welche bestimmt werden durch die Deutlichkeit, den begleitenden Gefühlston, die Konstellation und die assoziativen Beziehungen der Vorstellungen überhaupt. > Die genannten Forscher erheben durchaus nicht den > Anspruch, jetzt eine einfache und zureichende Erklärung ; unseres Seelenlebens gefunden zu haben, aber ste dürfen! getrost behaupten, daß der Weg, den sie eingeschlagen I
haben, ohne Zuhülfenahme völlig hypothetische r Faktoren zu einer Erklärung der meisten Vorgänge unserer geistigen Thätigkeit führt.
Zum Schlüsse spricht der Vorsitzende Hem Redner für seinen mit lebhaftem Beifall aufgenonmienen Vortrag den besten Dank der Gesellschaft aus..
Wissenschaftliche Sitzung der SerrSen- t ^5 hergischen NaLurforschenden Gesellschaft.
Samstag, den 16. Februar 1901.
Der Vorsitzende, Herr Oberlehrer I. B l u m , be-! grüßt Herrn Geh. Oberbergrath Professor D r. R. Lepsius aus Darmstadt, korrespondirendes Mitglied der Gesellschaft, und ertheilt ihm das Wort zu seinem für heute angekündigten Vortrage: !
„Z>ie Srvoyrung des neue» Soolsprndeks in Wad Manheim".
Die beiden alten Soolsprudel, welche früher die Bad- Häuser und die Salinen zu Nauheim mit Sool- und Thermal-Wasser versorgt hatten, sind in den Fahren 1846 und 1856 erbohrt worden. Bei dem raschen Wachsthum des Bades Nauheim reichten die Wassermengen der alten Sprudel nicht mehr aus.
Der Vortragende wurde daher vor fünf Jahren von■ der großherzoglich hessischen Staatsregierung, der Besitzerin des Bades, beauftragt, die geologischen Verhältnisse der Quellen von Nauheim zu untersuchen und auf Grund seiner Studien Vorschläge über eine stärkere Gewinnung von Thermalwasser und Kohlensäure zu machen. Da es ihm zu gefährlich schien, an den alten Sprudeln irgend etwas vörzunehmen oder zu verändern, rieth derselbe an, eine neue Tiefbohrung vorzunehmen und bestimmte einen Platz 24 Meter östlich des großen Sprudels, an welchem in etwa 200 Meter Tiefe die Hauptquellenspalte angetrofftn werden würde.
Diese Tiefbohrung wurde durch den Bohrunternehmer H. Thumann aus Halle unter Leitung des Vortragenden im Winter 1899/1900 ausgesührt und hatte bekanntlich das erfreuliche Resultat, daß ein neuer kräftiger Sprudel, der 800 Kubikmeter Soolwasser von 31,2 Grad Celsius Wärme und etwa ebensoviel Kohlensäure täglich auswirft, seit dem 7. März 1900 in Bad Nauheim springt. Durch den Neugeborenen sind die beiden alten Sprudel in ihrem Bestände in keiner Weise gestört oder geändert worden.
Aus dem geologischen Profile des Quellengebietes von Nauheim, das der Vortragende aufzeichnete, wurde e» den Zuhörern klar, daß zur Erbohrung des neuen Sprudels nicht die Zauberkünste einer Wünschelruihe, sondern allein die praktischen Ergebnisse der geologischen Wissenschaft verholfen haben.
Von allgemeinem Interesse waren die Mittheilungen des Vortragenden über die Entstehung der Thermalquellen und der Kohlensäure in Bad Nauheim und in
den anderen Badeorten am Taunusrande.
Entgegen der bisherigen Annahme, daß das Salz der Soolquellen von Nauheim, Homburg, Soden, Wiesbaden, Kreuznach usw. aus einer am Taunus garnicht vorhandenen Zechstein-Formation oder aus den tertiären, Ablagerungen stammen sollte, ist Dr. Lepsius s burc^ seine spieziellen Studien zu dem Resultate ge- ; kommen, daß die Quellen am Taunusrande ihr Wasser, ihre Salze und ihre Kohlensäure aus dem devonischen Schichtensystem des Taunusgebirges selbst erhalten.
Das Wasser ist wie jedes Quellwasser ursprünglich Regenwasser gewesen, das auf den Taunus und seine nördliche Abdachung auffiel, in die Gesteine des Untergrundes einsickerte bis zu einer Tiefe, in welcher es durch die Erdwärme Temperaturen bis zu 68 Grad (Wiesbaden) und 37 Grad (Bad Nauheim) erhielt, und das schließlich auf den großen Verwerfungs-Spalten am Südrande des Taunus in den Thermalquellen wieder zu Tage tritt.
Die Salze werden in der Tiefe aus Salzlagern im Devon durch das zirkulirende Wasser ausgelaugt.
Die Kohlensäure endlich entsteht nach Ansicht des Vortragenden durch Zersetzung von devonischen Kalksteinen mittelst der Hitze der in der Tiefe liegenden Erdlava. Die größten Mengen von Kohlensäure enthalten daher die Quellen in der Wetterau, in der mächtige Schollen von mitteldcvonischen Kalksteinen abgesunken und die gewaltigen Basaltmasscn des Vogelsbrrges ausgebrochen sind; ähnlich in der Eifel, wo ebenfalls beide Gesteine
— die mitteldevonischen Kalksteine und die Basaltlaven
— eine große Rolle spielen.
Nicht nur für Bad Nauheim, sondern ebenso für die anderen Badeorte am Taunus sind daher bei allen Maßnahmen, welche die Erhaltung der bestehenden Quellen oder die Erbohrung neuer Quellen zum Zwecke haben, in erster Linie die geologischen Verhältnisse der betreffenden Quellengebiete zu berücksichtigen und Geologen zuzuziehen, damit durch Unberufene kein Schaden dem werthvollen Quellenbesitze des Taunus zugefügt werde.
Die zahlreich erschienenen Zuhörer nahmen den Vortrag mit großem Beifall auf. Der Vorsitzende bezeich- nete das prompte Erscheinen des Sprudels aus dem im Voraus örtlich genau bestimmten Bohrloche als einen Triumph der geologischen Wissenschaft und dankte dem Redner für seine ungemein interessanten Mittheilungen.