dem mit der Büste Friedrich Tiedemanns und mit frischem Grün festlich geschmückten Saale eröffnet der Vorsitzende. Herr Dr. Auguft K n o b l a u ch . die Sitzung welche der Ertheilung des Tiedemann- m s gewidmet ist. mit einer kurzen Geschichte des
Preises.^ Er erinnert daran, daß T i e d e m a n n . nachdem er rn Heidelberg länger als ein Menschenalter als akademischer Lehrer segensreich gewirkt, sich nach Frankfurt zurückgezogen hat. nachdem er im badischen Aufstand in Rastatt, seinen ältesten Sohn verloren und nachdem seine „.^lungeren Söhne mit Weib und Kind nach Amerika gefluchtet waren. Er hat hier Ruhe und Trost in seinem Leid gesucht und hat sie in dem wissenschaftlichen Berkehr JE". ausgezeichneten Männern der Senckenbergischen
Gesellschaft, einem Spieß, Varrentrapp, Lucae u. A. ae- funden. Als am 10. März 1854 auf Anregung der Gesell- rMft von tat Geiehrt«, ganz SurvtzaS hier, im Holländischen Hose, das 50jährige Doktorjubiläum Tiedemanns gefeiert wurde, ist dem Jubilar eine Medaille, in Gold, Silber und Bronze, überreicht und gleichzeitig zu seinem Ge- dächtniß der Tiedemann-Preis gestiftet worden. . Die Medaille trägt auf der Vorderseite dys Bildniß Tiedemanns von Ed. v. d. Launitz modellirt, und auf der Rückseite einen Seestern als Hinweis auf eine im Jahre 1812 vom Institut de France in Paris gekrönte Preisschrift Tiedemanns. Seit 1875 ist der Preis, welcher aus 500 Mark und der silbernen
Wissenschaftliche Sitzung der S-nckenb-rgischen «atur,or,chende« Gesellschaft.
-Frankfurt a. M.. den 10. März 1899.
Medaille besteht, regelmäßig alle 4 Jahre für die ausgezeichneteste Arbeit aus dem Gebiete der Physiologie, am 10. März, dem Jahrestage der Promotion Tiedemanns, einem deutschen Forscher zuerkannt worden; u. A. haben ihn erhalten die großen .Vorkämpfer der Wiffenschaft im Kampfe gegen die Infektionskrankheiten: Robert Koch, Paul Ehrlich und Emil Behring.
Die Preiskommission hat diesmal aus den Herren Prof. Drs. Edinger (Physiologie des Nervensystems und der Sinnesorgane), Moebius (Botanik), Lepsius (physiologische Chemie), Reichenbach (Aanatomie und Physiologie der niederen Thiere) und Weigert (Anatomie und allgemeine Physiologie) bestanden. ■ Als Vorsitzender der Preiskom- missioN berichtet sodann Herr Geh. San.-Rath Professor Dr. Weigert über eine Anzahl einschlägiger Arbeiten, welche die Kommission in mehreren Sitzungen eingehend besprochen hat. Sodann berichtet Herr Prof. Dr. Lepsius über eine große Reihe von Arbeiten Kossels und seiner Schüler und verkündet unter lebhaftem Beifall der Versammlung, daß auf einstimmigen Vorschlag der Kommission der diesjährige Tiedemannpreis dem Direktor des physiologischen Instituts in Marburg, Herrn Professor Dr. med. Albrecht Kossel für eine Reihe ausgezeichneter Arbeiten über die Chemie der Eiweißkörper zuerkannt worden ist.
Der Vorsitzende schließt hierauf die Festsitzung mit einem Danke an die Preiskommssion und ihren Berichterstatter.
T
' Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft.
Vorsitzender: Herr Dr. A. Knoblauch.
Ausgestellt sind die von Prof. Dr. Kükenthal auf den Molukken gesammelten und von Hofrath Dr. Brunner von Wattenwhl in Wien bestimmten Orthopteren (Geradflügler). Der Sektionär Herr Major Dr. von Heyden gibt dazu einige Erläuterungen. Es fallen auf:
1. Unter den Blatta (Schaben): die große Panaesthia javanica, die Männchen mit Hörnern am Kopfende.
2. Unter den Mantodea: Die Gottesanbeterin Tenodera superstitiosa P. mit mächtigen Fangarmen und Bero- platys siccifolium Saussure, einem welken Blatt ähnlich.
