"Bibliothek-Gebäudes an der Blechstraße durch die Umbauung! des Bürgerhospitals Verhältnisse schaffen würde, welche dessen ' weiteren Betrieb aus allgemein-hygienischen Gründen vollstän­dig unmöglich machen müßten. Ohne Weiteres erkannte je­doch dir Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung an, daß eS nicht nur im Interesse der Naturforschenden Ge­sellschaft und deS Physikalischen Vereins, sowie auch des Aerzt- lichen Vereins und des Vereins für Geographie und Sta­tistik, welche in den Hörsälen des Bibliothek-Gebäudes ihre regelmäßigen wissenschaftlichen Versammlungen abzuhalten ! pflegen, sondern auch im Interesse der gesammten Bürger­schaft Frankfurts wünschenswerther sei, durch eine Verlegung des Bürgerhofpitals die Erhaltung des naturhistorischen Mu­seums, des physikalischen, chemischen und elektrotechnischen In­stituts und der vereinigten Bibliothek der genannten Vereine auf dem Grund und Boden der Stiftung, inmitten der Stadt, zu ermöglichen, als durch den Weiteröetrieb des Hospitals die Aufführung der geplanten Nrubauien auf dem Stiftungs- grundstüü unmöglich zu machen und dadurch die Senckenber- gische Natursorschcndr Gesellschaft und den Physikalischen Ber­el« zur Errichtung ibrer Neubauten, unter erheblich größeren pekuniären Ovfern für Ankauf der Bauplatzes, an einer be­liebigen anderen, in jedem Falle wesentlich ungünstiger gelege­nen Stelle Außenstadt zu nöthigen. Die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung sah sich aus den angeführ­ten Gründen gezwungen, die Erlaubniß zur Aufführung der Neubauten der Naturforschenden Gesellschaft und deS Physi­kalischen Vereins von der Verlegung des Bürgerhofpitals ab­hängig zu machen, und da sie sich völlig außer Stande sah, aus eigenen Mitteln die Verlegung des Hospitals zu bewerk­stelligen, ist sie im Interesse beider naturwissenschaftlichen In­stitute unverzüglich mit dem Magistrat wegen der Verlegung des Hospitals in Verhandlung getreten. Die Vertreter des Magistrats haben die äußerst schwierige Lage, in welcher sich die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und der Physikalische Verein befinden, rückhaltlos anerkannt. Bedauer­licher Weise sind die Verhandlungen schließlich gescheitert. Die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung sah sich deshalb gezwungen, die Erlaubniß zur Aufführung der Neu­bauten der Naturforschenden Gesellschaft und des Physikali­schen Vereins wegen der Gefährdung des Hospitalbetriebes zu verweigern. Inzwischen waren nahezu zwei Jahre seit Auf^ stellung des neuen Bauprojektes der Senckenbergischen Naiur^ forschenden Gesellschaft vergangen; durch Aufbringung der an-j sehnlichen Summe von rund 360,000 Mark hat die Bürger­schaft Frankfurts ihre Werthschätzung wissenschaftlicher For­schung, ihr warmes und anerkennendes Interesse an den Be­strebungen der Gesellschaft und an der Errichtung des Neu­baues auf dein eltchrwürdigen Boden der Stiftung Sencken- bergs, die ihresgleichen in unserem großen deutschen Vaier- lande nicht findet, bekundet, und in der Hoffnung, daß die Verhandlungen zwischen der Stiftungs-Administration und den städtischen Behörden zu einem gedeihlichen Abfchluß füh­ren würden, hat die Gesellschaft im Sommer 1901 die Detail­pläne für den zunächst projettirten Erweiterungsbau des natur- historischen Museums ausarbeiten lassen, welche inzwischen die allgemeine Anerkennung der Fachgelehrten ganz Deutschlands gefunden haben. Und immer schwieriger, unhaltbarer und be­drohlicher sind inzwischen die Verhältnisse im Museum selbst geworden: Die Gesellschaft sah sich bereits vor Jahresfrist zu ihrem Bedauern gezwungen, den sogenanntenSkelettsaal" für den Besuch des Publikums zu schließen, und in demselben magazinmätzig die wcrlhvollen Neuerwerbungen aufzuspei- chern, sowie dringend nothwendige Arbeitsräume für die Prä­paratoren herzurichten; ja sie mußte sogar einen Theil ihrer Sammlungen außerhalb des Museums in anderweitigen ge- mietheten Räumen nothgedrungen unterbringen, in denen dieselben selbstverständlich dem Publikum nicht zugängig ge­macht werden können. Die Direktion der Gesellschaft sah sich deshalb