Arankfurter Nachrichten, §omiag
Wiffenfchaftliche Sitzung der Sencken- bergischen Natnrforschenden GessüschasL.
Samstag, 14. Dezember 1901. Vorsitzender: Oberlehrer I. Blum.
Der Vorsitzende weist aus die schönen Sammlungen hin, die heute den Sitzungssaal schmücken, und bemerkt, daß diese nur einen Theil der Geschenke und Erwerbungen bilden, die in diesem Jahre in das Museum ge» langt sind. Es sehlen namentlich die werthvollen 1 Säugethierfelle, die die Gesellschaft von dem Frei- ! Herrn Carlo v. Erlanger und C. G. SchiI°
; lings erhalten hat und die noch der Präparatton I harren; ebenso muhte von der Aufstellung einer großen z Sammlung von Konferenz apsen abgesehen werden, i Mehrers der ausgestellten Thiere, namentlich die zu
- Gruppen vereinigten, sind für das neue Museum be» i stimmt. In dem alten Museum fehlt dafiir der geeig- t nete Raum. Die Herrichtung solcher Gruppen erfor- 1 Lert nicht allein Geschick und Verständniß, sondern auch ° Fleiß und Ausdauer, und es ist darum nöthig, bei : Zeiten mit diesen Arbeiten zu beginnen.
c Professor Dr. M. M ö b i ns demonstrirt:
1. einen Stamm des Farn Oldotium Schiede:
3 aus Mexiko, bei dem die noch ansitzenden Blattstielreste >. mit einer braunen Wolle bedeckt sind. Die Wolle/ der
- javanischen und sumatranischen Arten von Oldotium liefert die als Pengliawar Djambi bekannte vegeta-
i bilische Wolle. (Geschenk des Palm eng arten s t hier.)
i j 2. Fruchtblätter mit ansitzenden rothen Sanien von > Cycas revoluta, einer in Japan einheimischen ° Cycadee, deren Blätter bei uns als Palmenwedel benutzt werden. (Geschenk von Herrn I. Blum hier.)
8. Ein Zweig der gemeinen Kiefer (Pinus silvestris), der gegen 100 kleine Zapfen trägt, j Die als „Zapfensucht" bezeichnete krankhafte Erscheinung rührt vielleicht von dem Einfluß eines parasitischen Pilzes her. (Geschenk von Herrn Dietze in Jugenheim.)
4. Eine Sammlung von Koniferen-Samen in 61 Gläschen. (Geschenk von Herrn I u n ck hier.)
5. Fruchtstand der Palme Trachycarpus excelsa, welche in China die nördlichste Palmenart bildet, wie in Südeuropa die ihr verwandte Chamaet'ops liumilis. Die Früchte sind kleine Steinfrüchte und in Rapallo gereift. (Geschenk von Herrn I. B l u m hier.)
6. Ende des Stammes einer großen Phönix, Palme mit vier ansitzenden Fruchtständen. (Geschenk des P a l m e n g a rte n s hier.)
7. Der Stamm von Strelitsia Augusta, einer mit der Banane- (Alusa) verwandten Pflanze, die aber im Gegensatz zu dieser einen echten Holzstamm bildet, ebenso wie der berühmte „Baum der Reisenden"
' aus Madagaskar (Ravenala madagascarensis), der I ebenfalls eine Mnsacee ist. Die Stieiitriia-Artcn sind
in Südafrika zu Hause. (Geschenk des Palmen- j g a r te n s hier.)
8. Ein Zweig mit Früchten des in Südeuropa häufigen Erdbeerbaumes (Arbutus Unedo) in Formal tonservirt. (Geschenk des Herrn I. B l u m hier.)
9. Eine Sammlung sehr schöner Stücke des ostafrika» nischen K o p a I s, der an der Küste von Südost- afrita als rezent-fossiles Harz aus der Erde gegraben loird und wahrscheinlich von verschiedenen Arten der Legnminosen-Gattung Dracdylodlum stammr.
Er ist also in seinem Auftreten dem Bernstein, ähnlich, schließt wie dieser häufig Insekten ein und wird auch
| in ähnlicher Weise verwendet. (Geschenk von Frau Konsul Ebenau hier.)
