genommen wurde. Von dort wurde nach Besuch einer: Walsangstation Lei Hammerfest Kurs auf die Bären-! insel genommen, jene berüchtigte Insel, die schon so mancher Expedition in Eis und Nebel verborgen ge­blieben ist. Nach stürmischer Uebersahrt und trotz viel­fachen Nebels konnte dieHelgoland" bis auf 800 Meter an die Insel herankommen und in dem sogenannten Süd­hafen vor Anker gehen. Drei Tage wurden auf die Er­forschung der. Insel verwandt, die vom schönsten Wetter begünstigt waren. Die ganze nur wenige Kilometer lange Insel ist ein ödes, kahles, tafelförmiges Plateau, dessen Küsten ringsumher steil zum Ozean abfallen; ihre bizarren formen zeigen die Spuren von der rastlosen Thätigkeit des Meeres und des Eises! Diese wilde Szenerie ist das Paradies der Vögel, welche schon bei der Anfahrt durch ihr Geschrei die Nähe der Insel verkünde­ten. Die Siid- und Mestabhänge des Vogelberges auf der Bäreninsel sind die reichsten Brutstätten arktischer Vögel, die überhaupt im Spitzbergen-Gebiet gefunden werden. Die unermeßlichen Masten derselben lasten auch nicht im Entferntesten eine Schätzung ihrer Zahl zu. Der Vergleich mit Bienen- oder Mückenschwärmen, welchen die Schilderer arktischer Vogelberge meist ge­brauchen, um eine Vorstellung von der Menge zu geben, genügt nicht. Schnee- und Hagelfälle, Sturmessausen und Lawinenstürze stnd bessere Vergleichsobjekte! Die! Charakterthiere dieser Vogelkolonien sind die Alken und die Lummen, die Sturmvögel und die Möven, die ein­gehender charakterisirt werden. Alle diese Vögel stnd, so­weit sie nicht, wie einige Möven vom Raube leben, Planktonfischer, d. h, sie nähren sich von den im Master schwimmenden kleinen Thieren, welche sie im Schwimmen und im Tauchen zu erhaschen suchen. Dies deutet schon auf einen großen Thierreichthum in der Umgebung der Bäreninsel.

Ein Tag wurde zu einer Exkursion durch die Insel verwandt, welche hauptsächlich der Erforschung der Süß­wassertümpel und -Teiche galt, die zu vielen Hunderten das Plateau der Insel bedecken.

Am Südkap von Spitzbergen erlebte man die erste Begegnung mit dem Treibeise, und bald kamen auch die ersten beiden Eisbären zur Strecke. Im Ganzen wurden von der Expedition 40 Eisbären geschossen und zwei junge lebend gefangen. Zirka 60 Seehunde und über 60 j Rennthiere wurden erlegt. Das Fleisch der Rennthiere I wurde wegen seiner Zartheit und seines Wohlgeschmacks | gern gegessen, während dem thranigen und grobfaserigen ; Eisbärenbraten nicht besonders zugesprochen wurde.

Zehn Tage lang kreuzte man darauf im Stor-Fjord! zwischen Treibeismassen und Gletscherblöcken. In diesem nur selten eisfreien Meeresabschnitt war bisher nur wenig! zoologisch geforscht worden. Die Gefährlichkeit dieses Fjordes hat auch eine deutsche Expedition zur Genüge kennen gelernt, die Bremer Expedition nach Ost-Spitz­bergen (Prof. Kückenthal und Dr. A. Walter), welche im Jahre 1889 an der Berentine-Jnsel strandete. Im Stor-Fjord kommt der verschiedene geologische Cha­rakter von West- und Ost-Spitzbergen recht zum Aus­druck,' West-Spitzbergen ist ein zackiges Schneegebirge von echt alpinem Charakter, Ost-Spitzbergen ist tafelförmig. Die vielen kleinen Inseln dieses Fjordes sind mit zahl­losen Enten und Gänsen bevölkert, welche der Expedition frische Eier lieferten.

