Tie Senckcnüerg'sche Stiftung hat nunmehr eine, offenbar be­reits vorbereitet gewesene, umfangreiche gcdrrickte Petition an die Stadtverordnetenversammlung.gerichtet, in der sie dem Stadtverord- netenkoiicgium ausführlich ihre Wünsche darlegt und dasselbe ersucht, es wolle den Magistrat um schleunige Vorlage bitten, wodurch der Verwaltung der Scnckenbcrg'schen Stiftung die alsbaldige Verlegung des Bürgerhosvitals nach der Außcnsiadt ermöglicht und zugleich der Naturforschcndeu Gesellschaft und dem Physikalischen Vereine Ge- , legenheit gegeben werde, ihre dringend nothwendigcn Neubauten auf, dem Eirund und Boden der Stiftung in Angriff zu nehmen. Auf die ausführliche Begründung des Gesuches kcnnncn wir noch zurück. Hoffentlich erhält mich die Presse bald ein Cremplar der gedruckten Petition zugestellt. - 1

Zur Frage der Errichtung eines Museum-Neubaues.

Die gestern von uns bereits kurz erwähnte Petition der Sencken- bergischen Naturforschendcn Gesellschaft an die Sradtverordnetcn- Versammlimg wegen Errichtung eines Museum-Neubaues und Ver­legung des Bürgerspitals an die Außenftadi liegt uns nunmehr in misführlichcr Begründung vor. Es ist ziocifellos das Verdienst der Stadtverordneten-Bcrsammlung, das; sie durch ihren ablehnenden Beschluß vom 6. Mai in Sachen der Jügel-Stiftung dazu beigetragen hat, daß Klarheit in die vom AMagistrat verworrene Sachlage kommt. Daß darunter die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und der Physikalische Verein zu leiden hatten, kann bedauert werden, aber die Schuld trifft nicht die Stadtverordneten, sondern den Magistrat, der die Neubaufrage des naturwissenschaftlichen Museums mit dem Universitäts-Projekt verquickte. Nachdem die Stadtvcrordneten-Ver- sommlung unzweideutig ihre Meinung bctr. dieses Universitäts-Pro­jektes zum Ausdruck gebracht hat, dürfte auf der jetzigen Basis viel leichter eine Verständigung zu erzielen sein,' wenn der Magistrat klugerweise darauf verzichtet, das Universitäts-Projekt wieder cinzu- schmuggeln.

Wie die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft in ihrer Eingabe überzeugend und ausführlich darlegt, sind die Räumlichkeiten thatsächlich für die jetzigen Verhältnisse unzureichend; sie sind noch dieselben wie vor 60 Jahren, bei Gründung des Senckenbergianums. Die Gesellschaft sah sich deshalb bereits vor Jahresfrist zu ihrem Be­dauern genöthigt, den sog.Skelettsaal" für den Besuch des Publi­kums zu schließen und in demselben magazinmähig die werthvollen Neuerwerbungen aufzuspeichern, sowie dringend iwthwendige Arbeits­räume für die Präparatoren herzurichten; ja sie mußte sogar einen Theil ihrer Sammlungen außerhalb des Museums in anderweitigen, gemiethcten Räumen notgedrungen unterbringen, in denen dieselben dem Publikum nicht zugangig gemacht werden können. Es ist ein­leuchtend, heißt es in der Eingabe, daß die Gesellschaft durch diesen unerträglichen Raummangel aufs schwerste geschädigt ist; es ist nicht nur jede weitere Vergrößerung und Vervollständigung der Samm­lungen zur Unmöglichkeit geworden; auch die fernere Erhaltung des vorhandenen Materials, welches äußerst werthvolle, z. Th. unersetz­liche Stücke die Typen Rüppells u. A. in sich schließt, ist ernst­lich gefährdet und die wissenschaftliche Arbeit der Seftionäre ist zum Stillstand gebracht. So ist die unverzügliche Errichtung des geplanten Neubaues nunmehr geradezu zu einer brennenden Lebensfrage für die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft geworden.

