Nacbmittags vereinigten sich in gewohnter Weise zahl­reiche Mitglieder und Freunde der Gesellschaft zu einem fröhlichen F e st m a hl e im Zoologischen G ar-1 ien. Zum ersten Male seit der Gründung der Ge­sellschaft waren auch die Damen zu demselben ein­geladen, wie der Vorsitzende in seiner Äegrühung her-' vorhob, in dankbarer Anerkennung des regen Interesses, welches sie den Vorlesungen der Gesellschaft entgegen-' bringen- in denen sie in den letzten Jahren einen recht beachtenswenhcn Prozentsatz der Zuhörer ausmachen. Es ist dies hocherfreulich, denn unsere Frauen sind ja in erster Linie an der Erziehung der Jugend betheiligt, und sie vor Allen haben dadurch Gelegenheit, die Liebe zur Natur und das Verftändnitz für dieselbe in die empfänglichen Kinderherzen zu tragen'. Möge es der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, auf j deren 84jähriges, segensreiches Wirken wir Frankfurter stolz sein dürfen, niemals an dem regen Interesse unserer Frauen und unserer Heranwachsenden Jugend fehlen!

R.

Abendblatr der frankfurter Zeitung.

*»;» Mai 1903*

* Neubau des SenSeubergischen naturhistorischen Museums. Bis Ende dieser Woche ist eine perlpikt wische An- sicht des Neubaus des naturhistorischen Museums der Sencken- belgischen Naturforschenden Gesellschaft bei Frenkel auf dem Roß- urarkt ausgestellt. Die Pläne selbst sind im Flur des Museums zur allgemeinen Besichtigung aufgehängt. Der älteste Theil des jetzigen Museums, der Haupt bau am Eschenheimer Thor, wurde 1820 errichtet. Im Jahre 1830 entstand der Flüqetbau an der Bleichstraße und 1841 baute man ein zweites Stockwerk auf das ältere Gebäude ans, um dem Raummangel abzuhelsen, der sich schon-damals fühlbar machte. Seit sechzig Jahren hat eine venuenswerthe Erweiterung der Ausstellungsräume nicht stattge­funden. Sie sind thatsächlich bis auf das letzte Eckchen und Plätzchen besetzt und cinNeubau ist dringend nothwendig. Front und Haupteingang des Neubaus liegen nach dem Eschenheimer Thurm zu; daran schließen sich nach Bleichstraße und Stiststraße zwei Flügel von je 70 Meter Länge an. Werkstätten und Arbeits­räume sind von den eigentlichen Museumsräumen getrennt und haben besondere Eingänge vom Garten aus. In den beiden Flügeln, im Erdgeschoß, sind die zwei Hörsäle, der eine für 100, der andere für 200 Zuhörer. Die Ausstellungsräume sind in eine Schau» und eine wissenschaftliche Sammlung unterschieden.

Der Schöpfer der Pläne, Architekt Ludwig Neher, hat im Hauptgebäude am Eschenheimer Thor einen Festsaal von 20 Meter . Länge und 10 Meter Breite vorgesehen. Die Ausjührung des Neubaus, dessen Fonds jetzt auf 400,000 JL an gewachsen ist, soll i» mehreren Bauperioden erfolgen. Zunächst wird der Flügel an der Bleichstraße mit Querbau errichtet, dann der an der Stift­straße und schließlich das Hauptgebäude. Die GesammtkosteU sind auf 1,200,000 ^veranschlagt. Für den zunächst aufzusührenden Bau liegt der weitaus größte Theil der Bausumme bereit. Der Opferfinn der Frankfurter wohlhabenden Kreise, der sich in letzter Zeit gerade nach der wissenschaftlichen Richtung hin so erfreulich bethätigt hat. wird es wohl ermöglichen, daß in nicht allzuserner Zeit an die Fortsetzung der Bauten geschritten werden kann. Nach ihrer Vollendung wird dann eine wissenschaftliche Schau- und Pflegestätte allerersten Ranges geschaffen sein. ({