Wasser umherschwimmenden Partikelchen zu ihrer Er­nährung herbeistrudeln. In kappenförmigen Gebilden des l Lebermooses, I'rullania dilatata, lebt das merkwürdige Näderthierchen Callidina symbiotica, welches lebend im Mikroskop vorgezeigt wird. Solche mit Callidinen besetzten Frullania-Rasen kann man monatelang staub­trocken aufbewahren und jederzeit durch Befeuchten der­selben mit Master Pflanze und Thier wieder ins Leben zurückrufen. Näderthierchen hat man selbst nach 18- jähriger Eintrocknung wieder erwachen sehen.

Charakteristisch für die Moosrasen sind die ste be­wohnenden Hornmilben (0 r i b a t i d a e) und die Bärthierchen. Die Hornmilben sind, im Ge­gensatz zu ihren schmarotzenden Verwandten, kleine harm­lose Geschöpfe, die weder Mensch noch Thier zu nahe treten, dagegen jeden Naturfreund durch ihre bald zierliche, bald abenteuerliche Gestalt erfreuen werden. Unter ihren Larven resp. Nymphen sind höchst auf­fällige Formen; so gleicht z. B. die Nymphe des Liaearus palmicinctus einer aus vier Blätterovalen kombinirten Broche, und die vom Redner zum ersten Male in Deutschland und zwar am Altkönig gefundene Nymphe des Cepheus ocellatus trägt drei übereinander liegende Kränze von kohlblattartigen Gebilden, die in ihrer Gesammtheit als Hastapparat dienen mögen.

llnsere Taunus-Moose haben sich als ganz besonders reich an Bärthierchen erwiesen; es sind kuriose Thier­gestalten, die bald an Raupen, bald aber an Bären, Schweinchen oder Gürtelthiere erinnern, und deren Unterbringung im System den Zoologen viel Kopfzer­brechen macht. Mt den Spinnenthieren, zu welchen man ste gewöhnlich rechnet, haben sie recht wenig Aehn- lichkeit. Der Vortragende demonstrirt ein neues, von ihm auf dem Feldberg, Altkönig und Döngesberg ge­fundenes, nur % Millimeter langes Bärthierchen, das er wegen seiner reichen Verzierung mit Stacheln und Perlknöpschen, durch die es sich von allen bekannten Formen leicht unterscheidet, Llaerobiotus ornatus be­nannte, und zeigt zwei auf die Fortpflanzung bezüg­liche mikroskopische Präparate, bei deren Anfertigung ein glücklicher Zufall ihm zur Seite stand: ein Lliluesiura, das im Begriff ist, aus der nach Schlangenart abge­stoßenen Körperhaut auszukriechen, in die es sechs Eier gelegt hat, und einen jungen Alaerobiotua, der gerade eben rückwärts aus seinem sternförmigen Ei ge­schlüpft ist.

Auch ein neues krebsartiges Thier, Ophio- camptus muscicola, fand sich in den Moosen aus dem Döngesberg, und die Moose an der Faffungsmauer der Carlsauelle auf dem Wege zum Feldberg fanden sich in gleicher Weise mit Krebschen (Canthocamptus) belebt, wie Mrazek es vor einigen Jahren zum ersten Mal an Moosen von böhmischen Waldwiesen beobachtete. Zum Schluß wird des merkwürdigen Tausendfüßlers Polyxenus lagurns gedacht, der allerdings höchstens nur 13 Veinpaare hat, dessen verschiedenartig gestaltete Haare zu den zierlichsten mikroskopischen Objekten ge­hören. Das drei bis vier Millimeter große Thierchen bewohnt nicht allein, wie bisher angegeben, morsche Bäume und abgefallenes Laub, sondern auch Moosrasen, zum Beispiel am Altkönig, Rossert, wie auch in Amsteg am St. Gotthardt.

