Gegen soll in Thüringen die Wanderratte anfangs der 70er Jahre noch unbekannt gewesen sein. In S t a d t - ii m wurde 1H73 die erste Wanderratte durch einen Spitz aufgebracht und von den Bewohnern angestaunt; zehn Jahre später war die Hausratte kaum noch vorhanden. Es. fehlte nun längere Zeit an zuverlässigen Beobachtungen, und als Mitte der 90er Jahre einzelne -Mittheilnngen über das Vorkommen von Hausratten an stauch len, wurde mehrfach die Bestimmung der Thiere angezwestelt. Die Bemühungen des Senckenbergischen Museums, diesem Streit dirrch unantastbare Belegstücke ein Ende zu machen, sind von gutem Erfolg gekrönt gewesen. Es gelang, in einem Winter sechs Exemplare zu beschaffen, davon sogar eines leben d, welches irn hiesigen Zoologischen Garten noch heute vorhanden ist. Die ersten Thiere stammten vom Niederrhein. von dem Maschinenfabrikanten Herrn Adolf Pieper in M ö r s, der sich ftir diese Frage lebhaft interessirte. Die Hausratten scheinen in dieser Stadt sehr häufig zu sein, denn Herr Pieper hat in kurzer Zeit mehrere Museen mit frischen Ratten versorgt. Bald aber gelang es, auch in Frankfurt selbst die Hausratten nachzuweisen, denn Herr Direktor V a l. S ch n a r r lieferte aus dem städtischen Lagerhaus drei schöne Exemplare. Sei es nun, das; die Hausratte noch nicht überall im Kampfe gegen die Wanderratte unterlegen ist, sondern noch unbemerkt an manchen Orren neben der Wanderratte weiter er'.stirte, oder daß sie wieder zugenommen hat, nachdem der Wanderratte durch unsere modernen Bauten aus Stein und Eisen sowie durch Einführung der Kanalisation der Aufenthalt etwas verleidet wurde,, jedenfalls sind die Angaben mancher zoologischer Lehr- ünd Handbücher, daß die Hausratte in Deutschland fast überall von der Wanderratte vertrieben sei, nicht nrehr zeitgemäß.
lieber die Vermehrung in der V o g e l s a m m l u n g berichtet der Sektioncir. derselben, R. d e N e u f v i l l e.
Das Pärchen des neuseeländischen Hopflappenvogels, chlatei-ainelm aeutinirtris, ist dadurch besonders erwähnenswerth, weil es der emsige Vogel ist, bei dem Männchen und Weibchen einen ganz verschieden gestalteten Schnabel besitzen; bei ersterem ist er gerade, bei letzterem sichelförmig gebogen und bedeutend länger.
Ein rother Paradiesvogel, I'aradisia rubra, eine prächtige Fasanenarr auSj Borneo, Lobio- pliasls bulweri, Schneefink, Sperlingseule, verschiedene Entenarten ans dem hiesigen Zoologischen Garten und ein junger Strauß, von Herrn I. Menges in Limburg geschenkt, sowie verschiedene Papageien, aus den Zinsen der Eretzschmar-Stiftung angetanst, wurden besonders besprochen. Ganz neu für das Museum waren Vertreter der Gattungen Nesomi- mus und Certhidea von den Galap.agos-Jnseln.
Aus den.Schenkungen für die L o k a l s a m m - l n n g zeigte Herr de Neufville als besonders interessante Stücke: ein von Herrn Karl Bücher in Okarben geschenktes Nest der Schwa^zmeise, L ^ Panis eandärus, das durch seine Bekleidung mit Moos und Flechten dem von Flechten befallenen Baum- ast, auf dem es sitzt, angepaßt ist; eine Nohrmeise, von Herrn 5k.' fhtümann in der Heddernheimer Gemarkung erbeutet, die in der Sammlung des Museums noch fehlte; ferner ein prächtiges Exemplar einer Raub- möve, Ltoreorarius parasiticus L., von Herrn G. D e r I a m bei. Bommersheim erlegt und dem Museum geschenkt. Tiefe Raubmöve gehört dem höben Norden beider Welttheile an; sie lebt im Sommer im nördlichen Eismeer und an der norwegischen Küste und kommt im Winter bis an die Küsten der Nord- und Ostsee. Auch im nördlichen Deutschland, Holstein, Mecklenburg, Pommern, ist sie gelegentlich nnzutresfen. Im Biunenlande gehört sie dagegen zu den größten Seltenheiten, wenigstens ist dem Senckenbergischen Museum in einem Zeitraum von über -13 Jahren kein Exemplar zugekommen.
