schäften in einer Reinheit bewahrt, wie wir dies bei. keinem seiner nächsten Verwandten antresscn. j
Alle jetzt lebenden Affen muffen von einer Grundform abgeleitet werden, welche dem Menschen sehr nahe stand. Je weniger ein Affe verloren hat von dieser gemeinsamen Basis, um so menschenähnlicher ist er. Aber selbst die Anthropoiden, Drang, Schimpanse, Gorilla und Gibbon haben ihre eigenen Bahnen eingeschlagen, und der Kampf ums Dasein hat diese Wesen von der Höhe der Entwicklung herabgezerrt, zu der sie ihrer Anlage nach befähigt gewesen wären. Am wenigsten hat der Gibbon gelitten, der zugleich eine der primitivsten Asfenformen überhaupt darstellt. Diese Affenart lebt wie der Schimpanse gesellig, in großen Heerden, und dieser Umstand bewahrt sie vor dem schweren Kampfe ums Dasein, den der vereinsamte Drang, noch mehr der Gorilla, aussechten muß und dessen Wirkungen sich in der kolossalen Entwicklung der Kiefer und der muskulösen Umformung des Schädels sehr deutlich zeigen.
Alle diese Formen standen früher auf einer größeren Höhe, besonders in dem Punkt, welcher recht eigentlich den Menschen zum Menschm macht — in der Ausbildung des Gehirns, welches in solcher Mächtigkeit bei keinem anderen Säugethiere vorkomm:. Diese ganz hervorragende Entwicklung des zen - tralenNervensystems ist das Mittel im Kampf ums Dasein gewesen, durch welches sich der Mensch über alle seine Konkurrenten erhoben hat. Dieser Vorgang muß erdgeschichtlich schon früh erfolgt sein, sonst hätte der Vorfahr des Menschen vor dien einseitigen Umänderungen seiner Organisation bewahrt bleiben können. So aber ist der Mensch, vom Gehirn abgesehen, eines der primitiv st en Säugethiere geblieben,! das wehrloseste Geschöpf, dem wir überhaupt begegnen! Damit werden wir bezüglich der Abstammung des Menschen auf ganz niedere Formen und auf weit zurückliegende geologische Perioden verwiesen. Bereits in der Triasperiode, in welcher sich unsere 'Buntsandstein-j gebirge aus dem Meer abgesetzt haben, existirten solchej
i Wesen, welche wir als Vorläufer des Menschen, der „Primaten", worin die Affen mitbegriffen werden, auf- nassen müssen. Sie haben uns nur die Abdrücke ihrer ! Hände und Füße hinterlassen, nichts von ihrem Skelei.
I Die Vorfahrenformen des Menschen haben also nie-! ,'mals eine der Bahnen eingeschlagen, welche dm jetzt leben- ; den Säugethieren ihren Stempel aufdrücken. Der Mmsch ! stammt somit auch von keiner dieser Formen ab, auch ! nicht vom Affen. Wenn wir demgemäß behaupten, daß 1 ber Mensch eine der ältesten Säugethierformen darstellt,, ifo stehen damit die thatsächlichen Beweise, die wir für' wie Existenz des Menschen auf der Erde, speziell in unseren Breiten, haben, scheinbar im Widerspruch.
Diese Befunde zeigen uns den Menschen am Rande der Eiszeitgletscher im Kampfe mit den Elementen und mitk einer gewaltigen Säugethierwelt. Kein einsichtiger Naturforscher kann glauben, daß wir hierin wirklich die'
I ersten thatsächlichen Spuren des Menschen vor uns'
! haben. Wie hätte er mit seinen erbärmlichen Feuer- stein-Jnstrumenten sich solcher Raubthiere erwehren, wie bei dem Verlust des schützenden Haarkleides diesem rauhen Klima trotzen können, wenn nicht eine lange Entwicklung vorausgegangen wäre?
Schon mehren sich die Befunde von Feuerstein-Werkzeugen aus dem Tertiär, welche die Existenz des Menschm in eine viel frühere Periode verlegen.
In der That können die dem Menschen eigenthümlichen Umbildungen nur in einem milden Klima und einer Gegend erfolgt sein, wo er noch nicht den Kampf mit furchtbaren Thieren aufzunehmen genöthigt gewesen ist.
Bereits die Vorfahren des Menschen müssm eine weite Verbreitung über die Erde besessen haben. Nicht an einem, sondern an vielen Punkten hat sich ihre letzte Umwandlung zum Menschen vollzogen. Nur aus dieser Annahme wird uns auch die Verschiedenheit der jetzt lebenden Menschenrassen begreiflich.
I Mit herzlichen Dankesworten an den Redner für seichen interessanten, von zahlreichen Demonstrationen be- l gleiteten Vortrag schließt der Vorsitzende die Sitzung.
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Wissenschaftliche Sitzung der Senckenberg- ! ischen Naturforschenden Gesellschaft. !
Samstag, den 3. Februar 1900.
In der heutigen Sitzung der Senckenbergischen i l Naturforschenden Gesellschaft, welche unter s dem Vorsitz des zweiten Direktors, Herrn Forstmeisters Rörig stattfand, hielt Herr Oberlehrer Dr. Wil- ' Helm Schauf einen anziehenden Vortrag über den Diamanten. Er charakterisirte denselben in chemischer, physikalischer und krystallographischer Hinsicht, zeigte den Zusammenhang zwischen Spaltungsform und . Brillantschliff und erläuterte die Herstellung des letzteren.
Sodann wurden die geographische Verbreitung des Diamanten und sein Auftreten in irdischen und außerirdischen Gesteinen besprochen, insbesondere fanden die eigenartigen südafrikanischen Lokalitäten Berücksichtigung.
; Letztere sowie Mois son's künstliche Herstellung, ferner ' das Vorkommen in Meteorsteinen und Meteoreisen i weisen darauf hin, daß sich der Diamant aus Schmelz- i fluß, in manchen Fällen vielleicht auch aus Gasen ä ausgeschieden hat. ' 1