r Frankfurt a. M., den 10. April 1901.

I Vorsitzender: Herr Dr. August Knoblauch.

Der erste Direktor des vergangenen Jahres, Herr Dr.

Knoblauch, welchem statutengemäß die Leitung der Generalversammlung zukommt, begrüßt die anwesenden Mitglieder und berichtet über.die wichtigeren Vorgänge innerhalb der Gesellschaft im' vergangenen Rechnungs­jahre, soweit dieselben nicht in dem letzten Jahresberich: miigetheilt worden sind.

Die Zahl der beitragenden Mitglieder ist trotz Zahlreicher, durch Tod bedingter Verluste von 494 auf 611 (am 31. Dezember 1900) angestiegen. Die Zahl der ewigen Mitglieder hat sich um 3 ver­mehrt (die Herren Karl v. Grunelius, Dr. zur. Fritz Hörle und der verstorbene Herr Generalkonsul Alfred v. Neufville). Der Vorsitzende gedenkt mit warmen Worten der Verstorbenen, des arbeitenden Mir- gliedes Wilhelm Winter, der korrespondiren- den Mitglieder Professor Dr. GustavBornin Bres­lau, V. L. S e o a n e in Coruna (Spanien) und Pro­fessor Adolf Stossich in Triest, sowie der übrigen Heimgegangenen Freunde der Gesellschaft.

Mit Ablauf des Jahres 1900 sind statutengemäß der heutige Vorsitzende und Herr Dr. rned. E. Rüdiger aus der Direktion ausgeschieden; an ihre Stelle sind für die Jahre 1901 und 1902 Herr Oberlehrer I. Blum zum ersten Direktor und Herr Dr. med. E. Hergen - Hahn zum ersten Sekretär gewählt worden. Zu arbei­tenden Mitgliedern wurden ernannt die Herren Dr. med. E. Hübner, Dr. phil. E. Naumann und Amts­richter B. Gabler hier, zu.korrespondirenden Mitglie­dern die Herren Dr. med. Ch. Dcichler in Jugenheim, Geh. Med.-Rath Professor Dr. W.DLnitz in Berlin, Geh. Reg.-Rath Professor Dr. H. L u d w i g in Bonn, Geh. Med.-Rath Professor Dr. W. Engelmann und Professor Dr. H. Munk in Berlin, Professor Dr. H. Fresenius in Wiesbaden, I. Zinndors und E. W r a z i d l o in Offenbach, E. SPandel in Nürnberg, Professor Dr. O. Montelius in Stockholm, sowie Direktor I. V e ck e r in Valencia (Spanien). Außerdem wurde Herrn Geh. Hof- und Baurath Professor Dr. Paul W a l l o t in Dresden die außerordentliche E h r e n m : 1 g l i e d s ch as t verliehen.

Die regelmäßigen Vorlesungen der bewährten Dozenten sowohl, wie die Vorträge in den 14 wissen­schaftlichen Sitzungen des Berichtsjahres hat­ten stch eines lebhaften Besuches zu erfreuen, ebenso wie das naturhistorische Museum, welches Mitt- wochs von 2 bis 4 Uhr, Freitags und Sonntags von

II bis 1 Uhr und außerdem auch am ersten Sonntag eines jeden Monats Nachmittags von'2 bis 4 Uhr dem Publikum geöffnet ist. Vielfach wurden die Sammlun­gen auch voi: Gelehrten und Künstlern, sowie von Leh­rern und Schülern besucht, denen die Gesellschaft stets gerne ihre U^erstützung im weitesten Umfange leiht.

Das rege wissenschaftliche Leben innerhalb der Gesell­schaft thut stch besonders in ihren Veröffentlichungen kund; es sind im abgelausenen Jahre erschienenA b - handlange n", Band XXV Heft 1, Band XXVI Heft 2 und Band XXVIII, sowie derBerich i" 1900. Zu dielen prachtvoll ausgestatteten Publikationen haben acht Mitglieder der Gesellschaft werihvolle Bei­träge geliefert.

