mit denselben Organen des rezenten Ceratodus zu schließen, ist demnach der Stammbaum des Ceratodus von Queens­land noch viel weiter als in die Triaszeit zu verfolgen, sogar bis ins Carbon.

Der Vorsitzende dankte dem Redner für die hochinter­essanten Mittheilungen und schließt mit der heutigen Sitzung das WintersemestM. '' I

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der Senckenöergischcn

Im Bibliotheksaale steht zwischen dunklem Grün immer­grüner Pflanzen die Büste des Dichters. Auf den Tischen liegen Schädel der Wirbelihiere, Beispiele für die Ent­deckungen Goethes auf dem Gebiet der Schädel- und Wirbeltehre. Der erste Direktor der Gesellschaft, Herr Dr. Aug. Knoblauch, eröffnet- die Sitzung mit folgenden Ausführungen:Als der junge Goethe im Herbst des Jahres 1768 von der Universität Leipzig nach seiner Vaterstadt zurückkam, hatte Johann Christian Senckenberg die Anlagen und Bauten des medizinischen Instituts seiner fünf Jahre zuvor errichteten Stiftung bereits vollendet. Der Ruf der jungen wisseuschaftlichen Schöpfung des Frankfurter Arztes war bereits in weite Kreise Deutschlands gedrungen, und hervorragende Gelehrte von auswärts kamen nach Frankfurt, um die in damaliger Zeit einzig dastehende Stiftung zu besuchen. Kein Wunder also, daß Senckenbergs Schöpfung auch des jungen Goethes leb­haftes Interesse wachrief und daß er seinen Aufenthalt in der Vaterstadt benützte, um dieselbe kennen zu lernen. Am 22. Oktober 1768 hat Goethe das medizinische Institut/ Anatomie, chemisches Laboratorium und botanischen Garten, besucht; der alte Senckenberg selbst hat den Führer gemacht; cs ist das einzige Mal gewesen, daß er mit dem jungen Dichter in persönliche Beziehung getreten ist. Die Eindrücke aber, welche Goethe daniais von Senckenberg und seiner Schöpfung gewonnen hat, sind mächtige und nachhaltige geblieben, und auch von der Ferne aus hat der Dichter mit lebhafteni Interesse die Entwicklung der Stiftungen Senckenbergs verfolgt. Fast fünfzig Jahre später, als Goethe im Sommer 1814 nach längerer Abwesenheit die Heimath wiederum be­treten hatte, hat er in seiner AbhandlungKunstschätze am Rhein, Main und Neckar" der Entwicklung der Stiftungen Senckenbergs besondere Aufmerksamkeit ge­blieben zu fein I Dcrrum feiern auch wir in diesen fest­lichen Tagen den großen Dichter in der Ueberzeugung, daß sein klares Urtheil und die Macht seines göttlichen Wortes die Gründung und die Entwicklung unserer Ge­sellschaft wesentlich beeinflußt hat. In diesem Gefühl der Dankbarkeit und in gerechter Würdigung der ana­tomischen Arbeiten Goethes hat die Verwaltung be­schlossen, daß in einem Saale unseres projektirten Museums-Neubaues Goethes Büste aufgestellt werde und daß dieser Saal, welcher für die vergleichende Anatomie des Wirbelthierskeletts bestimmt sein soll, den unsterb­lichen Namen Goethes trage! Wir feiern heute den großen Dichter nicht unter dem schmerzlichen Eindruck der tiefen Trauer, unter welchem die Gesellschaft ihre erste Goethe­feier veranstaltet hat. Es ist am 6. Mai 1832 gewesen, wenige Wochen nach dem Tode Goethes. Wir feiern ihn heute freudigen Herzens, wie vor fünfzig Jahren, wo bei der Säkularfeier am 28. August unser erster Direktor Dr. Johann Michael Mappes die Festrede gehalten hat, freudigen Herzens und in dem erhebenden Bewußtsein, daß sein großer Geist in seinen Schöpfungen fortleben wird für ewige Zeiten! Wir aber, die wir berufen sind, bas theure Vermächtniß unserer Vorgänger zu wahren, wir werden auch in Zukunft bestrebt sein, im Sinne Goethes die Naturwissenschaften in unserer Vaterstadt zu Pflegen und zu fördern, eingedenk der Worte Fausts:

Was Du ererbt von Deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen!"

Hierauf hielt Herr Professor Dr. Reichenbach den Festvortrag überGoetheund dieBiologie". Die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft habe diese Festsitzung anberaumt, getragen von der Ueberzeugung, daß Goethe zu den großen Naturforschern gezählt werden müsse, die ihrer Zeit weit vorausgeeilt sind. Dies gelte besonders in Bezug aus Goethes Stellung zu der Biologie, der Lehre von den Lebewesen im weitesten Sinne des Wortes, und sei um so mehr bemerkenswerther, als gerade diese Wissen-

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oethefeier.

