Zum Kampf um die Aüael-Stiftrma.

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Eine Petition der Senckenbergischen Gesellschaft.

' _ Die Vereine haben das Wort! Das war die Erwiderung, welche die Stadtverordnetenversamm­lung in ihrer letzten Sitzung für den Antrag Rößler hatte, nach welchem die Stadtverordncten-Versanim- luug erklären soll, daß sie mit ihren: .Beschluß vom 6. Mai, der die, Bewilligung städtischer Mittel für die Jügel-Stkftung versagt, keineswegs die Unterstützung nnd Förderung der hiesigen wissenschaftlichen Institute von sich weisen wollte. '

Als erste hat sich nun die S e n cke n b er g i sch e N a tu rf o r s ch e u d e Gesellschaft mit einer offenbar schon längere Zeit vorbereiteten, sehr aus­führlichen Eingabe gemeldet, in der sie ihre augen­blickliche, ü u ß e r st m i ß l i ch e Lage darlegt und ersucht, den Magistrat um schleunige Vorlage zu bitten, wodurch die Verlegung des Bürger- Hospitals nach der Außeustadt ermöglicht aind zu­gleich der Natnrforschenden Gesellschaft und dem Physikalischen Verein Gelegenheit gegeben werde, dringend nothivendigen Neubauten auf dein Grund und Boden der Stiftung in Angriff zu nehmen.

Die Neubaupläne, führt der Bericht aus, datiren schon Jahre zurück. Die räumlichen Verhältnisse sind trotz , der steigenden Vermehrung der Sammlungen noch dieselbe n, ivie vor 60 Jahren und genügen längst !

nicht mehr. Ein Baufond von 150,000 Mark ist durch Schenkungen und Rücklagen vorhanden. Die Grundriß­skizze zu einem Bauprojekte, das auch dein in Aus­sicht genommenen Fluchtlinienplan am Eschenheimer Thor, an der Bleich- und Stiftstraße Rechnung trägt, ist vom Architekten Neher entworfen. Die Administration der Seuckeiiberg'scheu Stiftung hat sich bereit erklärt, gelegentlich der späteren Durchführung der neuen Bau­linie den ganzen Gebäudetheil am Eschenheimer Thurm i in W e r t h e v o n über eine Milliou Mnrk für den geplanten Museumsneubau für alle Zeiten u n e n t g e l d l i ch z u r V e r f ü g u n g z u st e l l e n. Jedoch machte die Administration ihre Erlaubniß zu den Neubauten von der Verlegung des Bürger­hospitals abhängig, weil durch die Umbauung des Bürgerhospitals Verhältnisse geschaffen würden, die dessen weiteren Betrieb aus allgemein -hyginischen Gründen unmöglich machen. Dabei erkannte die Administration an, daß es im Interesse nicht nur der auf dem Stiftungsgebäude domizilirenden Institute, sondern auch in dem der gesamniten Bürgerschaft wünschenswerther sei, durch Verlegung des Hospitals die Erhaltung fämmtiicher Institute auf dem Stiftungs­boden zu ermöglichen, als durch Weiterbctrjeb des Hospitals an derselben Stelle die N e u b a u t e n z u erschweren beziv. dort unmöglich zu machen.

! Aus diesen Gründen trat man mit dem Magistrat in Verhandlungen, die jedoch bei der augen­blicklichen Lage der städtischen Finanzen ge­scheitert sind. Die Administration sah sich daher gezwungen, ihre Erlaubniß zur Aufführung der Neu­bauten wegen Gefährdung des Hospitalbetriebs zu versagen. Inzwischen sind die räumlichen Ver­hältnisse immer unhaltbarer und bedroh­licher geworden. Ein Theil der Sammlungen kann dem Publikum überhaupt nicht zugänglich gemacht werden, weil sie theils magazinartig ausigespeichert, theils außerhalb in gemietheten Räumen untergebracht werden mußten.

Aus allen diesen Gründen hat die Gesellschaft in Verbindung mit dem Physikalischen Verein jene be­kannte Eingabe an die Administration der Jügel- Stiftung gerichtet, in der ersucht wurde, gm erwägen, ob es angängig sei, das Jügel'sche Stiftungsgebäude auf dem Grund und Boden der Senckenbergischen Stiftung, unter Mitbenützung des jetzigen Hospital­gebäudes zu errichten und dadurch die nothwenigen Mittel zur Verlegung des Bürgerhvspitals nach der Außenstadt zu beschaffen, damit die Ausführung der Neubauten auf dem Stiftungsgrundstück ermöglicht würde. Zu dieser Eingabe sah die Gesellschaft sich um so mehr veranlaßt, als ihr von einem Gönner 60000 Mark unter der Bedingung zu­gesichert ivurden, daß vor den: 1. Juni mit dem Neu­bau begonnen würde. (Diese Frist ist jetzt, ivie Herr Sonnemann in der letzten Sitzung der Stadtverordneten miltheilen konnte, prolongirt worden. D. Red.) Für die in Angriff genonnnenen, den Neubair vorbereitenden. Arbeiten hatte sie daher die eine Hälfte ihres Flügel­baues an der Bleichstraße schon geräumt und ist somit nach Ablehnung der Magistralsvorlage am 0: Mai d. I. in die ungünstigste L a g e v e r s e tz t. Ein noch­maliges Ersuchen an die Administration der Scucken- bergstistung um Erlaubniß zuni Neubau blieb erfolglos.

I Die Administration erklärte, mit Rücksicht auf das Bürgerhospilal, zu dessen klnterhaltiing sie stiftungs- gemaß in erster Linie verpflichtet fei, die Erlaubniß nicht geben jzu können.

