ben Verbrauch beider Funktion angehäuft werden. Sie verändern sich bei Unterbrechungen der Nervenleitung und vor Allem auch bei hoher Jnanspruch- nabme der Zellen durch den Gebrauch. Diese Nißl'schen Körner liegen zwischen den Fibrillen, welche die Ganglien­selle erfüllen. Der Vortragende besprach dann die ver­schiedenen Vorstellungen, welche man im Laufe der Zeit von der Zusammenordnung der Nervenelemente zu Physiologischer Thätigleit sich gemacht hat. Er zeigte, daß es durch die anatomischen Studien der letzten Jahre end­lich möglich geworden ist, an die Stelle von sehr vagen

Theorieen eine Anschauungsweise zu setzen, welche sehr wohl viele Thätigleitsäußerungen des Nervensystemes aus seinen Bau zurückzuführen gestattet. Im Wesentlichen handelt es sich natürlich vorerst noch um die Erklärung anscheinend sehr einfacher Vorgänge, es liegen aber überall Ansätze vor, welche zeigen, daß wir auf dem betretenen Wege zur partiellen Erklärung sehr komplizirter Erschei­nungen kommen können.

Der Vorsitzende drückte dem Redner für seinen hoch­interessanten Vortrag den Dank der Gesellschaft aus. '

Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft.

Samstag, den 21. Januar 1899.

Der Vorsitzende, Herr Dr. A. Knoblauch, gedenkt des am 18. d. Mts. in Wien verstorbenen korrespondirenden Mitgliedes, des hervorragenden Zoologen Professor Dr. Karl Claus und ertheilt alsdann das Wort Herrn Dr. W. Kobelt zu seinem Vortrage:

Die Zoogeographie Korder-Andiens.

Der Vortragende macht zunächst darauf aufmerksam, daß Vorder-Jndien, an zwei Seiten durch das Meer, an der dritten durch die Himalaya-Kette vom Reste der Erdober­fläche abgesperrt, einen absolut einheitlichen Eindruck macht und daß man deshalb auch erwarten könnte, daß es ein in geographischer Beziehung einheitliches Gebiet bilde. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Vorder-Jndien besteht in jeder Beziehung aus sehr verschiedenen Bestandtheilen. An den Himalaya im Norden, der wieder aus dem Südabhang der Kette und den dahinter liegenden Oberthälern des Indus und des Brahmaputra besteht, schließt sich die breite Flußebcne des Ganges und des Indus. Dann folgt, durch den steilen Abfall der Vindhya-Berge und das Arwali- Geüirge begrenzt, das Plateauland des Dekhan, von Ost nach West ansteigend und zum westlichen Meer steil in den Western Ghats abfallend. Im Süden trennt das Palghat- Thal das Hochplateau von dem ewig feuchten Südindien, dem sich Ceylon anschließt. Selbstständig gegen den Rest von Indien stellt sich auch der Nordwesten, der Pendschab und Sind, die direkte Fortsetzung der Wüsten von Belud- schistan. Die verschiedenen Theile sind von sehr verschiedenem geologischen Alter. Uralt sind Südindien und im Norden das Arwali-Gebirge; die Hochebene von Dekhan hat seit der Kreideperiode keine Veränderung erlitten, der Himalaya ist eines der jüngsten Gebirge der Erde und noch in Be­wegung. Dekhan stimmt in seinem Aufbau ganz mit dem Sudan und reicht nach Hinter-Jndien bis Zum Fuß der Bergketten; die beiden Meere erscheinen als relativ flache Einsenkungen in den Festlandssockel Asiens, aber die Ver- M ndung mi t 'Afrika "ist spätestens _in der Kreidezeit ver- 'sunken, ein Lemurien als Wiege des Menschengeschlechtes

nicht nachweisbar. Die verschiedenartige Entstehung tritt heute noch namentliche in der Landschneckenfauna scharf hervor. Der Nordwesten von der Wüste Thar ab schließt sich eng an Belndschistan an und war dieses dem palä- arktischen Faunengebiete, das auch Europa umfaßt, zuzu­rechnen; manche paläarktische Züge reichen bis Bombay.

