Physikalische Verein befinden, rückhaltlos anerkannt und es als durchaus gerechtfertigt bezeichnet, daß im Interesse der beiden ältesten und hochangesehenen naturwissenschaftlichen Vereine Frankfurts und, weil die jetzige Lage des Bürgerhospitals in allen Kreisen der Bürgerschaft und namentlich von seiten der Ärzte schon seit langer Zeit als durchaus ungeeignet bezeichnet wird, eine Verlegung desselben nach der Außenstadt im öffentlichen Interesse liege.
Den damaligen Verhandlungen lag der Vorschlag der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung zu Grunde, ihr die Verlegung des Bürgerhospitals durch unentgeltliche Überlassung eines städtischen Grundstückes zu freiem Eigentum und durch Garantierung der Zinsen der Bausumme aus städtischen Mitteln zu ermöglichen, wogegen der Stadt die Benützung des jetzigen Hospitalgebäudes zu wissenschaftlichen Zwecken eingeräumt werden sollte. Bedauerlicher Weise sind die Verhandlungen schließlich gescheitert, weil auf dieser Basis bei der augenblicklichen Lage der städtischen Finanzen eine Abhilfe nicht möglich schien. Die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung sah sich deshalb gezwungen, die Erlaubnis zur Aufführung der Neubauten der Naturforschenden Gesellschaft und des Physikalischen Vereins wegen der Gefährdung des Hospitalbetriebs zu verweigern.
Inzwischen waren nahezu zwei Jahre seit Aufstellung des neuen Bauprojektes der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft vergangen; durch Aufbringung der ansehnlichen Summe von rund M. 360,000 hat die Bürgerschaft Frankfurts ihre Wertschätzung wissenschaftlicher Forschung, ihr warmes und anerkennendes Interesse an den Bestrebungen der Gesellschaft und an der Errichtung des Neubaues auf dem altehrwürdigen Boden der Stiftung Senckenbergs, die ihresgleichen in unserem großen deutschen Vaterlande nicht findet, bekundet, und in der Hoffnung, daß die Verhandlungen zwischen der Stiftungs-Administration und den städtischen Behörden zu einem gedeihlichen Abschluß führen würden, hat die Gesellschaft im Sommer 1901 die Detailpläne für den zunächst projektierten Erweiterungsbau des naturhistorischen Museums ausarbeiten lassen, welche inzwischen die allgemeine Anerkennung der Fachgelehrten ganz Deutschlands gefunden haben. Und immer schwieriger, unhaltbarer und bedrohlicher sind inzwischen die Verhältnisse im Museum selbst geworden: Die Gesellschaft durfte nicht ihre vornehmste Aufgabe, auf die Ergänzung ihrer reichhaltigen Sammlungen dauernd bedacht zu sein, aus Mangel an Raum außer Acht lassen; vielmehr mußte sie gerade mit Rücksicht auf den geplanten Neubau bestrebt sein, vorhandene Lücken tunlichst auszufüllen, und, dem Vorbilde der neueren Museen aller großen Städte folgend, zur Herrichtung für die neue Schausammlung bestimmter großer Tiergruppen nach zoogeographischen Gesichtspunkten schreiten. Unterstützt wurde die Gesellschaft in diesem Bestreben durch die Hochherzigkeit ihrer Mitglieder, des Afrikaforschers Freiherrn Carlo von Erlanger und des Geh. Kommerzienrates Max von Guaita, welche ihr im Laufe des letzten Jahres eine hervorragend schöne und wertvolle, reichhaltige Kollektion von Säugetier- und Vogelbälgen und von Reptilien etc. aus Abessynien, Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Westafrika überwiesen, Geschenke von einer wissenschaftlichen Bedeutung, wie sie die Gesellschaft seit der Rückkehr Dr. Eduard Riippells aus dem äquatorialen Afrika nicht mehr erhalten hat. Selbstverständlich reichten zur Herrichtung und Unterbringung dieser reichen Neuerwerbungen die vorhandenen Arbeite- und Sammlungsräume des Museums nicht aus; die Gesellschaft sah sich deshalb bereits vor Jahresfrist zu ihrem Bedauern gezwungen, den sog. „Skelettsaal“ für den Besuch des Publikums zu schließen, und in demselben magazinmäßig die wertvollen Neuerwerbungen aufzuspeichern, sowie dringend notwendige Arbeitsräume für die Präparatoren herzurichten; ja sie mußte sogar einen Teil ihrer Sammlungen außerhalb des Museums in anderweitigen gemieteten Räumen notgedrungen unterbringen, in denen dieselben selbstverständlich dem Publikum nicht zugängig gemacht werden können.
Es ist einleuchtend, daß die Gesellschaft durch diesen unerträglichen Raummangel aufs schwerste geschädigt ist; es ist nicht nur jede weitere Vergrößerung und Vervollständigung der Sammlungen zur Unmöglichkeit geworden; auch die fernere Erhaltung des vorhandenen Materials, welches äußerst wertvolle, z. T. unersetzliche Stücke — die Typen Rüppells u. a. — in sich schließt, ist ernstlich gefährdet und die wissenschaftliche Arbeit der Sektionäre ist zum Stillstand gebracht. So ist die unverzügliche Errichtung des geplanten Neubaues nunmehr geradezu zu einer brennenden Lebensfrage für die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft geworden.