jede leichte Indisposition des .ymcheS wahrend der Zeit des Gcweihaufbaues spiegelt sich in der Entstehung abnormer Formen des Geweihes wieder. Ebenso findet auch jede Verletzung des Körpers in einer Geweih­deformation ihren bestimmten Ausdruck. Sehr merk­würdig sind die Ergebnisse der Untersuchung über den Einfluß, den einseitige oder totale Atrophie, Er­krankung oder Verletzung der Amgungsorgane auf die Geweihbildung ausüben. In fass noch höherem Grade merkwürdig sind die Korrelationen, die zwischen ver­letzten Extremitäten der Hirsche und deren Geweih-? bildung bestehen. Diese Korrelationen stehen unter dem j Einfluß ganz bestimmter Gefetze. Diese wirken bei! Verletzungen der Vorder-Extremitäten anders als bei Verletzungen der hinteren Extremitäten. Komplizirte Verletzungen oder mit innerer Erkrankung verbundene.

Verletzungen bewirken wieder in anderer Weise, jedoch ebenfalls nach bestimmten Gesetzen, Deformationen und Reduktionen bei dem Ausbau der Geweihe.

Zahlreiche Abbildungen, sowie Schädel von Cerviden und Geweihe, auch mikrosl.vische Präparate tragen dazu bei, den intercffanten Vortrag durch Anschauung zum besseren Verständniß zu bringen.

In seinem Schlußwort spricht der Vorsitzende Herrn Forstmeister Rörig !.cn Dank der Gesellschaft aus und macht .-auf aus....4ksam, daß die nächste wissen­schaftliche Sitzung, in welcher Herr Lehramts«ff-sior T h. K o ch aus Osfenbach über feine wissen­schaftliche Reise durch Zentral-Bra- filien sprechen wird, ausnahmsweise schon nach acht Tagen, am 8. Dezember, stattfinden soll.

Wissenschaftliche Sitzung dev Sencken- bevgischcu Natuvsovschendeu Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 8. Dezember 1900,

..winnung von R o h g u m m i in den von Cuyabir nörd

Der erste Direktor, Herr Dr. August Knoblauch, begrüßt den Redner des Abends, Herrn Lehramts- assessor Theodor Koch aus Osfenbach, welcher im vorigen Jahre als Mitglied der zweiten Schingü- Expedition das Innere Brasiliens bereist hat.

Hierauf hält Herr Assessor Koch einen anziehenden Vortrag:

Zieörr seine wissenschaftliche Keife durch Aentral-ArasUien'ft

Die zweite Expedition des Dr. Hermann Meyer- Leipzig in das Q u e l l g e b i e t des Schingü, eines der größten südlichen Nebenflüsse des gewaltigen Amazcnenstromes, an der außer dem Vortragenden noch ein Arzt Dr. Mansfeld- Dresden, und ein Bota­niker, Dr. Pilger-Berlin, theunahmen, schloß sich unmittelbar an dessen erste Forschungsreise in diese 'Gegenden und des Weiteren an die bekannten Forsch­ungen des Profeffors Karl von den Steinen an.

Auf diesen drei Reisen in den Jahren.1884, 1887 und 1896 waren überraschender Weise in diesem ab- geschlosicncn Gebiet Zentral-Brasiliens Jndianerstämme aufgesunden worden, die fern von allen fremden Ein­flüssen ein dem Urzustände ähnliches Leben führen und ohne Kenntniß des Eisens, nur auf ihre primitiven Werkzeuge aus Stein, Muscheln und Knochen angewiesen, im Laufe der Entwicklung zu einer ganz eigenartigen Kultur gelangt sind.

Die Expedition des Jahres 1899 hatte ein doppeltes Ziel; einmal sollte die Ausdehnung des Schingü-Quell- ' gebiet» nach Westen hin festgestellt und dabei der R o n u r o, der Hauptquellfluß, oder der Atelchü, sein größter Nebenfluß, erforscht werden. Die weiteren Forschungen, hauptsächlich auf ethnologischem Gebiet, 'sollten dann dem Paranayuba, einem rechten, noch gänzlich unbekannten Nebenflüsse des Schingü und ' seinen Anwohnern gewidmet werden; ein Ziel, das leider 'in Folge der Ungunst der Verhältnisse nur theilweise er­reicht worden ist.

