entweder an die Membranen oder an gewisse, meistens plasmatischeKörper in der Zelle, oder sie ist im Zel lsaft gelöst. Die verschiedenen Pflanzengruppen und -theile verhalten sich hierin sehr verschieden. Bei Pilzen und Flechten kommen die drei erwähnten Fälle vor, aber nicht so, daß wir daraus eine bestimmte Regel ableiten können; viele einzelne Farbstoffe sind bekannt, viele sind noch zu untersuchen. Anders ist es bei den A l g c n: bei den b l a u g r ü n e n (Cyanophyceen) ist'der plasmatische Inhalt mit Ausnahme des sogenannten Zentralkörpers gefärbt, bei den anderen sind die Farbstoffe an, bestimmte plasmatische Körper (Chromatophoren) gebunden, und zwar besitzen die grünen Algen (Chlorophyceen) nur reines Chlorophyllgrün, die braunen (Phaeopkyceen) neben diesem noch einen braunen Farbstoff und die r o t h e n (Rliodopliyceen oder Florideen) ebenso noch einen rothen. Bei den höheren Pflanzen, von den Moosen an aufwärts, sind die Chromatophoren in den vegetativen Theilen immer rein chlorophyllgrün gefärbt. Die verschiedenen Töne von Grün, die das Laub verschiedener Pflanzen zeigt, beruhen aus accessori- schen Eigenschaften: der Abschwächung durch die Oberhaut, durch Wachs- und Haarüberzüge und — besonders bei älteren Blättern, wie dm mehrjährigen Nadeln — durch Schmutzkrusten. Rothe Blätter verdanken ihre Färbung einem rothen Zellsaft, der neben den
Chlorophyllrornern austritt, und auf demselben Umstand beruht die rothe Färbung junger Blätter im Frühling und gewisser Blätter im H e r b st vor dem Laubfall, während die gelbe und braune Herbstfärbung auf einer Zersetzung des Chlorophylls beruht. In B l ü t h e n und Früchten finden wir fast die gleichen Farbstoffe: blauen, rothen oder violetten, selten gelben Zellsast, gelbe, manchmal auch ziegelrothe Chromatophoren, selten feste blaue Farbstoffkörper. Interessant sind die Kombinationen dieser miteinander und mit dem Chlorophyll, sowie die Abtönungen, woraus alle möglichen Farben entstehen. Bei den gefärbten Samenschalen dagegen hat der Farbstoff seinen Sitz gewöhnlich in der Zellmembran, seltener im Zellinhalt. So sind auch bei allen gefärbten Hölzern nur die Membranen gefärbt und ebenso ist es bei den Rinden und bei der Borke der Bäume, sofern die Farbe ihr eigenthümlich ist und nicht durch Ueberzüge von Algen oder Flechten bewirkt wird. Auch Wurzeln schließlich sind oft gefärbt, die dunkeln, braunen oder schwarzen, wie bei Farnen, durch die Membranen, die rothen gewöhnlich durch rothen Zellsaft.
Lebende und getrocknete Pflanzen, Abbildungen und Präparate erläutern den Vortrag.
Der Vorsitzende drückt dem Redner für den lehrreichen Vortrag wärmsten Dank aus.
Wissenschaftliche Sitzung der Serrckerrberg- ifchen Naturforfchenden Gesellschaft.
SSrrmfhnt ll. M., den 6. Januar 1900.
Der 1. Direktor, Herr Dr. A u g u st Knoblauchs begrüßt die Versammlung zum Beginne der wissenschaftlichen Sitzungen im neuen Jahre und theilt mit, daß Herr Karl von G r u n e l i u s der Gesellschaft als ewiges Mitglied beigeireten ist. Sodann berichtet er über ein Geschenk von hervorragender Bedeutung, welches die Gesellschaft von Herrn Geh. Med.-Rath Prof. Wilhelm D ö n i tz erhalten hat. Derselbe war als Mitglied des Kgl. Instituts für experimentelle Therapie im Herbst v. Js. mit dem Institute nach Frankfurt übergesiedelt, doch schon im Dezember ist et einen: ehrenvollen Rufe nach Berlin an das Kgl. Institut für Infektionskrankheiten gefolgt. Herr Geh. Rath Dönitz hat der Gesellschaft eine äußerst werthvolle Sammlung von Spinnen — 174 Arten —■ überwiesen, welche er in den Jahren 1881 bis 1885 irr Japan gesammelt hat, wohin er s. Zt. von der dortigen Kaiserl. Regierung zur Begründung und Einrichtung eines anatomischen Instituts berufen worden war. Er hat seiner Schenkung eine große Anzahl von selbst- geferiigten farbigen Abbildungen der einzelnen Spinnenarten, sowie sorgfältige Aufzeichnungen beigefügt, in welchen eine Fülle ausgezeichneter biologischer Beobachtungen und anatomischer Thatsachen niedergelegt ist. Herr Major Dr. v o n H e y d e n ist augenblicklich im Begriff, die prachtvolle Sammlung Zu ordnen; sie wird demnächst einer ' sorgfältigen Bearbeitung unterzogen iverdeu, deren Ergebnisse mit dm Originalzeichnungen des Schenkers in den Abhandlungen der Gesellschaft veröffentlicht werden sollen. Ein Theil der geradezu künstlerisch ausgeführten Abbildungen wird vor- . gezeigt.
Hierauf hält Herr Prof. Dr. Rudolph Burü- Hardt, aus Basel, welcher der Gesellschaft als korre- spondirendes Mitglied angehört, einen hochinteressanten Bortrag über neuere Forschungen bezl. der Haifische (Selachier). Diese wichtige und weitverbreitete Ordnung der Knorpelfische ist im Allgemeinen wenig bekannt, indem ichthyologische Studien gegenwärtig meist nur insofern kultivirt werden, als sie dazu dienen, den Bauvlan des Wrrbelthierkörpers zu erklären. Nach einer kurzen Charakterisirung der allen Selachiern zukommenden Eigenschaften bespricht der Vortragende im Einzelnen die wichtigsten Repräsentanten dieser Fischgruppe, deren Formenfülle und Farbenpracht der anderer Fischordnungen nicht nachsteht, und deren Organisationsverhältnisse physiologisch besonders bedeutungsvoll,sind. An zahlreichen, nach der Natur und nach Originalien
entworfenen Abbildungen werden zunächst die einzelnen \ Arten der spindelförmigen Selachier, der Haie im engeren Sinne, besprochen. Besonderen Werth legt der Vortragende auf die Frage nach der Verwandtschaft des nordischen Eishais (Laemargus horealis) mit einem Hai des Mittelmeers (Laemargus rostratus), sowie aus die Darstellung des prächtigen Farbenspiels bei Spin a x n i g e r, einem kleinen, allgemein ver-! breiteten Hai. Die Besprechung der Gruppe der W a l - Haie gibt dem Redner Anlaß zur Demonstration des gewaltigen Gebisses von Oarcliarfliion, eines Riesenhaies, der im Jahre 1893 auf die zoologische! Station in Neapel gebracht wurde. Ausführlicher werden jene gewaltigen Vertreter der Walhaie (Selaehe,! ßhinodon) besprochen, welche 12 bis 20 Meter Länge erreichen. Sie ernähren 1 sich vom Plankton und weisen im Zusammenhang mit dieser auch den eigentlichen Walfischen eigenthümlichen Lebensweise ähnliche Einrichtungen wie die letzteren auf, welche aber aus anderen Organen hervorgegangen sind und welche dazu dienen, die kleinen Thiere des Mckeres in ihrem Rachen wie in einem Siebe zurückzuhalten. Nach einer kurzen Uebersicht über die den Haien sich anschließenden Rochen werden alsdann einige wissenschaftlich e F r a g e n zur Sprache gebracht, welche sich speziell aus dem Studium der Selachier ergeben, so die von dem Redner gemachten Entdeckungen von Leucht-! o r g a n e n bei Laemargus rostratus, dessen Leuchten noch niemals beobachtet worden ist, und von venösen Adergeflechten am Gehirn der Walhaie. Der Vortragende betont die große systematische Bedeutung, welche dem Gehirne der Selachier zukommt, und hebt mehrere Einrichtungen bei verschiedenen Arten derselben hervor, welche auf ein permanentes Wachsthum des Individuums abzielen. Schließlich werden die zahlreichen aufgestellten Präparate (ausgestopfte Haifische, Skelettheile usw.). und prachtvolle anatomische Zeichnungen von Gehirnpräparaten eingehend erörtert.
Ter Vorsitzende schließt die Sitzung mit herzlichen Dankesworten an den Redner für seinen interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag, und mit dem Wunscke, daß die Gesellschaft noch oft die Ehre haben werde, Herrn Prof. B u r ck h a r d t in ihrer Mitte zu begrüßen.