General-Anzeiger 13 . D ezembe r 130 2
Die Frankfurter mediMische Akademie.
* Frankfurt a.» M, 12. Dezember. Es liegt nunmehr der Bericht des gemischten Ausschusses vor, welcher sich mit der Frage der Errichtung einer Akademie für praktische Medizin in Frankfurt befaßt hat. Der durch Beschlüsse der städtischen Behörden vom 19/26. August 1902 niedergesetzte Ausschuß hat die ihm zuge- wiclenen Fragen, insbesondere die Frage des weiteren Ausbaues des Städtischen Krankenhauses, die Frage eines städtischen Nahrungsmittel-UntersuchungsamteZ und die Frage, der Errichtung^ einer Akademie für praktisch« Medizin, in mehreren Sitzungen, zum Teil auch in eineui eingesetzten Unterausschuß, eingehend erörtert. Er ist dabei zur allseitig geteilten Ueberzeugung gelangt, daß die angeregte Errichtung einer Akademie für praktische ilstedizin sowohl iui Interesse der Ausblldung der jüngeren Aerzte und der Förderung und Hebung des hiesigen Wissenschaft' liegen Lebens aus dem Gebiete der Medizin wannst« Unterstützung verdient, als auch infolge der in Aussicht ge» stellten Zuwendungen stadtseitig in Angriff genommen -werden kann, ohne daß die Stadt größere Ausgaben zu leisten hat, als sie ohne dies infolge der unvermeidlichen Erweiterung des Krankenhauses und der Errichtung eines Nahrungsmittel-Untersuchungsamtes zu leisten haben würde. Was zunächst Zweck nnd Aufgabe der ge> planten Akademie anlangt, so soll dieselbe einmal der Forderung der medizinischen Wissenschaft in besonderer Rücksicht, auf ihre Amoendung drenen und zweitens eine Lehrthätigkeit entfalten, welche
Fortbildung der Mediziner, welche nach abgelegteni Staatsexamen hier ihr praktisches Jahr verbringen, ds in Fortbildungskursen für praktische Aerzte und c) in anderweitem Unterricht auf den Gebieten der total- trschen Medizin bestehen würde. Der Bericht sagt dam,
Seinftoff, den die Studierenden der Medizin auf den Hochschulen zu verarveiten und in sich aufzunehmen haben,
' stt in einer Weise gewachsen, dah die Studienjahre kaum zu ferner Bewältigung ausreichen,- ganz unmöglich ist es, auf den .Hochschulen zugleich auch das Maß praktischer Eriahrung »n.^^vbrben, das zur selbständigen Krankenbehaudlung 6e= • sähigt. Ein sehr wichtiger Schritt ans der Bahn der mcdizi-! nischen Fortbildung ist neuerdings auch in Deutschland ge ^macht worden, mit der reichsgesetzlichen Einrichtung, daß vom kommenden Jahr au, jeder approbierte Arzt, bevor er mit der ärztlichen Praxis beginnen darf, ein Fahr der prak- tischen Ausbildung in Krankenanstalten zu absolvieren hat.. tzDieser Maßregel will die Akademie cutgegenkommen. Der ..'Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizina!- angelegenheiten, welchem das Projekt der Errichtung einer , Akademie für praktische Medizi» am 6. Juni bs. IS. von iöera mitunterzeichneten Oberbürgermeister vorgelegt wurde, ,chat bereits durch Erlaß vom 18. Juni 1002 ausgesprochen, öatz er den Gedanken der Errichtung einer solchen Akademie in Frankfurt für einen sehr glücklichen und zeitgemäßen halte, .und daß diese Akademie den Charakter und die Dignität ciner Hochschule erhalten müsse. Was nun die zur Zeit vorhandenen Institute anlangt, so sind vor allem zwei medizinische Institute vorhanden, die einen Weltruf genießen. Es ist dies das von Geheimrat Weigert geleitete Dr. Senckenbergische pathologisch-anatomische Institut und das eben schon genannte .Königliche Institut für experimentelle Therapie, das uuter , der Oberleitung von Geheimrat Dr. Ehrlich steht. Beide 1 1nstitute dienen schon seither der Weiterbildung von Aerzte», Idie aus besonderen Gebieten des Wissens spezielle Studien machen wollen. Dazu treten die städtischen Anstalten, vor ! allem das Städtische Krankenhaus, das mit seinen drei ! Stationen, der medizinischen, chirurgischen und ■ Hautkrankenstation allen Anforderungen der modernen Wisten-
> schüft entspricht. Ferner kommen in Betracht das Siechen- s haus nnd die Anstalt für Irre nnd Epileptische. In allen : diesen Anstalten lasten sich, wie sich gelegentlich der seithcr
- abgehaltenen Kurse gezeigt hat, mit geringem Aufwand Ein- 1 Dichtungen treffen, durch die sic für die Zwecke des geplanten
- Fortbildungsuntcrrichts nutzbar gemacht werden können. Auch : ist die Errichtung einiger pczialk ranken Häuser 1 längst notwendig geworden. Die Räume der städtischen Ent- , bindungsanstalt reichen für die jetzige Einwohnerzahl längst
nicht mehr aus, es muß eilte größere Frauenklinik mit einer l geburtshülflichen nnd einer gynäkologischen Abteilung errichtet werben. An Stelle der unzulänglichen Räume der 1 Frankfurter Augenklinik muß, wie die städtischen Behörde»
! übereinstimmend schon im vergangenen Jahre anerkannt
> haben, eine neue Augenklinik treten. Für Ohren-, HalS- j und Nasenkrankheiten liegt gleichfalls das Bedürfnis nach : einer besonderen Klinik vor, wo die Kranken, die seither i in den allgemeinen Krankenhäusern nntergebracht waren,
; die notwendigen spezialärztlichen Einrichtungen finden. Endlich ist es in hohem Grad wünschenswert, daß für die Kinder, nach dem Vorgang der anderen großen Krankenhäuser, eine
l Kinderstation in besonderen Gebäuden eingerichtet wird.
