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förfter unb die Physikalier haben ihre Prachtgebäude und die Jügel'sche Administration hat ihre Spitalsgebände unr- stbaiit — jetzt stehen aber die Ochsen am Berge, denn venu nicht die schwer reichen Administratoren Vom Rath, chnnser und Hector mit ihren Millionen eingrcifen, dann ;ehts wie mit der Kirche, welche an der Holzhausonstraße nach liegt. Die Stadtverordnetenversammlung mag sich drehen wie sie will, so hat sic es allein in der Hand, die Sache zum Fall zn bringen. Sie beivillige nicht' die zins- .vse Abgabe des Geländes am Mibelnngenring, verrveigere die Genehmigung der Schenkung des ’ größten Teils ' der dürgerspitalsliegenschaft an die Natnrsörster und Physikalier md es ist nix. Thnt ihr es dennoch, dann steht ihr, über len Bachgesprengten, mit ciupi Köpfen drüben und könnt shen, wie ihr herüber kommt.
Wo können nun diese beiden Vereine ihr Recht herleiten, enen so großen Anteil des Vermögens, das Senken-berg vvr- zigsweise für Krankenpflege stiftete, für ihre Zwecke zu. fordern?
Wohl mögen sie wissenschaftlich wirken, obwohl die lesigen Herrn Physiker weder das Perpetum mobile, noch re Quadratnr des Zirkels entdeckt haben, sic haben weder de Wichtigkeit der Reis'sihen Erfindung erkannt, noch Lagner's Elektrische Eisenbahn beachtet. Indessen giebts roch andre Vereine, welche von hohem Nutzen sind, so die Airuvereine, welche mit eignem Gelde ihre Turnhallen Nnen müssen. Wenn nun auch noch Herr l)r. med. Markus «nführt, daß auch der dlerztliche Verein dabei interessiert sei, v> antworte ich diesem, daß die gewerbestenerfreien Aerzten, >elche so horrente Rechnungen für oft ganz falsche Be- andlnng der Patienten schreiben, ganz still sein sollen, eberhanpt, wer sind diese Wissenschaftler? Es sind tdvokateu, Aerzte und sonstige (belehrten, deren Gelehr- imkeit zwar für sie selbst recht nutzbringend ist, aber ennvch geiverbesteuerfrei sind.
Die könnten sich viel leichter als die Turnvereine ihr ,)eim bauen ohne öffentliche, der Mildthätigkeit gewidmete Miftungen oder den Stadtsäckel so arg ausznräubern.
j ' Fvanlrfnrt a. W.. ben !>. Juni 1002.
An den
Wagisti »it, die Stadtveeoedueten-Aeekammlnttg,
j , und
Äiiryer- und Crumostneeschafl, dastiee!
Die Senckenbergische Natnrforschende Gesellschaft richtet in die Stadtverordneten-Versammlnng ein Schreiben, wo- än sie zur Erbauung zweier neuen Gebäude für ihre md des Physikalischen Vereins Zwecke ans dem Terrain )es -Senckenbergischen Stistnngsgeländes die Zustimmung oer Stadtverordneten-Versammlnng erbittet. Das Bürgcr- spital soll nach dem 'Nibelnngenring verlegt werden; der Znstinnnnng des Magistrats hoffen sie sicher zn sein.
Die Senckenbergische Stistnngsverwaltnng, welche dadurch eine große Einbuße ihres Vermögens erleiden würde, weigert sich nun selbstverständlich, diesen Töchteranstalten a'inen so großen Vermögensanteil zn überantworten, da sie (durch Hergabe des außerordentlich wertvollen Terrains an der Bleich- und Senckenbergstraße und durch die Verlegung des (Senckenbergischen Bürgerspitals nebst den Renbankosten nicht sin der Lage sei, ihre Zustimmung zu geben, wenn nicht seine gleichzeitige Subvention stattfände. Die Administration der i)r. Senckenbergischen Stiftung sagt darum wörtlich, „daß sie mit Rücksicht auf die allgemein-hygienischen Verhältnisse des Bür'gerspitals, zn dessen Untevstultnuy Ire kiftnngsgemätz in erster Linie verpstrchlet ist, nicht ' n der Lage sei, die Erlaubnis znm Beginn des Neubaues er Gesellschaft auf ihrem Terrain zu geben, bevor die Ver- 'gnng des Hospitals gesichert sei." Der Standpunkt der . .dministration ist darum der allein richtige.
