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Naturwissenschaftliche Halbmonatsschrift für alle Stände.
Herausgegeben unter Mitwirkung von namhaften Gelehrten und Naturfreunden
von
Dr. Wilhelm Lorch.
Nr. 9. Witten an der Ruhr. 1. August 1902.
Der Naturfreund erscheint monatlich zweimal, 8 Seiten stark, und kostet halbjährlich hei freier Zustellung' für das Deutsche Reich und Oesterreich-Ungarn 1,85 M., für andere Länder 2,40 M. — Inserate: die dreigespaltene Petitzeile 80 Pfg. Tausch- und gelegentliche Verkaufs-Anzeigen unserer Abonnenten hei Vorausbezahlung 10 Pfg. Manuskripte nur an die Schriftleitung (Südstrasse 31), alle übrigen Sendungen an die Expedition (Hauptstrasse).
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Schmetterlingsbiologieen aus Süd- Amerika,
Von Gustav Schimpf, Hochuni.
Schon seit einer Reihe von Jahren beschäftige ich mich mit dem Sammeln von Schmetterlingen, Käfern etc., speziell solcher aus Süd-Amerika. Als ich im Jahre 18! 111 wieder einmal Europa aufgesucht hatte, um meine Sammlungen zu verwerten, kam ich infolge Anregung verschiedener Herren zu dem Entschluss, meine Thätigkeit nur auf die Zusammenstellung von Biologieen zu richten, da auf diesem Gebiete noch nicht viel Erwähnenswertes an exotischen Schmetterlingen nach Europa gebracht worden war. Ende des Jahres 1896 kehrte ich wieder nach Buenos-Ayres zurück, während eines fünfjährigen Aufenthaltes daselbst bis zum Jahre 1901 habe ich mich besonders der Anfertigung biologischer Zusammenstellungen gewidmet. Diese Beschäftigung hat 28 verschiedene Schmetterlings-Biologieen ergehen, die vollständig sind mit Ausnahme von Delophonota Ello, hei welcher die Eier trotz aller Mühe und trotz aller Züchtungsversuche nicht zu erhalten waren. Nur der Sammler selbst kann sich eine Vorstellung von den Schwierigkeiten machen, die das Einsammeln sämtlicher Entwickelungsstufen hei gewissen Schmetterlingsarten verursacht. Meine sämtlichen Biologieen sind von dem Museum in Buenos-Ayres allgekauft worden. Bevor ich zur Beschreibung der einzelnen Biologieen übergehe, will ich zunächst die Hindernisse, sowie die Mühe und Arbeit schildern, welche die Fertigstellung von Biologieen mit sich bringt. Bei der grossen Hitze, der man in Buenos-Ayres im Sommer aus- gesetzt ist (zwischen 25—JO Grad Eeaumun, begann meine Thätigkeit mit dem Sammeln von Raupen und Eiern. In grossen Zuchtkästen mit feinem Drahtgitter brachte ich mein gesammeltes Material unter, jede Art von Raupen natürlich in einem gesonderten Raum. Das Auffinden des Materials ging nicht so schnell und leicht von
statten, da man bei der grossen Hitze sich auch noch der unzähligen Mosquitos zu erwehren hatte, welche den Menschen in oft unausstehlicher Weise ihre Anwesenheit bemerkbar machten. Oft kam ich von meinen Touren mit geschwollenem Gesicht und Händen nach Hause. Einen noch grösseren Quälgeist lernte ich in dem Bicho Colorados oder dem Rot-Käfer kennen. Selbige sind ganz kleine Käfer und leben auf niedrigen Pflanzen. Hat man nur einige Minuten sich zwischen Kräutern und Pflanzen bewegt, so ist man in kurzer Zeit voll von diesem Ungeziefer, welches sich in der Haut einnistet und ein recht unangenehmes Jucken verursacht. Reibt man die betroffenen Stellen, die sich als rote Fleckchen auf der Haut zu erkennen gehen, so entzünden sie sich und werden zu grossen Geschwüren. Diese sind so bösartig, dass man gezwungen ist, Tage lang zu Hause zu verweilen. Das beste Mittel gegen dieselben ist, mit Kampferspiritus angefeuchtete Leinewand an den Beinen oberhalb der Schuhe anzubringen. Durch den Geruch des Kampfers werden die Rot- Käfer abgehalten und lassen den Menschen verhältnismässig gut in Ruhe. Fs ist dies bisher das einzige Mittel, das sich gut bewährt hat. Beladen mit Taschen und Gelassen, welche zum Sammeln notwendig sind, komme ich Abends müde zu Hause an, um sofort das gesammelte Material an seinem Bestimmungsort unterzubringen. Das Sortieren der einzelnen Raupen uncl des nötigen Futterkrauts nimmt recht viel Zeit in Anspruch. Sobald die Raupen in den Zuchtkästen untergebracht sind, beginnt die Arbeit des Futter- holens; wohl zwei bis dreimal hat man hei einigen Pflanzen täglich zu wechseln, da das Laub hei der grossen Hitze sehr leicht trocken wird, wodurch die Raupen krank werden und zu Grunde gehen. Sehr häufig hatte ich Wege bis zu einer Stunde zurückzulegen, um das betreffende Futter- | kraut herbeizuschaffen. In allzufrüher Morgen- ! stunde durfte ich frisches Futterkraut den Raupen auch nicht geben. Es zeigte sich nämlich, dass dieselben dann erkrankten und eine Art von
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