Der Nerrdarr -es SenLkejrdergrfcherr Naturhiftorrscheu Museums.
Der älteste Theil des jetzigen Museums der S e n cf e n- belgischen Natursorschenden Gesell-, schasst der Hauptbau am Eschenheimer Thor, ist im Jahre 1820 errichtet worden. 1830 entstand der Flügel- bau an der Bleichstraße, und 1841 suchte man dem da-, mals schon fühlbaren Raummangel durch Ausvau eines- Zweiten Stockwerkes aus das ältere Gebäude abzuhelfen.- Seitdem — also seit sechzig Jahren — hat eine nennenswerthe Erweiterung der Ausstellungsräume nicht mehr stattgefunden. Die Sammlungen sind aber bei dem gewaltigen Aufschwung, welchen die Natur-! wiffenschasten in den letzten Jahrzehnten genommen^ haben/ ins Unendliche gewachsen und das Museum ist heute bis aus das letzte verfügbare Eckchen überfüllt 1
Die S encke nb e rgis che N atur sto r sch end e Gesellschaft hat die N o t h w e n d i g k e i t eines Neubaus schon seit langer Zeit anerkannt und aus! ihren Mitteln einen besonderen Bausonds begründete Der Verwirklichung ihrer Pläne konnte sie jedoch erst näher treten, nachdem vor einigenJahren zwei hochherzige Gönner des Museums je 50,000 Mark dem Neubaufonds überwiesen, der inzwischen durch zahlreiche weitere Z u- wendungen aus dem Kreise unserer ^Bürgerschaft aus nahezu 400,000 Mark angewachsen ist. Nun sind auch die Pläne für den projektirten > Museums-Neubau von dem hiesigen Architekten Lu d w i g N e h e r entworfen und seriiggesiellt worden. Sie haben erstmals bei der neulichen Jahresfeier der Gesellschaft am 19. d. Mts. aufgelegen und z. Zr. isst eine perspektivische Ansicht des zukünftigen Museums in dem Schaufenster der Kunst- handlung von Prestel am Roßmarkt aus- ge stellst während die Pläne im Flur des Museums zur allgemeinen Besichtigung ausgehängt worden sind.
Ganz besonders hervorgehoben zu werden verdienst daß de: Bauplan nicht einseitig den augenblicklichen Bedürfnissen des Museums Rechnung trägt; vielmehr Hai der Archiicli damit ein vielseitiges und weitschauendes Projekt ausgestellt, das unter Berücksichtigung der von den städtischen Behörden vorgesehenen Straßenverbreiterun- gen am Eschenheimer Thurm, sowie an der Bleich- und Siiftsiraße die zweckmäßigste Ausnützung des Baugeländes zwischen den beiden Straßen bedeutet und dis einheitlich-harmonische Bebauung des gesammten Stif- tniigsgrundstücks, wie sie durch die Neubauten des Physikalischen Instituts, der Bibliothek usw. geplant ist, sickert.
Das monumentale Museums-Gebäude hat seine Front und seinen Haupteingang nach dem Eschenheimer Thurm zu; daran schließt sich an der Bleichstraß; und an der Stiftstraße je ein Flügel von zirka 70 Meter Länge an. Die beiden großen Flügel sind durch einen hinteren Ouerbau, der wiederum einen Flügel- Anbau hast mit einander verbunden, wodurch im Innern ein mächtiger L i ch t h o f von der Größe des Schiller- Platzes entsteht. Diese Anordnung scheint uns eine ganz besonders vortheilhaste zu sein. Denn durch dieselbe erhalten die Schausäle nicht nur zweiseitiges Licht, also die günstigste Beleuchtung; sondern auch die für die Zirkulation^ des'Publikums praktisch ste Anordn ung und
Aufeinanderfolge. Ferner ist es dadurch möglich geworden, di; Arbeitsräume und Werkstätten, welche für das Präpariren und Ausstopfen der Thiere, die Herrichtung der Skelette usw. nöthig sind, von den eigentlichen Dtuseumsräumen zu trennen und mit besonderen Eingängen vom Garten aus zu versehen. Im Erdgeschoß der Flügel liegen auch die beiden Hör sähe, ein klei- merer für 80 bis 100 und ein größerer für etwa 200 .Zuhörer. Sie werden amphitheatralisch gebaut und -ebenfalls durch besondere Eingänge von der Gartenseite aus zugängig gemacht werden. In den oberen Etagen der Flügelbauten liegen unter Anderem die Arbeitszimmer für die Sektionäre und die wiffenschaftlichen Beamten; auch sind hier kleinere und größere Labora- 1 o r i e n zur Abhaltung von naturwissenschaftlichen Kursen und besondere Arbeitsräume für selbstständige wisienschaftliche Arbeiten vorgesehen. Die Sencken- bergische^ Naturforschende Gesellschaft trägt hiermit einem Bedllrfniß nach praktischen U e b u n g e n in der Zoologie, Botanik, Mineralogie und Geologie ausgiebig Rechnung, das stck in neuerer Zeit neben den eingebürgerten Vorlesun- 3 e n immer mehr geltend macht. ■
Die Ausstellungsräume des, Museums selbst find in eine Schausammlung und in eine wissenschaftliche Sammlung unterschieden. Während man nämlich früher in den naturhistorischen Museen auf die Aufstellung möglichst vieler Thiere bedacht nahm und die Besucher durch eine Massenwirkung zu fesseln suchte, macht man in neuerer Zeit nur einen kleinen Theil des vorhandenen Materials dem Publikum als sog. „Schausammlung" sichtbar und vereinigt die übrigen Bestände des Museums in einem abgetrennten „Magazin", welches das Arbeitsmaterial für die eigentlichen Fachleute enthält und den Interessenten nur auf besonderen Wunsch geöffnet wird. In der Magazin- oder wissenschaftlichen Sammlung können die Objekte dicht gedrängt aufgestapelt werden; in der Schausammlung dagegen sollen sie möglichst schön und übersichtlich angeordnet und aufgestellt sein. Die zoologische Schausammlung z. B. enthält nur die wichtigsten und interessantesten Thiere einer jeden Gruppe in höchstens einem Pärchen, gewissermaßen also nur einen Auszug aus dem Thierreich, aber diesen in möglichst vollkommener Präparirung,' mit einer übersichtlichen Erklärung, Zeichnungen, Verbreitungskarten, biologischen Präparaten u. dgl. ver- sehensso daß sie für das besuchende Publikum besonders! lehrreich zu werden verspricht.
In dem Neubau sind für die S ch a u s a m m l u n g der Mineralogie, Geologie und Paläontologie die vorderen Räume im Erdgeschoß vorgesehen. Das Hauptgeschoß nimmt die S ä u g e t h ie r e, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische auf und vereinigt zu einer „Lokalsammlung" in einem besonderen Saale die reichhaltige Fauna unserer engeren Heimath. Die niederen T'h i e r e und die Botanik sind im ersten Obergeschoß untergebracht. Die andere Hälfte desselben und das ganze zweite Obergeschoß sind für die wissenschaftliche Sammlung eingerichtet. Im Hauptgebäude am Eschenheimer Thor ist außerdem ein großer F e st s a a l, 20 Meter lang und 10 Meter breit, vorgesehen.
Die Aufführung des projektirten Museums-Neubaus wird selbstverständlich in mehreren Bauperioden erfolgen müssen. Zunächst wird der Flügel an der Bleichstraße mit dem Querbau errichtet, in welchem neben einer Reihe von Sälen der Schau- und Magazinsammlung die wichtigsten übrigen Räume, Arbeitszimmer, Werkstätten, Hörsaal und Laboratorien liegen, so daß die Gesellschaft schon sehr bald in den Gebrauch dieser wünschenswerthen Einrichtungen gelangen wird. Später ist dann die Errichtung des Flügels an der Stiftstraße in Aussicht genommen und nach dessen Fertigstellung kann das jetzige Museums-Gebäude niedergelegt und der Hauptbau am Eschenheimer Thor aufgefllhrt werden.
DerGesammt-Bauistauf 1,200,000 Mark veranschlagt. Für den zunächst aufzufübrenden Bdu hat die Gesellschaft den weitaus größten Tbeil der Bausumme bereit liegen. Die Aufführung der übrigen Theile wird erfolgen, sobald die Gesellschaft durch weitere hochherzige Schenkungen und V e r m ä ch t n i s s e i n den Besitz der not h wendigen Mittel gelangt sein wird. Wenn aber erst einmal der Flügclbau an der Bleichstraße vollendet sein und dein Publikum vor Augen führen wird, was das neue nat urhi st orischeMuseum bietensoll und kann, dann wird auch die Opferwilligkeit unserer Bürgerschaft der Gesellschaft hoffentlich recht schnell zur Aufführung der weiteren Museumsbauten verhelfen, damit auf dem altehrwürdigen Boden unserer Senckenbergischen Stiftung ein natur - hi ftorisches Museum er st ehe, das unsere in Frankfurt und der Senckenbergischen Gesellschaft zu gleicher Ehre g-- reicht und die Kritik der wissenschaftlichen Kreise nicht zu scheuen braucht!
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