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Frankfurt 6. Jank.
Der Senckenbergische MuseumsNeubcnr.
Dir Erwartung, daß die durch den Beschluß der Stadt« verordnten in Sachen der Jägel-Ztifiung in ihren Baupläne» gestörten wissenschaftlichen Vereine an die Stadt herantreten würden, hat stch erfüllt. Wenigstens liegt jetzt eine ausiührltche Eingabe der SenckenLergtsch-n naturforschenden Gesellschaft an die Versammlung der Stadtverordneten wegen Errichtung eines Museums- Neubaues vor. Die Eingabe ist vom 31. Mai datirt, war also schon vor der Sitzung der Stadtverordneten am 3. Juni, in der die Angelegenheit der wissenschaftlichen Verein« ausführlich erörtert wurde, fix und fcrtia. Zunächst wird darauf hingewlesen, daß die räumlichen Verhältnisse des natur- historischen MuieumS im Wesentlichen heute nych die gleichen sind wie vor mehr als 60 Jahren, also unzulänglich. Man hat darum schon seit einiger Zeit 4000 bis 5000 JL für einen Neubaufonds zurückgelegt. Eingehend wird über die Verhandlungen berichtet, die von der Gesellschaft seit 1897 mit der Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung über die Bausache geführt worden sind. Schon aus früheren Beröffentlichungen ist bekannt, welchen Anlauf die Sache genommen hat, bis endlich das neue N e h e r' j ch e Projekt gutgeheißen wurde. Dieses sieht den Hauptbau des des zukünftigen Museums mit relativ kurzer Fassade am Eschenheimer Thor und symetrisch anschließend zwei längere, durch einen hinieren Ouerbau verbundene Flügel an der Bleichstraße und an der Stiitstraße vor.
Die StistungSadministration hat sich damit prinzipiell eiuvw» standen erklärt, hat aber dis Erlaubniß zur Aufführung vou Neubauten der Naturforfchenden Gesellschaft und des Physikalischen Vereins von der Verlegung des Bürgerhojpitals abhängig gemacht und ist, da sie das nicht allein bewerkstelligen konnte, unverzüglich wegen diese« Verlegung mit dem Magistrat in Verhandlung getreten. Die Eingabe sagt nun — was unseres Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden ist. obgleich kein Grund zur Verheimlichung vorlag — daß die Vertreter des Magistrats die äußerst schwierige Lage der beiden Vereinigungen rückhaltlos anerkannt und cS als durchaus gerechtfertigt bezeichnet haben, daß eine Verlegung des Hospitals nach der Außen st adt im Lffeutlichen Interesse liege, zumal da die Lage des Krankenhauses von Bürgerschaft und Aerzten schon seit langer Zeit als ungeeignet bezeichnet wurde. Die Verhandlungen mit der Stadt scheiterten aber und die StistungSadministration verweigerte die Bauerlaubniß wegen Gefährdung des Hospitalbetriebs.
UnterdefsiN sind von der Bürgerschaft 360.000 JL aufgebracht worden. Die Museumsverhältnisse gestalteten sich immer schwieriger. Da schien es, daß durch die Verbindung mit der Jügel« Stiftung Rettung kommen werde. Die Gesellschaft schrieb sogar die Museumsarbeiten im Submissionsweg aus; sie that dies schon wegen der neuen Schenkung von 60,000 JL, die unter der Bedingung erfolgte, daß mit dem Neubau am 1. Juni begonnen sei« würde. lDas Geld bleibt aber doch der Gesellschaft, obgleich noch kein Spateostich gethan ist; so wurde süngst in der Stadtverordnetenversammlung mitgetheilt. Anm. d. Red.) Die Stift- ungsadminisiration war so vorsichtig, auch setzt nicht den Baukonsens zu geben; erst sollte der Jügel-Vertrag die Genehmigung der städtischen Behörden gefunden haben. Der Gang der Ereignisse hat dieser vorsichtigen Auffassung der Dinge Reckt gegeben. Die Gesellschaft betont, daß sie in die denkbar unglücklichste Lage ver, setzt wurde; ein neues Ersuchen an die StistungSadministration, ihre Bausache von der deS Physikalischen Vereins zu trennen, wurde auch nicht genehmigt: erst müßte dis Verlegung des Hospitals gesichert sein. Unter diesen Umständen richtet die Senckenbergische naturforschenve Gesellschaft an die Stadtverordnetenversammlung die ergebenste dringendste Bitte: sie wolle den Magistrat um schleunige Vorlage ersuchen, wodurch der Administration der Senckenbergischen Stiftung dis alsbaldige Verlegung des Bürgerhospitals nach der Außenstadt ermöglicht und zugleich der Naturforschrnden Gesellschaft und dem Physikalischen Verein Gelegenheit gegeben werden, Ihre dringend uolhwendigen Neu« bauten auf dem Grund und Boden der Stiftung in Aussicht zu nehmen.
Neues vom Tage.
Frankfurt a. M», 6. Juni.
Neubau eines Museums der Senckenbergischen Naturforschenve« Gesellschaft.
Die Direktion vorbenannter Gesellschaft hat der Stadtverordnetenversammlung eine vom 31. Mat datirte Eingabe unterbreitet. Anscheinend hat man mit deren Uebergabe aus die letzten Verhandlungen gewartet, eine unseres Erachtens etwas überflüssige Vorsicht, da wir annehmen, daß so wie so die Eingabe wohlwollender Prüfung unterzogen worden wäre.
In der Eingabe wird daraus hingewiesen, daß die r ä u m - lichen Verhältnisse des natur hi st arischen Museums noch die gleichen sind, wie vor 60 Jahren trotz der fortgesetzten Vermehrung der reichen Sammlungen und de» an die Gesellschaft herangetretenea neuen Aufgaben, die eine Erweiterung ihrer Lehrthätigkeit, sowie die Errichtung der wissenschaftlichen Laboratorien und von botanischen und zoologischen Uebungskursen erforderlich machten. Das Museum »st bis aufs letzte Eckchen überfüllt.
