Arbeiten. Aus fast allen Ländern des Kontinentes und darüber hinaus haben fich Naturforscher hier eingefunden, um ihren Wiflenskreis zu erweitern imd die seltenen Naturobjekte dieses Museums zu studieren oder wissen­schaftlich zu bearbeiten.

Bis vor nicht allzu langer Zeit erblickte die größte An­zahl der Naturforscher ihre Aufgabe darin, den Natur­körpern ihren Platz im System anzuweisen und ihnen einen entsprechenden Namen zu geben; sie hielten ihre Auf­gabe für gelöst, wenn sie diese Körper eingereiht hatten in die richrige Klasse, Ordnung, Familie, Gruppe und Gattung. Diese der älteren Schule angehörigen Naturforscher waren also nur Systematiker. Die moderne Naturforschung geht dagegen von anderen Gesichtspunkten aus. Nach der An­schauung der modernen Forscher ist jedes Naturprodukt . (Tier, Pflanze, Mineral u. s. w.) nichts anderes als ein Glied in einer unendlich langen Entwickelungsrcihe. Die heutige Tierwelt bildet die Nachkommenschaft einer vor- welrlrchen Tierwelt, die heutigen Pflanzen sind aus den Pflanzen der Vorwelt hervorgegangen und die unorga­nischen Körper, aus welchen die Erde zusammengesetzt ist, find in ihrer jetzigen Zusammensetzung Produkte voraus­gegangener Bildungs- und Umbildungsprozesse. Es hängt also die jetzige Lebewelt unmittelbar zusammen mit der untergegangenen und ausgestorbenen, deren Reste im fossilisierten Zustande in der Erdrinde aufgefunden werden, und die Produkte vulkanischer Ausbrüche, die Sand-, Thon- und Kallablagerungen, die unter unseren Augen sich bilden und ähnliche Erscheinungen der Jetztzeit sind nichts anderes ' als in der Stärke abgeschwächte Wiederholungen in früheren Zeitepochen stattgefundener Vorgänge.

Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, gewinnen die Objekre der Sammlungen des Senckenbergischen Museums an Bedeutung und an Interesse; bei dieser Art der An­schauung drängen sich dem Forscher zahlreiche Fragen auf, deren Beantwortung oft nicht leicht ist. Da bei dieser Be­trachtung der Naturkörper es nicht allein auf die äußere Form derselben, auf ihre Farbe und dergleichen ankommt, hat der moderne Naturforscher es mit dem anatomischen Bau derselben und bei den lebenden Organismen mit den physiologischen Funktionen der Organe des zu untersuchen­den Lebetvesens zu thun. Damit ist das Feld seiner Thätigkeit bedeutend erweitert, damit ist aber auch gleich­zeitig unsere Erkenntnis der Natur auf ein höheres Niveau gehoben.

Für den, der sich auf die Höhe dieser Anschauung zu schwingen vermag, bilden alle Objekte der Sammlung dieses Museums reichlich fließende Quellen edlen Naturgenusscs .und es wird die Aufgabe aller im Dienste der Verwaltung des Museums stehenden Mitglieder der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft sein und bleiben, allen den- ' jenigen, welche ein Bedürfnis nach Erweiterung ihrer naturwissenschaftlichen Kenntnisse empfinden, in dieser Richtung belehrend zur Seite zu treten.

Wenn hiernach das Museum als wohl ausgerüstet er- ,scheint zur Förderung der Narurwisscnschaft im Allge- .meinen, so bietet es auch andererseits dem P u b l i - hm eine Fülle des Lehrreichen und Jn- '" " e 1 fanie«. Und damit wäre dann auch der arrdere

Teil des Programmes, welches sie Senckenbergische natur- forschende Gesellschaft seiner Zit ausgestellt hat, erfüllt, welcher die Förderung der Natiuviisenschaft besonders auch in der Stadt Frankfurt bezweckt.

