herzige Deutungen ihrer Mitglieder nahezu vollständig zur Verfügung gestellt worden; und die allgemeine Sympathie, welche die Frankfurter Bürgerschaft von jeher der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft entgegengebracht hat, berechtigt dieselbe zu der zuversichtlichen Hoffnung, daß sie sich auch zur Aufbringung des noch fehlenden Restes der Bau - und Einrichtungssumme für das neue Museum nicht vergebens an den Edelsinn unserer Mitbürger wenden werde.
Es wird nunmehr der B e r i ch t d e r R e Visions- Kommission verlesen, und die Generalversammlung genehmigt, gemäß dem Vorschläge der Kommission, die Rechnungsablage für 1900, sowie den in Einnahmen und
Ausgaben nnt 57,950.67 Mark sich gegenüberstehenden Voranschlag für 1901. Sie ertheilt sodann dem ersten Kassirer Herrn Alhard Andreae-v. Grune- l i u s Decharge und spricht ihm für die sorgfältige und gewissenhafte Verwaltung seines mühevollen Amtes den Dank der Gesellschaft aus. Für die statutengemäß aus her Revisions-Kommission ausscheidenden Herren Albert v. R e i n a ch und Adolf K u g l e r werden die Herren Richard Ne st le und Julius Scharff gewählt.
Der Vorsitzende dankt der Revisions-Kommission für ihre freundliche Mühewaltung und schließt die Generalversammlung mit dem Wunsche, daß die S rucken - belgische Naturforschende Gesellschaft auch im zwanzigsten Jahrhundert fortdauernd blühen möge zum Ruhme Frankfurts als eine echte Pslegestätte, der Naturwissenschaften. |
Mm. .
Jahresfeier der Serrckenbergischen Naturforfchenden Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 19. Mai 1901.
In festlicher Weise hat am Sonntag die diesmalige 8 4. Jahresfeier der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft unter dem Vorsitze des 1. Direktors, Herrn Oberlehrer I. B l u m stattgefunden. Außerordentlich zahlreich hatten sich hiesige und auswärtige Mitglieder und Gäste mit ihren Damen, u. A. auch der Kommandirende General Exc. v. Lindequist, die Herren Oberbürgermeister Dr. A d i ck e 2 und Bürgermeister Dr. Barren- trapp, sowie Vertreter auswärtiger gelehrter Körperschaften zu dieser'Feier im Vogelsaale des Museums eingefunden. Zunächst begrüßte der Vorsitzende die Versammlung mit herzlichen Worten und wies darauf hin, wie die letzten 30 Jahre, seit der Begründung des deutschen Kaiserreiches und dem Frankfurter Friedensschlüsse, auch für die Senckenbergische Gesellschaft eine Periode des ; Aufschwunges bilden, mit der kein anderer Zeitabschnitt vorher verglichen werden kann. Als beredtes . Zeugniß für die geistige Arbeit, welche von der Gesell- . schüft in dieser Periode geleistet worden ist, lagen die - „Abhandlungen" derselben in 18 Quartbänden, 30 Jahr- : gange des „Berichtes", die wissenschaftlichen Kataloge ; der Sammlungen und andere werthvolle--Publikationen ! auf; darunter auch das großartige zoologische Reisewerk ' Prof. K ü k e n t h a l s , welcher im Aufträge der Ge- ; sellschaft als Stipendiat der unmittelbar nach dem Friedensschlüsse von Frankfurter Bürgern ins Leben gerufenen Rüppell-Stiftung in den Jahren 1893 und 1894 den malayischen Archipel bereist hat. Unablässig ist auch an der Vermehrung und Vervollständigung der Sammlungen gearbeitet worden, so daß das hiesige n a t u r h i st o r i s ch e Museum unter den Pro- vinzial-Museen Deutschlands längst die erste Stelle eingenommen hat. Besonders aber ist die Gesellschaft bestrebt gewesen, dem erhöhten Interesse, welches unsere Zeit allen Zweigen der Naturwissenschaften entgegenbringt, Rechnung zu tragen; sie hat deshalb neben den regelmäßigen Lehr vorträgen in Zoologie, Botanik, Mineralogie, Geologie und Paläontologie die Zahl ihrer wissenschaftlichen Sitzungen