3. Die Pbaswodea oder Stabschrecken: die sehr große Orxines xiphias Westw., die stachelige Heteropteryx echinata Redtb., die Riesenart Anchiale mp.cu= lata 01. und das wandelnde Blatt Pbyllium siooi- foliuro L. 4. Die Acridiodea oder Heuschrccken- Cranae Kükenthali Br., sehr schön schwarz und gelb- roth gezeichnet; Aeridium sueeinctum F., eine Art Wanderheuschrecke. 5. Die Loeustodea oder Grashüpfer: Conocephalus longiceps Redt. mit langzugespitztem Kopf, die lockartig glänzende Salomona coriacea Redtb., mehrere Arten Gryllaeris mit sehr. gezeichneten Unterflügeln und die flügellose, wohl an dunklen Orten lebende, Rhaphidopalpa nigerrima. Schließlich 6. Sie Gryllodea: Gryllotalpa africana Pallis., eine Verwandte unserer Maulwurfsgrille, und verschiedene Gryllus-Arten/,
Herr Professor Dr. F. Kinkelin hielt hierauf seinen angekündigten Vortrag über die beiden Themata:
1. Pie Knt«nckelrmg der ältesten Krebse und 2. Pie Lurchfische der Worzeit.
1. Ein Tausch mit dem Prager Museum setzte den Vortragenden in den Stand, einige allgemein interessante Fossilie« vorzulegen. Während der Norden Böhmens, umwallt von mächtigen Gebirgen, nur aus Kreidesandstein und Kreidemergel, z. Th. bedeckt von jüngerem Tertiär und durchbrochen von zahlreichen eruptiven Massen, besteht, gehören die Gesteinsmassen, die um Prag liegen, zu den ältesten, welche organische Reste führen. Sie liegen in einer Grabensenke innerhalb der krystallinen Urgesteine. Schon die cambrischen Schiefer führen eine ziemlich mannigfaltige Thierwelt und, was das Ueberraschendste ist, diese Fauna ist z. Th. auch schon hoch entwickelt. Die auffallendste Thiergruppe sind kiemenathmende Gliederfüßler, die nach ihrem Bau den Namen Trilobiten erhalten haben. Redner
Samstaq, den 18. März 1899.
legt die Orgamfatron eines ausgewachsenen typischen Trilobiten dar. Barrande, der die böhmischen Trilobiten zu seinem Lebensstudium gemacht hat, ist es gelungen, die Entwicklungsstadien einiger Arten vom Ei bis zum ausgewachsenen Thier zu verfolgen. Der Vortragende bespricht nun unter Vorweisung der Entwicklungsreihe von Sao hirsuta die Wandlung, die dieses Thier durchmacht. Die Größe des jüngsten, eben aus dem Ei geschlüpften Thieres ist ungefähr f Millimeter. Es besteht nur aus einem Kopfschild; in den folgenden Stadien entstehen die gegeneinander unbeweglichen Glieder des Schwanzschildes; im Weiteren entstehen die gelenkig verbundenen Glieder des Rumpfes, der sich mit mehr und mehr an Zahl und Größe zunehmenden Gliedern zwischen Kopf und Schwanzschild einschiebt. Erst in einem späteren Stadium wird die Oberflächenskulptur fertig.
2. Auf dem durch Gebirgsbewegung entstandenen alten böhmischen Festland haben sich Süßwasserseen und in ihnen Pflanzenanhäufungen gebildet, die zu Steinkohlen wurdm. Aus den Absätzen in diesen Seen und zwar ungefähr aus der Zeit der produktiven Steinkohle stammen Zähne und Schädelstücke eines Fisches, genannt Ctenodus. Zur Erläuterung der Bedeutsamkeit dieser aus der sogenannten Gaskohle stammenden Reste weist Redner auf einen seltsamen australischen Fisch, Ceratodus, der erst 1870 entdeckt worden ist. Mit einem zentralafrikanischen und einem südamerikanischen Fisch macht er die Ordnung der lungenathmenden Fische oder Lurchfische aus. Ganz eigenartig von Kämmen durchzogen sind die Kauplatten des australischen Lurchfisches. Die Gestalt und Struktur von Kauplatten, die man längst aus der Triaszeit kennt, besonders aber der mit solchen Kauplatten ausgestattete Schädel eines Fisches aus der Lettenkohle von Lunz in Nieder-Oesterreich ergab das Ueberraschende, daß der rezente australische Fisch und der Fisch, welchem die triassischen Kauplatten angehört haben, einer und derselben Fischgattung zuzuzählen sind. Diese triassische Fischgattung hat also bis zur heutigen Zeit fast keine Veränderung in ihrem Bau erfahren und gehört somit zu den wenigen Organismen, die sich hierin in einem gewissen Gegensätze zu der übrigen organischen Welt befinden. Wir können uns dies kaum anders erklären, als daß während der Jahrmillionen, die zwischen der Triaszeit und heute vergangen sind, die Lebensbedingungen stets dieselben geblieben sind. Nach der großen Uebereinstimmung der Kauplatten, Schädeltheile und Flossen vom Ctnodus aus der böhmischen Gaskohle