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Magistratssitzung vom 9. Dezember 1902.

Da die Universitäten mit der Ausbildung der I Stndirenden vollauf in Anspruch genommen sind, liegt es ans der Hand, daß die großen Städte mit ihren großen Krankenhäusern in erster Linie berufen sind, den jungen Aerzten die Gelegenheit zur Ab- solvirung des praktischen Jahres zu geben. Und die natürliche Entwickelung der Dinge drängt mit Rothwendigkeit dahin, daß für die Absolvirnng des praktischen Jahres feste, in manchen Beziehungen den amerikanischen Post Graduate Schools, ent­sprechende Einrichtungen geschaffen werden, die zu­gleich dazu dienen, den in der Praxis stehenden Aerzten die Möglichkeit zu geben, an den Fort­schritten der ärztlichen Wissenschaft theilzunehmen.

Für die Schaffung solcher Einrichtungen liegen die Vorbedingungen in Frank­st: r t a. M. ganz besonders g ü n st i g - beuu die erforderlichen Anstalten sind zum Theil schon vorhatiden, und zum andern Theil in Folge hoch­herziger Stiftungen ohne besondere finanzielle Opfer der Stadt zu beschaffen.

Auch hat der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- uttd Medizinal-Angelegenheiten, welchem das Projekt der Errichtung einer Akademie für praktische Medizitt am 5. Juni d. Js. von dem mit- unterzeichncten Oberbürgermeister vorgelegt tvurde, bereits durch Erlaß vom 18. Juni 1902 ausge­sprochen, daß er den Gedanken der Errichtung einer solchen Akademie in Frankfurt für einen sehr glück­lichen und zeitgemäßen halte und daß diese Akademie den Charakter' und die Dignität einer Hochschule erhalten müsse. Insbesondere hat es die volle Zu­stimmung des Herrn Ministers gefunden, daß das Königl. Institut für experimentelle Therapie sich denjenigen Anstalten einznreihen beabsichtigt, welche den Aufgaben der Akademie dienen sollen.

Was nun die zirr Zeit vorhandenen Institute aulangt, so sind vor allem zivei medizinische Institute vorhanden, die einen Weltruf genießen. Es ist dies das von Geheimrath Weigert geleitete Hr. Sencken- b e r g 'sche p a t h o l o g i s ch - a n a t o m i s ch e I n st i t u t und das eben schon genannte K ö n i g l. I nsti tnt für experimentelle Therapie, das unter der Oberleitung von Geheimrath Dr. Ehrlich steht. Beide Institute dienen schon seither der Weiterbildung von Aerzten, die auf besonderen Gebieten des Wissens spezielle Studien machen wollen.

Dazu treten die st ä d t i s ch e n A n st a l t e n, vor allem das städtische Krankenh aus, das mit seinen 3 Stationen, der medizinischen, chirurgischen und Hautkranken-Statiou allen Anforderungen der modernen Wissenschaft entspricht. Ferner komnten

in Betracht das Siechen haus und die Anstalt für Irre und Epileptische. In allen diesen Anstalten lassen sich, wie sich gelegentlich der seither abgehaltenen Kurse gezeigt hat, mit geringem Auf­wand Einrichtungen treffen, durch die sie für die Zwecke des geplanten Fortbildnngsunterrichts nutzbar geinacht werden können. Diese Einrichtungen lassen sich uni so leichter aussühren, als gerade jetzt in Folge der stetigen Zunahme der Bevölkerung eine wesentliche Erweiterung des städtischen Krankenhauses zur Rothwendigkeit geworden ist. Diese Erweiterung hat sich nach zwei Richtungen zu vollziehen, einmal dadurch, daß der medizinischen Station und der Hantkranken-Station, die schon seit einiger Zeit einen Theil ihrer Kranken in Baracken provisorisch nnter- bringen müssen, neue Krankengebäude beizufügen sind, und iodann dadurch, daß die Errichtung einiger Spezial-Krankenhäuser, für die bis jetzt nur unzu­längliche Einrichtungeit vorhanden sind, sich nicht länger umgehen läßt. Die Räume der städtischen Entbindungs-Anstalt reichen für die jetzige Einwohnerzahl längst nicht mehr ans, es muß eine größere Frauenklinik mit einer geburtshilflichen und einer gynäkologischen Abtheilung errichtet werden. An Stelle der unzulänglichen Räume der Frank­furter Augenklinik muß, wie die städtischen Behörde» übereinstimmend schon im vergangenen Jahre anerkannt haben, eine neue Augeuklinik treten. Für Ohren-, Hals- und N a s e n k r a n k - heilen liegt gleichfalls das Bedürfniß nach einer besonderen Klinik vor, wo die Kranken, die seither in den allgemeinen Krankenhäusern untergebracht waren, die nothwendigen spezialärztlichen Ein­richtungen finden. Endlich ist es in hohem Grad wünschenswerth, daß für die Kinder, die seither auf der medizinischen und Hantkranken-Station des städt­ischen Krankenhauses in tinziveckmäßiger Weise zn- sainmcn mit deti erwachsenen Kranken untergebracht waren, nach dem Vorgang der an deren großen Kranken­häuser eine Kinderstation in besonderen Gebäuden ein­gerichtet wird. Dazu würden noch weiterenothwendige Ergänzungen, die später zu erwähnen sind, treten. Die sämmtlichen neu zu errichtenden Gebäude lassen sich ans dem städtischen Gelände, das südlich und östlich von dem jetzigen Krankenhaus-Gelände liegt, in zweckmäßiger Weise unterbringen. Dadurch wird, ztnual da auch das S i e ch e u h a u s sich in un­mittelbarer Nähe befindet, der sehr hoch zu schätzende Vvrtheil erreicht, daß mit Ausnahme der Irren- Anstalt die sämmtlichen Krankenanstalten, die dem Unterricht zu dienen bestimmt sind, auf dem gleichen Areal vereinigt sind. Die jetzt auf dem Kranken­haus-Gelände vorhandenen Verwaltungsgebäude Küche, Waschküche, Verwalterwohnung, Apotheke,