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naturforschenden Gesellschaft. ^

;cha;r in neuere, ,cr/e oeoemenbe Errungenschaften auf­zuweisen habe. Redner schildert nun den Stand der Bio­logie zu Goethes Zeit, ihre Richtung auf das Aeußerlich« und ihre Abhängigkeit von Dogmen. Die Wissenschaft vom Leben war so zu sagen an einen todten Punkt ge­langt. Dann behandelt der Vortragende in ausführlicher Weise und an der Hand zahlreicher Citate die drei hervor­ragendsten biologischen Leistungen Goethes, nämlich die Entdeckung des Zwischenkiefers am Menschenschädel, dessen Fehlen als wichtigster Unterschied zwischen Mensch und Affen galt, die Lehre von der Metamorphose der Pflanzen und die Wirbeltheorie des Schädels und sucht den orga­nischen Zusammenhang dieser anscheinend so verschiedenen Ergebnisse in dem naturwissenschaftlichen Entwicklungs­gang Goethes nachzuweisen. Durch diese Studien sei Goethe der Schöpfer der modernen Morphologie geworden, welches Wort auch von ihm gemünzt und als neuer Be­griff in die Wissenschaft eingeführt worden sei. Der fol­gende Abschnitt ist der Stellung Goethes zur Descendenz- theorie gewidmet. Er habe die Grundgedanken dieser di« Welt bewegenden Lehre zum Theil klar ausgesprochen, zum Theil seien sie in ihren Keimen in seinen naturwissenschaft­lichen Schriften zu finden. Er habe sie auch nicht etwä vorahnend oder durch seine dichterische Phantasie nur so hingeworfen, sondern durch unausgesetztes Nachdenken und ernste Arbeiten errungen, wie ja schon ein Blick auf die zwölf Bände naturwissenschaftlicher Werte in der Weimarer Ass­gäbe kehren könne.''' Die moderne Lehre von der Indivi­dualität, das Prinzip der Vervollkommnung durch Arbeits- theilung, das Gesetz der Korrelation und insbesondere das Prinzip der Anpassung seien von Goethe mit voller Deut­lichkeit abgeleitet und ausgesprochen worden, während die Lehre von der Vererbung und von der Vervollkommnung im Kampfe ums Dasein wenigstens in den Keimen nachzu­weisen seien. Die aus diesen damals doch ganz neuen Anschauungen sich ergebenden Folgerungen für die Ver­änderlichkeit der Arten und die Stellung des Meqschen in der Natur finden wir bei Goethe klar dargestellt; ebenso wurden von diesem Standpunkt aus die Jnstinkthand- lungen (Wohnungstrieb, Kunfttriebe, Sammeltriebe) oft in ganz moderner Weise erörtert, die Frage der Urzeugung gestreift und die Unmöglichkeit, eine Grenze zwischen Pflan- tzen- und Thierreich aufzurichten, dargethan. Sehr wichtige biologische Probleme seien auch in seiner vielbekämpften Farbenlehre in treffender, obwohl heute noch nicht überall anerkannter Weise behandelt, so der Satz, daß die Farbe wesentlich Empfindung sei und das Gesetz des Antagonis­mus. Ebenso war Goethe der Erste, der die Theorie von der spezifischen Energie der Sinnesnerven aufstellte. Auch Farbenblinde beobachtete er in mustergültiger Weise und fand, daß längere Dauer der Nachbilder auf pathologische Zustände der Netzhaut schließen lasse. So sei also Goethe guf vielen Gebieten der Biologie und gerade in ihren wich­tigsten Theilen mit außerordentlichem Erfolg thätig ge­wesen und habe viele erst in neuerer Zeit anerkannte Wahr­heiten mit voller Deutlichkeit ausgesprochen. Redner er­örtert nun kurz die Beurtheilung der Bedeutung Goethes für die Biologie bei seinen Zeitgenossen, sowie bei den neueren Naturforschern (Virchow, Häckel, Helmholtz, Cohn, Dubois-Reymond, Kalischer, Steiner u. A.) und spricht die Ueberzeugung aus, daß man dahin kommen müsse, ihn Zu den bedeutendsten Naturforschern zu stellen. Dies sei Nicht nur eine Sache der Gerechtigkeit, der etwa nur die Fachgenossen zu genügen hätten, sondern eine Forderung für Jedermann. Denn ein tieferes Verständniß der dich­terischen Schöpfungen dieses Riesengeistes sei nur dann möglich, wenn man ibn als Ganzes aufzufassen sich bemühe. Das einfach Wahre aller seiner Schöpfungen, so etwa schließt der Redner, das uns so tief ergreift, hängt psychologisch mit seinem Studium der Natur eng zusammen. Je mehr wir also in die den Menschen ja doch am stärksten bewegen­den Probleme der Lebewelt eindringen, je mebr wir die großartige Naturanschauung Goethes uns zu eigen machen,