Der Weg nach Ost - Spitzbergen (König Karls- Inseln), dem Hauptziel der iExpedition, war Mitte Juni 1898 noch von schweren Packeismassen versperrt; daher wandte man sich-zunächst nach Westen, um hier im Be­reich des warmen Golfstromwassers möglichst weit nach Norden zu gelangen. An der Roß-Insel, der nörd­lichsten des ganzen Spitzbergen-Archipels, wurde am t. Juli die Festeiskante erreicht, welche zur Umkehr

zwang. Auch die, Hinlopenstraße war an ihrem Süd- aüsgo.ng noch mit Eis verrammelt, ebenso lagen nord­östlich von Spitzbergen große Festeismasten, so daß von Norden her König Karls-Land auch nicht erreicht, werden konnte. Man fuhr deshalb an West-Spitzbergen» vorbei um das Südkap herum und gelangte nunmehr von Süden her in völlig eisfreiem Wasser an die König Karls-Inseln.

Die geographische Lage, Anzahl und Natur der Inseln war bisher noch ziemlich unbekannt, weil sie nur selten erreicht worden sind. Die Expedition hat 14 Tage lang an diesen Inseln gearbeitet und alle umfahren, betreten und durchforscht und damit die letzte größere geogra­phische Frage aus dem Spitzbergen-Gebiet gelöst. Es sind nur drei Inseln, wie schon Professor K ü k e n - thal 3889 richtig vermuthete, und nicht fünf, wie auf manchen Seekarten angegeben ist. Eine reiche, zoologische Ausbeute wurde hier gewonnen. Nachdem ein Vorstoß nach Franz Josefs-Land wegen zu starken Sturmes, Nebels und zu großer Eisberge aufgegeben werden musste, versuchte man eine Umfahrung des Nordostlands von Süden her, die bisher noch nicht gemacht worden ist. Die ganze Ostküste ist von einem einzigen großen Glet­scher bedeckt.

Das kühne Wagniß gelang; nachdem mehrere Hinder­nisse in Gestalt von dichten Packeisgürteln mit Gewalt durchbrochen waren, gelangte man am 9. August wieder in die Nähe der Roß-Insel, welche Anfangs Juli schon einmal von Westen her erreicht worden war, die e r st e, Umsegel ung Spitzbergens durch einl d e u t s ch e s S ch i f s! .*" !

Nunmehr wurde noch ein Vorstoß nach Norden ge­macht, um auf der großen Tiefe, welche Nansen nörd­lich von Spitzbergen und Franz Josefs-Land entdeckt hat, Zoologisch zu arbeiten. Auf 81 Grad 32 Minuten wurde die F-stetskante erreicht. Hier arbeiteten die Zoo­logen Tag und Nacht mit den Schleppnetzen und den Schwebenetzen und fanden eine echte Tiefseefau.na, wie sie bisher aus der Arktis.überhaupt noch nicht bekannt war.. Der Rückweg ging durch die Hinlopenstraße an den ost- spihbergischen Inseln entlang über die'Spitzbergenbant zum Nordkap. Die Bäreninsel blieb diesmal im Nebel verborgen, und die Reisenden hatten aus der Rückfahrt schweres Wetter zu bestehen.

Eine zweite Reise sollte in die Gewässer von Nowaja Semlja gehen; sie mußte aber wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit es war inzwischen schon September geworden als erfolglos und gefährlich aufgegeben werden. Man fuhr noch an der Murman- küste entlang ins weiße Meer bis nach Archangelsk und kehrte dann über Hammerfest, Tromsö und Bergen Ende Oktober in die Heimath zurück.

J Trotzdem die Expedition vielfach schlechtes Wetter, große Stürme und hinderliche Nebel zu bestehen hatte, konnte sie mit den Ergebnissen wohl zufrieden sein. Gelang es doch, um ganz Spitzbergen in regelmäßiger Bertheilung einen Ring von über 50 Dredge- und zirka 100 Planktonstationen zu legen, welche viele Hundert Netz­züge erforderten und eine so reiche Beute brachten, daß über 50 Zoologen mit der Untersuchung und Bearbeit­ung des Materiales beschäftigt sind. Der kleine deutsche Fischdampfer hat sich in allen Wetterlagen glänzend be­währt und kam ohne eine nennenswerthe Havarie in die Heimath zurück.

Eine interessante Ausstellung von Photo­graphien, welche die Expedition auf ihrer Fahrt ausgenommen hat, erläutert den Vortrag und veran­schaulicht die pittoreske Gletscherlandschaft Spitzbergens' und das Thierleben im hohen Norden.

Zum Schlüsse spricht der Vorsitzende Herrn vr. Römer für seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vor­trag den Dank der Gesellschaft aus.