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An die
Stadtverordneten-Versammlung
Hier.
der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft betr. Errichtung eines Museums-Neubaues.
Hochgeehrte Versammlung!
Der älteste Teil des gegenwärtigen Museums der Senckenbergischen Natur
forschenden Gesellschaft, welches auf dem Grund und Boden der Dr. Johann Christian Senckenbergischen Stiftung errichtet ist, der Eckbau am Eschenheimer Tore, stammt aus dem Jahre 1820, der östliche Flügelbau an der Bleichstraße aus dem Jahre 1830, und ein zweites Stockwerk auf dem älteren Gebäude wurde 1841 aufgebaut. Seitdem ist nur noch einmal, im Jahre 1891, eine kleine Ausdehnung im Innern des Hauses möglich gewesen, nachdem der Physikalische Verein sein eigenes Institut an der Stiftstraße errichtet hatte und die ihm bis dahin zur Benützung überwiesenen Räume im Flügelbau des Museums für die Zwecke der Gesellschaft umgebaut waren.
Die räumlichen Verhältnisse des naturhistorischen Museums sind also im wesentlichen heute noch die gleichen wie vor mehr als 60 Jahren; die reichen Sammlungen aber sind durch Schenkung, Tausch und Kauf fortwährend ergänzt, vervollständigt und vermehrt worden; ganz neue Aufgaben, welche der gewaltige Aufschwung der Naturwissenschaften während der beiden letzten Menschenalter gestellt hat, sind an die Gesellschaft herangetreten und haben eine Erweiterung ihrer Lehrtätigkeit, sowie die Einrichtung von wissenschaftlichen Laboratorien und von botanischen und zoologischen Übungskursen notwendig gemacht. So ist es gekommen, daß das naturhistorische Museum schon seit Jahren bis auf das letzte verfügbare Eckchen überfüllt ist.
Wohl hat die Verwaltung der Gesellschaft diesen unhaltbaren Zustand seit langem kommen sehen; aber sie hat bei der pekuniären Lage der Gesellschaft gerechte Bedenken getragen, der Errichtung eines Erweiterungsbaues näher zu treten, und hat sich damit bescheiden müssen, alljährlich M. 4000 bis 5000 für einen Neubaufonds zurückzulegen. Auch ist sie bereits im Jahre 1896 mit der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung wegen Überlassung eines geeigneten Bauplatzes auf dem Grund und Boden derselben in Verhandlung getreten. Bestimmend hierzu war die Erwägung, daß die Gesellschaft nicht in der Lage sein würde, aus eigenen Mitteln an einer anderen geeigneten Stelle und in einer ihren Zwecken auch nur annähernd gleich günstigen Lage der Stadt einen Bauplatz käuflich zu erwerben und in einer Bauperiode einen vollständigen Museums-Neubau von ausreichender Größe aufzuführen. Ähnliche Gesichtspunkte waren für die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung maßgebend, als sie der Gesellschaft für die geplante Errichtung ihres Erweiterungsbaues das erforderliche Gelände an der Bleichstraße bis zur ehemaligen „Radgasse“, anschließend an das jetzige Museum, in hochherzigster Weise unentgeltlich zur Verfügung stellte, eingedenk der Absichten Senckenbergs, auf dem von ihm bestimmten Grund und Boden für alle Zeiten eine Pflegestätte der Wissenschaften zu schaffen und zu erhalten.