Zweige mit Blüthen und Früchten, letztere auch gesondert, in vorzüglicher Präparation aufgelegt. 9
Ferner werden Zweige des berühmten Ginigo- 25 a li m e § (Ginkgo biloba) mit männlichen und weiblichen Blüthen und auch Früchte gezeigt. Ein weibliches Exemplar im Nizza am Main wird von einem gegenüber in Sachsenhausen stehenden männlichen bestäubt und erzeugt auf diese Weise keimfähige Früchte. Durch die vor Kurzem gemachte Entdeckung des Befruchtungsvorganges bei Ginkgo ist dieser Baum noch interessanter geworden. Er schließt sich offenbar mehr den Cycadeen oder Farnhaluien als den Coniferen oder Nadelhölzern an. Von ersteren hat das Museum einen prächtigen weiblichen Blüthenstand des Encephalartos villosus und einen männlichen berCeratozamiamexicana aus dem Darmstädter botanischen Garten erhalten. Das prachtvolle Exemplar von Encephalartos Allensteinii, das der hiesige botanische Garten besitzt, hat noch nicht geblüht.
Dem hiesigen Palmen garten verdankt das Museum mehrere Stücke dicker Palmenstämme und Frucht- stänoe von Palmen, ferner Stämme von Bambus (Bambusa vulgaris), also gewaltige, holzige Grashalme, die, in den Tropen wenigstens, sich ebenso schnell entwickeln wie bei uns ein Grashalm. Die Bambusen blühen selten: darum ist der Bambusstock pus dem hiesigen botanischen Garten merkwürdig, der zwei aus dem Wurzelstock kommende Sprosse zeigt, die keine Blätter, sondern nur Blüthen gebildet haben.
Auch das Zuckerrohr (Saccharum officinarum)
blüht nicht regelmäßig; von der gewaltigen, meterlangen Blüthenrispe gibt eine gute Vorstellung das von Herrn Dr. Ben ecke erworbene Exemplar von dessen früheren Zuckerrohrfeldern auf Java.
Aus dem hiesigen Nizza verdankt der Stadtgärtnerei das Museum einen großen Fruchtstand der beliebten Blattpstanze Gunnora chilensis mit zahllosen kleinen Früchtchen. Die kleinen Blüthen lassen es glaubhaft erscheinen, daß die Pflanze mit unserem Tannwedel (Hippuris vulgaris) in eine Familie gestellt wird, während sie durch ihre gewaltigen Blätter,. die in Chile größer werden als die größten Blätter > der Fächerpalmen, ganz anders aussieht. i
Schließlich wird eine durch unser korrespondirendes Mitglied, Herrn Reuß aus Calcutta, geschenkte Frucht von Aegle Marmelos (Indien) gezeigt, die einer sehr großen Orange ähnlich sieht, mit der sie auch systematisch verwandt ist: sie wird wie diese gegessen und als Drittel gegen Dysenterie angewendet.
Herr Dr. W. Schauf legt eine Reihe schöner Mineralien vor, die im Laufe des Jahres 1899 erworben worden sind und gibt dazu einige kurze Erläuterungen. Von Herrn Oberlehrer Blum wurde ein angeschliffener Vergkrystall mit prächtigen Helminth- einschlüsfen geschenkt.
Der Vorsitzende dankt den Sektionären sowohl für ihre Hülfe bei der Veranstaltung der Ausstellung wie für ihre intereflanten Erläuterungen und schließt damit die! Sitzung.
Wissenschaftliche Sitzung der SenSenverg- ischen naturforschenden Gesellschaft.
Samstag,
Der Vorsitzende, Herr Dr. August Knoblauch,' theilt mit, daß mit dem Ablauf des Jahres statuten-! gemäß der 11. Direktor, Herr Dr. E. B l u m e n t h a l.^ und der II. Sekretär, Herr Dr. C. Vohsen, aus! der Direktion austreten werden. An ihre Stelle sind! für die Jahre 1900 und 1901 Herr Forstmeister!
A. Rörig als II. Direktor und Herr Dr. A. Alz sj heimer als II. Sekretär gewählt worden.
Sodann legi der Vorsitzende zwei Werke von hervor-! ragender wissenschaftlicher Bedeutung vor, welche in! diesen Tagen der Bibliothek eingereiht worden sind; beides Werke von arbeitenden Mitgliedern der Gesellschaft, „Unter den Papuas,. Beobachtungen und Studien über Land und Leutes Thier- und Pflanzenwelt in Kaiser Wilhelmsland" von Herrn Hofrath Dr. Bernhard Hagen, hier, und „Eine ornithologische Forschungsreise durch Tunesien" von Carlo Freiherrn! 'Don Erlanger in Rieder-Ingelheim.