Aus der sehr großen Anzahl der Erwerbungen an K r i e ch thiere n und L u r ch e n legte Professor Tr. O. B o e 11 g e r fast nur Arten, die für die Wissenschaft neu sind, oder ganz besondere Raritäten vor.- Don Schildkröten wurde von Herrn F. Winter hier eine junge Riesenschildkröte (Testudo elephantina) ans Aldabxa geschenkt, die Hern Winter selbst von der dentfcben Tieisee-Erpedition initgebracbt hat und hier 2% Jahre lebend hielt; die beiden prächtigen madagassischen Landschildkröten Testudo yniphora' und phmieauda, Geschenke des Herrn Professor Dr. A. Noeltzow, waren bis jetzt nur je in einem Stück in Paris vertreten. Der Anfang einer Schildkröten-Eiersammkung war ausgestellt. Unter den Eidechsen bieten zwei neue Cha- maeleons, ein Basilisk und ein Riesonskink von den Kapverden Interesse, unter den Fröschen rin neuer Beuteitrosch ans Ecnador — leider nur im männlichen Geschlechte mit ganz rudimentärer Tascbenandeutnng — und Vertreter der südamerikanischen Gattung Atelo- pus und des indo-pacisischen Genus Cornufer, die beide znm erstenmal in Afrika, und zwar bezw. in Togo und Kamerun in Dentsch-Westafrika gefunden worden sind. Von deutsckien Schlangen liegt die Würfelnatter von Eölln a. d. E " aus dem Königreich Sachsen vor. ein neuer und höa überraschender Fund,
und von heimischen Thieren der Moorfrosch (Rana ’ arvalis) aus dem Rothen Graben bei Enkheim, seit j bald 50 Jahren zum erstenmal wieder in der nächsten ' Umgebung von Frankfurt erbeutet. Er ist dort an einer beschränkte^ Stelle gar nicht selten.
Von Neuerwerbungen an S ch m e t t e r l i n g e n ist zunächst zu erwö.huen das hervorragende Geschenk der Frau St.-George Sabel, welche dem Senckenbergischen Museum die große,.paläarktische wie exotische Schmetterlinge enthaltende Sammlung ihres verstorbenen Gatten überwiesen hat. Diese Sammlung, welche mehrere Wochen dem Publikum zugänglich gemacht war, ist für uns um so wecthvoller, als das Museum dadurch in den Besitz einer bisher noch nicht vertretenen Reihe englischer Schmetterlinge kam.
Ausgestellt ist ferner eine hübsche Serie kalifornischer Schmetterlinge, lauter Arten umfassend, welche bisher in der Sammlung fehlten. Durch die nahe Verwandt- schaft der nordamerikanischen und speziell der kaliforni- scheu Schmerterlingswelt mit der europäischen war es behufs Anstellung von Parallelen und ' Vergleichen besonders geboten, diese Seite der Sammlung zu kom- pletrren.
Endlich war die Sektion noch in der Lage, einige be- ionders seltene und hervorragende Thiere zu erwerben: so ein Pärchen der hübschen Protbos calydonia, ein Weibchen des großen schönen Thaumantis aliris, des Charaxes distantPcdle von Borneo, sodann ein Pärchen von Ornixhoptera staudingeri, Papilio aberrans und Euploea sacerdos von der Insel Selaru. *
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