ceioäleicfyeri aus dem sibirischen Eis. In Bezug aus die Zeichnung und Färbung des Felles resp. der Haut sind wir lediglich auf die Analogie mit den lebenden Thieren angewiesen. Wir wissen z. B., daß die Unterseite meist Heller ist als der Rücken, eine Kompensation, die gewissermaßen als Schutzfärbung gegen den nach unten fallenden Körperschatten dient. Hell oder dunkel gefleckte Thiere finden sich viel unter den Bewohnern der wärmeren sonnigen, oft immergrünen Wälder, wie die Leoparden. Jaguare, viele der kleineren Katzenarten, Viverren, Palmmarder und die Riesenschlangen; es sind zumeist Baumthicrc. Unter den Hirschen besitzen der Axis und das Dammwild helle Flecken. Alle haben sich offenbar dem bunifleckigen Licht der durch die Blätter und Aestc spielenden Sonne angepaßt. Im Rohrdjungel und in der Grassteppe Hausen oft senkrecht gestreifte Thiere wie der Tiger, die Zebras, der Beutelwolf Australiens u. a. Einfarbige, der Umgebung angepaßte Thiere sind meist erst das Produkt einer langen Entwicklung und. Itamnwa täft&A von gefleckten Waldbewohnern ab, was ihre oft noch gefleckten Jungen beweisen, wie beim Löwen und beim Reh. Elfterer hat, als er sich dem Leben in der Wüste mehr und mehr zuwandte, seine dunklen Flecken verloren und sich der Bodenfarbe angepaßt, letzteres stammt wohl von Formen ab, di« in sonnenreicheren und nicht die Hälfte des Jahres entblätterten Wäldern lebten. Weiße Färbung finden wir
bei den Bewohnern des ewigen Eises und der nordischen, oft schneebedeckten Steppen, bunte Farbenpracht und auch Melanismus in der Lichtfülle der Tropen. Alle diese biologischen Betrachtungen können uns Anhaltspunkte ge? währen.
Der Fortschritt der modernen Rekonstruktionen gegenüber den älteren ist augenfällig, was die vorgezeigten Bilder der früher im Garten des Crystal Palace bei London und des Central Park von New-Dork aufgestellten großen Stuckend Gipsmodelle, sowie alte Abbildungen darthun. Gute photographische Diapositive verdienen vor kostspieligen Gypsmodellen oder großen Bildern dm Vorzug wegen der Billigkeit und deshalb leichten Ersetzbarkeit beim Fortschritt unserer Erkenntniß, können aber trotzdem im Hörsaal, wenn erwünscht, durch Projektion auf d« natürlich«, oft recht imposante Größe gebracht werden.
Auf die zahlreichen alsdann vorgeführien Lichtbilder fossiler Säugethierr, Vögel und Saurier, die von inter- effantm Erläuterungen kvgleitet, eine wahre Menagerie der Vorwelt an den Augen der Zuschauer vorbeiführten, näher eiuzugehrn, verbietet uns hier der Raum.
Der Vorsitzmde, Herr Dr. A. Knoblauch, dankte dem Redner für feine schönen und lehrreichen Demonstra- tionm und bat ihn, der Senckenbergischen Gesellschaft sein« vielfach bewiesen» Anhänglichkeit auch fernerhin zu bewahren.
Wissenschaftliche Sitzung der Serrckertberqeschett natursorschörkSen Gesellschaft.
Samstag,
Der Vorsitzende. Herr Dr. A. K n o b l a u ch , theilt mit, daß die Gesellschaft schon wiederum durch dcn Tod den Ver-i lust eines treuen Mitgliedes zu beklagen habe. Am 8. d. Mts. ist Herr Wilhelm Landauer, Mitglied der Gesellschaft seit dem Jahre 1873, aus dem Leben geschieden.
Die Gesellschaft , wird ihm ein dankbares Andenken br- .. wahren. Alsdann legte- der- Vorsitzende vor: Abhandlungen/
Bd. öXXI, Heft' 3 (Voeltzkows Reiseergebnisse in Mada/l gaskar und Ostafrika), sowie Heft 4 des XXIV. Bandes der Abhandlungen (Kükenthals Reiseergebnisse in den Molukken und Borneo). Bon KUkenthals Reisewerk sind nunmehr drei starke Quartbände erschienen und die noch ausstehenden Arbeiten werden voraussichtlich einen weiteren Band der Abhandlungen füllen.
Das korrespondirende Mitglied Herr Dr. G. G r e i m von Darmstadt hielt hierauf seinm angekündigten Vortrag über
Pie Gezeiten.
Ausgehend von den Beobachtungen, die ein Beobachter an einem Seehafen über die Erscheinungen der Gezeiten anstellen kann, werden die thatsächlichen Verhältnisse derselben kurz rekapitulirt und diejenigen hervorgehoben, welche die Abhängigkeit von kosmischen Einflüssen, speziell des Mondes und der Sonne, beweisen. Es führt dies zur Erörterung der theoretischen Gezeiten, wie sie von Newton : aus seinem Gravitationsgesetz abgeleitet wurden, und durch den Abdruck des Wesentlichsten in allen Lehrbüchern der Physik und physikalischen Geographie rc. genügend bekannt sind. Laplace erkannte schon, daß diese Newton'sche Theorie zur Erklärung der wirklichen Gezeiten nicht ausrsicht, ohne
den 18. Februar 1899.
etwas Befriedigenderes an die Stelle setzen zu können. Je mehr in der Neuzeit Beobachtungen einlieftn, desto mehr ließen sie diese Verschiedenheiten der thatsächlichen von den theoretisch geforderten Verhältnissen hervortreten. Insbesondere das Verhältuiß der Höhe der Mondgezeit zu der der Sonnengezeit, die Höhe des Fluthwechsels, die Eintags- fluthen, die Hafenzeiten u. a. ließen eine große Masse von Schwierigkeiten auftauchen. Demgegenüber scheint nun die Airy'sche Gezeitentheorie, die hauptsächlich von Borgen, Lord Kelvin, Darwin u. A. m. weitergebildet wurde, berufen zu sein, an die Stelle zu treten. Durch rein mathe- mathische Ableitungen fand Airy, daß die theoretisch geforderten Fluthwellen nur in ganz regelmäßig gestalteten Meeresbecken auftreten, daß aber bei Veränderung dieser Grundbedingungen andere, zum Unterschied davon „freie Wellen" genannte Fluthwellen entstehen, die mit jenen nur das gemeinsam haben, daß sie die gleiche Periode besitzen, die aber in Bezug auf Höhe, Wellenlänge und Fortpflanzungsgeschwindigkeit sehr wesentlich von der Beschaffenheit des Meeresbeckens abhängen, in dem sie erzeugt werden. Durch ihre Interferenzen sind mit Leichtigkeit die starken Differenzen über kurze Strecken in Höhe und Eintritt der Gezeiten zu erklären, ebenso die Eintagsfluthen und die an manchen Plätzen beobachteten, über di- theoretisch geforderte Zahl hinaus an einem Tage auftretenden Fluthen, die mit den sogenannten Obcrrönen bei den Schwingungen der ©aiten verglichen wurden. Ein kurzer Hinweis auf die auch bei dieser, schon sehr befriedigenden Theorie noch vorhandenen Schwierigkeiten schloß den Vortrag.
Der Vorsitzende dankte dem Redner wärmsten» für seine klaren Auseinandersetzungen.