. Hofrath Dr. Hagen, welcher nach einem dreizehn-! jährigen Aufenthalt in Deli (Sumatra) in den Jahren 1893—1895 in Stephansort (Deutsch-Neuguinea) als,
Arzt thätig gewesen ist, hat in seinem Werke eine unge-! wohnliche Fülle inieressanterBeobachtungen, das Ergebniß! gründlicher und außerordentlich vielseitiger Forschungen/ in echt-wisienschaftlicher Weise verarbeitet und hierzu,
! eine ungemein feffelnde Form der Darstellung gewählt.! /Das prächtige Werk ist mit einer großen Anzahl von Lichtdrucken, fast durchweg Nachbildungen von Originalaufnahmen des Verfassers, ausgestattet. In seinem ersten Abschnitt werden von dem erfahrenen Tropenarzte, der zugleich ein ausgezeichneter Zoologe und Botaniker' ist, die klimatischen und Gesundheitsverhältnisse Neu-! Guineas, seine Fauna und Flora behandelt und sowohl m biologischer, wie in thier- und pflanzengeographischer Hinsicht höchst werthvolle, neue Thatsachen erwiesen. Der zweite Abschnitt des Werkes ist einer er-j
schöpfenden Darstellung der Eingeborenen des Landes und ihrer Sitten und Gebräuche gewidmet, über welche Herr Hofrath Hagen in interessanter Weise in der wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft am 6. November' 1897 berichtet hat.
den 9. Dezember 1899.
Ä>em zweiten Werke liegen die reichen, wissenschast- lichen Ergebnisse von zwei Expeditionen zu Grunde, welche Carlo v. Erlanger in den Jahren 1893 und 1896/97 zur Erforschung der ornithologischen Fauna von Algier und Tunis unternommen hat. Dasselbe führt uns in sorgfältiger Beschreibung und in Zahlreichen Abbildungen die reichfaltige Vogelwelt der Atlasländer vor Augen und schildert zudem in meisterhafter Weise die eigenartigen, landschaftlichen Reize der unendlichen, gewaltigen Wüste. Von 234 Vogelarten, lndd)€ der Verfasser aus Tunesien aufzählt, werden 17 Arten a l s n e u beschriebm und abgebildet, darunter ein Lämmergeier und zwei Uhus. Besonders eingehende Beobachtungen derjenigen Vogelarten, welche zum Variiren neigen, der Lerchen, Steinhühner und Würger, haben v. Erlanger zu der Annahme bestimmt, daß Tunesien kein einheitliches Faunengebiet, sondern vier verschiedene Faunengebiete darstellt. Jedes von ihnen hat seine charakteristischen Arten; doch verwischen sich die scharfen Unterschiede derselben in den Grenzgebieten, und es zeigen sich Bastardformen zwischen den einzelnen Unterarten. Wie es früher P. M a t s ch i e an verschiedenen Beispielen, namentlich für die afrikanischen Säugethiere gezeigt, so hat auch v. Erlanger für 1 die Vogelwelt der Atlasländer nachzuweisen gesucht, daß die Grenzen der einzelnen Faunengebiete mit den Wasserscheiden zusammenfallen.
v. Erlanger hat in diesen Tagen eine dritte Forschungsreise nach dem Inneren Afrikas angetreten, welche, unter dem Schutze der Reichsregierung stehend, wissenschaftliche und Handelszwecke verfolgt und sich auf mehrere Jahre ausdehnen wird. Er wird zunächst Abessinien bereisen und beabsichtigt sodann, von Addis- Abbebll, der Residenz des Königs Menelik aus, unter dessen Schutz durch das noch unerforschte Gebiet nördlich des Rudolfsees nach Deutsch-Ostafrika vorzudringen.
Hierauf hält Herr Professor Dr. M. Möbius seinen Vortrag über
Die Farben in der Pflanzenwelt.
Bei einem gefärbten Pflanzentheil ist niemals die! Farbe gleichmäßig durch denselben verbreitet, sondern i immer an gewisse Theile der Zellen gebunden, und zwar!