In dieser Erkenntniß ist denn auch die Gesellschaft seit Jahren bestrebt gewesen, Mittel für einen Neubau zu erwerben. Reiche Freunde der Gesellschaft haben auch bereits die Summe von 360,000 Mark aufgebracht; neuerdings hat sich ein Kunstfreund zur Hergabe von weiteren 60,000 Mark bereit erklärt. Ein Baufond wäre also gesichert. Die Ausführung hapert aber an der Frage der Verlegung des Bürgerspitals. Deshalb sckh sich die Senckenbergische Gesellschaft veranlaßt, nachdem die Verhandlungen der Administra­tion der Dr. Senckenbergischen Stiftung mit dem Magistrate wegen der Verlegung des Bürgcrhospitals nicht zum Ziele zu führen schienen, und nachdem es bekannt geworden war, daß die Administration der Karl Christian Jügct'fchen Stiftung beschlossen hatte, das Stiftungs­vermögen zur Errichtung einer öffentlichen allgemeinen akademischen Unterrichtsanstalt zu verwenden, in Gemeinschaft mit dem Vorstand des Physikalischen Vereins am 25. Januar d. I. die der Stadtver- ordneten-Versammlung aus der Vorlage des Magistrats bekannte Eingabe an die Administration der Jügel'schen Stiftung zu richten. In dieser Eingabe wurde die Administration der Jügel'schen Stiftung ersucht, zu erwägen, ob es angängig sei, das Jügel'sche Stiftungs- gebäude mif dem Grund und Boden der Dr. Senckenbergischen Stift- . ung unter Mitbenützung des jetzigen Hospitalgebäudes zu errichten und dadurch der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung die nothwendigen Mittel zur Verlegung des Bürgerhospitals nach der Außenstadt zu beschaffen, damit die Aufführung der Neubauten des natrirhistorischcn Museums und des Physikaüschen Vereins auf dem Stiftungsgrundstück erniöglicht würde.

Nachdem die Stadtverordneten-Vcrsammlung durch ihren ab­lehnenden Beschluß bekundet hat, daß sie von einer solchen Verquickung der verschiedenen Projekte nichts wissen will, hat die Gesellschaft die Administration der Senckenbergischen Stiftung abermals auf das Dringendste ersucht,dieAngelegenheit ihres Neubaues von derjenigen des N'eubaues des Physikalischen Vereins zu trennen und wenigstens ihr allein die Erlaubniß zur Inangriffnahme der Neubauarbeiten zu erthcilen; die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung hat aber von Neuem erwidert, daß sie mit Rücksicht auf die allgemein­hygienischen Verhältnisse des Bürgerhospitals, zu dessen Unterhaltung sie stiftungsgemätz i.. erster Linie verpflichtet ist, nicht in der Lage sei, die Erlaubniß zum Beginn des Necibaues der Gesellschaft zu erthcilen, bevor die Verlegung des Hospitals gesichert sei."

Unter diesen Umständen sieht sich die Senckenbergische Natur- forschende Gesellschaft veranlaßt, der «tadtverordnetcn-Versamm- lung ihre augenblickliche äußerst mißliche Lage borzustellen, welche nicht nur jede gedeihliche Weiterentwicklung vollständig ausschlicßt, sondern auch die nothwendige Erhaltung der vorhandenen, z.TH. uner­setzlichen Sammlungen des naturhistorischen Museums völlig unmög­lich macht, und an die Stadtverordnetcn-Bersammlung die ergebenste, dringendste Bitte zu richten, sie wolle den Magistrat um schleunige Vorlage bitten, wodurch der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung die alsbaldige Verlegung des Bürgerhospitals nach der Außenftadt ermöglicht und zugleich der Naturforschenden Gesellschaft und dem Physikalischen Vereine Gelegenheit gegeben werde, ihre drin­gend nothwendigen Neubauten auf dcmGrund und Boden dcrStiftung in Angriff zu nehmen.

