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Frankfurt. 12. D-cember.

Die Ausgestaltung der medizinischen Anstalten Frankfurts«

Der Bericht des gemischten Ausschusses zutz Vorbcrathung der Ausgestaltung der medizinischen Anstalten' Frankfurts ist jetzt erschienen. Unsere gestrigen kurzen Mit-' theilungen finden ihre Bestätigung. Das städtische Kranken­haus soll durch Anbauten um 450 Betten vergrößert, ein! städtisches hygienisches Institut mit Lebensmittel-Untersuch-' ungsstelle geschaffen und wegen gemeinsamer Errichtung! einer Anatomie mit der Senckenbergischen Administratiow eine Vereinbarung getroffen werden. Der städtische Ge-', sammtaufwand hierfür ist auf 2^ Millionen Mark veran- schlagt. Ferner soll durch Zusammenwirken von Staat, Stadt und verschiedenen Stiftungen eine Akademie füp^ praktische Medizin begründet werden. Der gemischte Ausschutz! soll im Einvernehmen mit der Anstaltsdeputation die weite-' ren Vorlagen ausarbeiten. r

Der Bericht geht zunächst auf die akademische Frage ein.. Der Ausschuß istzur allseitig getheilten Ueberzeugung", gelangt, daß die Errichtung einer Akademie fürprak-! tische Medizin wärmste Unterstützung verdient. Die Akademie soll einmal derFörderung der medizinischenWissen-' schäften in besonderer Rücksicht auf ihre Anwendung dienen^ und zweitens eine Lehrthätigkeit entfalten. Diese Lehrthätig-' keit besteht in.Fortbildung der Mediziner, die nach abge-' legtem Staatsexamen hier ihr praktisches Jahr verbringen,

. in Kursen für praktische Aerzte und in anderem Unterricht [1 auf den Gebieten der praktischen Medizin, Diese Nothwendig-r keit der medizinischen Fortbildung wird im Einzelnen be­gründet. Deutschland folgt jetzt dem Beispiel von England und Amerika, an die Stelle der gelegentlichen Kurse sie bestehen auch hier schon dauernde Institutionen zu setzen, die sich die Fortbildung der Aerzte zur ausschließlichenAufgabe stellen. Vom kommenden Jahr an hat, nach reichsgesetzlicher Bestimmung, jeder approbirte Arzt, bevor er mit der ärztlichen Praxis beginnen darf, ein Jahr der praktischen Ausbildung in Krankenanstalten zu absolviren. Daraus geht hervor das steht allerdings nicht im Bericht daß die Errichtung solcher medizinisch-praktischen Akademien im Interesse der Regierung liegt; sie muß sie gleichsam mit Lich­tern suchen und bat allen Grund, oder sollte ihn haben, darauf gerichtete Bestrebungen energisch zu fördern. Wir finden es daher begreiflich, daß der Kultusminister dem Frankfurter Plan Sympathie entgegenbringt; in einem Er­laß vom 18. Juni l. I. hat er kundgegeben,daß er den Ge­danken der Errichtung einer solchen Akademie in Frank­furt für einen sehr glücklichen und zeitgemäßen halte und daß diese Akademie den Charakter und die Dignität einer Hochschule erhalten müsse." Aber das steht auch nicht im Bericht diese Erwägung müßte doch Anlaß geben, mit aller Macht darauf zu drängen, daß die Regierung sich noch zu etwas Mehr versteht, als zu sympathischen Aeußerungen und zur Anerkennung der Hochschul-Dignität. Rach der Magistratsvorlage würde die Regierung so gut wie nicht finanziell belastet; sie hätte danach lediglich das In­stitut für experimentelle Therapie vollständig auf eigene Kosten weiter zu unterhalten.. Die Mehrausgaben, die dem Institut durch Einbeziehung in den akademischen Kreis der ' verschiedenen Anstalten erwachsen, sind jedenfalls äußerst

gering, treten vielleicht auch gar nicht ein; jedenfalls stehen sie in keinem Berhältniß zu dem Vortheil, welcher der Regierung durch eine Akademie erwächst. Wir erachten diesen finan­ziellen Punkt für eine Hauptsache bei der künftigen Besprech­ung und Behandlung der Frage.