Umgekehrt hat der Südabhang des östlichen Himkksaya genau denselben hinterindischen Charakter wie Assam und das untere Gebiet des Brahmaputra. Die Grenze liegt bei Semlah an der Wasserscheide zwischen Indus und Ganges; auch das ganze obere Jndusgebiet einschließlich Kaschmir ist paläarktisch. Im Osten lätzt sich eine scharfe Grenze gegen den Jrawadi Nachweisen, der am Cap Negrois ins Meer ausläuft. Dekhan hat mit Hinterindien keine Beziehungen und setzt sich noch schärfer gegen Südindien ab. Die Grenze liegt aber hier nicht in der Senke von Palghat, sondern fällt zusammen mit der Linie, welche den Einfluß des feuchten Südwest-Monsuns begrenzt; sie schließt des­halb auch die Westküste bis Goa und die Nilgiri-Berge nördlich der Senke ein, sowie das Gebiet von Madras, das durch die Lücke hindurch noch von dem feuchten Winde ge­troffen wird. Ceylon und Südindien bilden zusammen ein reiches, selbstständiges Entwicklungszentrum. Es hängt seit der Kreideperiode mit Dekhan zusammen, ohne natür­liches Hinderniß für die Verbreitung der Schnecken; trotz­dem haben dieselben nie ihre heutige Nordgrenze über­schritten; es hat sich also das Wesen der Monsune seit dem Ende der Kreideperiode nicht verändert und kann somit auch seit derselben Zeit keine wesentliche Veränderung in der Vertheilung von Land und Wasser im indischen Ozean stattgefunden haben. Die Annahme einer Landverbindung zwischen dem malayischen Archipel und den Maskarenen wird dadurch zur Unmöglichkeit.

Der Vorsitzende dankt dem Redner für die Mittheilungen aus dem reichen Schatze seines Wissens aus dem Gebiete der Zoogeographie.

Wissenschaftliche Sitzung der ScnEeubcrgischen natrrrforfcherrden Gesellschaft

Herr Professor Dr. A. A n d r e e i m demonstrirte eine Anzahl von Licht- ildern, welche Rekonstruktionen fossiler, o g.vorweltlicher" T h i e r e zur A n s ch a u - i n g b r a ch t e n. Die kurze Einleitung betonte, daß der- rtige Rekonstruktionsversuche fossiler Thiere bei vielen der- elben, welche hinreichend genau bekannt, durchaus möglich md auch vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus zu -echtfertigen sind. Am besten arbeiten beim Entwürfe einer olchen Restauration ein Palaeontologe und ein Thiermaler -usammen, wie das auch schon öfters geschehen ist. Die Zeichnung eines vollständigen Skelettes macht den Anfang, )ie einzelnen Knochen werden am besten in ihrer natürlichen Iröße in der richtigen Ansicht auf Papier gezeichnet, aus- zeschniiten und auf einer Tafel angeheftet, eine Methode, welcher sich auch z. B. Professor O. C. Marsh in New- Haven bei dem Entwürfe seiner ausgezeichnet restaurirten Skelette von Dinosauriern bediente. Der Vorthcil ist der.

. Samstag, faen u f^ff*f e I l ^ r ^899. ( _ oiiTigen au g^^ ren gu können, bis eint ^^^ möglichst natürliche Lage resp. Stellung öer Knochen er-

reicht ist. Man wird von dem Knochenmaterial aus­gehen, das so viel als möglich zu einem einzigen Indivi­duum gehört und wird dann das Skelett nach anderen Individuen,' eventuell im Nothfalle nach anderen verwandten recenten oder fossilen Arten, ergänzen. Beim Bekleiden dieser Skelette mit den Muskelmassen, d. h. mit Fleisch, sowie mit Haut und Haar ist die Analogie mit den ver­wandten lebenden Formen natürlich in erster Linie maß­gebend, doch über Lage, Größe und Entwicklung der Musku­latur gibt ja das Skelett selbst, welches die Stützpunkte der Muskulatur bildet, viele Auskunft. Was die Behaarung, die Bedeckung mit Hautknochen oder Schuppen resp. Federn betrifft, so sind von diesen allein die Hautknochen direkt und die Schuppen, zuweilen im Abdruck, fossil vorhanden; was das Uebrtge betrifft, so muß uns hier die Analogie mit lebenden Formen leiten, denn nur selten kennen wir die cs fnfrtTwc Tbiere wie bei den Mammutb- und Rhino-