Entstellung ursprünglich eingeleitet wird, davon werde ich im nächsten Abschnitt zu reden haben.
Die wandernden Minima charakterisieren sich dadurch, dass es innerhalb ihres Wirkungsgebietes eine Stelle giebt, die des geringsten Luftdrucks — um welche die ein strömenden Winde in gekrümmten Bahnen aus allen Richtungen kreisen und zwar mit grösserer oder geringerer Geschwindigkeit, je nach der Steilheit der Druckgefälle oder Gradienten. Wir wollen sie daher einstweilen Cyklonen oder atmosphäre Wirbel nennen.
Die zugehörigen wandernden Maxima sind dadurch charakterisiert, dass es innerhalb ihres Wirkungsgebietes eine Stelle giebt, wo der Luftdruck am höchsten und dass von hier aus die ausströmenden Winde in entgegengesetzt gekrümmten Bahnen das Feld des höheren Luftdrucks verlassen. Wir nennen sie Anticyklonen.
('yklonen und Anticyklonen bedingen sich gegenseitig. In der ('y klone strömt die Luft am Erdboden ein und in der Höhe aus; in der Anticyklone findet das Einströmen in der Höhe verbunden mit Xiedersinken statt und das Ausströmen am Erdboden.
Die ('yklonen können schnell und auch langsam wandern, meist pflanzen sie sich schnell fort; die Anticyklonen wandern dagegen stets langsam und bleiben oft längere Zeit an einem ()rte stationär.
Die horizontale Ausbreitung beider Gebilde ist verschieden. Der Durchmesser einer Gyklone kann nur 1 bis 2 km betragen, oft aber auch die Breite von ganz Mitteleuropa erreichen. Die Anticyklone aber erstreckt sich meist über grosse Gebiete; zuweilen erscheint sie als verhältnismässig schmaler Rücken hohen Luftdrucks zwischen zwei ('yklonen und anderseits findet sich eine Gyklone mitten in einem Gebiet hohen Druckes, so dass sie zwei Anticyklonen von einander scheidet.
In unseren Breiten sind die ('yklonen vom Herbst bis zum Frühjahr (Oktober—März) tiefer, die Gradienten steiler, die Winde stärker und die Fortpflanzungsgeschwindigkeit grösser als im Sommer (April -September) und dies hängt, wie schon oben gesagt, mit den im Winter steileren Gradienten des oberen Aeuquatorialstromes zusammen, der die Ausbildung von starken Anticyklonen begünstigt.
Wie erfährt man nun die Annäherung einer Gyklone oder Anticyklone?
Zunächst durch das Barometer, je nachdem dasselbe fällt oder steigt. Allein dadurch gewinnt man noch keinen Aufschluss über die Richtung, aus welcher die Oyklone — beachten wir eine solche zunächst allein - heranzieht. Der wolkenkundige Meteorologe kann allerdings diese Richtung aus dem Aussehen und dein Zuge der oberen Wolken erkennen, aber volle Sicherheit ist ihm auch durch diese Beobachtung nicht immer gegeben. Sicheren Aufschluss geben nur die täglichen Wetterberichte und synoptischen Wetterkarten. j
Wenn man die von allen europäischen Beob- ] achtungsstationen etwa um 8 Uhr morgens tele- |
graphisch gemeldeten gleichzeitigen Thermometer- und Barometerstände auf der Karte von Europa notiert und diejenigen Stationen, die gleiche Temperatur und gleichen Luftdruck haben, durch Linien verbindet, so erhält man mehr oder weniger konzentrisch angeordnete Kurven, die man Isothermen bezw. Isobaren nennt. Uns interessieren zunächst nur die letzteren. Die Isobaren stellen in ihrer Gesamtheit eine Figur dar, die aus annähernd kreis- oder ellipsenförmigen in sich geschlossenen krummen Linien bestellt, wovon diejenige der tiefsten Barometerstände den Ort umschliesst, wo der geringste Luftdruck herrscht. Dieser Ort ist das Gent rum der Gyklone. Gewöhnlich werden die Druckdifferenzen von 5 zu 5 mm durch die Isobaren angegeben. Trägt man nun auch die gemeldeten Winde nach Richtung und Stärke als kleine Pfeile auf der Karte ein, so hat man einen klaren Ueberblick über das ganze System, welches nur noch durch Eintragung der Bewölkung, der Niederschläge u. s. w. vervollständigt wird.
Figur 5 stellt schematisch das Isobarensystem einer Gyklone dar. Die Pfeile geben die Windrichtung u. die Zahl ihrer Federn die Windstärke an; (5 Federn bedeuten Sturm und 1 Feder leisen Luftzug. In der Figur sind die Isobaren südlich vom Gentrum G näher bei einander, als an den anderen Stellen, der in Europa am häufigsten vorkommende Fall, und an dieser Stelle befindet sich daher auch der steilste Gradient ac. Auch sind an dieser Stelle die Pfeile am stärksten gefiedert. Der grosse von SW nach NO weisende Pfeil zeigt die Richtung an, in der sich die Gyklone fortpflanzt. Beträgt zwischen zwei Isobaren der Luftdruckunterschied längs dem grössten Gradienten mehr als 4,5 mm pro Breitengrad ( = 111,3 km), oder 0,4 mm pro 10 km, so ist Sturm; der Gradient heisst dann Sturmgradient. —
Die Fig. 6 und 7 zeigen je eine Isobarenkarte der deutschen Seewarte. *) Die erstere enthält eine heranziehende Gyklone und die andere eine Anticyklone.
Auf der Oyklonenkarte sieht man, wie die stärksten Munde nicht in der Nähe des Gentrums, sondern an der Nord- und Ostseeküste entlang wehen und auf der anderen zeigt sich die in einem Hochdruckgebiet gewöhnliche schwache und unregelmässige Luftbewegung, die vielfach lokalen Einflüssen — Gebirgszügen, Flussläufen u. s. w. unterliegt.
Die Isobaren sind durch die beigeschriebenen Barometerstände gekennzeichnet; die bei den einzelnen Stationen stellenden Zahlen bedeuten die Temperatur in Oelsiusgraden.
*) Abgedruckt in der Magdeburgisolieu Zeitung'.
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