Man kann mit dem Bericht darin Wereinstimmen, daß für eine solche medizinische Akademie die Vorbeding­ungen in Frankfurt besonders günstig sind. Wir haben zwei Institute, dir unter Leitung vonAutoritäten wie Ehrlich und Weigert stehen. Dazu treten die städtischen Anstalten, vor Allem das städtische Krankenhaus mit seinen drei Stationen, dann Siechenhaus, Anstalt für Irre, Ent­bindungsanstalt usw. Jetzt ist die beste Gelegenheit, Er­weiterungen vorzunehmen, eineFrauenklinik, eine neue Augenklinik, eineAnstalt für Ohren-, Nasen- undHalskrank- heiten zu errichten. Mit Ausnahme der Irrenanstalt wür­den dann sämmtliche Anstalten, die dem Unterricht zu die­nen bestimmt sind, auf dem gleiches Areal vereinigt sein. Die Verlegung des zahnärztlichen Carolinums ist gleichfalls in Aussicht genommen. Das städtische Lebensmittel-Unter­suchungsamt ist auch dazu bestimmt, wichtige mit der Kran­kenbehandlung direkt zusammenhängende wissenschaftliche Untersuchungen vorzunehmen.

Eine hocherfreuliche Erscheinung ist die Bethätigung echten FranffurterDürgersinns. Große Stiftungen wer­den angekündigt. Ein Centralgebäude für die Akademie selbst wird aus der von Frau Gg. Speyer in Aussicht gestellten hochherzigen Zuwendung von 1 Million Mark hergestellt wer­den können. Herr Ch. Hallgarten hat 200,000 Mk ein An­derer, der ungenannt zu bleiben wünscht, 150,000 Mk. für den Fall des Zustandekommens der Akademie in Aussicht ge­stellt. Der Antrag des Magistrats, den hochherzigen Stiftern den Dank der städtischen Behörden auszusprechen, wird sicher­lich auf allgemeine Zustimmung zu rechnen haben, wie auch die Vorlage sonst ausgenommen werden mag. Der Bericht meint, ein ziffernmäßiger Nachweis über die finanziel­len Aufwendungen der Stadt, was Einrichtung und Verwaltungskosten rein akademischer Natur betreffe, könne ohne Vorlage der Detailpläne nicht gegeben werden, Wohl aber könne man sagen: groß seien die ideellen und materiellen Vortheile, die man sich von der Akademie für die Stadt versprechen könne, und die städtischen Aufwendungen für die Akademie würden durch jene Stiftungen reichlich aus­gewogen. Bei aller Sympathie, die man dem Plan mit Recht entgegenbringen darf, thut man doch gut daran, vor­läufig nicht ganz so optimistisch zu denken. Die finanzielle Begründung der dauernden Ausgaben war auch die schwächste Sette der früheren akademischen Vorlage. So lange eben euerziffernmäßige Nachweis" fehlt, darf man noch einige Zweifel an demreichlichen Aufwiegen" hegen. Man plant ein großes Werk, das große dauernde .Ausgaben mit sich bringt. Vorsichtige und genaue Prüfung ist jedenfalls drin­gend nothwendig.

Im zweiten Theil des Berichts wird die Erweiter­ung des städtischen Krankenhauses, die so wie so Wer Kurz oder Lang erfolgen muß, sehr eingehend er­örtert. Es soll von 709 auf 1169 Betten gebracht werden. Die örtlichen Bedenken werden widerlegt, ebenso die Be­fürchtungen wegen Erschwerung des Betriebs bei der hohen Bettenzahl. Diese Ziffer ist grade bei denjenigen Kranken­häusern sehr hoch, deren Verwaltung als musterhaft allge­mein anerkannt ist. Andere Bedenken werden dadurch hinfällig, daß die zahlreichen in Franffurt vorhandenen Spitäler gleich­mäßig Wer alle Stadttheile verbreitet sind und daß unser Krankentransportwesen mit Beihilfe der Stadt vorzüglich organisirt ist. Der Hauptgrund jedoch, der für die Erweiter­ung des bestehenden und gegen die Erbauung eines städti­schen Krankenhauses spricht, liegt auf finanziellem Gebiet. DaS wird durch genaue Ziffernangaben begründet.

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