Dies ist un Wesentlichen die Begründung der Ein­gabe, welche vermuthl'.ch schon am näcbsten Dienstag uu Hause Limburg zur Verhandlung kommen wird. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich dann d i- rüber schlüssig zu machen haben, ob die aufgeführten Grunde triftig genug sind, um von dem einmal ge­faßten Beschluß der Ablehnung der Magistralsvorlaae abzugehen. 0

Neues vom Tage.

Frankfurt a. M«, 7. Juni.

Jur Zügel-Stiftung»

Man schreibt uns: Die Verwendung derJügel-Stiftung erregt immer noch die Gemüthsr. Nachdem sie jetzt durch ordnungs­mäßigen Beschluß des Kuratoriums für eins wissenschaft­liche Unterrichtsanstalt festgelegt ist, kann man nur wünschen, daß ste recht bald zur Wirksamkeit gelangt.

Für die Frage eines Altersheims wird von Jnkeresse sein, züsammcnzustellen, was feit Errichtung jenes Kodizils auf .vieEm Gebiete geschehen ist. Das Ehepaar Iügel dachte 1377 beim Alters - und Sie chTnhet nffan drei Gruppen von Personen: 1. an Arme, die der ö ffentlichen Armen­pflege anheimfallen, 2. an Minderbemittelte des Mittelstandes und an solche höhere Stände, die ver­armt sind, 3.an Personen, die sich selbst durch ein Kapital einkanfen können, oder für die von Dritten ge- ! zahlt wird.

Seit 1877 ist das städtisch eArmenashl zum städti- schen Armenhaus auf dem Sandhof 1887 erweitert worden. Es wurde dann 1893 durch ein neues Siechenhaus ver­doppelt, sodaß es jetzt etwa die dreifache Zahl wie 1877 beherbergen kann. Ferner sind auf diesem Gebieie vier neue Anstalten ins Wben getreten. Soweit Zahlen bekannt sind, ergibt sich für die erwähnten drei Gruppen folgendes Bild:

1877 I960

1. Städtische Anstalten s . . : : i 120 326

2. Guaita-Stiftung (Pensionen) ... 22 22

St.u.L.Guaita-Sttftung (Pflegestellen) 12 12

Gumperh'fches Siechenhaus .... 0 20

Schmidborn'sches. Siechenhaus (Frei­stellen) . 0 5

Verforgungsanstalt für alte Israeliten 15 SO

Bersorgungshans. 152 152

Katharinen- und Weißfrauenstift . . 118 148

Bürgerhospital. 21 21

3. Rücker'sches u. Schmidborn'sches Siechen­

haus (Zahlstellen) ..... 0 34

Augusta-Viktoria-Stift ..... 0 22

460 792

Also eine Zunahme von insgesammt 332 Plätzen. Das ent­spricht etwa dem Bevölkerungszuwachs. Es könnte aber von den , bestehenden Einrichtungen noch mehr als bieder oeiibekion. Das

Katharinen- und Weißfrauenstist könnte seine Renten mehr individuell dem einzelnen Bedürfniß, anpassen und schon dadurch mehr Bedürftigen dienen. Außerdemj wächst sein Vermögen ständig und erst jetzt sind wieder neue' Stellen geschaffen worden. Vor Allem aber kann das Ver»^ sorgungshaus weit mehr leisten. Sein Vermögen betrug Ende 1880 rund zwei Millionen und beläuft sich jetzt auf; rund vier Millionen, hat sich also verdoppelt, während die Leistungen noch die gleichen sind. Würdenicht dasVersorgungs» Haus bet einemNeubau auf billigerem Boden fast die doppelte Anzahl versorgen können? Jeden­falls müßte es ihm leicht sein, für die dritte der oben genannte» Gruppen einige 70 Plätze neu zu schaffen. Falls mit Hilfe der Jügel'schen Stiftung der Neubau desBürgcrhospitalS in die Wege geleitet würde, sollte man auch die schon längst ge­plante Verlegung des Bersorgungshauses durchführen. Dabei werden fast ebensoviel Mittel für alte Seuie, flüssig gemacht, als die Jügel'sche Stiftung enthält. Auf diese Weise würde sich mit den vorhandenen' Mitteln b'e bisherige Versorgung der Alten auch bet unsere« steigenden Bevölkerung festhalten lassen.

* Von der JÄgel-StiftUng. Die Verwaltung der Stiftung hat Magistrat und Stadtverordneteu-Versammluug neuerdings um Genehmigung ihrer Satzungen ersucht; der Magistrat stimmte zu und machte entsprechende Vorlage au die, Stadtverordneten.Für das ausgeschtedene Administrations- Mitglied Dr. Schmidt -Pol ex ist Direktor Hector Rüßler, der Bruder des Stadtverordneten, in die Verwaltuya der Stiftung gewählt worden. Der

Lehrer an der Glauburgstratze Johann Guide hat, wie dieFrankfurter Schulzeitung" meldet, nach Ein­reichung einer Dissertation und nach Ablegung des münd­lichen Doktorexamens an der Universität Basel promovirt.

Er besuchte die Vorlesungen und Praktika am Sencken- bergianum und Physikalischen Verein. Die Dissertation be­handelt das ThemaDie Dorsaldrüsen der Larven der Hemiptera Hcteropterä'ü Dr. Gulde ist korrespondirendes Mitglied der Senckenbergischen natnrforschenden Gesellschaft ! uird deren Sektionär für Entomologie. Heute feiert

* Ei«,gäbe des Physikalische» Vereins. Unter Bezugnahme auf die Eingabe der Dr. Senckenbergi- fchen Naturforschenden Gesellschaft bittet der Vorstand des Physikalischen Vereins die Stadtverordneten» Versammlung um Förderung deren Vorhaben st.-, /u.