gezeigten Hechte eben nur deshalb nicht gefressen haben, 4 weil sie anscheinend schlimme Erfahrungen bei Freßver- suchen gemacht hatten.

Die Fifche haben immer fürdumme Thiere" gegolten, aber es ist doch erstaunlich, wie gering jetzt, nachdem durch mehrere Hundert meist gleichlautend« Beobachtungen ein Boden für die Beurtheilung gewonnen ist, sich die Summe des Beobachteten darstellt.

Es handelt sich in allen Fällen, welche Wohl konftatirbar sind, nur um eine einfache Veränderung des Verhaltens zu einem bestimmten Reiz. 1. Die Fische, welche in der Regel an ihre Nahrung heranschwimmen, wenn sie nicht durch fremde Eindrücke gehemmt werden, lernen diese. Ein­drücke so weit überwinden, daß sie auch bei deren Eintreten an die Nahrung Herangehen oder nicht fliehen. Der an­geborene Fluchttrieb kann durch Gewöhn­ung an sonst scheuchende Eindrücke ge­mindert werden, aber diese Zähmung geht verloren, wenn neue Reize einwirken. Der Fluchttrieb kann auch Reizen gegenüber auftreten, welche früher nie stattgehabt haben. Die Thiere werden scheu. 2. Die Fifche lernen auch zur Nahrung herankommen, wenn andere als die von dieser selbst ausgehenden Reize auf Fütterung Hin­weisen. Sie schwimmen nicht mehr allein auf die Brocken los, sondern der Anblick des Fütterers selbst bringt sie, auch wenn noch gar keine Nahrung da ist, zu diesem hin. An die Stelle des optischen oder chemischen Reizes, welcher zur Nahrungsaufnahme gewöhnlich ver­anlaßt, kann durch Gewöhnung ein anderer, z. B. das optische Bild des Fütternden, gesetzt werden.

Es steht nichts dem entgegen, daß man diese That- sachen unter den Begriff des Gedächtnisses bringt. Dann hätten diese niederen Wirbelthiere eine Art Gedächtniß, welche graduell sehr weit

verschieden ist von derjenigen, welche bis­her allein st udirt bei den Säugern vor­kommt. Es sind sehr viel einfachere Prozesse, bei denen namentlich auffällt, wie nahe Reiz und Folge­erscheinung untereinander verknüpft sind. Keine einzige Thatsache weist zwingend darauf hin, daß neben oder über diesen einfachen Prozessen assoziative Denk- thätigkeiten ablaufen. Es gibt auch keine, welche zu der Annahme zwänge, daß die Thiere die Reize nicht nur rezipirt, sondern wirklich wahrgenommen haben, daß die Fische alsowissen", was sie thun, oder daß sie ihr Ver­halten einmal so geändert hätten, wie es nur möglich ist, wenn ein Eindruck beobachtet, überlegt und dann verwerthet wird. Die Erscheinungen ließen sich alle viel einfacher deuten. Es ist ja nicht nothwendig, daß ein Reiz, damit er nachwirke, beobachtet wird, und zu seiner reproduziren- den Verwerthung ist ein bewußtes Erinnern nicht noth­wendig zu fordern. Soweit unsere heutige Kenntniß reicht, treten erst bei den höheren Thiercn Erscheinungen auf, welche nur so zu deuten sind, daß die Reize auch als solche er­kannt und verwerthet werden Es ist wahrscheinlich, daß für diese höchste Funktion der Träger in der Rinde zu suchen ist. Sie allein besitzt auch ausreichende Assoziations­bahnen für die mannigfachen Zusammenordnungen, welche bei den Fischen noch durchaus vermißt werden. Die Enquete hat auch ergeben, daß sich für experimentelle Untersuchungen an Aquariumfischen manche Aufgaben darbieten, deren Lösung nicht allzu schwierig sein dürfte, wenn die Frage­stellung möglichst präzis ist und wenn man sich hütet, deutend in die Ergebnisse der Beobachtung mehr hineinzu­legen, als sie wirklich aufweisen.

Reicher Beifall lohnte den Redner von Seiten der Zu­hörer, dem sich der Vorsitzende mit herzlichen Dankes­worten anschloß.

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen natursorschenden Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 25. November 1899.

Vorsitzender: Herr Dr. A. Knoblauch.