Wie wir die Stimmung in der Stadtverordneten-Versammftinz kennen, dürfte diesem Ansuchen wohl entsprochen werden. wv.

Der Neubau dcS Senkkenbergianums.

Die Senckenbergische Gesellschaft richtet soeben eine Ein­gabe an die Stadtverordnetenversammlung in Sachen ihres Museums-Neubaues. Wir entnehmen der Eingabe folgende Darlegungen: Die räumlichen Verhältnisse des natur- historischen Museums seien im wesentlichen heute noch die gleiche» wie vor mehr als 60 Jahren; die reichen Samm- ^ugen aber find durch Schenkung, Tausch und Kauf fort­während ergänzt, vervollständigt und vermehrt worden: ganz neue Aufgaben, welche der gewaltige Ausschwung der Natur- missenschaften während der beiden letzten Menschenalter ge­stellt hat, sind an die Gesellschaft herangctreten und haben eine Erweiterung ihrer Lehrthätigkeit, sowie die Einrichtung von wissenschaftlichen Laboratorien und von botanischen und zoologischen UebungSknrsen notwendig gemacht. So ist es gekommen, daß das natnrhistorische Museum schon seit Jahren . A. letzte verfügbare Eckchen überfüllt ist. Die Ge­

schäft war nicht in der Lage, an anderer Stelle einest Neubau zu errichten, sie hat aber von ihrem eigenen Ge­lände an der Bleichstraßo ein Stück zum Erweiterungsbau Kjr Verfügung gestellt. Der Banfonds hatte eine Höhe von M. 150,000 erreicht. Inzwischen war durch die Verhandlungen der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung mit den, Magistrate, bezüglich der Festsetzung der Banlinie an der Bleichstraßc, festgestellt worden, dass infolge des pro-, lektierten Durchbruchs eines vom Eschenheimer Thor durch 1 die Stift- und Senckenbergstraße üScr den alten Peterskirch- j hvf nach dem Nordosten der Stadt führenden Straßenzuges für die Umgegend des Eschenheimer Thores in nicht ferner Zeit eine derartige Berkehrssteigerung zu gewärtigen sei, daß ein Zurückrücken der Baulinie dem ganzen StistungS- gelände entlang unvermeidlich werden müsse, und daß somit in absehbarer Zeit eine Niederlegung der sämtlichen der­zeitigen Museumsbauten wie auch des Bibliothckgebändes ins Auge zu fassen sei. Durch diese Feststellung war die Mnseumsfrage mit einem Schlage in ein ganz neues Stadium gerückt. Ein alsbald entstandenes neues Projekt sieht den Hauptban des zukünftige» Museums mit relativ kurzer Fassade am Eschenheimer Thor und symmetrisch anschließend zwei längere, durch einen hinteren Onerban verbundene Flügel an der Bleichstraße und an der Stiftstraße vor. Es ermöglicht zudem die Erhaltung und weitere Benützung des Anatomiegebäudes, während die AuSsührnng des ursprüng­lichen Projektes die Niederlegung desselben vor Beginn der Nenbanarbeiten und mithin die Verlegung des pathologisch- anatomischen Instituts in anderweitige Räume erfordert haben würde. Die Gesellschaft hat sich bereit erklärt, ge­legentlich der späteren Durchführung der neuen Baulinie den ganzen Geländeteil am Eschenheimer Turm im Werte von über Jl. i Million für den geplanten Mnseumsucnbau unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Zugleich aber wies die Administration daraus hin, daß die Ausführung des zu­nächst beabsichtigten Ermeiternngsbaues des naturhtstorischen Museums mit der gleichzeitigen Ausführung des inzwischen notwendig gewordenen Neubaues des Physikalischen Vereins an der Ecke der Bleich- und Vrünnersträße, sowie mit der' Gr später projektierten Aufführung eines neuen Biblio'Ok, gebäudes an der Bleichstraßc durch die Nmbanung o-s Bürgerhospitals Berhältnisse schassen würde, welche dessen weiteren Betrieb aus allgemein-hygienischen Gründen voll­ständig unmöglich machen müßten. Ohne weiteres erkannte jedoch die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung Qit,_ daß es nicht nur im Interesse der Naiurforschenden Ge­sellschaft und des Physikalischen Vereins, sowie auch des Aerztlichen Vereins und des Vereins für Geographie und Statistik, welche in den Hörsälen des Bibliothekgebäuöes ihre regelmäßigen wissenschaftlichen Versammlungen abzuhaltcn pflegen, sondern auch im Interesse der gesamten Bürgerschaft