10. _Eine Sammlung nachgemachter Früchte «Aepfel, Birnen, Aprikose/ Pfirsisch), die durch ihre naturgetreue, künstlerische Ausführung bemerkenswerth ist. (Geschenk des Herrn H. Frank hier.)
dm 15. Dezember 1991 Nr. 347
Dr. F. Römer macht sodann Mittheilungen über die Eingänge in der Gruppe der Säugethiere. Zwei große Schenkungen aus der afrikanischen Thierwelt überragen alle, anderen Geschenke bei Weitem, die Schenkung des ^Freiherr» Carlo v. Erlanger in Nieder-Jngelheim aus der Ausbeute von seinem Durchzug durch Abessinien, den Galla- und Somali-Ländern und die Sendung des Herrn C. G. Schillings auf W e i h e r h o s bei D ü r e n aus Deutsch-Ostafrika, welch letztere das Museum der Hochherzigkeit ’ des Herrn Geheimen Kommerzienrathes v. Gua i t a in Cronberg zu verdanken hat. Diese Bälge sind noch in der Vorbereitung und werden den Konservatoren des Museums noch einige Jahre Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Künste geben. Die Thiere sollen nämlich in der biologischen Abtheilung des neuen Museums Verwendung finden, in welcher die Thierwelt der verschiedenen Länder nach biologischen Gesichtspunkten in besonderen, durch Oberlicht eigenartig beleuchteten Kammern zur Aufstellung gelangt. Durch diese großartigen Schenkungen, wie sie das Museum seit Nuppels Zeiten nicht wieder erlebt hat, können zwei reichhaltige Gruppen aus der Fauna Nordost-Afrikas und Deutsch-Ost-Afttkas errichtet wer» den. — Unter den ausgestellten, bereits fertig Prä» parirten Säugethieren siel eine große Drang» Gruppe besonders in die Augen. Drei prächtige Orang-lltans aus Borneo sind von den Konser» vatoren des Museums, den H e r r e n Adam und August Koch, auf einem großen Baumstamm in künstlerischer Vollendung zu einer Familiengruppe vereinigt. Das stattliche Männchen hat die höheren Aeste des Baumes in aufrechter Stellung eingenom- inen, während die beiden jüngeren Weibchen es sich auf den unteren Aesten recht bequem gemacht haben.
■ Dieses neue Schaustück erntete großen Beifall. Nicht nur die Schönheit der drei „Waldmenschen" mit ihren langen, rothbraunen Haaren, sondern auch die Art der Verarbeitung erregte allgemeines Interesse.
Eine längere Besprechung wurde unter den anderem Schaustücken noch einem kleineren, unscheinbaren Thier» chen gewidmet, welches den meisten Leuten weniger interessant sein diirfte als dem Zoologen, nämlich der echten Hausratte, AI n s rattusL. Ursprünglich gab es in Europa nur diese eine dunkle Ratte mir den großen Ohren und dem langen Schwanz.
I Wann sie zuerst erschienen ist, läßt sich nicht mit Sicher-. !heit sagen. Albertus Magnus ist der erste Thierkundige, welcher sie als deutsches Thier aufführt; demnach war sie im 13. Jahrhundert schon bei uns heivtisch Möglicherweise ist sie aus Persien eingewandert, wo sie heute noch in großer Menge vorkommt. Bis zum Anfänge des 18. Jahrhunderts hatten die Hausratten in Europa die Alleinherrschaft. Da erschien plötzlich die hellere, größere Wanderratte, Alu» decumauus Pall. 1727 setzte sie nach Pallas bei Astrachan über die Wolga; 1730 wurde sie durch Schiffe nach London eingeschleppt, und 1750 zeigte sie sich schon in Paris. In Mitteldeutschland hat sie sich besonders nach dem siebenjährigen Kriege verbreitet. Die kleinere, schwächere Hausratte wurde sehr bald von ! der Wanderratte verdrängt und galt Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland schon als Seltenheit. Blasius z. B. führt in seiner „Naturgeschichte der Säugethiere" 1857 nur Königsberg für ganz Deutschland an, woselbst die Hausratte noch vorkommel Da«