; einen um so größeren Werth erlangen dadurch für uns auc seme dichterischen Schöpfungen. Dann erst begreifen ^ daß er empfangen
„Aus Morgendust gewebt und Sonnenklarheit Der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit!"
Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischeu naturforschen-en Gesellschaft.
Der 1. Direktor, Herr Dr. Ästr g a p «, » u „ ?£ a .l l !f u , r * a * ^ begrüßt die zahlreich erschienenen Mitglieder zum Wiederbeginn der wiffenschaftlichen Sitzungm und drückt den Wunsch aus, bafc sich dieselben des gleichen Interesses erfreuen mögen wie in den früheren Jahren.
Aus den Vorkommnissen des abgelaufenen Sommers ist der herbe Verlust hervorzuheben, den die Gesellschaft durch das am 16. Juli erfolgte Hinscheiden ihres „ewigen Mitgliedes", des Herrn Albert Kehl, erlitten hat. Der Verblichene hat die erste Anregung zur Ausführung des seit langen Jahren als nothwendig erkannten Museums- N e u b a u s gegeben, indem er der Gesellschaft hierzu ein ansehnliches Kapital zur Verfügung gestellt hat. Sein Vorgehen ist nicht vereinzelt geblieben; zahlreiche Schenkungen anderer hochherziger Gönner bezeugen die allgemeine Sympathie, welche Frankfurts Bürgerschaft dem Vorhaben der Gesellschaft entgegenbringt und sie in der zuversichtlichen Hoffnung bestärkt, daß vielleicht schon im kommenden Frühjahr mit dem Neubau begonnen werden kann. !
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i ^ls „ewige Mitglieder" sind der Gesellschaft die Herren jWalther vom Rath und Geh. Rath Prof. Dr. ^Moritz Schmidt beigetreten.
Schließlich legt der Vorsitzende den „Bericht 1899" vor, welcher neben den geschäftlichen Mittheilungen und einer Reihe von wiffenschaftlichen Arbeiten die Festreden bei der von der Gesellschaft veranstalteten Feier von Goethes 160. Geburtstage enthält.
Herr Prof. Dr. H. S ch e n ck aus Darmstadt hält Mn- mehr seinen angekündigten Vortrag:
„Uebcr die Wechselbeziehungen zwischen Pslanze» und Ameisen im tropischen Wald".
Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die Beziehungen zwischen Pflanzen und Thieren hob Vortragender
hervor, daß gerade in den Tropen mit ihrer überaus reichhaltigen Vegetation sich sehr eigenartige Beziehungen zwischen den dort ungemein häufigen und artenreichen Ameisen und bestimmten Gewächsen herausgebildet haben. Man kennt jetzt schon eine große Anzahl von Bäumen und Sträuchern, toelche konstant von kleinen Ameisen bewohnt werden und mit diesen Thierchen eine Art von Symbiose, ein Schutz- und Trutzbllndniß, eingegangen sind. Am genauesten bekannt sind dank den Beobachtungen von T h. B e l t, F r i tz M ü ! l e r und W. S ch i m p e r einige Arten der südameri-
., den 21. Oktober 1899. ,
rum, egen, zu den Moraceen gehörenden Gattung Cooropia, die sog. Jmbaüba-Bäume, welche in ihren hohlen Stämmen Kolonien der kleinen bissigen Ameise A.zteca instabilis beherbergen. In zwei Punkten zeigt sich eine deutliche An- paffung des Baumes an seine Bewohner; erstens werden diejenigen Stellen des hohlen Stammes, welche von den Ameisen später zu Eingangsöffnungen durchnagt werden, bereits von der Pflanze vorgebildet, zweitens erzeugen die . Blätter am Grunde der Blattstiele auf eigenthümlichen Haarpolstern kleine sich loslösende, nährstoffreiche Körperchen, welche zu der Kategorie der mehrzelligen Haare zu rechnen sind und den Ameisen zur Nahrung dienen. Die Azteca - Ameise ist anderseits dem Baume von größtem Nutzen, indem sie ihn schützt gegen die Angriffe einer anderen Ameisenart, der Saüba oder Blattschneide-Ameise, die mit ihren Schaaren viele Pflanzen der Tropenwälder befällt, die Blätter in Stückchen zerschneidet und in ihre Nester schleppt, in kurzer Zeit ganze Bäume zu entlauben vermag. Die Blattschneide-Ameisen benutzen, wie AlfredMöller klar nachgewiesen hat, die in ihre meist unterirdischen Nester eingeschleppten Blattstückchen, um auf denselben einen Pilz, Rozites gongylopliora, in die Verwandtschaft unseres Fliegenpilzes gehörig, regelrecht in Reinkultur zu züchten. Sie ernähren sich von eigenartigen Anschwellungen der Pilzfäden, welche das Kammerwerk der Nester durchivuchern, ziehen diesen Pilz also geradezu als Kulturpflanze. Neuerdings sind im tropischen Asien auch pilzbauende Termiten ! beobachtet worden.
- Außer den Ceiropien gibt es in den Tropen beider Hemisphären noch zahlreiche andere sogenannte Ameisenpflanzen oder Myrmekophyten, welche ständig von Ameisen bewohnt lverden, aber nur bei den wenigsten ist bis jetzt nachgewiesen, daß die Ameise auch wirklich den Pflanzen einen ganz bestimmten Nutzen bringt. In den Tropen der alten Welt fehlen die Blattschneideameisen, da mögen es y( andere Insekten sein, welche abgehalten werden.
Erwähnt und geschildert wurden als weitere Beispiele: Humboldtia laurifolia und Duroia hirsuta mit Ameisenwohnungen in hohlen Stämmen, Myrmecodia und Ilydnophitum mit großen Knollen, welche von Hohlräumen durchzogen sind und in denselben die Nester beherbergen, Mici’ophysca und Tococa, bei denen an den Blättern Höhlungen gebildet werden, und endlich Acacia sphaero- cephala und coruigera mit ihren hohlen, aufgeblasenen Nebenblattdornen. Morphologisch sind es also sehr verschiedene Gebilde, die zu Ameisenwohnungen hergerichtet erscheinen und biologisch demselben Zwecke dienen.
Zum Schluß imirden die sog. extranuptialen Honigdrüsen erwähnt, welche bei vielen Tropenpflanzen, aber auch bei einigen Gewächsen unserer Flora an den Blättern oder Blattstielen sitzen und Honig abscheiden. In gewissen Fallen ist beobachtet worden, daß auch diese Honigdrüsen von Ameisen besucht werden und daß diese Thierchen den betreffenden Pflanzen Schutz gegen schädliche and-re Insekten : gewähren; indessen bedarf die Frage nach der Bedeutung ! der extranuptial-n Honigdrüsen noch weiterer Untersuch- ' ungen. !
Erläutert wurden die Ausführungen des Vortragenden H llrvße Wandtafeln, welche die wichtigsten Ameisen- . Pflanzen zur Darstellung brachten, sowie durch getrocknete, Pflanzen- und Sammlungsobjekte, Photographien und! Zeichnungen. !
Dek-Borsitzende dankt dem Redner für den hochinter- i sssanten Vortrag und bittet ihn, die Gesellschaft recht oft m freundnachbarlicher Weis« mit seiner Gegenwart zu beehren.