Um den Besuch des Mrseums seitens der für die Naturwissenschaft sich interefiereriden Kreise zu regeln, hatte man schon im Jahre 1822 die Oesfnung desselben auf bestimmte Tage und Tagesziten festgesetzt. Man war zu dieser Art der Einrichtung gezwungen gewesen, weil die Offenhaltung an jedem Tage md auf eine längere Dauer von Stunden, wie sie zum Teilen anderen Museen besteht, die Anstellung von ständigen.ilufsichtsbeamten erfordert hätte, was mit Rücksicht auf die Finanzlage der Gesellschaft unausführbar erschien. Frühe: waren es zwei Tage in der Woche, jetzt sind es drii Tage, an denen das Museum offen gehalten wird, iirämlich am Sonntag und Freitag von 111 Uhr und an Mittwoch von 24 Uhr. Seit beinahe zwei Jahren bestell die Einrichtung, daß an jedem ersten Sonntage im Monat auch nachmittags von 24 Uhr das Museum geöffnet ist.

Angeregt durch die Reichhaltige ii des Inhaltes und die übersichtliche Anordnung desseften im Museum, hat die Frequenz von Jahr zu Jahr zuxenommen und es ist gewiß Äs eine erfreuliche Thatsache Inzuerkennen, daß in dem Zeiträume von Mitte Mai 1801 bis dahin 1901 nahezu 15,000 Personen das MuseumIbesucht haben.

Von Zeit zu Zeit werden Her besonders interessante Naturalien oder auch neu erdorbene Objekte zu einer Ausstellung vereinigt. Stau kann dann die Be­obachtung machen, daß die Bewihner Franffurts und Um­gegend, ja auch Fremde, die zuftllig anwesend sind, gerade diesen Ausstellungen ein erhihtes Interesse entgegen­bringen.

Schon früher haben aus besonderen Anlässen, z. B. bei Anwesenheit von fremden Lehrer: u. s. w., F ü h r u n g e n durch das naturhistorische Museum stattgc- funden. Niemand, der diesen oder ähnlichen Führungen beigewohnt hat, wird verkennen, toelchen hohen Wert den­selben wenn sie den Bildungsstufen der Geführten ent­sprechend angepaßt sind beizrmessen ist. Freilich hängt der Erfolg solcher Führungen wesentlich auch davon ab, daß der Führer selbst die nötige Gabe klarer Darstellung besitzt und daß er bei den Zuhörern lieber ein wenig geringere als zu hohe Vorkenntnisse voraussetzt. Führungen dieser Art werden bei entsprechender Organi­sation eine fortschreitende allgemeine Bildung zur Folge haben und zu einer wichtigen Erkenntuiseuelle werden. Sie werden Führern und Geführten einen gleich hohen Genuß bieten.

(Schluß folgt.)

GroWadt-Garmer.

«Don unserem Ber.l iner B ur ean.,

| K Berlin, 23. Jul,.

©n Militärattache der deutschen Botschaft in Washington ist, so liest man in amerikanischen Blättern, in New-Aork

frech bestohlen worden. Der Herr Rittmeister, der die Militärvcrhältnisse desfreiesten Landes" bester in Ncw-Aork, als in Washington studieren zu können glaubte, lebte dort als flotter Junggeselle, der, wie es scheint, galanten Aben­teuern nicht allzu ängstlich aus dem Wege ging und als fröhlicher Kriegsmann nicht vergaß, daß Ares, der Kriegs­gott, selber häufig zärtliche Anwandlungen batte, die der heimtückische Hephaistos den Göttern zu verraten undelikat genug war. So hat er denn jüngst zwei elegante junge Damen, die sich als fremd und des Landes unkundig aus- gaben, äußerst galant geleitet und erlebte die Freude, seine Bemühungen im Dienst selbstloser Menschlichkeit durch ein heftiges Liebcsgeständnis der Hübscheren der Beiden alsbald belohnt zu sehen. Später entdeckte er, daß die Hold­selige, als sie die zarten Arme liebend um seinen Hals rankte, Gelegenheit gefunden hatte, ihm seine Brieftasche mit vielen schönen Scheinen aus der Tasche zu zaubern. Der Kuß dieser im Sturm Eroberten hat ihn also ein paar tausend Dollars gekostet; was den Preis, den die reichsten Leute jemals auf einem Wohl- thätigkeitsbazar für einen Kuß bezahlt haben, um ein Be­trächtliches übersteigen dürfte. Der Kriegsmnnn fand denn auch selbst das Objekt zu hoch bewertet und machte seiner Galanterie ein Ende und der Polizei Anzeige. Die zärtliche Freundin ist ihm bis heute nicht durch ein Lebenszeichen lästig geworden. Aber vom Botschafter soll er einen Schreibebrief bekommen haben, er möge doch mal ein