Für einen Neubau-Fonds legte die Gesellschaft in den letzten Jahren alljährlich Mk. 4000—5000 zurück, sie ist schon 1897 mit der Administration der Senckenbergischen Stiftung wegen Überlassung eines geeigneten Blauplatzes in Verbindung getreten. Bestimmend dabei war, daß die Gesellschaft nicht in der Lage sein würde, aus eigenen Mitteln an anderer geeigneter Stelle und in einer nur annähernd günstigen Lage einen Bauplatz zu erwerben. Die Stiflungs-Admintstralion stellte das erforderliche Gelände an der Bleichstraße zur Verfügung.
Die Eingabe verweist weiter auf die für den Baufonds gemachten Schenkungen und auf die Verhandlungen der Stistungs- odministralion mit dem Magistrat bezüglich der Festsetzung der Baulinie an der Bleichstraße, wodurch in absehbarer Zeit eine Mederlegung der sämmtlichen derzeitigen Mujeumsbauten und >des Bibliothekgebäudes ins Auge gefaßt weiden müßte. Ein 'jetzt zur Ausführung beschlossenes Projekt sieht den Hauptbau Des zukünftigen Museums mit relativ kurzer Fassade am Eschenheimer Thor und shmmetrisch anschließende zwei längere, durch einen hinteren Querbau verbundene Flügel an der Bleichstraße und an der Stiststraße vor. Zunächst solle der an der Bleichstraße gelegene Flügel des neuen Museums, anschließend an das jetzige Gebäude, sowie ein Theil des in den bolanischen Garten hineinreichenden Hinteren Querbaues aufgeführt werden. Die Stisturigsadministration war bereit, den ganzen Geländetheil am Eschenheimer Thurme im Werthe von über 1 Million Mark unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, machte aber die Erledigung von der Verlegung des Bürgerhospitals abhängig, die sie aus eigenen Mitteln nicht bewerkstelligen könne. Vertreter des Magistrats erklärten diese Verlegung in die Außenstadt als im öffentlichen Interesse liegend.
Weiter wird auf die Verhandlungen mit der A d- ministration derJügel-Stistung verwiesen. Die, Administration der Senckenbergischen Stiftung erklärte sich außer Stande, die Erlaubniß zum Beginn der Neubauten vor : dem 1. Mai d. I. zu geben, bevor der mit der Jügel-Stiflung vereinbarte Vertrag die Genehmigung der städtischen Behörden gefunden habe, sie stellt es der Naturforschenden Gesellschaft anheim, Arbeiten auf eigenes Risiko ausführen zu lassen, mit der Auflage, den botanischen Garten wieder in seinem jetzigen Zustande Herrichten zu lassen, falls das Uebereinkommen mit der Jügel-Stistung dir Genehmigung der städtischen Behörden nicht finden sollte.
Nun kam der Beschluß vom 6. Mar, der die Senckenbergische Nalursorschende Gesellschaft in die denkbar ungünstig st e Lage »ersetzte. Sie hatte die längst ungenügenden Räumlichkeiten des Museums in ! Folge der Vorbereitung für die Neubauarbeiten noch mehr beengt und war nunmehr außer Stand, den Neubau überhaupt in absehbarer Zeit auszusühren, sofern die Administration der Senckenbergischen Stiftung auf ihrem früheren Beschluß beharren und die Erlaubniß zum Beginn der Neubauarbeiten von der Verlegung des Bürgerhojpitals abhängig machen würde. Zugleich war sich die Gesellschaft bewußt, einer in Aussicht gestellten Schenkung von Mk. 60,000 verlustig zu gehen, wen» der Neubau nicht vor dem 1. Juni d. I. begonnen werden konnte. (Diese Befürchtung ist nach MittheUung des Herrn Sonnemann in der letzten Stadtverordneten-Sitzung hinfällig geworden. D. R.) Neuerdings erklärte die Senckenbergische Stifttung, daß sie mit Rücksicht aus die a l l g e m e i n hygienischen Verhältnijie des Bürgerhospitals die Erlaubniß zum Neubau nicht geben könne, bevor die Verlegung des BürgerhospUals gesichert sei.
Unter diesen Umständen sieht sich die Senckenbergische Nalursorschende Gesellschaft veranlaßt, der Stadtverordneten» Versammlung ihre augenblickliche mißliche Lage vorzustellen, die nicht nur jede gedeihliche Weiterentwickelung ausschließt, sondern auch die nothwendige Erhaltung der vorhandenen zum Theil unersetzlichen Sammlungen des Museums vollständig unmöglich macht, und an die Versammlung die dringliche Bitte zu richten, sie wolle denMagistrat um schleunige Vorlage ersuchen, wodurch der Administration der Senckenbergischen Stiftung die alsbaldige Verlegung des Bürgerhojpitals nach der Außen st adt ermöglicht und zugleich der Naturforschenden Gesellschaft und dem PhysikaliHen Verein Gelegenheit gegeben werden, ihre dringend nothwendige« Neubauten auf dem Grund und Boden der Stistung in Aussicht zu nehmen.
Gute fttädtische Finanzen.
Wie wir hören, bringt der Abschluß derStadthaupt- kassefürdaSJahr1901, im Gegensatz zu de» frühe« in Aussicht gestellten ungünstigen Ergebnissen, einen Uebersch « ß von mehreren Hundert tausend Mark. Dasersreu- l iche R esultat wird auf die schwebenden Aufgaben der Stadt Frankfurt a. M. von förderlichem Einfluß sein.