Ihren Ausgang nahm auch diese Expedition wie alle früheren von dem Städtchen CuyabL, der Haupt­stadt des zentralbrasilianischen Staates M a t t o Grosso, wohin man auf Dampfern des Lloyd Brazilciro auf wochenlanger Fahrt den Paranki- Paraguay aufwärts gelangt. Der Vortragende schildert in einzelnen humoristischen Bildern das Leben und Treiben in Cuyaba, das mit seinem Gemisch von Kultur und Wildheit den echten Typus eines slldamerikanischen Grenzstädtchens darbietet.

Die Zucker-Industrie beginnt hier einen immer größeren Aufschwung zu nehmen, besonders seitdem am Rio Cuyaba einige größere Zuckerfabriken von einer deutschen Firma in Buenos Aires nach modernstem Muster eingerichtet werden. Doch wird bei dem starken Zuckerverbrauch im Lande selbst noch kein Körnchen expcrtirt.

Ein früher wenig gepflegter Erwerbszweig hat in .den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, die Ge-

uch gelegenen Flußgebieten des Rio Tapajoz, und zahl­reiche Expeditionen sind zu diesem Zweck von CuyabL mit mehr oder weniger Glück unternommen worden. Ein deutsch-schweizer Ingenieur betreibt in dem nahen Flüßchen Coxipo mit gutem Erfolg die Goldwäscherei.

Großen Aufenthalt und manchen Aerger schuf dm Reisenden bei der Vervollständigung ihrer Ausrüstung die angeborene Indolenz der Cüyabaner Mischlings- bevölkerung und die Unruhen einer bevorstehenden Revo-i .luticn. Höchst deprimirend auf die Gemüther der an sich schon unzuverlässigen eingeborenen Begleiter wirkte, die Nachricht von der Ermordung einer Gummisucher- Expediticn von fünf Nordamerikanern durch die wilden SuyL-Jndianer am oberen Schingn. Doch trotz aller Hindernisse konnte die Expedition am 17. März mit 20 Leuten und 58 Reit- und Lastmauleseln nach Norden aufbrechen, um die Wasserscheide zwischen dem La Plata und Amazonas zu überschreiten. Da die Regenzeit noch nicht ausgehört hatte, kam man anfangs aus den grund­losen Pfaden nur langsam vorwärts und brauchte bis ' zum Städtchen Rosario, unter gewöhnlichen Ver­hältnissen eine Reise von 5 bis 6 Tagen, volle 17 Tage/ Von Rosario zogen die Reisenden ostwärts, der Serra Trombador entlang, und erreichten nach sechswöchent­lichem mühevollen Marsch den Paranatinga und damit das Stromgebiet des gewaltigen Amazonas.

Der Vortragende schildert nun einen Marschtag der langweiligen Tropareise durch dieses fast menschen­leere, nur von wenigen Thierarten, besonders Vögeln, wie Kolibris und Papageien, belebte Gebiet, die Busch- savane, Campo cerrado, das mit seiner elenden Krüppelvegetaticn einen geradezu krankhaften Eindruck gewährt. Die Nächte auf dem Kamp waren bisweilen empfindlich kalt, und die Tagestemperatur ging einigemal von über 40 ° 0. Nachts auf unter 7 ° C. herunter. Eine große Plage waren für Mensch und Thier vor Allem die zahlreichen Insekten, Moskiten, Ameisen, Bienen, Zecken und andere, und die in diesem Jahr besonders stark auftretenden Schlangen. Nur mit knapper Noth entging der Vortragende zweimal dem Biß von Klapperschlangen.

Das ganze ungeheure Areal ist in 1>en Händen weniger Großgrundbesitzer, Mischlinge, von Lenen einer« ein Gebiet von etwa 6 bis 8 Quadratmeilen Weide­land mit vielen tausend Stück Rindvieh und Pferden und ausgedehnten Gummiwäldern besitzt, die einen riesigen Werth repräsentiren.

Am Paranatinga wurde ein Dorf der zahmen Bakarri-Jndianer, eines Karaibenstammes, be­sucht, die noch mit Bogen und Pfeil bewaffnet sind, aber sonst ganz wie die biasilianischen Ansiedler leben und unter ihrem Häuptling Antonio, von den S t e i n e n s altem Freund und Begleiter, einen regen Verkehr mit ihren wilden Stammesbrüdern der Schingü-Quellflüsse unterhalten.

Darauf zog man nördlich und schiffte sich am 23. Mai am Zusammenfluß zweier Bäche, des R i b e i r ä. o