Herr Oberlehrer Blum berichtet über den vor Kurzem abgeschlossenen Bd. XXI. der Abhandlungen, der zugleich den I. Band des Neisewerkes von Dr. ; A. Voeltzkow bildet. Das Werk ist von Voeltzkow mit ' einer Uebersicht über den Aufbau von Madagaskar und mit einer Schilderung der Flora und Fauna der großen Insel eingeleitet. Alsdann beschreibt der Reisende einen Besuch der im Kanal von Mozambique gelegenen unbewohnten Insel Juan de Nova und einen einmonatlichen Ausenthalt auf der Insel Aldabra im. Indischen Ozean. Diese Insel ist bekannt als Wohnstätte der riesigen Schildkröten. Voeltzkow er­beutete einige Exemplare, schickte sie nach Frankfurt und zwei dieser seltenen Thiere befinden sich heute noch daselbst im Zoologischen Garten. Der Einleitung sind 3 Karten und 8 Tafeln mit charakteristischen Landschastsbildern und Volkstypen beigegeben. Der ganze Band enthält auf 664 Seiten Text außer der Einleitung 13 Einzelarbeiten, zu denen 30 Tafeln und 8 Textfiguren gehören. Von den Tafeln ist die mit der farbigen Abbildung eines Lemuren, einer- neuen Unterart, Lepidolemur mustelinus rufescens, i in halber natürlicher Größe, besonders schön. Von [ dem soeben erschienenen 2. Hefte des XX. Bandes der Abhandlungen bespricht Herr Blum ausführlicher eine Arbeit von Professor MöbiusDer japanische Lack­baum, Rhus vernicifera DC. Eine morphologisch- anatomische Studie." Diese Arbeit bietet für die Senckenbergische Gesellschaft ein besonderes Interesse, da sie sich auf das reiche Material an Lackbäumen im hiesigen botanischen Garten stützt. Nach diesen Referaten machte der Redner auf ein Äquarellbild der Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merlan, geboren in Frankfurt am 2. April 1647, aufmertsam. Das Bild stellt den Fruchtstand einer unserm Löwenzahn

nahestehenden Pflanze dar, auf der ein Schmetterling sitzt und sich eine Raupe einzuspinnen im Begriffe ist. Herr Professor Richters hat dieses Bild der Gesell­schaft geschenkt und damit einen von der botanifcheu Sektion in dem diesjährigen Bericht ausgesprochenen Wunsch erfüllt. Ein anderes Aquarellbild erhielt die Gesellschaft von Herrn Professor Möbius, der es selbst gemalt hat. Es stellt den Ginkgo in dem v. Beth- mannschen Parke dar. Der malerisch schöne Baum ist eine Abart des gewöhnlichen Ginkgo (Ginkgo biloba' var. pendula); seine Aeste sind üverhängend und die untersten breiten sich weithin auf dem Boden aus.

Der Vorsitzende lenkt nunniehr die Aufmerksamkeit auf die stattliche Zahl von ausgestellten Thieren, Pflanzen und Mineralien. Von den Säugethieren sind besonders hervorzuheben die von Herrn Berg­ingenieur M. Niaryanski in Santa Maria, West- Australien, geschenkten 2 Schnabelthiere, Onnitho- rhynchus anatinus Shaw, ein Molukken-Hiesch, ein Schweins-Hirsch und eine Löwin, erworben von der Neuen Zoologischen Gesellschaft, 2 Gazellen, Gazella subgutturosa Güldenst, von Baku, Transkajpien, durch Herrn Roßmäßler erhalten, Gazella loderi Thomas, gekauft von Herrn Paul Spatz. Auch die vielen Skelette und Schädel sind erwähnenswerth. Es ist erfreulich, daß, wie die Ausstellung zeigt, nament­lich die schöne Antilopensammlung des Museums einen werthvollen Zuwachs erfahren hat.

In der Vogelfammlung wurden durch die Be­mühung und Freigebigkeit des Sektionärs Herrn Rob. de Neufville eine Anzahl abgängiger Thiere durch frische Exemplare ersetzt. Neu für die Sammlung ist ein Wanderfalke im Jugendkleide; seine Unterseite ist längs gestreift, während der alte Vogel Ouerbänderung zeigt. Ferner bereicherte Herr de Neufville die Paradiesvögel um 3 neue Arten und die Papaaeien um 2. Ku den