„Weber geologische Arbeiten in Japan, in der Türkei und in Me.riko^.
Der Redner erinnerte an. die geologische Uebersichts- ausnahme von Japan, welche er vor 16 Jahren als Direktor der kaiserl. japanischen topographischen und geologischen Landes-Aufnahme, hauptsächlich auf Grund eigener Reisen und Forschungen zu Ende geführt hat. Aus. dieser Ausnahme ist die erste geologische Karte von Japan hervorgegangen. Das Original ^dieser Karte wu.rde vorgeführj.und mit der neuesten Karte der japa-' Nischen Landes-Aufnahme, welche auf der Pariser 2Mb; ausftellung mbst anderen Arbeiten desselben Instituts zu sehen war, verglichen. Der Vergleich ergab, daß' die Geologie von Japan schon vor 16 Jahren in ihren Hauptzügen festlag. Schon damals war die Durchquerung des japanischen Gebirgsbögens durch eine große mit Vulkanen bespickte Hohlgasse, für welche Nau--' mann die Benennung Fossa magna vorgeschlagen hat, nachgewiesen. Diese Fossa bedingt die Zwei-' theilung des japanischen Bogens in einen Nord- und Südslügel. Sie ist, wie Redner bewies, die Spur einer großartigen Spalte, einer Zerreißung des japanischen. Bogens durch das an letzteren herantretende große submarine Gebirge der Shichito, der Sieben Inseln. In Bezug auf die Deutung der Fossa magna, an welcher die Faltenzüge gegen das japanische Meer zu zurücktreten und sich stauen, ist aus der neuesten Karte der japanischen Landes-Ausnahme eine andere Auffassung zu entnehmen als die von Naumann vertretene und im Laufe des Vortrags Wohl begründete.
In der Türkei war der Redner 1890 und 1893. Er bereiste ganz Anatolien und legte die geologischen Grunde züge des ausgedehnten Ländergebietes fest. Auch Kleine asien mit den sich nach Osten anschließenden Ländern,. Armenien und Kurdistan besteht aus gefalteten Meeres- ablagerungen, Spaltenergüssen und vulkanischen Wucherungen. Auch hier gibt es Zentralmassive wie in unseren Alpen. Während aber in Japan ein einheitliches Gebirge vorliegt, das in der Mitte zwar gespalten und eingeknickt ist, besteht Anatolien aus einem Gebirgs- bündel. Während es dort in Japan eine große Längs- spalte ist, welche dem ganzen Gebirge zu Grunde liegt, sind in Kleinasien mehrere solcher Längsspalten, die den verschiedenen Gebirgsstämmen zu Grunde liegen, vorhanden. Der Redner behandelt? kurz auch die Arbeiten anderer Forscher über Anatolien aus älterer und neuerer Zeit.
Mexiko, welches Naumann in den Jahren 1897 bis 1898 bereiste, bietet eigenartige geologische Verhältnisse insofern, als hier, wie an schönen Profilen des nördlichen Theiles dieses Landes nachgewiesen werden konnte, die Kreideschichten von Westen, von der Seite des Stillen Ozeans her gepreßt, zusammen- und überein- andergeschvben worden sind. Das Gebirge zeigt regelmäßige Ketten mit dieser Struktur, dazwischen liegen streifenförmige Hochebenen mit Vulkanen, Vulkangebirgen, Spalienergüssen und Erzreichthümern. Für die Aufsuchung der letzteren ist' das Studium der Svoltenwege der Erdkruste von größter Bedeutung. Ganz besonders in Mexiko ist von der geologischen Auf-
>me des Landes noch viel Gewinn in praktischer Be- >ung zu erwarten. Sobald der geologische Bau des ndes gründlich erforscht ist, wird es gelingen, Erz- erstätten aus die Spur zu kommen, die jetzt noch voll- ndig verborgen liegen. !
Der Vortrag fand Erläuterung durch eine groß« ’ zahl von Karten und Skizzen.
Schließlich erstattete der 2. Direktor Herr Forstmeister
R ö r i g den
Jahresbericht,
n wir das Folgende entnehmen. Die Zahl der itragenden Mitglieder ist trotz zahlreicher, rch Tod und Wegzug bedingter Verluste in Folge ttritts von 31 neuen Mitgliedern von 601 auf 510 gestiegen. Die Zahl der ewigen Mitglieder t sich um 2 (seit 1871 um 52) vermehrt (die ver- rbenen Herren Generalkonsul Alfred von e u f v i l l e und Baron Willy von Roth- h i l d). Der Berichterstatter gedachte mit warmen orten der verstorbenen korrespondirenden Mitglieder rosessor Dr. GustavBorn in Breslau, V. L. e o a n e in Coruüa (Spanien), Professor Adolf t o s s i ch in Triest und Prof. Dr. I. G. A g a r d h Lund, sowie der übrigen Heimgegangenen Freunde der
Mit Ablauf des Jahres 1900 sind statutengemäß der 1. Direktor Herr Dr. A. Knoblauch und der 1. Sekretär Herr Dr. E. Roediger aus der Direktion ausgeschieden; an ihre Stelle sind für die Jahre 1901 und 1902 die Herren Oberlehrer I. B l u m und Dr. E. Hergenhahn getreten. Zu arbeitenden Mitgliedern tvurden ernannt die hiesigen Herren Amtsrichter B. G ä b l e r, Dr. E. Hübner und Dr. E. Naumann; zu korrespondirenden Mitgliedern die Herren E. W r a z i d l o und I. Zinndorf in Ofsen- bach, E. Spandel in Nürnberg, Professor Dr. O. Montelius in Stockholm, Dir. I. Becker in Valencia, F. W i e g m a n n in Jena, Dr. O. Thilo in Riga, Professor Dr. F. N i s s l in Heidelberg und Geh. Reg.-Rath Professor Dr. E. von Martens in Berlin.