veranlaßt, nachdem die Verhandlungen der Admini­stration der Dr. Senckenbergischen Stiftung mit dem Magi­strate wegen der Verlegung des Bürgerhospitals nicht zum Ziele zu führen schienen, und nachdem e§ bekannt geworden war, daß vie Administration der Karl Christian Jügel'schen Stiftung beschlossen hatte, das Stiftungsvermögen zur Er­richtung einer öffentlichen allgemeinen akademischen Unter-, richtsanstalt zu verwenden, in Gemeinschaft mit dem Vor­stand des Physikalischen Vereins am 25. Januar d. Js. die der Stadtverordneten-Versammlung aus der Vorlage des Magistrats bekannte Eingabe an die Administration der Jügel'schen Stiftung zu richten. In dieser Eingabe wurde die Administration der Jügel'schen Stiftung ersucht, zu er­wägen, ob es angängig sei, das Jügel'sche Stistungsgebäudr auf dem Grund und Boden der Dr. Senckenbergischen Stift­ung unter Mitbenützung des jetzigen Hospitalgebäudes zu er­richten und dadurch der Administration der Dr. Senckenber­gischen Stiftung die nothwendige« Mittel zur Verlegung des Bürgerhospitals nach der Außcnsiadt zu beschaffen, damit biel Aufführung der Neubauten des naturhistorischen Museums' und des Physikalischen Vereins auf dem Stiftungsgrundstück ermöglicht würde. Die Senckenbergische Natursoftchende Ge­sellschaft sah sich um so mehr zu diesem Schrirt veranlaßt, als ihr vor Jahresfrist von einem bewährten Gönner eine weitere Schenkung von 60,000 Mark für den Baufonds zuge- fichert worden war, unter der Bedingung, daß vor dem 1. Juni d. IS. mit dem Neubau thaisächlich begonnen sein würde. Am 6. Mai d. Js. hat die Stadtvcrordneten-Ver-

sammlung den Antrag deS Magistrats betreffend die Jügel- sche Stiftung abgelchnt. Damit war die Senckenbergische' Naturforschende Gesellschaft in die denkbar ungünstigste Lage versetzt. Sie hatte die schon längst ungenügenden Räumlich­keiten des Museums durch die als unerläßliche Borbereüung für die Neubauarbeiten nothwendige Räumung der einen Hälfte ihres Flügelbaues an der Bleichstraße noch mehr be­engt und sah sich nunmehr außer Stande, den geplanter: Neu­bau überhaupt in absehbarer Zeit aufzusühren, sofern die Ad­ministration der Dr. Senckenbergischen Stiftung auf ihrem früheren Entscheid beharren würde, die Erlaubniß zum Be­ginn der Neubauarbeiten von der Verlegung des Bürger- Hospitals abhängig zu machen. Zugleich war sich die Geiell- schaft bewußt, der in Aussicht gestellten Schenkung von Mark 60,000 verlustig zu gehen, wenn der Neubau nicht vor dem 1. Juni d. Js. begonnen werben konnte. Die Gesellschaft hat deshalb am 17. Mai d. Js. die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung auf das Dringendste ersucht, die. Angelegenheit ihres Neubaues von derjenigen des Neubaues des Physikalischen Vereins zu trennen und wenigstens ihr allein die Erlaubniß zur Inangriffnahme der Neubauarbeiten zu eriheilen; dir Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung hat aber leider von Neuem erwidert, daß sie mit Rücksicht auf die allgemein - hygienischen Verhältnisse des Bürgerhofpitals, zu dessen Unterhaltung sie stiftungsgemäß in erster Linie verpflichtet ist, nicht in der Lage sei, die Er­laubniß zum Beginn des Neubaues der Gesellschaft zu er- theilen, bevor die Verlegung des Hospitals gesichert sei. Unter diesen Umständen sieht sich die Senckenbergische Natunor- schrnde Gesellschaft veranlaßt, der Siadtvcrordnclen-Ver- i sammlung ibre augenblickliche äußerst mißliche Lage vorzu­stellen, welche nicht nur jede gedeihliche Weiterentwicklung voll­ständig ausschließt, sondern auch die nothwendige Erhaltung der vorhanoenen, zum Theil unerseklichen Sammlungen des naiurhistorischen Museums völlig unmöglich macht, und an die Stadiverordneten-Dersammlung die ergebenste, dringendste Bitte zu errichten,sie wolle den Magistrat um schleunige Vor­lage bitten, wodurch der Administration der Dr. Sencken- bergischcn Stiftung die alsbaldige Verlegung des Bürger- Hospitals nach der Außenstadt ermöglicht und zugleich der Naiurforschenden Gesellschaft und dem Physikalischen Vereine Gelegenheit gegeben werde, ihre dringend nothwendige« Neu­bauten auf dem Grund und Boden der Stiftung in Angriff zu nehmen."