' Endlich ist im Karotinnm ein zahnärztliches Institut vor- : Händen, besten Verlegung auf das Krankenhausgrunbstück : nach den sehr entgegenkommenden Aeußerungen seiner Ver- s waltung mit in Aussicht genommen werden kann. Es fehlen i hiernach zur Vervollständigung der ganzen Institution nur ».och einige wistenschastliche Anstalten, nämlich ein physio- ' logisch-chemisches, ein pharmakologisches nnd ein hygienisches ! Institut. Während für die beiden ersten Stiftungsmittel k,auö dem Th. Stcrnschen medizinischen Institut und der j gleich zu erwähnenden Stiftung von Frau G. Speyer) in
- Aussicht genommen werden können, kanir das letztere unschwer mit dem schon in Aussicht genommenen städtischen
Lebensmitteluntcrsnchungsamt verbunden werden. E i n Centralgebäude für die Akademie selbst wird aus der von Frair G. Speyer in Aussicht g e st e l l t e n hochherzigen Z >c w e n d n n g von 1 Million Mark her ge st eilt werden « ö u n e n. Was insbesondere das Senckenbergische anatomische Institut anlangt, so schweben Verhandlungen, um dasselbe auf das Gelände des Krankenhauses zu verlegen.
Die Vereinigung aller dieser verschiedenen Anstalten nnd Institute zu einer , einheitlichen „Akademie für praktische 'Medizin" ist nun in der Weise gedacht, daß der Staat, die Stadt und die verschiedenen Stiftungen sich zwar mit ihren verschiedenen Anstalten und Instituten zum gemeinsamen Betrieb einer Unterrichtsanstalt, die den Namen ' „Akademie für praktische Medizin" erhalten soll, zusam- menschließen, daß jede von ihnen aber die ihr gehörigen Anstalten und)-Institute vollständig auf eigene Kosten weiter unterhalt und in der Verwaltung der ihx. gehörigen Institute und Anstalten, insbesondere ivas'Einnahmen und Ausgaben, Anstellung des Personals, Ein-
1 -twichtung des inneren Betriebes u. s. w. anbelangs, unab- . hängig bleibt. Bei dem neuen anatomischen Institut, das tells für Zwecke der Stadt, teils für Zwecke des Seucken- ! bergschen Instituts dienen würde, wäre eine Vereinba- • rung über Verwaltung und Kostentragung zu treffen. -l^Vas die finanziellen Aufwendungen der Stadt anbelangt, ' so ist wiederholt darauf hinzuweiscn, daß die Erbauung ' und der Betrieb der von den Stiftungen zu errichtenden Anstalten lediglich diesen Stiftungen überlassen bleibt ] und daher eine finanzielle Belastung der Stadt nickt mit sich bringt. Bei den finanziellen Aufwendungen,-die die ' Stadt selbst zu tragen hat, ist streng zu scheiden zwischen den Aufwendungen, die die Erweiterung des Krankenhauses erfordert und die daher die Stadt ganz unabhängig von der Akademie zu tragen hat, und zwischen den Aufwendungen, die die Stadt für Zwecke der Akademie zu machen hat. Die letztgenannten Aufwendungen bestehen darin, daß die Stadt — abgesehen von der Hergabe des Baugrundes für die übrigens größtenteils von der Errichtung der Akadenlie unabhängigen Gebäude der wissenschaftlichen Stiftungen — zu, den Kosten der allgemeinen Verwaltung der Akademie einen Beitrag leistet nnd bei einzelnen der bestehenden Krankengebäude und bei den noch zu errichtenden Krankengebäuden die für Nnterrichts- zwecke erforderlichen Einrichtungen trifft. Man nimmt an, daß die Aufwendungen, welche die Stadt fiir die Akademie zu machen haben wird, reichlich ausgewogen werden durch die werteren Stiftungen, die von Herrn Ch. Hall- g arten und von anderer Seite, welche ungenannt zu bleiben wünscht, in Höhe von X 200,000 bezw. X 150,000 für den Fall des Zustandekommens der Akademie für einen Tell der geplanten Bauten schon in Aussicht gestellt sind. — Weiter sagt dann der Bericht über die E r w e i t c r u n g des Krankenhauses:
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hygienisches Institut mit Lebensmittel-Üntersuchungsstelle errichtet, c) wegen gemeinsamer Errichtung einer Anatomie auf dem städtischen Grundstück mit der Administration des Tr. Scnckenbergschen Instituts eine Vereinbarung, getroffen und 2. durch Zusammenwirken von Staat, -staot und den im Bericht genannten Stiftungen auf den vorgetragenen Grundlagen eine „Akademie für pratmche Medizin" begründet werde:
II. den gemischten Ausschuß mit Ausarbeitung der weiteren Vorlagen im Einvernehmen mit der Anstaits- heputation beauftragen, mid _
Hl. den hochherzigen Stiftern den Dank der Ttadt Frankfurt a. M. für die bedeutsame Förderung der niedizi- nischen Wissenschaft nnd der Fürsorge für die Kranken aussprechem ' (fr.