vermehrt, praktische Kurse eingerichtet und von Zeit zuj Zeit Kollektiv-Aus st ellungen von besonders aktuellem Interesse veranstaltet. Und auch an warmer Anerkennung von Seiten der Frankfurter Bürgerschaft hat es der Gesellschaft in den letzten drei Jahrzehnten nicht gefehlt. In höherem Maße, wie je zuvor, sind ibr hochherzige Schenkungen und Vermächtnisse zu- geflossen, voc Allem das Vermächtniß der Frau Gräfin Luise Bose, geb. Gräfin von Reichenbach- Le s s o n i tz im Jahre 1883, die Stiftungen des Herrn Albert von Re in ach in den Jahren 1889 und 1890, die auf Anregung des Herrn Leopold Sonnemann im Jahre 1896 erfolgte Schenkung der Karl Vogt'schen Bibliothek, das Vermächtnis; der wundervollen Pflanzenaquarelle der 1898
i verstorbenen hiesigen Malerin Fräulein Elisabeth ' Schultz u. a. m. Besonders lebhaft hat sich aber das : Interesse aller Kreise der Bürgerschaft Frankfurts an \ ■ den Bestrebungen der Gesellschaft bethätigt, als es galt,
die Mittel für den dringend nothwendig gewordenen
> M u s e u m s-N e u b a u aufzubringen. Nahezu 400,000 i Mark sind der Gesellschaft durch zahlreiche hochherzige
Schenkungen ihrer Mitglieder zu diesem Zweck zur Ver-
> sügung gestellt worden. Dem wohlwollenden Entgegen- i kommen der A d m i n i st r a t i o n der D r. S e n ck e n- : belgischen Stiftung wird es zu danken sein,
» daß das neue Museum an der Stelle des jetzigen, in- i mitten der Stadt, auf dem Terrain der Stiftung auf- i geführt werden kann, indem die Administrakion unter i Verzicht auf alle Vortheile, welche die Veräußerung ihres
- höchst werthvollen Stiftungsgeländes mit sich bringen' ; ■ •rbe, einen großen Theil desselben der Gesellschaft!
zm Errichtung ihres Neubaues unentgeltlich zur Ver-j
fügung gestellt hat. Diese hochherzige Entschließung dev Stiftungs-Administration, durch welche auf dem altehrwürdigen Boden der Stiftung Senckenbergs für! ewige Zeiten eine Pflegestätte der Naturwissenschaften! geschaffen und erhalten werden soll, verdient um so größeren Dank und Anerkennung, als sie eine Ver- legungdes botanischen Gartens und des Bürgerho spitals, welches nach Ausführ-: ung des geplanten Monumentalbaues nicht mehr als Krankenhaus betrieben werden kann, und somit weitere, große Opfer fllv die Administration nothwendig machen wird.
Die Pläne für den projektirten Museums-Neubau sind von dem hiesigen Architekten Herrn Ludwig Neher unter Berücksichtigung der von den städtischen Behörden vorgesehenen Straßenverbreiterungen am Eschenheimer Thor und an der Bleich- und Stiftstraße entworfen und fertiggestellt worden. Die Pläne und eine perspektivische Ansicht des zukünftigen Museums lagen aus. Vorgesehen ist ein Museumsbau mit monumentaler Fatzade am Eschenheimer Thor und mit zwei durch einen Hinteren Querbau verbundenen Flügeln an der Bleichstraße und Stiftstraße, welche einen mächtigen Lichthos einschließen. In dem Neubau sind außer den geräumigen Sälen für die Schausammlüng und für die wissenschaftliche Sammlung große Hörsäle, zoologische, botanische und mineralogische Laboratorien und alle nothwendigen Arbeitsräume für die Sektionäre, den Kustoden und'die Präparatoren vorgesehen. Die Aufführung /des projektirten monumentalen Neubaus wird in mehreren Bauperiqden erfolgen müssen. Zunächst zur Ausführung bestimmt ist' ein Theil des von der Bleichstraße nach der Stiststraße )in ziehenden Hinteren Querbaues, hinreichend geräumig, uni in demselben während des-späteren Abbruches der jetzigen Museumsbauten die vorhandenen Sammlungen unterzubringen.
Nach der Ansprache des Vorsitzenden hielt Herr Direktor Dr. Edmund Naumann einen hochinteressanten und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Festvortrag: