Magistratssitzung vom 9. Dezember 1902.

200 *

bei der Stadt mit in Rechnung gezogen wird, den Vergleich mit anderen großen Krankenhäusern, die zum großen Theil viel weniger Raum haben, und zum Theil weit entfernt von der Stadt liegen, recht wohl aushalten können.

Ebensowenig ist zu befürchten, daß die Er­weiterung des Krankenhauses zu Erschwerungen im Betrieb führen wird. Die Erfahrung hat vielmehr gezeigt, daß die Verwaltung von großen Kranken­häusern, mit mehr als 1000 Betten keine größeren Schwierigkeiten bietet, als die Verwaltung von mittleren Krankenhäusern, zu denen das jetzige Krankenhaus zu rechneu ist. Gerade die Kranken- Häuser, deren Verwaltung als musterhaft allgemein anerkannt ist, zeigen eine sehr hohe Bettenzahl. Das Krankenhaus in Hamburg-Eppendorf hat jetzt schon 1900 Betten, das städtische Krankenhaus in Nürnberg 830 Betten, und beide sollen noch ver­größert werde». Das neue Krankenhaus in Chnr- lottenbnrg ist von vornherein für 1000 Betten, dasjenige in Berlin für 1520 Betten eingerichtet. Wenn daher das hiesige Krankenhaus durch die Anbauten auf 1150 Betten erweitert wird, so er­hält es keineswegs eine solche Ausdehnung, daß von einer Erschwerung der Verwaltung gesprochen werden kann. Dabei ist zu berücksichtigen, daß einige der neuen Krankengebände, namentlich die neue Frauenklinik und die Augenklinik, nach manchen Richtungen eine gewisse Selbständigkeit in der Ver- ivaltung werden erhalten müssen, so daß die Zahl der Betten, die unmittelbar unter der Eentral- Verivaltnng stehen, sich wesentlich rednzirt.

Daß es wünschenswerth ist, in allen Stadt­gegenden leicht erreichbare Krankenhäuser zu besitzen/ ist ohue weiteres zuzugeben. Es folgt daraus aber nicht die Nothwendigkeit, ein neues städtisches Krankenhaus, iu einem vom jetzigen Krankenhaus entfernten Stadttheil anznlegen. Die zahlreichen iu hiesiger Stadt vorhandenen Spitäler sind so gleich­mäßig über alle Stadtgegenden vertheilt, daß überall ohne Zeitverlust die rasche Aufnahme in einem Krankenhanse sich bewerkstelligen läßt. Dies ist umsomehr der Fall, als fast sämmtliche Kranken­häuser vertragsmäßig den Mitgliedern der ver­schiedenen Krankenkassen und der Dienstboten- Versichernng, wie auch den auf Kosten des Armen- Amts verpflegten Kranken zur Verfügung stehen. Dazu kommt noch, daß das Kraukentrausportweseu durch die mit Beihilfe der Stadt ermöglichte Organisation eine solche Ausbildung erfahren hat, daß die Entfernung des Spitals von der Wohnung des Kranken lange nicht mehr die Bedeutung wie früher hat, wo die heutigen Transportmittel ge­fehlt hohen.

Der Hauptgrund jedoch, der für" die Er­weiterung des bestehenden Krankenhauses und gegen die Erbauung eines neuen Kranken­hauses spricht, liegt auf finauziellem Gebiet.

Das zur Erweiterung des Krankenhauses vor­gesehene Gelände, das südlich und östlich vom jetzigen Krankenhaus zwischen Sandhofstraße, Eschen­bachstraße, Gartenstraße und Bahndamm liegt, ist von vornherein für medizinisch-wissenschaftlicheZwecke, sowie für die Erweiterung des Krankenhauses durch Umleguug erworben und für andere Zwecke, als für diejenigen des Krankenhauses uud der wissen­schaftlichen Institute, die jedoch verhältnismäßig wenig Platz beanspruchen, kaum geeignet. Insbe­sondere ist an eine Verwendung zu Wohnungen nicht wohl zu denken, zumal auch' nach Wohnungen mit unmittelbarem Ausblick nach dem Krankenhaus iu dortiger Gegend wenig Nachfrage sein wird.

Noch schwerwiegender ist folgende finanzielle Er­wägung. Die Erfahrung hat gezeigt, daß für etwa 1000 Einwohner 5 Krankenbette erforderlich sind und daß daher, da die Stadt um etwa 8000 Einwohner jährlich zunimmt, in jedem Jahr etwa 40 neue Krankenbetten beschafft werde» müssen. Da ans die Beschaffung neuer Betten durch Vereine, Stiftungen oder Private kaum in erheblichem Ilmsang gerech­net werden kann, fällt der Stadt ganz oder doch zum größten Theil die Beschaffung der in jedem Jahr erforderlich werdenden 40 Betten zu. Wenn nun die Stadt das Krankenhaus um die geplanten 450 Betten erweitert, und dadurch nach Abzug der durch Aushebung der seitherigen Entbindungs-An­stalt und der Frankfurter Äugenheil-Anstalt ver­loren gehenden etwa 40 Betten, rund 400 neue Betten schafft und zugleich auch die in Köppern geplanten Neubauten für Nervenkranke und durch die uothwendige Erweiterung des Siechenhanses weitere Betten gewinnt, die bei der Berechnung mit in Betracht gezogen werden müssen, so ergiebt sich, daß durch die geplante Erweiterung des Kranken­hauses die Nothwendigkeit der Erbauung eines neuen Krankenhauses um 10 bis 12 Jahre hinaus­geschoben wird. Dieser Zeitraum wird sich, wenn von Stiftungen oder von anderer Seite gleichfalls neue Krankenbetten beschafft werden, entsprechend länger hinausschieben.

Wenn dagegen von der Erweiterung des Kranken­hauses abgesehen wird, muß sofort an die Erbauung eines neuen Krankenhauses gegangen werden. Das neue Krankenhaus wird nach dem Vorgang aller großen Städte für eine große Zahl von Kranken­betten, für etwa 1000 Betten zu projektireu sein, da die immer kostspieliger werdenden allgemeinen