Wie hat man nun nragistratlicherseits die Sache ein- idelip wollen ? Die Jügel'sche Stistnngssmnme von über Millionen Mark sollte nun der Hebel sein, um das lürgerspital aus den Angeln zu heben: Die Verquickung
der l Ir. Senckenbergischen Stiftung mit den anfangs kleinen Töchteranstalten „Mnsenms-Gesellschaft" und „Physikalischer Verein" sollte noch eine Eriveiterung erfahren dadurch, daß man mit den Geldern des Jügel'schen Vermögens eine so genannte freie 'Akademie für Philosophie, 'Litteratnr re. in dem neuen Teil des jetzigen Bürgerspitals nach Umbau desselben errichten wolle, ■ und dadurch unter Zahlung einer Millionensumme von Jügels Erbschaft die Administration der l)r. Senckenbergischen Stiftung in die Lage zu versetzen, am Nibelungenring ein neues, zeitgemäßes Hospital zu erbauen. Das Terrain däzn sollte städtischerseits auf 43 Jahre zinslos abgegeben werden. Außerdem sollte die Stadt die Unterhaltung, Verwaltung, Heizung und Beleuchtung der Jügel'schen Akademie übernehmen. Diese Auflage hätte-.die Bedeutung gehabt, daß eine Liebesgabe an die Mnsenms-Gesellschaft und an den Physikalischen Verein von jährlich vielleicht 100,000 Mk. einschließlich des Zinsverlnstes ans der Terrain-Snmme von 500,000 Mk. ans 43 Jahre gegeben worden wäre. Das alles bei dem nnf'S höchste gespannten Etat!
Run war dies allerdings selbst der sonst so generösen! Stadtverordneten-Mehrheit zu stark. Die Vorlage wurde mit knapper. Mehrheit abgeleynt, trotzdem Herr I)r. Geiger, der Führer des Freisinns und Herr I)r. Fester, der Führer der Rationalliberalen, eifrig dafür plaidirten. Herr I)r. Rößler, welcher zur Zeit verreist mar, brachte die Säche nach seiner Rückkehr wieder auf's Tapet und die Versamm lung lehnte es ab, nochmals zu verhandeln, wenn nicht! von genannten Tochtervereinen ein auf anderer Basis» stehender Vorschlag gemacht worden sei. I
So liegt nun die Sache. Die Senckenbergische Museums I Gesellschaft wird hoffentlich mit ihrem Notschrei ebenso ab I fahren, .wie es mit den Anträgen des Magistrats und des! .Herrn l lr. Rößler geschah, lieber das Jügel'sche Stiftnngs ! Vermögen hat leider die Stadtverordneten-Versammlungl keine Macht, da die Adnrinistration sonverain ist und! diese Sonverainität rücksichtslos ausüben wird. Aber die! Stadtverordneten-Versammlnng hat es in der Hand, diel Sache dadurch zn vereiteln, indem sie es abweist-, die Pläne! dieser Wissenschaftler mit städtischem Geld zu unterstützen!
Ist eine Verlegung des Bürgerspitals und Erweiterung! desselben notwendig oder auch nur wünschenswert, so gebe! man das genannte Gelände am Nibelnngenring dem Bürger I spital meinetwegen ans 50 Jahre zinslos her. Man gebe! es so groß, daß die jetzt so anspruchsvoll gewordenen! Töchteranstalten ebenfalls für sich dort Gebäude errichten! könnten.' Dann weiß man wenigstens, was die Sache den! Stadtsäckel kostet. Paßt es euch nicht, dann laßt es! —I 'Als man das Städel'sche Institut nach Sachsenhansen ver-I legte, schrieen auch Gegner: „Rach Sachsenhansen? So weit hinaus?" Heute ist "es nieder zu weit draußen, noch findet es jemand unpassend, daß es in Sachsenhansen und nicht! in Frankfurt liegt. Das Institut hat jetzt ein gutes Ge^ schüft geniacht. — Wollen die Wissenschaftler nicht so weil hinansfahren, so mögen sie wegbleiben! Die ganz imi nötig breiten Prachtringe würden einen Zweck erfüllen, da! solche monumentale öffentliche Gebäude Fremde und Ein-I heimische in diese viel zn großartigen Ringstraßen führen würden. Die Prachtringe kämen besser zur Geltung und würden auch besser bebaut; statt Kleinbauten würden bessere entstehen und der 'Norden belebt. Die Verlegung des Spitals dorthin thnt es allein freilich nicht.
Man tröste sich wegen der weiten Entfernung. Früher war der Grüneburgmeg, die Eiserne Hand rc. weit draußen,! wo sich die Füchse gute Nacht sagten und die Seufzer-Aller! eine Wandelbahn für Verliebte. Heute sind es Stad: quartiere, welche feine Häuser und teure Wohnungen haben Ueberhanpt wenn man solche übertrieben breite Luxusstraßen so weit draußen baut, wenn man selbst Gelände! entstehen. Dann aber würden diese Bauten sich ganz ander? I daß auch über diese Luxusringe hinaus bald Stadtquartier I (wie in Eckenheimer Gemarkung) für Riesensummen aitl kauft oder auch nur ankausen will, so muß man annehmen, |
- . . • Q.