g rankfnrts wünschenswerter sei. durch eine Verlegung des ürgerhospitals, die Erhaltung des naturhistorischen Museums, des physikalischen, chemischen und elektrotechnischen Instituts und der vereinigten Bibliothek der genannten Ver­eine auf dem Grund und Boden der Stiftung, inmitten der Stadt, zu ermöglichen, als durch den Weiterbetrieb des Hospitals die Aufführung der geplanten Neubauten auf dem Stiftnngsgrundstlick unmöglich zu machen und dadurch die, Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und den Physika­lischen Verein zur Errichtung ihrer Neubauten, unter er­heblich größeren pekuniären Opfern für Ankauf des Bau­platzes, an einer beliebigen anderen, in jedem Falle wesent­lich ungünstiger gelegenen Stelle der Außenstadt zu nötigen. Die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung sah sich aus den angeführten Gründen gezwungen, die Erlaubnis zur Aufführung der Neubauten der Naturforschenden Ge­sellschaft und des Physikalischen Vereins von der Ver­legung des Bürgerhospitals abhängig zu machen, und da sie sich völlig außer stände sah, ans eigenen Mitteln die Verlegung des Hospitals zu bewerkstelligen, ist sie im Interesse beider naturwissenschaftlicher Institute un­verzüglich mit dem Magistrat wegen der Verlegung des Hospitals in Verhandlung getreten. Daraus ging dann im weiteren der Plan einer Verbindung mit der Jügel- Stiftung hervor, wie er den Stadtverordneten vorlag. Inzwischen waren für den Neubau 86,000 Mark von der Bürgerschaft Frankfurts aufgebracht worden. Die Gesellschaft batte sich in Gemeinschaft mit dem Vorstand des Physikalischen Vereins an dieAdministraiion derJttgelschen Stifinng gewandt und diese ersucht, zu erwägen, ob es an­gängig sei, das Jügelsche Siifnngsgebäude ans dem Grund und Boden der Dr. Senckenbergischen Stiftung unter Mit­benützung des jetzigen Hospitalgebäudes zu errichten und da­durch der Administration der Dr. Senkenbergischen Stiftung die notwendigen Mittel zur Verlegung des B ürgerhospitals nach der Außenstadt zu beschaffen, damit die Aussührnng der I Neubauten des naturhistorischen Museums und des Physi­kalischen Vereins auf dem Stiftnugsgrirndstück ermöglicht würde. Am 6. Mai hat nun die Stadtverordnelenversamm- lung den Antrag des Magistrats, betreffend die Jügelsche Stiftung, abgclehnt. Damit war die Senckenbergische Natur- forschende Gesellschaft in die denkbar imgünstigfte Lage ver­setzt. Sie hatte die schon längst ungenügenden Räumlichkeiten des Nkirscums durch die als unerläßliche Vorbereitung für die . Nenbanarbeiten notwendige Räumung der einen Hälfte ihres Klügelbaues an der Bleichstraße noch mehr beengt, und sah sich nunmehr außer stände, den geplanten Neubau überhaupt in absehbarer Zeit aufziiführen, sofern die Administration der Dr. Senckenbergischen'Stiftung auf ihrem früheren Ent­scheid beharren würde, die Erlaubnis zum Beginn der Ne»-