bißchen nach Washington kommen. zu einer kleinen

Besprechung....

Für den Spott wird der also durch Frauengunst ausge­zeichnete Rittmeister nicht zu sorgen haben. Besonders ader- alle Welistädter werden herzlich lachen, wie sie einst gelacht haben über die seelenguten Knaben, die derösterreichischen Erzherzogin", der hochblonden Dubberstein, auf den Leim gingen und sich furchtbar wichtig vorkamen als die er­wählten Kavaliere der frechsten Hochstaplerin von Berlin. Wenn der Rittmeister vorher nicht sehr gut gespeist hätte und was bei der Temperatur, die jetzt in New-Aork herrscht, nur erklärlich ist auch einige kühlende Tropfen dazu getrunken hätte, so wäre ihm das unerquickliche Abenteuer wohl kaum zugestoßen. Denn ihm ist ja wohl aus Berlin bekannt, daß die gefährlichsten weiblichen Gauner dieZärtlichen" sind; und außerdem ist ihm selbst schon einmal auf ganz dieselbe Weise ein Brillantknopf abhanden gekommen...

Als weiland der gute Hieronimus Jobs voll Wissens­durst nach der Universität zog, wie uns das Karl Arnold Kortnm m seinerJobsiade" im eilften und zwölften Kapitel in zierlichen Reimen beschrieben, da traf er im ersten Wirtshaus an der Landstraße einen gar fürnehmen Herrn mit einer großen Perrücke und! reich schamirieret, welcher aus fernen Ländern kam und sich Baron von Hogicr nannte. Und der weitgereiste Baron gab dem mit offenein Munde lauschendenFuchsen" viele gute Lehren, warnte ihn besonders vor dem bösen Spiel und schlug dann selbst vor, so ein ganz kleines, bescheidenes Spielchen zu arrangieren. An weniger als dreiviertel Stunden hatte

der wackere Hieroniw Heller

Und bah der He Ihn listiger Weit

Das merkte Denn der He

Und als dann Hie, im Postwagen weiter. Weise eine Schone, $ und Mund" neben il guten Hieronimi tra wobei sie ihn freun Folge davon war, heraus und auf zärti Worte und dann in nächsten Poststation trennen müssen.

Da indeffen nac^d Seitdem die Sclt Hieronimus s> War auch d

Als der Bergarzt . Leben, Meinungen Kandidaten" veröffc: jemand sonst daran, stadt werden könnte, hat der Verfasser dacht, daß er in lichsten und amüfi just dieser Weltsta schildern übernahm.

Die ganz edlen He- Hogier und die reize und den knisternden den unbequemen Pos kehr von Fremden i nicht vergessen, daß Reifens selbst Willi des Schauens, des Jahre alt ist. Eig regt sich's in den ! mählich alle, die Stätten alter Kuns aber auch, die gro Landes und der richtungen, ihren Reisen wird Mode größere Erleichterw Und von den Posts die Pferde mußten wo der Fremde ste sich die Barone Amalien in das sie nun auf ihre von Kortum abgei lichkeit üben.