende Februar war der Teich, in dem die Tiere lebten, noch mit einer Eis­schicht von 1 Zentimeter Stärke bedeckt und die Wasser­wärme betrug an der Oberfläche -l- 2", in 1114 Meter ! Tiefe dagegen schon 3HF° Reaumur. Tie Bodentemperatur eines solchen Teiches ist bei nicht zu strenger Kälte fortwäh­rend die gleiche und sie genügt offenbar unseren Molchlarven zur Fristung ihres Daseins und zu einer langsamen Weiter­entwicklung.

Zweifellos bietet die eigenartige Beschaffenheit mancher Teiche und Seen Bedingungen, welche die Molche zu emer Ueberwinterung im Larvenzustand veranlassen. Diese Be­dingungen sind uns aber zur Zeit noch unbekannt. In der Umgebung Frankfurts ist kein solcher Teich bekannt. Bei dem Bergmolch ist am Südabhang der Alpen das Ueberlvin- tern im Laroenzustand eine regelmäßige Erscheinung; be­sonders bemerkenswert dabei ist aber, daß bei diesen Tieren, die äußerlich in einer jugendlichen Form zu beharren schei­nen und außer den Kiemenbüscheln auch alle anderen äußer­lichen Charaktere des Larvcnzustandes tragen, die Fortpslan- zungsorgane zur vollen Entwicklung kommen. In den klei­nen Seen-Oberitaliens finden sich z. B. derartige ge- s ch l e ch t s r e i f e Larven des Bergmolches ebenso häufig wie erwachsene. Tiere. Es handelt sich hierbei also offenbar nicht um eine Entwicklungshemmung, sondern uni eine Anpassung an äußere Leoensbedingungen, in glei­cher Weise, wie es auch bei dem amerikanischen A r o l v t l der Fall ist. Jahrzehntelang hat man dieses geschlechlsreise,

, fortpflanzungsfähige Tier nur als wasserbewohnende kie- * mentragende Larve gekannt, bis im Jahre 1865 im llarckln dAcelimatisation zu Paris sich einzelne Larven unver­mutet zu ausgebildeten Molchen entwickelten, und ztvanzig Jahre später hat Marie von Chauvin in Iren bürg i. B. gezeigt, daß man durch geeignete äußere Bedin­gungen die Axolotllarven zur Metarmophose zum lungenat­menden Landtier zwingen kann. Wiederum ein wissen­schaftlich hochinteressantes Ergebnis der Gefangenhaltung unserer Molch; und Salamander.

Unsere vier deutschen Molcharten sind über fast ganz Mitteleuropa verbreitet; Kammolch und Streifenmolch sin-i den sich sogar auch im Norden und Osten Europas, ja selbst in einem großen Teil von Vorderasien; der Berg- maich geh l am weitesten nach Süden; der Fadenmolch ist

eine westeuropäische Art, die allmählich von Frankreich aus sich über einzelne Gegenden Deutschlands ausgebreitel hat.

Im Westen Europas, auf der iberischen Halbinsel und in West-Frankreich tritt an die Stelle unseres Kammolches eine andere Art, der m a r m o r i e r t e Molch, von dem einige Prachtexemplare ausgestellt sind. An der Grenze des Verbreitungsbezirks beider Arten, unseres Kammolches und des marmorierten Molches, kommt eine weitere Art vor, der B l a s i u s s ch e Molch. Es ist ein Tierchen, welches seit seiner Entdeckung im Jahre 1853 das besondere Interesse der Biologen und Systematiker lvachgerufen hat. Es kommt nämlich stets in Gemeinschaft mit dem Kammolch und dem marmorierten Molch vor und