Die regelmäßigen Vorlesungen der, bewährten Dozenten sowohl, wie die Vorträge in den vierzehn, wissenschaftlichen Sitzungen des vergangenen Winterhalbjahres hatten sich eines lebhaften Besuches zu erfreuen. Es haben gelesen:
Im Sommerhalbjahr 1900: die Herren Prof. Dr. R e i ch e n b a ch: über Bau und Leben der Wirbel- thiere und des Menschen; Dr. Sch auf: Besprechung der wichtigsten Mineralien, insbesondere der Gesteinsbildungen, sowie Professor Dr. M o e b i u s: .botanisch- mikroskopische Hebungen, und im Aufträge be§- Medizinischen Instituts über Biologie der Pflanzen.
Im Winterhalbjahr 1900/1901: die Herren Professor Dr. Reichenbach: über Zoologie; der Kreis der Arthropoden (Gliederfüßler), 1. Bau, Leben und Entwicklung des Flußkrebses; 2. die Klasse der Insekten; Professor'Dr. K i n k e l i n: Historische Geologie, Ueber- hlick über die Geschichte der jüngeren geologischen Perioben und die Lebewelt derselben, sowie Professor Dr. Moebius im Aufträge des Medizinischen Instituts über Morphologie und Anatomie der Pflanzen.
Im Sommerhalbjahr 1901 haben zu lesen begonnen die Herren Professor Dr. R e i ch e n b a ch über Bau, Leben und Entwickelung der Spinnen, Tausendfüßler und Krebse; Professor Dr. Kinkelin: Ueber- blick über die Geologie von Slldwest-Deutschland (mit Exkursionen), sowie Professor Dr. Moebius im Aufträge des Medizinischen Instituts über Physiologie der Pflanzen.
Der Besuch des naturhi st arischen Museums, welches Mittwochs von 2 bis 4 Uhr, Freitags und Sonntags von 11 bis 1 Uhr und außerdem auch am ersten Sonntag eines jeden Monats Nachmittags von 2 bis 4 Uhr dem Publikum unentgeltlich geöffnet ist, war wesentlich stärker wie im Vorjahre. Die Gesammt- ziffer der Besucher betrug nahezu 15,000; davon entfielen mehr wie 9000 allein auf die Sonntag-Vormittage, während der Museumsbesuch an Sonntag-Nachmittagen sehr erheblich schwächer gewesen ist.
Von den Veröffentlichungen der Gesellschaft sind im abgelaufenen Jahre erschienen: „Abhandlungen", Bd. XXV, Heft 1 und 2. Bd. XXVI, Heft 2 und 3 und Bd. XXVIII, sowie der „Berich t" 1900. !
Auch an dem Ordnen und Katalogrsiren der.reichen Sammlungen, sowie an der systematischen Kom- pletirung derselben ist im Berichtsjahr fleißig gearbeitet worden. Seit dem 1. November 1900 ist als wissenschaftlicher Kustos am Museum Herr Dr. F. Römer, früher Assistent am königlichen zoologischen Institut und Museum der Universität Breslau, thätia, dessen Anstellung der Gesellschaft durch die Munifizenz Lines ungenannt gebliebenen, hochherzigen Gönners er- -möglicht worden ist.
, Der im Jahre 1828 anläßlich des fünfzigjährigen Doktorjubiläums Samuel Thomas von Soe m- im e r r i n g s gestiftete und für die hervorragenhstr Arbeit auf dem Gebiet der Anatomie und Physiologie hestimmte Soemmerring-Preis ist in diesem (Jahre in der Festsitzung vom 30. März Herrn Professor Dr. Franz Risst in.Heidelberg für seine bahn--
brechenden Arbeiten über die Struktur der Ganglien-! zellen des Zentralnervensystems zuerkannt worden.! Der v. R e i n a ch - P r e i s für die beste Arbeit aus dem Gebiet der Geologie, der weiteren Umgebung Frankfurts ist zum 1. Oktober 1901 ausgeschrieben worden.
Der Berichterstatter schloß mit dem Wunsche, daß die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft fortdauernd blühen möge als eine' echte Pflegestätte der! Naturwissenschaften. j