< Auch an dem Ordnen und Katalogisiren der reichen Sammlungen, sowie an der systematischen Kom- pletirung derselben wurde in dem Berichtsjahre fleißig gearbeitet. Seit dem 1. November 1900 ist als wissenschaftlicher Kustos am Museum Herr Dr. Fritz Römer, früher Assistent am Kgl. Zoologi­schen Institut und Museum der Universität Breslau, ihätig, dessen Anstellung der Gesellschaft durch die Munisizcnz eines ungenannt gebliebenen, hochherzigen Gönners ermöglicht worden ist. .1

Endlich gedenkt der Vorsitzende der geplanten Errichtung eines neuen Mu-° seums-Gebäudes. Der gewaltige Auf­schwung, welchen die Naturwissenschaf­ten in dem letzten Menschenalter ge­

nommen haben, machen es der Sencken- bergischeu Naturforschenden Gesell- schaft wie dem Physikalischen Verein' zur Pflicht, neue, den heutigen An­forderungen der Wissenschaft ent­sprechende Institute aufzusühren, wenn sic, wie seither, ihren idealen und praktischen Aufgaben gewachsen bleiben und dem steigenden Interesse aller Kreise unserer Bürgerschaft Rechnung tragen wollen. Dem hochherzigen Ent­gegenkommen der Administration der Dr. Senckenbergi scheu Stiftung wird es zu danken sein, daß diese neuen, großartigen Institute an der Stelle der jetzigen, inmitten der Stadt, auf dem Terrain der Stiftung aufgesllhrt wer­den können, indem die Administration unter Verzicht auf alle Vorth eile, welche die Veräußerung ihres höchst werth- vollen Stistungsgeländes mit sich bringen würde,, einen großen Theil des­selben der S e n ck e n b e r g i s ch e n Gesell­schaft und dem Physikalischen Verein für die Errichtung ihrer Neubauten unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Diese hochherzige Entschließung der Stiftungsadministration, durch welche auf dem altehrwürdigen Boden der Stiftung S-e nckenbergs für ewige Zeiten eine Pflege st ätte der Natur­wissenschaften geschaffen und erhalten werden soll, verdient um so größeren Dank und Anerkennung, als sie eine ^Verlegung des botanischen Gartens und des Bürgerhospitals, welches nach Ausführung der geplanten Monumen­talbauten nicht mehr als Krankenhaus betrieben werden kann, und somit weitere große Opfer für die Admini­stration nothwendig machen wird.

Die Pläne für den projektirten Mu - seums-Neubau der Gesellschaft sind von dem hiesigen Architekten Herrn Ludwig Neher unter Berücksichtigung der von den städtischen Behörden vor­gesehenen Straßenverbreiterungen am Eschenheimer Thurm und an der Bleich- und Stift st raße entworfen und fertig gestellt worden. Die Pläne und eine G e s a m m t a n s i ch t des zukünftigen Ge­bäudes liegen aus. Vorgesehen ist ein' MuseumsbaumitmonumentalerFayade am Eschenheimer Thor und mit zwei durch einen Hinteren Querbau verbun­denen Flügeln an der^Bleichsiraße und St ist st raße, welche einen mächtigen. Lichthof, annähernd von der Größe des: Schillerplatzes, e ins ch liehen. In dem Neubau sind außer den geräumigen Sälen für die Schausammlung und für die wissenschaftliche Sammlung große Hörsäle, zoologische, botanische und mineralogische Laboratorien und alle- nothwendigen' Arbeitsräume für die Sektionäre, den Kustoden und die Prä­paratoren vorgesehen. Die Aufführ­ung de§ projektirten monumentalen Museums wird in mehreren Dauperio- den erfolgen müssen; zunächst zur Aus­führung bestimmt ist ein Theil des von der Bleich st raße nach der Stift st raße hin ziehenden Hinteren Querbaus, hin­reichend geräumig, um in demselben während des späteren Abbruches der jetzigen Muse umsbauten die vorhan­denen Sammlungen unterzubringen. Die hierzu zunächst nothwendige Bau- summe von etwa 400,000 Mark ist der Gesellschaft durch zahlreiche, bock,-