fehlt vollständig an denjenigen Orten, welche nur von einer der beiden Arten bewohnt werden. Tie Erkenntnis dieser eigenartigen Verbreitung und einer Reihe anatomischer Merkmale ließen bald die Vermutung auftauchen, daß der Blasiussche Molch ein Bastard sei, das Produkt der Mischehe zwischen Kammolch und marmo- r i e r t e m Molch. Erst im vergangenen Jahr ist diese Vermutung durch glücklich durchgeführte Krcuzungsversuche beider Arten in der Gefangenschaft znr Gewißheit geworden. Dr. W. W o l t e r s t o r f f in Magdeburg hat durch langjährige Zuchtversuche diesen Nachweis erbracht; von ihm stammt auch das kleine Tierchen, welches vorge­zeigt wird. Es ist im März vorigen Jahres aus dem Cr geschlüpft, sein Vater war ein marmorierter Molch aus Pocto (Portugal), seine Mutter eine Kammolchvardlät aus Neapel. Wenn man das junge Tierchen mit den erwachse­nen Exemplaren beider Arten sorgfältig vergleicht, erkennt man, daß es e i n typischer Nachkomme seiner Mutter ist, welche wie diese den leuchtenden orangerolen Längsstreifen auf der Rückenmitte trägt, ohne indessen der charakteristischen Marmorierung seines Vaters zu ent-, behren. Es ist dieselbe Mischung der Zeichnungsmerkmalc, die wir auch bei S ä u g e t i e r b a st a r d e n beobachten, bei den Kreuzungsprodukien zwischen Löwe und Tigerin, zwischen Zcbrahengst und schottischer Stute, die K a r l Ha- gen deck in Stellingen bei Hamburg in seinem Tierpark angestellt hat. Sie zeigen uns den Weg zur Erkenntnis des wichtigen Naturgesetzes der Jarbenvererbung und eröffnen der Beobachtung unserer Salamander und Molche in der Gefangenschaft ein weites Feld wissenschaftlicher Forschung.

Setzen wir nach dieser Abschweifung unseren Spazier­gang im Frankfurter Stadtwalde fort! Wir verlassen die Grastränke und folgen dem Bächlein, welches sie durch­sließt, nach Westen. Im Schatten prachtvoller Buchende- stände rieselt es über steinigen Grund dahin; es durchfließt die F ö r st e r w i e s e, am sog.M ö r d e r b r u n n e n" vorbei, und gelangt schließlich in die Luderbach, welche an der Zönigswiese aus dem Wald austritt. In der Gegend des Mörderbrunncns machen wir Rast und blicken sinnend in die klare Flut des gemächlich dahinrauschenden Bächleins. Was liegt dort am Grunde auf den dunkeln Blättern abgefallenen Laubes? Es schein ein kleines Stück­chen Holz zu sein, kaum 2 bis 3 Zentimeter lang, von dem jederseils zwei kleine stämmige Seitenästchen ausgehen. Un­willkürlich berühren wir es mit unserem Spazierstock; eur kurzer Ruck! Blitzschnell ist es verschwunden und jetzt sehen wir das vermeintliche Aestchcn wieder ebenso regungslos wie zuvor etwa HF Meter von der ersten Stelle entfernt aus dem dunkeln Grunde des Bächleins liegen. Wir sehen genauer zu und jetzt erkennen wir deutlich, daß die kleinen Seitenästchen an der Stelle, wo sie aus dem Stückchen Holz hervorzukommen scheinen, einen kleinen, lichten Fleck tragen. Es sind die hellen Flecken an den Extremitäten der Sala­manderlarven, und was wir anfänglich für ein Aestchen ge- halten haben, es ist die Larve unseres Feuersala­manders.

Auch der prachtvolle gefleckte Feuer­salamander kommt in unserem Stadt­

walde vor. Noch im ersten Drittel des verflossenen Jahrhunderts scheint er häufig gewesen zu sein; in den letzten Jahrzehnten ist er nitgemein selten geworden und er»' wachsene Tiere wurden nur ganz vereinzelt gefunden. Das> Vorkommen der Jeuersalamanderlarve im Frankfurter Stadtwald darf aber als ein regelmäßiges bezeichnet werden/ nachdem es dem Vortragenden in den letzten drei Jahrein gelungen ist, alljährlich 1 bis 2 Exemplare zu erbeuten.,' Dieses vereinzelte Vorkommen der Salamanderlarven im unserem Stadtwald bei der großen Seltenheit des erwach-, senen Tieres ist leicht erklärlich. Die wenigen, den östlichen Teil unseres Waldes durchfließenden Bäche/ besonders die Luderbach, empfangen ihr Wasser zuni Teil aus Ouel» len, die in der zwischen Langen und Heusenstamm sich hin­ziehenden Hügelkette entspringen. Es ist eine landschaftlich besonders schöne Gegend, die von Frankfurt aus häufiger besucht werden sollte, auch von geologischen Interesse, eme Kette erloschener Vulkane, in welcher Trachyt gesunden wird, dieselbe Gesteinsart, die auch am Drachcnfew im Siebengebirge vorkommt. Tort oben, im Qnel ge ie der Luderbach, z. B. am Ebertsberg, 'lt der Jeu r. salamander vor zwei Jahren von Prof. v. ^ ^

nachgewiesen worden. @elegcntlii-i « I j

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