13

IV.

Allerdings scheint es, als habe der rmseiburus noch wenig Freunde in der Bürgerschaft. Lichtenberg sagt den Deutschen nach, sie lernten eher die Nase zu rümpfen als zu putzen. Von unseren engeren Mitbürgern scheint das auch ein wenig zu gelten. Jede Neuerung sindet in unserer Stadt ihren strengen Richter, ehe man noch recht weiß, um was es sich eigentlich handelt. So wird es auch Leute geben, die sagen, man braucht keine neuen Universitäten und besonders in Frankfurt brauche man keine. Es mag sein, daß es genug Studenten gibt; Universitäten gibt es nicht genug, wenigstens insofern nicht, als die Gründung von Universitäten in unseren Großstädten gegenüber der Entwickelung unseres Volkes in politischer und sozialer Beziehung zurückgeblieben ist. Eine Universität in einer Großstadt hat eine andere Bedeutung als die in der typischen kleinen deutschen Universilätsstadt, wo die Universität abgeschlossen einem Kleinbürgertum gegenüber steht, mit dem sie keine geistigen Fäden verbinden. Die Universität in der Großstadt hat eine Bedeutung weit darüber hinaus. Hier ist ihr ein Boden ge­geben, wo sie ihre Wurzeln in weite Schichten der Bevölkerung hineintreiben kann. Durch ihre bloße Existenz wirbt sie hier Bürger für ihre Gelehrtenrepublik. Sie weckt geistige Interessen bei großen Klassen, die ihnen sonst gleichgültig gegenübergestanden hätten. Es entstehen Wechselbeziehungen zwischen den Intelligenzen aller Berufsklassen. Theorie und Praxis befruchten sich wechsel­seitig. Der Volkswirt mag hier von dem Fabrikanten und Bankier nutzbringende Lehren empfangen. Der Fabrikant befreundet sich vielleicht mit den Doktrinen des Kathedersozialiften. Die Ärzte bleiben in ständigem Kontakt mit den neusten Forschungen ihrer Wissenschaft. Findet diese in der Bevölkerung der Großstadt ein reiches Beobachtungsmaterial, das ihr neue Erfahrungen zuführt, so ist es zugleich eine Forderung der Volkshygiene, daß in Städten, in denen sich eine Bevölkerung von mehreren hunderttausend Menschen zusammendrängt, sich Anstalten finden, die stets die letzten Fortschritte der Medizin zu bieten vermögen. Der Professor der Jurisprudenz sieht, wie in den Gerichtssälen die Proben auf seine Exempel ge-