Sämmtliche Moosbewohner sind dem Wechsel der Lebensbedingungen in hohem Grade angepaßt. Mit den Moosen müssen sie, oft an sehr exponirten Orten, an­haltende Sonnengluth und eisige Winterkälte, 'monate­lange Dürre und tagelange Ueberschwemmung aushalten. In Folge dessen dürfen wir von vornherein annehmen, daß ihre geographische Verbreitung, über die wenig be-. kannt ist, eine sehr weite sein wird. In der Thal kom-> men Bärthierchen, die Ehren b erg aus dem Monte Rosa in 11,000 Fuß Höhe entdeckte, wie der Redner nach­gewiesen hat, ebensowohl aus dem Feldberg und Dönges- berg^wie in unserem Stadtwalde und in den Wäldern bei Harburg a. d. Elbe vor.

Zahlreiche mikroskopische Präparate und eine Reihe kolorirter Zeichnungen er­läutern die interessanten Ausführungen des welche von den zahlreichen Zuhörern mit lebhaftestem Beifall ausgenommen werden.

In seinem Schlußwort spricht der Vorsitzende Herrn Professor Dr. Richters den Dank der Gesellschaft aus und macht darauf aufmerksam, daß die nächste wissen­schaftliche Sitzung, in welcher Herr Dr. F. R ö m e r über seine zoologi sche Forschungsreise in das nördliche Eismeer sprechen wird, schon nach acht Tagen, am 17. November, stattfinden soll.

Wissenschaftliche Sitzung der Sencken- bergischen Natursorschenden Gesellschaft.

Frankfurt

Der 1. Direktor, Herr Dr. August Knoblauch, begrüßt zunächst mit herzlichen Worten Herrn Dr. phil. Fritz Römer, welcher am 1. d. Mts. die von der Gesellschaft neu-errichtete Stelle des wissenschaftlichen Kustoden am naturhistorischen Museum ange- treien hat. ' ,! . !

Hierauf hält Herr Dr. R ö m e r einen hochinteressanten 1 Vortrag über

Seine zoologische Iorschungsreise in das nördliche Kismeer."

Der Redner nahm im Jahre 1898 zusammen mit Herrn Dr. F. Schau d i n n aus Berlin im Aufträge des königlichen Museums für Naturkunde in Berlin an einer Privat-Expedition nach Spitzbergen theil. Als Erpeditionsschiff war ein deutscher Fischdampfer Namens H e l g o l a n d" gechartert worden, ein kleiner Stahl­dampfer von ikur 34 Meter Länge und 7 Meter Breite mit zirka 9 Knoten Geschwindigkeit. Da im Ganzen mih der Mannschaft 24 Personen auf dem Schiff unter- gebracht waren und der größte Raum von den Kohlen- vorräthen und der zoologischen Ausrüstung eingenommen wurde, so mußten an die Anspruchslosigkeit der Theilneh-, mer die größten Anforderungen gestellt werden. Aber zum Vordringen in die schmalen Rinnen und Spalten des

M., 17. November 1900. ^

' Eises' kann man nur einen kleinen Dampfer ge­brauchen, zudem sind die deutschen Fischdampfer außer­ordentlich seetüchtig und für die zoologischen Meeres­untersuchungen durch ihre Kleinheit, ihren geringen Tief-' gang (kaum 4 Meter) und ihre geringe Bordhöhe, sowie durch ihre leichte Manövrirfähigkeit besonders geeignet. Die Forschungen galten in erster Linie der Thierwelt des Meeres, sowohl der Bodenfauna als auch dem Plankton, d. h. den Thieren, welche sich an der Oberfläche des Meeres umhertreiben und von den Strömungen mit­geführt werden. Insbesondere wurden thiergeographische Fragen verfolgt.

Der Redner schildert an der. Hand einer übersichtlichen. Karte die Reiseroute, da gerade das Hauptresultat der? Expedition in dem Reiseweg derHelgoland" selbst liegt, eine Umsegelung Spitzbergens im Ganzen und seiner einzelnen Inseln in ein und demselben Sommer, die bis­her unerreicht dasteht. Und dieser überaus glücklichen Fahrt sind'ia wiederum die reichen zoologischen Ergeb­nisse zu verdanken.

Der nautische Führer des Dampfers war Herr Kor- vetten-Kapitän a. D. Rüdiger. Die eigentliche Eis­meerfahrt begann anfangs Juni in T r o m s ö , wo die arktische Ausrüstung vollendet und ein Eislotse an Bord